Facebook überwacht Nutzer, die das Netzwerk als gefährlich einstuft

 

Vielleicht denkt manch einer bei der Überschrift zynisch: „Facebook überwacht doch alle seine Nutzer“ und läge damit, was das Datensammeln betrifft, durchaus nicht verkehrt. Allerdings hat das soziale Netzwerk offenbar ganz genau ein Auge auf User, welche mal Drohungen gegen Facebook selbst oder dessen Mitarbeiter ausgesprochen haben. Da behält man etwa auch die zur Verfügung gestellten, ortsbasierten Daten genau im Blick.

So gab es Anfang 2018 einen Vorfall, bei dem ein Nutzer in Europa eine Drohung aussprach und sich tatsächlich im selben Land befand, wie die Büros, die er angeblich gerne in Bedrängnis bringen würde. Das ermittelte Facebook durch einen genaueren Blick auf dessen Nutzerdaten und verständigte dann die Behörden. Mittlerweile stellen aber laut CNBC einige Mitarbeiter die Maßnahmen bei Facebook in Frage und beschrieben sie als „sehr Big-Brother-mäßig„.

Facebook selbst betrachtet seine Vorgehensweise als gerechtfertigt. In einer Stellungnahme gab man zu Protokoll, dass man die Privatsphäre der Nutzer ernst nehme (auch wenn so mancher Skandal des letzten Jahres diese Aussage etwas ironisch wirken lässt) und sich an geltende Gesetze halte. Facebook nutzt dabei offenbar intern eine sogenannte BOLO-Liste (Be On the LookOut), die einmal in der Woche aktualisiert wird. Auf der Liste merkt sich Facebook sozusagen User, welche als potentiell gefährlich gelten.

Diese Praxis ist einerseits verbreitet, da auch andere Unternehmen Listen über Personen führen, die der jeweiligen Firma bereits gedroht haben. Andererseits ist bei Facebook das Ungewöhnliche, dass das soziale Netzwerk die Kandidaten selbst ermitteln kann, wenn sie bei Facebook auffällig wurden. Wer also mal unter einem Post von Mark Zuckerberg oder Sheryl Sandberg einen wütenden Besuch bei Facebook angekündigt hat, landet sicherlich rasch auf der BOLO-Liste.

Laut ehemaligen Mitarbeitern sei es gar nicht so schwer, auf der Liste zu landen: Bereits ein „F*** you, Mark“ oder ein „F*** Facebook“ könnte zu einem Eintrag führen. Da entscheidet Facebook offenbar auch nicht nach klaren Richtlinien, sondern von Fall zu Fall. Aktuelle Facebook-Sprecher bestreiten jene Aussagen aber. Laut ihnen reagiere man nur bei eindeutigen Bedrohungen.

Es sollen sich aber beispielsweise auch ehemalige Facebook-Mitarbeiter auf der Liste finden, wenn sie im Unternehmen unangenehm aufgefallen sind bzw. beim Abgang von ihren Kollegen für die BOLO-Liste vorgeschlagen wurden. Auch hier gibt es Kontroversen, denn ein anonymer Facebook-Mitarbeiter behauptet, grundsätzlich lande jeder ehemalige Mitarbeiter auf der Liste, sollte er entlassen worden sein.

Selbiges gelte angeblich auch für enttäuschte Vertragspartner, deren Verträge auslaufen. Insgesamt taucht dabei immer wieder der Vorwurf auf, dass Facebooks BOLO-Liste sehr subjektiv geführt werde. Etwa solle es Situationen gegeben haben, bei denen Facebook Ex-Mitarbeiter wieder habe anwerben wollen, weil jene aber auf der BOLO-Liste standen, erschien zunächst der Sicherheitsdienst mit großem Aufgebot, als sie sich auf dem Firmengelände zum Bewerbungsgespräch einfanden.

Wer auf der BOLO-Liste steht, dessen ortsbasierte Daten werden über die Facebook-App besonders genau im Auge behalten. Offenbar trackt Facebook hier aber nur ausgiebig, wenn tatsächlich Drohungen, etwa für Amokläufe, ausgesprochen wurden. Oft ende das Tracking auch schnell wieder: Drohe etwa ein Nutzer an Facebooks Hauptquartier in den USA zu attackieren, befinde sich aber in Usbekistan, dann sei voraussichtlich zunächst keine akute Bedrohung zu erkennen. Befinde sich der Nutzer aber tatsächlich in der Nähe, könne die Überwachung fortgeführt werden.

Allgemein ist das ein zwiespältiges Thema: Ich denke Facebook ist durch die vielen Skandale der letzten Monate aktuell in einer Position, in der kaum jemand dem Unternehmen noch einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten zutraut. Allerdings ist Sicherheit von Menschen, auch der Facebook-Mitarbeiter, ein wichtiger Aspekt. Heiligt der Zweck hier die Mittel? Schwierige Frage und auch ob und wie genau Facebook seine BOLO-Liste führt und die eingetragenen Personen überwacht, bleibt ja etwas vage.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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19 Kommentare

  1. Gibt das dann wieder so eine Diskussion…
    Beiträge mit Titten werden gelöscht, aber diffamierende und diskriminierende Hassbotschaften dürfen bleiben? Weil das eine gegen die Richtlinien verstößt, das andere nicht so sehr, weil es allgemeiner Hass ist? Oder so ähnlich war/ist ja die Argumentation, wenn es darum geht…

    EDIT:
    Will sagen: Willkür³.

    • Bitte was? Im falschen Beitrag kommentiert ? Artikel nicht gelesen? Will sagen: Ich bin verwirrt, weil der Kommentar sich auf nichts im Artikel auch nur im geringsten bezieht.

  2. Viel schlimmer als die Liste ist doch, dass Facebook nach Belieben einzelne / alle Nutzer überhaupt derartig überwachen *kann*!

    Wer nach so einem Artikel noch Facebook Produkte nutzt, dem ist nicht mehr zu helfen…

    • Das Facebook das kann, ist klar. Das Facebook das unbehelligt darf, ist das Schlimme.
      Lese gerade woanders, das die FTC wohl mal wieder an Facebook dran, aufgrund des Umgangs mit Privatsphäre. Eigentlich muss man nur noch 1 und 1 zusammen zählen.

  3. Peter Brülls says:

    Ah, okay. Fuck Facebook.

  4. Günther Grass says:

    Der neue Geschäftsführer heißer Erich Mielke!

    MfS =Mega Facebook Stasi

  5. Das ist nicht zwiespältig, das ist hochgradig kriminell, da FB kein Strafverfolgungsbehörde ist.

  6. „Laut ehemaligen Mitarbeitern sei es gar nicht so schwer, auf der Liste zu landen: Bereits ein „F*** you, Mark“ oder ein „F*** Facebook“ könnte zu einem Eintrag führen.„

    Dann muss die Liste verdammt lang sein… Fuck Facebook! +1! 😉

  7. Perspektivisch ist es durchaus sinnvoll, Facebook und Google als externe Dienstleister für die Geheimdienste/Polizei zu engagieren. Die spielen auf Augenhöhe mit dem NSA, Dienste wie der BND sind da bereits abgeschlagen. Beim Netzwerkdurchsetzungsgesetz hat man sich das schon zu nutzen gemacht, da kommt bestimmt noch was nach. Automatische Meldepflichten bei Hasspostings, Bewegungsprofil, Freundeskreis usw. Und dann verdient man auch noch Geld statt es zu verbrennen, wie bei Geheimdiensten sonst üblich. Diverse Dystopien rücken ersichtlich näher.

  8. Wer Facebook nutzt ist selbs schuld, bald werden Millionen wieder von WhatsApp abspringen, kein Boch meine daten FUCK FACEBOOK zu übergeben, so waren nie die Vertragsbedingungen die eh in der EU gegen geltendes Recht verstoßen. Ein Abschaltung dieser Dienste währe mir am aller liebsten, ideal Zwangsweise angeordnet.

  9. @Fraggle
    100%ige Zustimmung. Während die Geheimdienste ihr illegitimes (und bis vor einiger Zeit auch noch illegales) Treiben mittels Politik legalisieren können, handelt Facebook (und Google und Apple etc. pp.) nach wie vor offensichtlich kriminell und müsste (nicht nur deshalb) zerschlagen und aufgelöst werden.
    Dass eine einzelne Firma aber aufgrund ihres immensen (sowohl Finanz- aber auch Daten-)Kapitals so unangreifbar ist, dass sich keine einzige Behörde traut, solche Forderungen aufzustellen geschweige denn durchzusetzen, beweist einmal mehr, dass der Begriff Demokratie für unsere Gesellschaft(en) ein deutlicher Euphemismus ist, der halt einfach besser klingt, als die Korporatismus (vgl. „Corporatism“ – Naomi Klein), in die unser System offenkundig abgedriftet ist.
    Ein praktisches Beispiel ist die zahnlose Bedingung, die Facebook für den Aufkauf von Whatsapp „akzeptiert“ hat. Selbstverständlich werden die Daten verbunden (was aber jedem halbwegs aufmerksamen Beobachter des Facebook-Konzerns auch schon 2016 klar war). Und die Konsequenzen dafür werden entweder weiterhin nicht stattfinden, oder sich in einem für Facebook aus der Kaffeekasse bezahlbaren Rahmen halten.

    Es ist mir unbegreiflich, wie nach wie vor so viele Menschen die simplen Tatsachen nicht einmal ignorieren, sondern offensichtlich sogar billigen. Facebook hat 2,3 Mrd (Milliarden !) Nutzern was durchaus auch mit einem weichgespülten „Journalismus“ zu tun haben könnte, für den der obige Text ein hervorragendes Beispiel ist:

    „Allgemein ist das ein zwiespältiges Thema: Ich denke Facebook ist durch die vielen Skandale der letzten Monate aktuell in einer Position, in der kaum jemand dem Unternehmen noch einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten zutraut. Allerdings ist Sicherheit von Menschen, auch der Facebook-Mitarbeiter, ein wichtiger Aspekt. Heiligt der Zweck hier die Mittel? Schwierige Frage und auch ob und wie genau Facebook seine BOLO-Liste führt und die eingetragenen Personen überwacht, bleibt ja etwas vage.“
    Dieses Thema ist so eindeutig wie kaum ein anderes. Für die Sicherheit der Facebook-Mitarbeiter (wie übrigens für jeden anderen Menschen auf seinem Staatsgebiet auch) ist der Staat zuständig. In erster Linie damit legitimiert er sein Gewaltmonopol.
    Nach der hier angebrachten Logik kann ich mir ab morgen auch private Überwachungsinfrastruktur zulegen (vorausgesetzt ich habe genug Geld) und jeden überwachen, der mich auf der Straße schief angeguckt hat, weil ich mich von ihm bedroht fühle und seinerseits einen Gewaltakt fürchte!
    Ist die Abwägung darüber, ob das legitim ist, dann auch eine zwiespältige Sache ?

    In diesem Sinne: frohes Wochenende und Fuck Facebook !

  10. Warum sie das tun? Weil sie es können.

    Da will ich mich doch gerne anschließen: Fuck Facebook!

  11. Ich weiß schon warum ich nie Zuckerbergs Dienste genutzt habe.
    als die Übernahme von what’s app bekannt wurde habe ich den Mist gelöscht.
    Wie skrupellos diese Firma ohne Konsequenzen agieren kann ist einfach erschreckend.

    Ach fast vergessen

    Fuck Facebook. Fuck you Mark

  12. So ein Mist. Ich stehe anscheinend auch auf der BOLO-Liste. Habe meine echten Daten angegeben für eine Account Eröffnung.
    Account sofort gesperrt
    richtige Telefonnummer nachgereicht
    Account sofort gesperrt
    Ausweis nachgereicht
    Account sofort gesperrt
    Ist doch kein Problem haben meine Verwandten und Bekannten gesagt. Nimm einfach eine andere Email Adresse.
    gesagt getan
    Account sofort gesperrt
    Scheiß BOLO-Liste
    Mit Facebook kann ich meine Verwandten und Freude jedenfalls nicht erreichen. Na wenigstens mit WhatsApp.

    Jetzt schreien einige sicher sei froh. Aber wenn man tausende Kilometer entfernt wohnt weil man ausgewandert ist, möchte man schon mit einfachen Mitteln, die auch alle anderen nutzen, Kontakt halten, und das ist nun mal FB & Co.

    • Wahrscheinlich hast du mal Seine Majestät Herrn Zuckerberg kritisiert. Das ist ja nicht nur ein Überwachungsregime, sondern auch ein selbstherrliches Willkür-Regime.

      Bin ich jetzt auch auf der BOLO-Liste? 😉

  13. Wie denn wenn ich kein FB habe? Ich vermute jemand hat sich meine Daten mal ‚ausgeliehen‘ und Mist gebaut, und deshalb wird alles sofort geblockt wenn diese auftauchen.

  14. Andreas_Va says:

    Wurde alles vorhergesagt und als Verschwörungstheorien verspottet.
    *Popcorn holen geh*
    Facebook nicht nutzen ist die beste Lösung!
    Wer mit Menschen in der Ferne in Verbindung bleiben will, kann andere Plattformen nutzen (Beispiel: MeWe, Friendica, VK, usw…)!
    Und für die abhängigen Lemminge und Suchti’s (die nicht davon weg kommen wollen sondern stur dabei bleiben wegen ihrer vielen vielen vielen Kontakte welche ja nur Facebook nutzen wollen) empfiehlt sich:
    ALLE Apps vom Handy schmeissen!
    Facebook nur noch via Browser nutzen über die URL „mbasic.facebook.com“
    Am Browser Ortung, Microzugriff, Camzugriff usw… sperren!

    Wem dann der ganze klickibunti Komfort fehlt, der halt halt Pech und ist selbst schuld und braucht sich nciht beschweren!

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