Samsung auf der CES 2019: Technischer Ausblick auf die QLED 2019 und 8K

Schon auf den letzten beiden CES in Las Vegas hatte ich die Chance jeweils einem Technical Briefing mit Samsungs Ingenieuren aus Südkorea beizuwohnen. Außerdem ergab sich auch 2019 wieder die Chance auf ein Roundtable mit Samsungs Sales und Marketing Director für den Bereich TV / AV und Local Visual Office in Europa, Nathan Sheffield. Beide Termine brachten einige neue Informationen hervor, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Leider herrschte beim Technical Briefing, genau wie in den Vorjahren, Foto- und Videoverbot. Hier ging es unter anderem um das Thema AI Upscaling und auch Samsungs geplante AI Streaming Technology. Letztere entsteht aktuell in enger Zusammenarbeit mit Amazon und soll ein Ökosystem für 8K-Streaming vorbereiten. Dabei will man die Kompression noch effizienter gestalten, um Bandbreite zu sparen. Abermals betonte man zudem im Bezug auf das AI Upscaling, was niedriger aufgelöste Inhalte zu 8K hochrechnet, das alles offline am Gerät passiere. Es werden also keine Daten transferiert.

Außerdem brach man verbal erneut eine Lanze für 8K: Der Trend gehe weltweit in den Wohnzimmern hin zu höheren Bilddiagonalen. Das sei logisch, da sich dadurch die Immersion erhöhe. Doch für größere Diagonalen benötige man eben auch eine höhere Auflösung, um die Pixel unsichtbar zu halten. Allerdings ist die Auflösung bzw. die Pixeldichte natürlich nicht anders: Etwa sollen bereits die neuen QLED 2019 mit 4K-Auflösungen verbesserte Schwarzwerte und auch abermals verbesserte Blickwinkel bieten. Beides konnte ich bei einem Direktvergleich der QLED 2018 und der QLED 2019 auch vor Ort sehen. Muss man natürlich aber mit etwas Vorsicht genießen, denn beide Modelle schienen in verschiedenen Bildmodi zu laufen… Zumal die Panels der 2018er- und 2019er-Modelle identisch sind und die Verbesserungen nur durch die Chips und Software zustande kommen.

Kritisch bin ich bezüglich des AI Upscalings: Schon der Name ist dabei irreführend. Denn was man tatsächlich als KI bezeichnen könnte, hat eigentlich nichts mit dem TV und dem Verfahren zu tun, das direkt am Fernseher geschieht. Der skaliert eben einfach Bilder nach einem vorgefertigten Algorithmus hoch – wie eh und je nur unter einem marketingwirksamen Namen. KI nutzt Samsung vielmehr im Vorfeld, um das Procedere zu verbessern. Denn man glich tausende von Bildern in mehreren Auflösungen mit nativem 8K-Material ab, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Dieses gewaltige Datenmaterial konnte man nur über Automatisierungen und eben künstliche Intelligenz und Machine Learning bewältigen.

Die Ergebnisse, welche uns beim Technical Briefing überzeugen sollten, bewerte ich aber sehr zwiespältig. In vielen Aspekten waren die Resultate des AI Upscaling durchaus sehr beeindruckend. Details wurden besser betont, es gab weniger Artefakte und das Bild wirkte sauber und scharf. Allerdings ist letzteres auch ein Problem: Einige Bilder wirkten extrem überschärft, als ob man massives Edge Enhancement genutzt hätte. Schön anzusehen war das in jenen Fällen keineswegs. Da muss man also mal sehen, ob das AI Upscaling wirklich so eine Verbesserung ist, wie Samsung sich das wünscht. Luft nach oben ist da, aber die könnten die Südkoreaner durchaus nutzen: Denn es soll die Möglichkeit für Updates bestehen, um den Prozess am Gerät zu verbessern.

Laut Samsung sei es eine wesentliche Herausforderung, welche den TV-Markt der Zukunft prägen werde: Die Zuschauer wollen bei ihren gewohnten Sitzabständen einen Unterschied in der Bildqualität erkennen. Denn letzten Endes werden sich nur die wenigsten Käufer eines neuen 4K- oder gar 8K-Fernsehers deswegen näher an den TV setzen bzw. ihr Wohnzimmer umgestalten. Dessen sei man sich bei Samsung bewusst. Beispielsweise habe man deswegen eben besonders an den Blickwinkeln gearbeitet, die Schwarzwerte verbessert und gehe bei der Rauschfilterung vorsichtig vor. Es sei immer die Priorität Details zu erhalten – man filtere also lieber etwas vorsichtiger, als vorschnell Details zu entfernen.

Zudem habe man bei den kommenden QLED-Generationen auch die Detailwiedergabe in dunklen Bildbereichen optimiert. Die Ingenieure haben dabei betont, dass es sich nicht um künstliche Bildverbesserungen, sondern Optimierungen der Wiedergabe handele. Man komme also schlichtweg noch näher ans Original, um Cineasten zufrieden zu stellen. Tatsächlich empfand ich hier bei direkten Vergleichen aber das OLED-Bild als etwas dunkler, aber dennoch weiterhin natürlicher als an den neuen QLED. Dafür war bei den im Direktvergleich ausgestellten OLED-Modellen mehr Banding zu sehen.

Des Weiteren zeigte man mir auch noch einmal, wie sich die Fernseher via sowohl Amazon Alexa als auch Google Assistant bedienen lassen, um etwa den TV stumm zu schalten. Außerdem will Samsung Gamer ködern: Man rühmt sich im Gaming Mode eines bis zu dreimal niedrigeren Input Lags als die Konkurrenz. Auch das sind aber natürlich Angaben, die man mit etwas Vorsicht genießen muss. Deswegen sehe ich auch ein Feature wie den Dynamic Black Equalizer kritisch: Ähnliche Techniken kennt ihr vielleicht von Gaming-Monitoren.

Im Grunde wird das Bild künstlich aufgehellt und einige Kontraste angepasst. Dadurch erkennt man etwa in dunklen Bildbereichen besser Gegner und Ziele. Allerdings wirkt das Endergebnis auch sehr verwaschen und in vielen Spielen sollen aus stilistischen Gründen oder auch für das Gameplay manchmal auch Gegner nicht direkt erkennbar sein oder Areale schwarz bleiben. Im Ergebnis ist der Dynamic Black Equalizer vielleicht etwas für manche Multiplayer-Zocker, aber sicher nicht für Singleplayer-Titel – zumindest ist das meine Ansicht.

Die neuen QLED 2019 unterstützen VRR gegen Tearing und falsches Frame Pacing – in Kombination mit PCs oder aber einer Xbox One X. So ist auch Freesync 2 an Bord, welches Samsung ja ebenfalls bereits für Gaming-Monitore verwendet. Weiterer Fortschritt: die TVs zeigen nun klar an, wenn HDR10 oder aber HDR10+ aktiv ist. Das zeigt der TV sowohl im Menü an als auch beim Schalten auf einen Sender. Besonders hilfreich ist dies, wenn ihr Amazon Prime Video nutzt. Denn Amazon bindet zwar HDR10+ ein, weist dies aber nicht transparent für einzelne Titel aus. An den neuen Samsung QLED 2019 könnt ihr dann durch den Fernseher sehen, welche HDR-Technik zum Einsatz kommt. Kleine Info am Rande und keine Überraschung: An IMAX Enhanced hat Samsung hingegen kein Interesse.

Zum Thema 8K ergänzte Samsungs Nathan Sheffield im Übrigen, dass es weniger um Bezeichnungen und Auflösungen wie 4K oder 8K an sich gehe, sondern darum, insgesamt die besten TVs am Markt anzubieten. Das gelte sowohl für die Filmwiedergabe als auch für das Gaming. Deswegen sehe man in Micro LED beispielsweise die Zukunft, weil die Technik das Beste aus beiden Welten biete. Man versuche da sowohl die Laien als auch quasi die Nerds zu bedienen. Deswegen unterstützen auch die kommenden QLED 2019 wieder AutoCal von SpectraCal. Ich habe übrigens auch danach gefragt, ob Samsung Micro LED, wenn man die Technik denn schon als Weiterentwicklung von sowohl klassischen LC- als auch OLED-Displays ansieht, auch für Smartphones in Frage kommen könnte. Dazu wollte man aber keine Prognosen abgeben.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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10 Kommentare

  1. Zugegeben: Ich bin auch jemand, der über Leute den Kopf schüttelt, die noch einen Röhrenfernseher zu Hause stehen haben. Erst heute habe ich bei einer Bekannten mit Erstaunen vermerkt, daß da noch so eine alte Glotze steht. Scheint für sie kein Problem zu sein. 8K und ähnliche Sachen erscheinen allerdings selbst mir auch völlig überzogen. Selbst 4K vermisse ich nicht. Ich glaube, ich werde einfach alt.

  2. Wann kommt 3D wieder? Das aktive 3D zu Hause war wirklich ziemlich toll (ich rede nicht von lahmen Kino-3D) – dass das abgekündigt wurde, finde ich sehr bedauerlich. Ich hoffe inständig, dass das in den nächsten 2 Jahren wiederkommt – dann steht bei mir nämlich auch eine Erneuerung der TV-Technik an und auf 3D will ich eigentlich nicht mehr verzichten.

    Schon lustig, wenn die Marketing-Fuzzis meinen, man bräuchte immer größere Bilddiagonalen für ein „immersives Erlebnis“, dabei ist das mit gutem 3D-Bild auch mit Bildschirmdiagonalen kleiner als 85 Zoll zu haben. Und ob man dafür wirklich 8K braucht, wage ich auch zu bezweifeln.

  3. Es gibt bisher nur Demokanäle in 4K, jetzt soll 8K die Leute zum Kauf animieren? Ich habe bereits einen 4K Tv, der auch gut HD und SD Material hochskaliert, der erste 8K von Samsung soll damit Probleme haben. Momentan ist HD „Standart“ -manche haben noch nicht mal das-, dass muss in 8K hochskaliert werden, dass es da zu Problemen kommen kann ist irgendwie klar. Momentan brauche ich keinen 8K TV, solange das normale Fernsehen noch nicht mal 4K anbieten, sowieso nicht. Trotzdem wird es bestimmt wieder beeindruckende Bilder auf den neuen TVs zu sehen geben, schade dass das Fernsehen es nicht für nötig hält mit der Technik zu gehen.

    • Es geht beim 8k eigentlich nur darum, dass das Gerät hochskaliert. Und ich habe mir den neuen 8K schon längere Zeit angeschaut… er zaubert sogar aus 4K Youtube Videos und beindruckendes Bild. Es ist doch auch logisch, dass man mehr Pixel benötigt, wenn die Geräte immer größer werden, sonst würde man ja einen großen Rückschritt in der Pixeldichte machen. Also bis 40 Zoll HD, 40-55 4K und ab 65 macht halt 8K Sinn.

  4. Die Software auf den Kisten ist ein Graus. Insbesondere der TV-Guide, Werbeinblendungen und die TV-Plus Option:

    https://eu.community.samsung.com/t5/TV-Audio-Video/TV-Plus-App-endg%C3%BCltig-l%C3%B6schen/td-p/371883/page/63

    Unterm Strich funktioniert nichts zu 100 Prozent. Samsung kann viel aber nichts richtig und wenn die Kisten nur noch mit Internetanschluss funktionieren ist Samsung bei mir raus.

    Würde ein dummes Panel mit gutem Ton und schlanker nicht smarter Software favorisieren…

  5. Was ich nicht verstehe: lt. heise gibt es bei den 8K Fernsehern überhaupt keinen 8K-tauglichen Anschluß, sollte es dieses Jahr sowas mal geben. D.h. ich kaufe mir jetzt einen 10.000 EUR Fernseher und dann 2020 einen 8K-Zuspieler, dann wird dieser nicht mit dem 8K Fernseher kompatibel sein. Was soll das?

    • Hat Samsung dafür nicht diese austauschbaren Boxen?

      • Kann sein. Hatte ich im Artikel zu dem Fernseher nicht gelesen. Aber das würde ja Sinn machen, wenn Samsung dann einfach neue Anschlußboxen den Kunden nachliefert.

        • André Westphal says:

          Laut Samsung wolle man „eine charmante Lösung“ anbieten und es wird auch bei den 8K-TVs eine Art One-Connect-Box geben, also die kann man dann wohl austauschen.

          Technisch ist eben dennoch die Frage, ob sich das lohnt: Aktuelle 8K-TVs werden natürlich veraltet sein und Features vermissen lassen, wenn es denn mal wirklich 8K-Content gibt und sich das ganze mehr lohnt. Kann man mit den ersten 4K-TVs vergleichen, die etwa alle kein HDR boten und aus heutiger Sicht auch nicht gerade das Wahre sind – damals aber für exorbitante Preise angeboten wurden.

  6. Nun, bei 8k ist nicht unser Markt der entscheidende. Japan spielt hier eine viel größere Rolle. NHK hat am 1. Dezember den ersten 8k (22.2 Audio) Fernsehkanal freigeschaltet. Zur Zeit wiederholen sie viel von dem was sie haben. Viele Programme gibt es noch nicht in 8k. Die Olympischen Spiele in Tokio wird NHK wieder in 8k übertragen.

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