“Offenes” Android: das schreibt Google den Hardware-Herstellern alles vor

13. Februar 2014 Kategorie: Android, Google, Mobile, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Während Android an sich Open Source ist, müssen Hardware-Hersteller die Google Play Apps lizenzieren, wenn sie diese auf einem Gerät einsetzen möchten. Das Ganze nennt sich Mobile Application Distribution Agreement (MADA) und wird von Google zum einen sehr ernst genommen, zum anderen werden die Details dazu vor der Öffentlichkeit ferngehalten.

Android-620x577 Dank des “Oracle gegen Google-Prozesses” wurden nun neue Details zu diesen Vereinbarungen bekannt. Neu heißt in diesem Fall, dass die Vereinbarung aus 2011 stammt und vor der Veröffentlichung von Android 3.0 unterschrieben wurde. Die Vereinbarungen, die in diesem Fall von Samsung und HTC unterschrieben wurden, klären, was die Hersteller dürfen und was nicht.

Damals umfassten die betroffenen Apps den Set-up Wizard, Google Phone-top Search (Google Suche auf dem Home-Bildschirm), Gmail, Google Calendar, Google Talk, YouTube, Google Maps for Mobile, Google Street View, Contact Sync, Android Market Client (jetzt Google Play Store), Google Voice Search und Network Location Provider. Da die Vereinbarung von Google jederzeit angepasst werden kann, sollten heute auch Chrome, Google Play Music, Google Play Movies, Google Play Books, die Google Play Services und Google+ dabei sein.

Will man als Hardware-Hersteller eine der Apps nutzen (zum Beispiel Google Play Services, eigentlich unabdingbar in einem Smartphone oder Tablet), müssen alle von Google vorgegebenen Apps installiert sein. Es gibt auch weitere Google Apps, die optional vorinstalliert sein können (z.B. Google Goggles, Google Earth und Google Finance), die Pflicht-Apps müssen aber auf den Geräten sein, sonst dürfen sie nicht vertrieben werden. Alles oder nichts.

Des Weiteren verpflichten sich die Firmen, keine Android-Forks zu erstellen (weshalb z.B. Amazon die Kindle Fire Tablets von “No-Name”-Herstellern fertigen lassen muss) oder ein SDK auf Android basierend anzubieten. Google erlaubt außerdem nicht, dass die Google-Apps in anderen App Stores (Samsung Apps, Amazon App-Shop) vertrieben werden. Auch ist eine Manipulation der Google Apps nicht erlaubt.

Google bestimmt sogar, wo die eigenen Apps zu platzieren sind. Die Suche und der Play Store dürfen maximal einen Wisch vom Homebildschirm entfernt sein, die restlichen Apps dürfen maximal ein Level unter der Phone-top Search platziert werden. Das heißt, dass sie im App-Drawer untergebracht sein dürfen. Die Google Suche muss zudem die einzige Websuche für alle Websuchen auf dem Gerät sein. Googles Network Location Provider muss nicht nur installiert sein, sondern auch als Standard Network Location Provider aktiv sein.

Google verlangt zudem monatliche Zahlen zu verkauften Android-Geräten von den Herstellern. Diese müssen wiederum in Google Application, Verkaufsgebiete und einzelne Modelle innerhalb der Gebiete unterteilt sein. Google weiß praktisch über jedes verkaufte Gerät Bescheid, dass offiziell ausgeliefert wird.

Sollte ein Hersteller auf die Idee kommen, Google Apps durch irgendwelchen Code umzufunktionieren oder gar nicht lauffähig zu machen, erlischt die Lizenz. Für den Lizenzierungs-Prozess muss der Hersteller vier Testgeräte von jedem Modell bei Google abgeben (ob die eigene Lagerhallen für Samsung-Geräte haben?). Nach 2 Jahren müssen die Lizenzierungen neu verhandelt werden, das bedeutet aber nicht, dass die Einschränkungen dadurch nach 2 Jahren automatisch aufgehoben werden. Wird ein Hersteller von einem anderen übernommen, bleiben beiden Seiten 30 Tage Zeit, um die Vereinbarung zu kündigen.

Google hat das offene Android-System nach diesen Angaben ziemlich in der Hand. Eigentlich bleibt einem Hersteller nichts anderes übrig, als diese Einschränkungen und Bevormundungen zu akzeptieren, wenn er ein Gerät mit dem System auf den Markt bringen will, das fast 80% Marktanteil hat. Gleichzeitig zeigt diese strikte Kontrolle des Systems aber auch, dass Google viel daran gelegen ist, dass Android nicht verwässert. Ein zweischneidiges Schwert. Die Hersteller kommen ohne Android nicht aus, also kann Google im Prinzip alles vorgeben und die Hersteller müssen es schlucken.

Umso faszinierender ist es – zumindest für mich – wie sehr die Geräte-Hersteller doch bemüht sind, eine eigene User Experience zu erschaffen. Ist sicherlich gar nicht so einfach, wenn man so viele Vorgaben einhalten muss. Hättet Ihr gedacht, dass es bei der Google Apps Lizenzierung so streng zur Sache geht?


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Quelle: ArsTechnica |
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Über den Autor: Sascha Ostermaier

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