„Age of Empires II: Definitive Edition“ angespielt: Jetzt auch in 4K

Mal ehrlich: Wer „Age of Empires II“ nicht kennt, hat die letzten 20 Jahre PC-Gaming verpennt. So erschien das Spiel 1999 unter viel Rummel und mauserte sich schnell zum Favoriten vieler Strategiespieler. Bis heute ist der Titel quasi legendär, was dann auch bereits 2013 ein HD-Remaster nach sich zog. Nun schreiben wir das Jahr 2019 und eine weitere Neuauflage ist zu haben: „Age of Empires II: Definitive Edition“ unterstützt nun, bei moderaten Systemanforderungen, auch 4K / Ultra HD.

Ich selbst zocke eigentlich aktuell nur noch an PS4 Pro und Xbox One X, weil der PC für mich zu einem reinen Arbeitsgerät geworden ist. Microsoft hat mir allerdings einen Code zukommen lassen und da wollte ich zumindest mal einen kurzen Blick in das Spiel werfen. Da ich in den letzten Wochen viel Zeit in Games wie „Shenmue III“ oder auch „Star Wars Jedi: Fallen Order“ gebuttert habe, ging „Age of Empires II“ zu Unrecht ein wenig unter. Sehr gespannt bin ich da auf eure Meinung: Wird die neue Auflage des Klassikers dem Status von „Age of Empires II“ gerecht?

Eine lange Vorstellung des Spielprinzips spare ich mir. Alles was man wissen muss: „Age of Empires II: Definitive Edition“ ist ein Echtzeit-Strategiespiel, das viel Taktik erfordert. Doch was ist denn neu in der „Definitive Edition“?

  • Unterstützung für 4K Ultra HD
  • Komplett überarbeiteter Soundtrack
  • „Die letzten Khane“: Drei neue Kampagnen und vier neue Kulturen
  • Alle Inhalte des Grundspiels, der Erweiterungen und der HD-Edition

Um das Spiel zum Laufen zu bringen, benötigt ihr relativ bescheidene Hardware. Schon ein Intel Core 2 Duo oder AMD Athlon 64×2 5600+, eine Nvidia GeForce GT 420 oder AMD Radeon HD 6850 bzw. Intel HD Graphics 4000 und 4 GByte RAM reichen aus. Microsoft empfiehlt allerdings einen Intel Core i5 mit mindestens 2,4 GHz Takt oder einen vergleichbaren AMD-Chip, 8 GByte RAM und wahlweise eine Nvidia GeForce GTX 650 bzw. AMD Radeon HD 5850 sowie 8 GByte RAM. Dennoch sind das Anforderungen, die alles andere als hoch gegriffen sind.

Ich selbst bin mit einem Intel Core-i5 6600K, einer AMD Radeon RX 480 mit 8 GByte VRAM unterwegs – also auch nicht mehr das aktuellste System. An einem LG 27UD68P (hier mein damaliger Test) konnte ich das Spiel problemlos in 4K antesten und hatte auch keine Probleme mit der Leistung. Für mich eine durchaus angenehme Erfahrung, da mein Rechner sonst leider nicht für Games in jener hohen Auflösung tauglich ist.

Die neue Definitive Edition hat dabei das Artwork für das 4K-Alter fit gemacht, solltet ihr das Spiel aber in letzter Zeit nicht vor Augen gehabt haben, werden auch viele subtilere Veränderungen nicht auffallen. Denn Microsoft hat sich zurückgehalten und trotz der Modernisierung Look & Feel des Originals mit viel Feingefühl bewahrt. Die KI wurde allerdings etwas aufgewertet: Die Wegfindung ist verbessert worden, sodass ihr weniger Mikromanagement vor euch habt.

Zudem könnt ihr Dorfbewohner nun automatisch auf Bauernhöfen nachsäen lassen. Das ging früher nicht und so konnte es damals dazu kommen, dass eure Arbeitskräfte nach der Ernte Löcher in die Luft starrten, statt sich nützlich zu machen. Auch kann es euch nun nicht mehr so leicht passieren, dass ihr frisch auf den Plan getretene Soldaten auswählen wollt, um sie ins Feld zu schicken – dabei aber versehentlich einen Dorfbewohner mitstapfen lasst. Genau das ist mir damals in „Age of Empires II“ übrigens ständig passiert und hatte natürlich einen gewissen Comedy-Faktor, konnte aber auch nerven.

Der Gameplay-Loop ist bei „Age of Empires II: Definitive Edition“ aber unverändert geblieben. Ihr startet mit einem Dörfchen und lasst eure Dorfbewohner so lange herumhampeln, bis ihr ausreichend Ressourcen zusammengerafft habt, um eine wachsende Armee aufzubauen. Dabei müsst ihr die richtige Mischung aus Offensive und Defensive finden, denn ihr schickt nicht nur Truppen und Späher um das Land zu erkunden, sondern könnt auch selbst attackiert werden.

Wer einmal ein „Civilization“ gespielt hat, wird im Mikromanagement einige Ähnlichkeiten wahrnehmen, auch wenn die Reihe von Sid Meier rundenbasiert abläuft und „Age of Empires“ sich der Echtzeit-Strategie hingibt. Das führt auch dazu, dass das Spiel von Microsoft mehr Fokus auf Kämpfe legt. Jene können je nach Größe der Armeen zu einem sehr quirligen Gerassel werden. Da hilft immerhin die neue Zoom-Funktion, um sich einen besseren Überblick zu verschaffen.

Dabei könnt ihr auch selbst feindliche Städte mit Belagerungen gängeln oder müsst euch selbst jener erwehren. Glücklicherweise lassen sich die dafür notwendigen Maschinerien leicht zerdeppern – was allerdings auch eigene Vorstöße zu einem sehr taktischen Unterfangen macht. Falls ihr Mal nicht weiterkommt, hilft euch die Definitive Edition rasch aus – denn ihr könnte alle vorhandenen Kampagnen sofort starten und müsst sie nicht erst nach und nach freispielen. Wer lange nicht hereingeschaut hat oder völlig neu dabei ist, erhält mit der ersten Kampagne auch eine Art Tutorial, das behutsam in die Mechaniken einführt.

Was die Story betrifft, so gibt es vor und nach den Missionen erklärende Texte, erwartet hier aber nicht zu viel, denn im Kern handelt es sich eben immer noch um ein Game aus dem Jahr 1999. Ihr könnt dabei aber natürlich auch im Multiplayer gegen andere, menschliche Mitspieler ins Feld ziehen. Der Singleplayer-Content ist schier endlos, aber Mehrspieler-Partien sind natürlich das Salz in der Suppe.

So ist wohl zu erwarten, dass ein großer Teil der Community der HD-Version langsam aber stetig zur neuen Definitive Version wechselt. Aber so oder so: „Age of Empires II: Definitive Edition“ poliert das 20 Jahre alte Spiel gehörig auf, das damals dem ganzen Genre Impulse gab und mit Grund bis heute Fans ins Schwärmen bringt. Wer nur moderne Titel gewohnt ist, wird trotz der erweiterten Komfortfunktionen manche modernen Elemente vermissen – ist aber wohl auch nicht unbedingt Teil der Zielgruppe.

Meiner Ansicht nach macht „Age of Empires II: Definitive Edition“ jedenfalls viel Laune und ist für Fans des Spiels ja ohnehin ein Pflichtkauf. Wer den Klassiker gar nicht kennt, aber generell Echtzeitstrategie liebt, kann auch gerne einen Blick riskieren. Wer dem Genre aber mit einer gewissen Skepsis gegenübersteht, ist mit einem moderneren Einstieg, etwa einem der jüngsten „Total War“-Exemplare, wohl besser beraten.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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8 Kommentare

  1. Gerade Total War ist doch eine ganz andere Art von Strategiespiel, ohne Basis Bau etc. Finde daher die Erwähnung bzw. der Tipp nicht ganz passend als Alternative. Das sind zwei grundverschiedene Arten von spielen.

  2. Marcus Pfeil says:

    Läuft es wohl unter Parallels auf einem MacBook Pro 2013 Retina?

  3. Andre, du hast wohl nur die Standard-Edition gespielt ohne die Erweiterung „The Conquerors“.
    Dort gab es dann ein automatisches Nachsäen der Felder
    Der Vergleich mit Civilization hinkt. Ich habe beides sehr viel gespielt. Vergleichbar sind beide Spiele nicht. Das Mikromanagement von Civ findet sich in AoE nicht

    • Bei der Definitive Edition ist eine weitere Funktion hinzugekommen. Bei „The Conquerors“ konntest du eine gewisse Anzahl Felder im Voraus kaufen (hat den Holzvorrat sofort reduziert). Jetzt gibt es zusätzlich auch einen Toggle-Button mit dem du festlegen kannst, dass solange Holz da ist, jedes abgeerntete Feld wieder neu angelegt wird (kostet also erst wenn es benötigt wird).

  4. Schade, dass es dass nicht für die Xbox selbst gibt. Wie ist Dein Gamertag bei Xbox?

  5. 19,99€ bei Microsoft und Steam, hatte aber die 2013er version schon, und somit hat mir das bündel mittelalt + neu statt 29,99€ nur 14,99€ aus der Tasche gezogen.
    vllt für den ein oder anderen hier noch interessant 😀

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