„Far Cry 6“ im Test: Altbekannt aber gut gemacht

Am 7. Oktober 2021, also vorgestern, ist Ubisofts neuer Triple-A-Shooter „Far Cry 6“ erschienen. Ich hatte allerdings schon etwas früher Gelegenheit, mich einzuspielen, da ich vom Publisher einen Review-Code erhalten habe. Wer hier schon etwas länger im Blog mitliest, der weiß, dass mir damals schon „Far Cry 5“ viel Spaß gemacht hat. Der Nachfolger wurde insbesondere mit der Mitwirkung des Schauspielers Giancarlo Esposito aggressiv vermarktet. Mein Urteil zum Spiel ist dabei durchaus vielschichtig, wie euch dieser Test verraten wird.

Ich habe bisher jedes „Far Cry“ gespielt – nun ja, fast jedes. Einzig „Far Cry Instincts“ an der Xbox ließ ich damals aus. Mein bisheriger Favorit ist wirklich Teil 5, der die Formel meiner Ansicht nach perfektionierte. Genau das ist dann auch ein wenig das Problem des Nachfolgers. „Far Cry 6“ fügt dem wenig Neues dazu und was es ergänzt, ist wenig gehaltvoll. Doch kommen wir zunächst zur Grundgeschichte um den Guerilla Dani Rojas. Ihr wählt dabei anfangs aus, welches Geschlecht die Figur haben soll – entsprechend sind dann auch die Dialoge vertont.

Dani ist eine Waise, die recht abrupt in seiner Heimat Yara, einem karibischen Inselstaat, in den Krieg der Widerstandskämpfer gegen den tyrannischen Präsidenten Antón Castillo gezogen wird. Diese Grundgeschichte gerät aber schnell in Vergessenheit, wenn man sich mit tierischen Begleitern wie einem Robo-Hund, einem Krokodil oder sogar einem chronisch wütenden Hahn in die Feuergefechte stürzt. Dabei holt sich „Far Cry 6“ mit seiner abgedrehten Inszenierung auch etwas Inspiration von „Just Cause“, da es sich lohnt, militärische Ziele wie Konvois, Flugabwehrgeschütze oder Checkpoints dem Erdboden gleichzumachen.

So erhaltet ihr dadurch regelmäßig neue Waffen, Materialien zur Aufrüstung eures Arsenals oder neue Schnellreisepunkte. Auch steigt Dani dadurch im Level auf und kann somit etwa bessere Waffen bei seinen Guerilla-Partnern kaufen. Neu ist hier auch eine Art „Smart Bomb“ in Form eines Kanisters, den Dani auf dem Rücken trägt. Wurden genug Feinde über den Haufen geballert, lädt diese Waffe sich auf und ermöglicht euch dann eine besonders mächtige Attacke wie einen Bombenangriff oder das Verschießen von Gift, das Feinde aufeinander hetzt.

Zudem gibt es auf mehreren kleinen Inseln, die zu Yara gehören, unterschiedliche Missionsgeber mit eigenen Stützpunkten. In jenen errichtet ihr zusätzliche Gebäude / Händler, um etwa bessere Jagdausrüstung zu kaufen oder neue Waffen zu erstehen. Eine weitere Mechanik besteht darin, dass ihr in der Spielwelt neue Kämpfer befreien und rekrutieren könnt. Manche von ihnen werden gar zu Anführern. Jene könnt ihr dann auf Missionen schicken und somit neue Ausrüstung oder Materialien erbeuten. Das wird aber rasch etwas monoton: Die Missionen enden nach gewissen Wartezeiten, beispielsweise einer Stunde. Anschließend erteilt ihr dann ein paar kleine Anweisungen – z. B. gegen Ende der Mission eine Bombe zu legen oder Feinde im Schleichen auszuschalten. Dies sind reine Textfenster. Die Entscheidungen beeinflussen jedoch, ob einige eurer Guerillas das Zeitliche segnen und wie eure Beute ausfällt.

Klingt zunächst komplex, ist aber eine Randbeschäftigung, die ihr auch komplett vernachlässigen könntet. Ebenso verhält es sich mit den Special Missions, die teilweise nur temporär verfügbar sind und auch im Koop gezockt werden können. Man wird im Spiel aber sowieso mit viel gleichartiger Ausrüstung überhäuft. „Far Cry 6“ ist zudem kein Loot-Shooter, es gibt ein recht festes Arsenal und die Waffen, die man so erhält, unterscheiden sich zwar in Schaden, Rückstoß und Co., fühlen sich aber am Ende nur geringfügig anders an. Ich selbst hantierte sehr lange mit der ersten Schrotflinte und einem Scharfschützengewehr, weil dies meist ausreichte. Den Rest erledigte ein tierischer Partner, eine Raubkatze, die ich aus der Ferne auf Gegner hetzen konnte, weil sie alle im Schleichmodus ausschaltete.

Generell sind die Tiere, die euch begleiten, nachdem ihr sie in der Spielwelt aufgestöbert und durch Missionen freigeschaltet habt, arg übermächtig. Manche Stützpunkte und Checkpoints musste ich gar nicht selbst betreten, um sie zu säubern. Ich taggte alle Gegner aus der Ferne und meine animalischen Freunde erledigten nach einem Kommando den Rest. Dabei gibt es auch nur zwei Schwierigkeitsgrade: Einerseits den Story-Modus, der für absolute Anfänger gedacht ist und andererseits den Action-Modus. Letzterer ist ebenfalls nicht besonders schwer und wurde von mir genutzt.

Getestet habe ich „Far Cry 6“ an der Xbox Series X. Verschiedene Grafikmodi gibt es nicht, der Titel läuft mit 60 fps ohne Ray-Tracing (das bleibt der PC-Version vorbehalten) in dynamischem 4K. Auffällig ist dabei das Pop-in-Verhalten. Beispielsweise ist die Vegetation einerseits sehr dicht, andererseits erkennt man aber deutlich wie z. B. die Schatten sehr eng im direkten Radius des Spielers eingeblendet werden. Hier machen sich die Ursprünge in der letzten Konsolengeneration bemerkbar. Dafür gibt es viele detaillierte Texturen, eine beeindruckende Weitsicht und weitgehend stabile Performance. Manchmal stieß ich aber auf einen Bug, der die Framerate temporär zum Stottern brachte, bis sich alles nach ca. 20 Sekunden normalisierte.

Auch sonst täte „Far Cry 6“ noch etwas Feinschliff gut. Ab und an konnte ich mit Personen nicht reden, da sie nicht reagierten, selbst wenn ich den dafür notwendigen Button lange gedrückt hielt. Auch das Herumstehen mitten in der Luft beherrschen manche Charaktere wie Superman. Keine Angst, ein „Cyberpunk 2077“ liegt hier nicht vor, doch etwas an den Ecken und Kanten feilen dürfte Ubisoft gerne.

Die Geschichte von „Far Cry 6“ tritt dabei, wie bereits erwähnt, schnell in den Hintergrund. Missionsbeschreibungen klickte ich nach den ersten Spielstunden rasch weg, da am Ende doch das Ergebnis „Schieß alles über den Haufen“ lautete. Zumal die Charaktere allesamt recht vergessenswert sind. Giancarlo Esposito sticht natürlich heraus, tritt aber nach einem großen Auftritt zu Anfang des Spiels danach erstmal mehrere Stunden nicht mehr auf. Stattdessen ist man mit seinen farblosen Lakaien beschäftigt. Hier war der Cast von „Far Cry 5“ um die Seed-Familie dann doch schillernder.

Protagonist Dani darf sich zudem zwar nun mehr zu Wort melden und an der Story beteiligen, hat bis auf ein paar flapsige Sprüche aber keine echte Persönlichkeit. Daher überwiegt am Ende die Ubisoft-Formel und bestimmt den Gesamteindruck: Man klappert feste Ziele auf der Karte ab und steckt eben mal eine Flugabwehrwaffe in Brand, erobert einen Außenposten oder hilft anderen Widerstandskämpfern, Vorräte zu erbeuten. Diese Nebenmissionen wiederholen sich schnell. Zumal die Hauptmissionen ebenfalls relativ einförmig ablaufen. Da steht dann zwar eine andere Überschrift drüber, am Ende läuft es aber darauf hinaus, einen Ort auf der Karte zu erreichen, ein Fahrzeug zu stehlen, Gegner auszuknipsen oder im Extremfall eine Person zu retten. Das alles kennt man aus den Vorgängern.

Zwar kann man sich mit dem Jagen von Tieren oder dem Sammeln von Ausrüstung ablenken, doch auf das Gameplay haben die Belohnungen zu wenig Einfluss. Am mächtigsten sind Spezialwaffen, welche die Balance des Spiels komplett kippen. Als ich etwa eine Art Elektro-Blaster freispielte, der zugleich auf Fahrzeuge eine EMP-Wirkung hat, holte ich jeden zuvor bedrohlichen Helikopter direkt aus dem Himmel. Sehr kreativ sind aber die Schatzjagden, die einem besondere Waffen als Belohnung geben. Mal muss man da einem Pelikan folgen, ein anderes Mal ein kleines Rätsel in einer Höhle lösen, die angeblich durch einen Fluch belastet ist.

Insgesamt verhält es sich aber so: Habt ihr „Far Cry 5“ gespielt, dann kennt ihr auch „Far Cry 6“. Das muss nichts Schlechtes sein: Immer noch macht das Gameplay Laune und man kann sich in einer idyllischen Flora und Fauna austoben. Die neuen Gameplay-Elemente, wie der Bau zusätzlicher Händler, sind aber eigentlich nur Blendwerk. Letzten Endes sammelt ihr dafür Ressourcen wie Benzin und Metall auf und könnt eben neue Waffen ergattern oder Standorte bestimmter Tiere erfahren. Auch wenn hier also Revolution zentrales Element der Handlung ist, bleibt das Gameplay sehr konventionell. Eventuell würde dem Franchise nun eine Frischzellenkur gut zu Gesicht stehen, wie sie einst „Assassin’s Creed“ mit „Asassin’s Creed: Origins“ wagte.

Positiv gilt festzuhalten: Wer ein ähnliches Spiel wie „Far Cry 5“ mit neuem Setting und modernerer Technik erwartet, der bekommt genau das. Und man kann hier in der üppigen Spielwelt für viele Wochen Spaß haben. Wer aber mehr Abwechslungsreichtum sucht, um aus dem bekannten Ubisoft-Gameplay-Loop auszubrechen, der dürfte enttäuscht sein. Mir persönlich macht „Far Cry 6“ mit seinen wüsten Ballerorgien viel Spaß, es ist aber eben ganz klar ein „Fast Food“-Spiel: Einsteigen, Spaß haben – wieder vergessen.

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16 Kommentare

  1. Wieso nennt man den Hauptcharakter Dani Rojas!? Jetzt muss ich beim spielen immer an Ted Lasso denken

  2. Irgendwann reicht „Hirn aus“ nicht mehr aus… zu Stumpf ist irgendwann zu viel.

  3. Danke für Deinen ersten Eindruck.

    Also eher ein „irgendwann mal“ Spiel wenn es das Ding für 20 Euro im Angebot gibt.

  4. Stefan Weiß says:

    Dein letzter Satz trifft es ganz gut.
    Ich habe es für umme bekommen auf Grund meiner AMD CPU.
    Geld dafür ausgeben würde ich ganz sicher nicht.

  5. Der übliche einheitsbrei von Ubisoft. Da warte ich mal bis es für 10 oder 5€ im Angebot ist

  6. Mir gefällt es sehr gut. Von der Umgebung her find ich’s schöner als das Ami-Land aus 5. Teil. Die Welt aus Far Cry 6 ist gefühlt die zivilisiere und modernere Welt von Far Cry 3.

    Klar, an die „Kindheitserinnerungen“ und Nostalgie an Far Cry 3 kommt’s nie ran.

  7. Mir gefällt das Spiel bisher gut, aber schön langsam holt sich die Reihe für meine Geschmack zu viele Ideen aus dem Just Cause Regal.

  8. Ich fand die Vergleiche mit Far Cry 2 immer sehr schön. Jedes Far Cry war ja technisch iwie schlechter als der zweite Teil (im Detail). Das war damals ja technisch wirklich toll und hatte viel zu bieten. Wobei das auch heute noch vieles übertrifft in seinen Finessen. Alles hatte irgendwie noch Sinn und die Entwickler wollten was. Alleine so Kleinigkeiten, dass Geschosse zum Boden zurückfallen (Raketen im Himmel kamen auch wieder runter) und wie sich der Brand ausbreitet. Das ist bis heute einfach ungetoppt.

    https://www.youtube.com/watch?v=FCeEvQ68jY8

    Jetzt ist es dieses Baukasten-Spiel, was nicht einmal mehr wirklich gut aussieht und einfach nur abgedrehter Ballermist für Teenager ist. Ist okay, aber ich komme halt noch aus der Zeit, wo Videospiele mehr waren und sein wollten als ein Just Cause. Außer halt Just Cause 🙂

  9. Missionsbeschreibungen klickte ich nach den ersten Spielstunden rasch weg, da am Ende doch das Ergebnis „Schieß alles über den Haufen“ lautete.

    Kann man gar nicht besser formulieren.

  10. NanoPolymer says:

    Mein letzter Titel war FC5 und davor FC3, dazwischen liegen 5 Jahre. Die Parallelen spürt man, wenn auch nicht mehr so stark. Das ist halt so ein typischer AAA Titel wo von Teil zu Teil gefühlt nur die Optik geändert wird.

  11. Habe alle Far Cry Teile gespielt, inkl. Primal und New Dawn. Far Cry 6 ist einfach monströs was die Welt angeht. Mit Rang 9 gerade mal ungefähr 2/3 der Inseln betreten, immer wieder poppen neue Sidequests auf. War auch schon einmal in Esperanza und habe Anton Castillo’s Son Diego gegenübergestanden – aber ich spoiler mal nich 🙂

    Macht ne Menge Laune das Spiel. Auch diese EMP-Waffe habe ich, bei der ich auch so per Zufall die Wirkung auf Helis und auch Panzer herausgefunden hab. Es zerstört diese nicht, Helis fallen quasi vom Himmel, bleiben aber intakt – Panzer kann man danach hijacken oder uzerstören wenn man will.

    Gleich mal wieder daddeln 🙂

  12. Ach was, schon released? Der Vorgängerteil war auch super. Direkt mal den neuen runterladen 🙂

  13. Ich schätze, ich hab das Spiel in 2 Monaten durch. Habe mir also Ubisoft+ auf Stadia gebucht für 18 € im Monat. Macht in 2 Monaten 36 €. Neu kostet es 59 €, in dem Monatspaket krieg ich sogar die 99€ Version. Und mi Stadia natürlich High End Grafik bei geringem Stromverbrauch zuhause. Ich denke, das ist ein guter Deal.

    Sind wir mal ehrlich: Wer spielt das Spiel denn noch, wenn man mal 100% erreicht hat? Finde die Abo Möglichkeit echt top 🙂

  14. Ich schätze, ich hab das Spiel in 2 Monaten durch. Habe mir also Ubisoft+ auf Stadia gebucht für 18 € im Monat. Macht in 2 Monaten 36 €. Neu kostet es 59 €, in dem Monatspaket krieg ich sogar die 99€ Version. Und mit Stadia natürlich High End Grafik bei geringem Stromverbrauch zuhause. Ich denke, das ist ein guter Deal.

    Sind wir mal ehrlich: Wer spielt das Spiel denn noch, wenn man mal 100% erreicht hat? Finde die Abo Möglichkeit echt top 🙂

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