„Kingdom Hearts III“: Disney-Abenteuer mit viel Herz angespielt

Manch einer mag sich die Augen reiben, denn fast mauserte sich „Kingdom Hearts III“ zu einem neuen „Duke Nukem Forever“. Mit einem Abstand von ca. 13 Jahren zwischen „Kingdom Hearts II“ und dem just veröffentlichten dritten Teil hat man Fans eine lange Durststrecke zugemutet. Zwischendurch erschienen allerdings zahlreiche Prequels und Spin-Offs, so dass es für Laien fast danach aussehen mag, als müsste man ein Studium absolvieren, um die weitschweifige Story der Serie zu begreifen. Ich habe als ziemlicher Serien-Neuling „Kingdom Hearts III“ angespielt und schon jetzt sehr viel Spaß mit dem neuen Action-RPG gehabt.

Dabei will ich euch keinen Schmarrn erzählen: Durchgespielt habe ich diesen doch recht epischen Abschluss der Geschichte von Serien-Protagonist Sora noch nicht. Freundlicherweise hat mir Square Enix zum Release am 29. Januar einen Code für die Xbox One geschickt. Aber in wenigen Tagen rockt man so einen Titel eben auch nicht durch – oder zumindest ich habe das nicht in der kurzen Zeit geschafft.

„Kingdom Hearts“ sowie den Nachfolger habe ich übrigens parallel für die PS4 gerade noch rechtzeitig im Set „Kingdom Hearts HD 1.5 & 2.5 Remix“ ergattert. Derzeit ist dieser Titel nämlich bei vielen Händlern wie Saturn, Media Markt und Amazon.de (außer Marketplace) ausverkauft. Da bin ich so ein Typ, der ungern halbe Sachen macht – die Spielereihe hat mich schon immer interessiert, also wollte ich voll einsteigen. „Kingdom Hearts HD 2.8 Final Chapter Prologue“ hatte ich schon vor Urzeiten mal günstig in einem Sale mitgenommen und nur kurz angespielt. Denn das war, wie ich im Nachhinein begriff, wohl der denkbar ungünstige Einstieg in das Franchise.

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Video-Link: https://youtu.be/WuDUeMwYols

Doch wie sieht es denn da mit dem dritten Teil aus? Also als Laie kann ich sagen, dass ich sicher anders als das Spiel herangehe, als jemand, der bereits seit Jahren mit Sora, Goofy, Donald und Co. mitgefiebert hat. Allerdings findet sich direkt im Hauptmenü nicht ohne Grund das Erinnerungsarchiv, welches die bisherige Story sehr komprimiert, gut verständlich und liebevoll erzählt auf den Punkt bringt. Da hat man sich wirklich Mühe gegeben neue Fans ins Boot zu holen. Natürlich gibt es bei YouTube auch deutlich detailliertere Zusammenfassungen von Fans, aber nicht jeder hat Bock sich möglicherweise stundenlang mit der Vorgeschichte zu seinem neuen Game zutexten zu lassen. Meiner Meinung nach hat Square Enix mit dem Erinnerungsarchiv und den insgesamt rund 20 Minuten langen Videos schon eine tolle Lösung gefunden.

Lasst euch also nicht abschrecken: In vielen Reviews oder Foren sprechen andere davon, dass die Handlung von „Kingdom Hearts“ total verworren sei. Das stimmt genau so wenig, als wenn man das über das Marvel Cinematic Universe behaupten würde. Da erwartet ja auch niemand, dass er etwa beim kommenden „Avengers – Endgame“ einsteigt und direkt den perfekten Durchblick hat. Wenn ein Franchise mit seiner Geschichte schon über Jahre läuft, dann ist es nur logisch, dass ein Neuling ein paar Reinholer braucht – andernfalls wären ja auch alle vorherigen Ereignisse bedeutungslos.

Selbst wer aber direkt loszockt, versteht zumindest die Grundlagen: Hauptcharakter Sora und seine Freunde wie Goofy und Donald Duck müssen den Schurken Xehanort stoppen, damit kein neuer Krieg ausbricht. Dafür reisen sie durch verschiedenste Welten, in denen Sora auch verlorene Kräfte zurückgewinnen muss, um für den finalen Kampf gerüstet zu sein. Ist also im Kern gar nicht so kompliziert, wie man denkt. Klar, da gibt es einen Haufen drumherum, aber dröselt man es auf, geht es hier um den klassischen Kampf Gut gegen Böse sowie eine tiefe Freundschaft, die Sora und seine Mitstreiter nun am Ende ihrer Reise verbindet.

Was ich als Fan von „Final Fantasy“ etwas schade finde: Ältere Games der Reihe jonglierten mit sowohl Charakteren aus der RPG-Serie von Square Enix als auch Disney-Figuren. Da begegnete man also Recken wie Cloud Strife, Squall Leonhart oder Aerith genau so wie Tarzan, Mickey Maus oder Arielle. In „Kingdom Hearts III“ wiederum hat man den Fokus absolut auf Disney verlagert, denn klassische „Final Fantasy“-Charaktere bleiben bis auf die Moogles draußen.

Als Trösterchen wagt man sich nicht nur in Welten passend zu Animationsfilm-Klassikern wie „Hercules“, sondern trifft auch auf Buzz Lightyear und Woody aus „Toy Story“, Flynn Rider aus „Rapunzel – Neu verföhnt“ oder Elsa aus „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“. Es geht also dieses Mal auch in die Welten von Pixar und moderner CGI-Disney-Animationsfilme. Dabei beeindruckt die Technik an der Xbox One X immens: Speziell in Cutscenes verwischen die Grenzen zu den Kino-Vorbildern beinahe. Da staunt man nicht schlecht, wenn man zurückdenkt, wie „Toy Story“ 1995 als vorgerenderter Kinofilm ausgesehen hat und was so eine Spielekonsole mittlerweile in Echtzeit berechnet.

Auch die Soundkulisse weiß zu gefallen und mischt den bereits bekannten J-Pop von Hikaru Utada mit einem Orchestersoundtrack von Yoko Shimomura. Tolle Musikuntermalung, die meines Erachtens auch ohne das Game gut funktioniert und den bombastischen „Final Fantasy“-Soundtracks in nichts nachsteht. Dazu kommt eine sehr gelungene, englischsprachige Vertonung (mit deutschen Untertiteln). Teilweise wurden sogar die Originalsprecher aus den Kinofilmen zusammengetrommelt, etwa Kristen Bell als Anna aus „Die Eiskönigin“, Zachary Levi als Flynn Rider aus „Rapunzel“ und T.J. Miller als Fred aus „Baymax“.

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Video-Link: https://youtu.be/NP-WIqc2pLE

Was das Gameplay betrifft, so bleibt auch „Kingdom Hearts III“ eine in den Kämpfen oft herrlich chaotische Mischung aus JRPG und Actionspiel. Die Gefechte mit Monstern bzw. Herzlosen laufen in Echtzeit ab und verlangen eine gesunde Mischung aus Button-Mashing und Strategie. Da man aus mehreren Schwierigkeitsgraden wählen kann, darf sich jeder selbst einrichten, wie herausfordernd er oder sie es gerne haben möchte.

Eine Kritik an den Vorgängern, die auch mich damals etwas davon abgehalten hat mehr Zeit in „Kingdom Hearts: Dream Drop Distance“ zu investieren, waren die sehr eng abgesteckten Areale. Auch wenn man formal in verschiedene Disney-Welten reiste, so handelt es sich genau genommen doch eher um kleine miteinander verbundene Räume. In „Kingdom Hearts III“ macht sich die zusätzliche Power der neuen Konsolengeneration bezahlt, denn auch wenn es hier keine großen, offenen Spielwelten gibt, so sind die Areale deutlich größer und nicht mehr in einzelne Räume unterteilt, sondern direkter miteinander verbunden.

Am meisten Freude werdet ihr an „Kingdom Hearts III“ zweifelsfrei haben, wenn ihr in den letzten Jahren die Filme von Disney und Pixar verfolgt habt. Es macht schon extreme Laune hier in einem Game so viele Charaktere aus unzähligen Filmen und Serien zu treffen. Da vergisst man dann auch schnell die übergeordnete Geschichte, wenn man einfach mit Woody und Buzz in Andys Kinderzimmer herumtoben kann.

„Kingdom Hearts III“ hat aber auch seine Ecken und Kanten: Viele werden eine deutsche Vertonung vermissen, die Performance ist bei beiden auswählbaren Grafik-Modi leider sehr wechselhaft und das hektische Kampfsystem dürfte auch nicht jedermanns Sache sein. Man merkt dem Game allerdings die Liebe zum Detail und zu den Disney-Marken an, die aus jeder Pore strömt. In gewisser Weise ist „Kingdom Hearts III“ also ein Liebesbrief an Disney-Fans und eine Art „Avengers“ für die familienfreundlichen Marken des Unternehmens.

Mich hat das Zocken von „Kingdom Hearts III“ jedenfalls darin bekräftigt auch die Vorgänger noch nachzuholen und komplett in die Welt einzutauchen. Bis ich da alles durchgespielt habe, wird zwar vermutlich schon ein „Kingdom Hearts IV“ vor der Tür stehen, aber dann bin ich bei der nächsten Fortsetzung jedenfalls von Anfang an voll eingeweiht. So oder so macht „Kingdom Hearts III“ jede Menge Laune und aus Sicht eines Serien-Neulings, kann ich das Game trotz der üppigen Vorgeschichte wärmstens empfehlen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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2 Kommentare

  1. Heiko Wolper says:

    Uhm… Auf pro mit niedrigerem Level als empfohlen durchgespielt. Mache derzeit Boni 🙂
    Easy Game aber top Story wie ich finde 🙂

    • André Westphal says:

      Ja, der Schwierigkeitsgrad ist eher niedrig, finde ich hier aber völlig ok. Ist echt ein super Game, gerade wenn man die Filme von Disney und Pixar mag – da ich „Toy Story“ liebe, war die Welt für mich natürlich ein echter Traum, wenn auch viel zu schnell vorbei :-D.

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