Digitales Wohlbefinden: So funktioniert das Achtsamkeits-Feature in Android Pie

Digitales Wohlbefinden schreiben sich viele auf die Fahnen, man meint es ja nur gut mit den Nutzern. Instagram und Facebook bekommen es, andere App-Hersteller sagten auch schon zu – und auch iOS und Android bekommen die Funktion.

Was man damit machen kann? Schauen, wie lange man Zeit in Apps oder bestimmten Kategorien vertrödelt. Man soll sich selber regulieren, was bei wirklich Abhängigen sicher total gut klappt (haha). Das Thema wurde mal in den Medien hochgekocht, es gab Leute, die forderten, dass die Hersteller ja eine Verantwortung haben und so eine Funktion einbauen müssen. Schuld sind ja immer grundsätzlich die anderen, Verantwortung für sich selbst wird gerne abgeschoben und irgendwann wird ein Großteil der Menschheit aussterben, weil sie zu doof für irgendetwas ist und für jeden Müll eine (Lebens-)Anleitung benötigt. Aber ich möchte nicht abschweifen.

iOS 12 ist noch nicht final, dort habe ich mir das Ganze dennoch schon angeschaut. Google selber hat es mit dem „Digitalen Wohlbefinden“ zum finalen Release von Android Pie nicht geschafft, bietet aber ein Beta-Programm für Nutzer mit Pixel-Smartphone an. Kann man aber auch überspringen und sich direkt die APK laden, das Pixel mit Android 9.0 ist aber dennoch Voraussetzung.

Hat man die APK installiert – oder ist Teilnehmer am Beta-Programm, dann bekommt man keine separate App im App Drawer angezeigt, stattdessen findet sich das zur Stunde noch englischsprachige „Digitale Wohlbefinden“ als Digital Wellbeing in den Einstellungen.

Im Startscreen sieht man eine Übersicht, wie viel Zeit womit man verbracht hat. Dazu sieht man die Entsperrvorgänge sowie die Benachrichtigungen. Im oberen Bereich mit der angezeigten Zeit kann man auch auf ein Element klicken, um genauere Statistiken zu erfahren. Des Weiteren lassen sich App Timer einrichten und Benachrichtigungen auf App-Basis erreichen.

Startseite und Einzelansicht: Hier einmal die Startseite links und eine Einzelansicht links. Google visualisiert, was ihr wie lange machtet. Per Klick auf eine App seht ihr die stündliche oder tägliche Benutzung. In den Einstellungen auf der Hauptseite oder einer jeden App könnt ihr auch Zeiten definieren. Wer sich also selber regulieren will, der kann sagen: „Alles klar, Instagram nur 20 Minuten pro Tag“.

Als Beispiel bin ich mal in die Einstellungen von Chrome gegangen. Dort wählte ich den App-Timer aus und stellte diesen mal über den benutzerdefinierten (Custom) Timer auf 5 Minuten. Die rechte Seite des Screenshots zeigt die Möglichkeiten, die Benachrichtigungen auf App-Basis zu regeln, aber das funktioniert ja auch ohne „Digitales Wohlbefinden“.

Ist der Timer abgelaufen, dann bekommt man, sicher nicht überraschend, eine Benachrichtigung, dass die Zeit abgelaufen sei. Man könne es dann am nächsten Tag wieder versuchen, um 00:00 Uhr wird der Timer zurückgesetzt. Im App Drawer wird die entsprechende App ausgegraut, ist nicht verfügbar. Man müsste in die Achtsamkeits-Einstellungen der App und das Limit deaktivieren oder hochsetzen. Wie oben gesagt: Für echt Süchtige sicher keine Hilfe.

Die eben angesprochene Regulierung eurer Nutzung kann nicht nur über die oben beschriebene Möglichkeit realisiert werden, auch der untere Bereich der Startseite bietet die Option an. Ways to disconnect nennt Google dies. Hier kann man per flottem Klick direkt in das Dashboard springen, um App-Timer zu setzen. Ebenfalls kann man hier die Ansicht nach Screen Time, Benachrichtigungen oder Summe der App-Öffnungen einsehen.

Und dann gibt es da auch noch Wind down. Hier kann der Nutzer diverse Dinge regeln, die für einen erholsamen Schlaf sorgen sollen. Nachtlicht, Grayscale-Modus, Nicht stören-Modus – und eben dafür kann man auch Zeiten festlegen. Ich sag mal so: Das ist so eine Funktion, mit der ich nur wenig anfangen kann. Weil ich normalerweise auch vorher schon Nachtzeiten festlegen konnte, die verhindern, dass Dinge durchkommen. Aber so fällt halt alles weg, inklusive dem Vorhalten von Benachrichtigungen.

Des Weiteren müsst ihr unter Umständen wichtige Dinge bedenken (wie aber früher auch schon). Und dabei geht es nicht um die Anrufe von Kontakten, die auch in diesem Modus durchkommen dürfen. Ich will Prio-Apps festlegen, die immer aktiv sind und jeden Nacht- oder Nicht stören-Modus ignorieren. Hey, was ist mit den Alarm- und Kamera-Apps der Leute, die warnen sollen? Richtig, die wären auch stummgeschaltet.

Von daher müsst ihr mal schauen, dass ihr in die Benachrichtigungs-Einstellungen einer wichtigen App geht und dort festlegt, dass diese „Nicht stören“ deaktivieren darf. Das ging früher auch, ich erwähne es aber noch einmal separat: Im Falle von Nest (Kameras, Thermostate und Rauchmelder) ist es so, dass man die Option, die Alarme im Nicht stören-Modus zu aktivieren, auf den ersten Blick nicht sieht.

Man sieht in den Benachrichtigungs-Einstellungen reine Benachrichtigungen, die aber nur gesendet werden, wenn das Smartphone nicht im Nicht stören-Modus ist. Von daher muss man im Falle von Nest noch einmal auf „Alarme“ klicken um dann in den erweiterten Einstellungen zu aktivieren, dass sie auch bei „Nicht stören“ aktiv werden darf“. Wie oben erwähnt: Nicht neu, aber wenn Google das „Digitale Wohlbefinden“ verteilt, könnte es sein, dass mehr Nutzer diesen Modus nutzen und dabei vielleicht wichtige Apps stummschalten.

Wie oben schon erwähnt: Um mich zu mehr Achtsamkeit zu zwingen, wird das nicht taugen. Ich rede dabei aber lediglich von mir. Ob iOS, Android oder in irgendeiner App – ich zwinge mir keine App-Nutzungszeiten auf, weil wenn ich etwas will oder nach etwas süchtig bin, dann hilft mir so etwas nicht. Aber vielleicht seht ihr das ja komplett anders als ich. Lasst gerne hören.

Achtsamkeits-Features in Apps oder Systemen:

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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8 Kommentare

  1. Michel Ehlert says:

    So ein überflüssiger Pfierelfanz. Wer braucht das? Verantwortung fängt im Kopf an und nicht in irgend einem Samrtphone.

  2. Mich erinnert das an die ÖRs. Die haben ihre Internetauftritte ausgebaut und dann das als Argument verwendet die Gebühren zu erheben. So ähnlich sehe ich es mit dieser Anwendung, denn sie kann nun als Rechtfertigung der Überrwachung verwendet werden, schließlich müssen ja die Daten gesammelt werden um derartiges zeigen zu können.
    Der Hype wundert mich daher nicht, ich wage nur zu bezweifeln, daß er von Verbrauchern iniziiert wurde oder vielleicht doch eher kommerzielle Interessen dahinterstecken.

  3. Mein digitales Wohlbefinden könnte google ganz simpel mit einem Schalter erheblich verbessern: werte keine Daten von mir aus. Das darf auch gerne Geld kosten.

  4. InkognitoGER says:

    Ich sehe das schon als Sinvoll an. Die Daten sollten aber nur lokal auf dem Gerät gesammelt werden.
    Ich kann mir schon vorstellen, dass hier einige Interessante Werte zustande kommen, die einem so vielleicht nicht Bewusst waren und dann dafür sorgen können, eventuell seinen Konsum anzupassen.

    • Warum willst du deinen Konsum anpassen, wenn dich seine bisherige Form ja scheinbar in nichts behindert – da es dich bisher ja nie gestört hat?

  5. Großartig Sinn macht es in dieser Form nicht. Wenn es jedoch Passwortgeschützt und per Remote justierbar gemacht werden würde, wäre es vielleicht für Eltern interessant, die den Tablett/Smartphone Konsum von ihren Kindern so einschränken können. Z.B. die Wikipedia App darf beliebig genutzt werden, Spiele Apps aber nur eine Stunde am Tag.

    • Kinder Überwachungssoftware gibt es zu genüge, die muss Google nicht liefern.

      Mal davon abgesehen dass man sein Interesse an solchen Produkten auch einmal hinterfragen sollte.

      Wie soll ein Kind den Wert der Freiheit kennenlernen, wenn es vom Überwachungselternhaus direkt in den Überwachungsstaat entlassen wird.

      Es würde sicher nicht schaden, wenn wir wieder vertrauen lernen und nicht jeden Misst überwachen.

  6. Entertain Hans says:

    Verstehe jetzt so manches Problem nicht. Die Daten sind ja eh da, nur jetzt kann man sie einsehen.
    Glaubt ihr ernsthaft Apple erhebt solche Statistiken nicht? Oder irgendeine krude Linux distributatoin schnorchelt nichts ab?
    Träumer.

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