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„Coffee Talk“ angespielt: Charmantes Indie Game für PC, PS4, Xbox One und die Nintendo Switch

Aktuell ist es etwas flau im Bereich neuer Spiele: Ok, „Pillars of Eternity 2: Deadfire“ ist gerade endlich für Konsolen erschienen, aber neue Blockbuster glänzen sonst weitgehend durch Abwesenheit. Viele Titel wie „Cyberpunk 2077“ und „Vampire: The Masquerade Bloodlines 2“ wurden verschoben. Bleibt mir die Vorfreude auf „The Yakuza Remastered Collection“, die am 11. Februar erscheint und mich endlich „Yakuza 5“ nachholen lässt. Bis es so weit ist, kann man sich ja mit einigen Indie Games die Zeit vertreiben. Und da habe ich mir einmal das diese Woche erschienene „Coffee Talk“ angeschaut.

„Coffee Talk“ ist ab sofort digital für den PC (via Steam), die PS4 (PlayStation Store), die Xbox One (Microsoft Store) und die Nintendo Switch (eShop) erhältlich. Die Preise schwanken je nach Plattform zwischen 9,71 Euro (PC) über 12,99 Euro (Switch) bis hin zu 13,99 Euro (PS4, Xbox One). Falls ihr reinschnuppern wollt, könnt ihr auch eine kostenlose Demo (PS4, Xbox One, PC) anzocken.

Ich denke die Demo ist dann auch ein guter Weg mal abzutasten, ob das Spiel etwas für euch sein könnte. Wie schon bei „Heroland“ behaupte ich persönlich, dass auch „Coffee Talk“ in der Nintendo Switch seine beste Heimat findet. So handelt es sich hier nämlich in erster Linie um ein Visual Novel. Das bedeutet, über weite Strecken lest ihr vor allem Texte und verfolgt weitgehend passiv animierte Dialogsequenzen im Pixel-Art-Stil.

Letzterer ist im Falle von „Coffee Talk“ aber wirklich charmant ausgefallen. Auch die Soundkulisse gefällt mir überaus gut, denn die Retro-Songs erinnern zwar an 16-bit-Klänge, bedienen sich aber mit ihrer entspannten Elektronik und den prägnanten Beats auch bei modernen Trip-Hop-Songs oder Chillout-Musik. Positiv ist dabei auch, dass ihr jederzeit zwischen unterschiedlichen Liedern umschalten könnt und die Hintergrund-Soundkulisse also selbst bestimmt.

Doch vielleicht mal einen Schritt zurück: Worum geht es bei „Coffee Talk“? Nun, ihr seid der Besitzer eines Cafés in Seattle, das unüblicherweise in den späten Abend- und Nachtstunden geöffnet hat und daher auch ungewöhnliche Gäste empfängt. Es kommt noch dicker: Das Spiel ist in einer Art alternativen Realität angesiedelt, in der es neben Menschen auch Elfen, Orks und andere mystische Wesen wie z. B. Succuben gibt. Tja, und derlei Gestalten kehren dann auch in eurem Café ein.

Ihr lauscht dabei als guter Barista den Erzählungen eurer Gäste, die sich euch mit zahlreichen Konflikten anvertrauen. Etwa ist da euer Stammgast Freya, eine Journalistin, die sich als Romanautorin versucht, aber ihrer Deadline bereits arg hinterher hängt. Jeder Gast hat dabei seinen eigenen Geschmack: Freya etwa bevorzugt eine harte Koffeein-Dosis und trinkt daher gerne Triple-Shot-Espressos. Ein Pärchen aus einem Elfen und einem Succubus hingegen bevorzugt eher entspanntere Kost – z. B. Tee mit Milch und heiße Schokolade, um besser einschlafen zu können.

Eure Aufgabe ist es dabei jeweils die richtige Zusammenstellung aus euren Zutaten zu wählen. Das ist aber kein Hexenwerk. Der jeweilige Gast bestellt sein Getränk, ihr achtet darauf die drei richtigen Bestandteile auszuwählen und seht, ob die Zusammenstellung zu passen scheint. Anschließend braut ihr das Heißgetränk zusammen. In einigen Fällen könnt ihr noch die Oberfläche mit sogenannter Latte Art verzieren – das ist aber mehr eine kleine Spielerei und hat spielerisch keinen besonderen Einfluss.

Mich hat dabei durchaus amüsiert, dass die Beschreibungen der Achievements / Trophäen vor Grammatikfehlern nur so strotzen. Das ließ mich zunächst Böses zu den englischsprachigen Texten im Spiel (aktuell gibt es keine deutsche Übersetzung) vermuten. Glücklicherweise sind die Texte zwar nicht besonders komplex, aber verständlich und in gutem Englisch geschrieben. Das Entwicklerstudio, Toge Productions, stammt aus Indonesien, was dann vereinzelte holprige Sätze und die amüsanten Beschreibungen der Erfolge erklärt.

Ich habe „Coffee Talk“ zwar an der PS4 gespielt, denke aber, dass das simple Gameplay vor allem für unterwegs geeignet ist. Deswegen sprach ich anfangs auch an, dass, solltet ihr Interesse haben und über mehrere Plattformen verfügen, die Nintendo Switch sicherlich die beste Wahl darstellt. So mixt ihr hier eben Kaffee und Tee als Getränke, das Gros der Spielzeit lest ihr aber nur Texte und verfolgt die Geschichten eurer Gäste – so wie man es von einem Visual Novel nun einmal auch erwarten sollte. Das macht in kleinen Dosen unterwegs mehr Laune als daheim am TV.

Dabei könnt ihr die Handlung aber dennoch beeinflussen, denn ihr habt jederzeit die Möglichkeit die Bestellungen eurer Gäste zu ignorieren und einfach etwas anderes zu brauen, was aus eurer Sicht vielleicht besser zum Gemüt bzw. zur Situation des jeweiligen Gastes passt. Dadurch können tatsächlich kleine Wendungen entstehen und es gibt den Reiz ein wenig zu experimentieren. In den Gesprächen an sich habt ihr aber keine Einflussmöglichkeiten – ihr könnt also nicht beeinflussen, was der von euch gespielte Barista antwortet, während er zugeschwallert wird.

Auch wenn „Coffee Talk“ sich teilweise in wohliger Nostalgie sonnt, kommen Themen zur Sprache, die über das Fantasy-Setting hinausgehen. Etwa hat das Elfen- / Succubus-Pärchen Beziehungsprobleme, weil ihre Eltern diese Verbindung unterschiedlicher Rassen nicht gutheißen. Manchmal sind diese Parallelen zu realen, gesellschaftlichen Problemen aber etwas zu dick aufgetragen und eher einseitig aufgearbeitet.

Habt ihr die Story durchgespielt, die sich in einzelne Tages-Episoden unterteilt, könnt ihr noch weitere Modi ausprobieren. Etwa gibt es einen Challenge Mode, in dem ihr möglichst schnell vorgegebene Getränke herstellen müsst. Im Modus Free Brew wiederum könnt ihr mit allen Zutaten frei experimentieren und so neue Getränke freischalten, die dann in den Rezepten in eurem In-Game-Smartphone festgehalten werden. Außerdem könnt ihr Bilder für eine Galerie freischalten, was sich bei der charmanten Grafik durchaus lohnt.

Mein Fazit? Je nachdem, wie schnell ihr euch durch die Texte klickt, könnt ihr „Coffee Talk“ durchaus in drei oder vier Stunden durchzocken. Was dann bleibt, sind eben die freigeschalteten Zusatz-Modi. Da der Preis aber direkt zum Launch eher niedrig gewählt ist und das Spiel viel Charme und Liebe zum Detail im Hinblick auf die Pixel-Art-Grafik und Musik zeigt, kann ich für Fans des Genres durchaus eine Empfehlung aussprechen. Erwartet aber eben nicht zu viel aktives Gameplay, „Coffee Talk“ ist durch und durch ein Visual Novel.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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3 Kommentare

  1. Interessant. Erinnert ein wenig an The Red Strings club. Dort werden Drinks für die Gäste gemischt. Das Setting ist auch Futuristisch und das Spiel ist ebenfalls sehr Dialoglastig.

  2. sorry, ignoriert das *auch*

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