Withings Steel HR: Analoge Uhr mit Activity Tracker und reichlich Ausdauer ausprobiert

In meinem Bekanntenkreis aber auch innerhalb der Familie bin ich wahrlich nicht bekannt als das Fitness-Wunder der Runde. Nichtsdestotrotz habe ich mir vor einer ganzen Weile Xiaomis MiBand 2 zugelegt, um einen günstigen Tracker für meine gelegentlichen Aktivitäten zu haben. Das Band hat für seinen mickrigen Preis einen umwerfenden Umfang an Funktionen, vor allem in Verbindung mit der kostenpflichtigen Android-App „Tools & Mi Band„, welche noch einmal eine ordentliche Schippe praktischer Features hinzufügt.

Wichtig ist mir an einem Activity Tracker vor allem, dass meine gelaufenen Schritte so korrekt wie möglich mitgeplottet werden, was leider nicht immer der Fall ist. Was ich hingegen weniger mag, ist die Optik des MiBands, die nunmal viel zu sehr an Funktions-Wearable erinnert als an eine Uhr.

Freundlicherweise jedoch wurde mir von Withings vor ein paar Wochen die Steel HR überlassen, die bereits auf den ersten Blick erst einmal mehr Uhr als Activity Tracker ist, dafür aber doch einiges unter der unscheinbaren Haube versteckt.

Withings ist bekannt für seinen Blick auf die Gesundheit und Fitness seiner Käufer und versucht dabei, so viele Sportarten wie möglich trackbar zu machen. Auf diesen Aspekt werde ich hier später noch ein wenig genauer eingehen. Der Hersteller beschreibt die Steel HR als „Activity Tracker, der die Herzfrequenz misst und eine langanhaltende Akkulaufzeit von 25 Tagen bietet – All das verborgen hinter einem klassischen Uhrengesicht, perfekt geeignet für das Fitnessstudio, im Büro oder abends beim Feiern.“

Das „klassische Uhrengesicht“ war tatsächlich das erste, was mir hier auffiel. Die mir vorliegende Variante mit 40 mm Durchmesser besitzt ein stilvolles Zifferblatt bestehend aus Stunden- und Minutenzeiger und dezent gehaltenen Minutenangaben am Rand. In der unteren Hälfte befindet sich eine analoge Anzeige des prozentual erreichten Tagesziels, in der oberen Hälfte wartet dagegen eine kleine Digitalanzeige, die die zusätzlichen Funktionen der Uhr wiedergeben kann. Ein einzelner Button an der rechten Seite der Uhr dient der Navigation durch die Menüs und Funktionen.

Eckdaten der Withings Steel HR
  • analoge Armbanduhr mit Activity Tracker
  • zwei Versionen mit 36 mm Durchmesser (Black, White), 1 Version mit 40 mm Durchmesser (Black)
  • 13 mm dick
  • Edelstahl-Gehäuse
  • Schweizer Mineralglas
  • wasserdicht: 5 ATM (50 m)
  • Silikonarmband (36 mm-Variante für bis zu 20 cm Handgelenksgröße, 40 mm-Variante für bis zu 23 cm Handgelenksgröße)
  • Akku-Laufzeit: Bis zu 25 Tage (+20 Tage im Energiesparmodus) – betrifft nur Uhrzeit und Aktivitäts-Aufzeichnung
  • Magnet-Ladestation mit USB-Anschluss
  • Verbindung mit Smartphone via Bluetooth Low Energy
  • Gewicht: 36 mm – 39 Gramm, 40 mm – 49 Gramm
  • misst: Schrittzahl, Laufen, Schwimmen, Herzfrequenz, Timer, Entfernung, Kalorienverbrauch
  • Schlafanalyse: Leicht- und Tiefschlafphasen, Aufwachen, Schlafdauer
  • stiller Wecker als zusätzliche Funktion
  • erfasst nicht: Höhen, Radfahren, Sauerstoffgehalt im Blut
  • Smartphone-Benachrichtigungen für: SMS, Anrufe und Kalender-Events

Das Silikon-Armband der Uhr ist robust und trägt sich außerordentlich angenehm, selbst wenn man es mal ein wenig enger angelegt hat. Druckstellen hat es bei mir bisher keine hinterlassen. Der unterhalb der Uhr angebrachte Sensor zur Messung der Herzfrequenz macht die Uhr zwar ein wenig dicker, ist aber beim Tragen selbst nicht spürbar – drückt also in keinster Weise. Viel mehr kann man zum Tragekomfort wohl auch an dieser Stelle nicht sagen, die Steel HR macht da eigentlich alles richtig.

Als eines der  interessanteren Features beschreibt Withings das automatische Erkennen der ausgeübten Aktivitäten. Sprich: Ob ich nun gehe oder laufe – der Beschleunigungssensor der Uhr versucht anhand der zurückgelegten Schritte zu erkennen, wie ich mich gerade bewege. Und das klappt erstaunlich gut. Für eine Jogging-Session bin ich zuerst ein paar hundert Meter gegangen und dann an einem Waldweg beginnend los gejoggt.

Die Uhr hat bereits nach wenigen Metern erkannt, dass ich mich nun im Modus Laufen befinde und hat dies entsprechend so aufgezeichnet. Sollte es mal dazu kommen, dass eine Aktivität nicht korrekt erkannt wurde, so kann man die getätigte Aktivität über die Health Mate-App „anlernen“, der Steel HR also im Nachhinein beibringen, welchen Sport man da betrieben hat.

Neben Gehen, Laufen und Schwimmen werden mittlerweile auch Tanzen, Tischtennis, Volleyball und weitere Sportarten unterstützt. Die Herzfrequenz wird standardmäßig alle zehn Minuten gemessen, geht man gerade einer sportlichen Aktivität nach, so schaltet die Uhr um auf kontinuierliche Messung. Abends erkennt die Steel HR dann schließlich auch selbstständig, wenn ich mich ins Bett begeben habe und trackt gewisse Schlafdaten wie die Gesamtdauer meines Schlafs oder auch zwischenzeitlich auftretende Wachphasen.

Wer möchte, kann sich einen „Stillen Wecker“ aktivieren. Das ist ein Vibrationsalarm, der zu einer gewünschten Uhrzeit losbrummt und den Träger dann wecken soll. Kennt man auch schon von vielen anderen Trackern und klappt natürlich von Person zu Person unterschiedlich gut (bei mir leider gar nicht).

Die von mir als so wichtig eingestuften gelaufenen Schritte trackt die Steel HR erstaunlich akkurat, andere Tester waren hier nicht so glücklich. Sowohl mein MiBand 2 als auch das zum Testen notwendige persönliche Mitzählen der Schritte (inklusive Notizzetteln für das Abhaken der Hunderter zwischendurch) zeigten fast die gleichen Zahlen wie die Uhr von Withings. Spontane Armbewegungen beim Steuern des Autos oder abends beim Essen wurden nicht als Schritte gezählt. An dieser Stelle kann ich mich also tatsächlich als vollkommen zufriedengestellt bezeichnen.

Sowohl für Android, aber auch für iOS gibt es die zugehörige App Health Mate, die die aufgezeichneten Daten der per BT Low Energy verbundenen Steel HR auslesen und übersichtlich darstellen kann. Das Synchronisieren mit der Uhr klappt angenehm schnell.

Es können mehrere Tage aufeinanderfolgend ausgelesen werden, sollte man vielleicht mal einen Abend vor lauter Sport das Synchronisieren vergessen haben. In der App erstellt man sich wie gewohnt ein persönliches Profil mit verschiedenen Gesundheits- und Fitness-Angaben und kann hier auch einen persönlichen Katalog an Sportarten anlegen, die man regelmäßig ausübt und die die Uhr anhand des Beschleunigungssensors erkennen soll.

Besonders gut gelungen finde ich die so gut wie überall aufgezeigten Werte der Herzfrequenz. So wird man regelmäßig darüber gewahr, wenn man sich mal sportlich in ungesunde Bereiche trimmt. Ich persönlich neige unter anderem gewichtsbedingt zu Bluthochdruck und lege daher erhöhten Wert auf solche Angaben. Schadet ja aber generell niemandem.

Die Steel HR kann den Nutzer auch über eingehende Benachrichtigungen vom Smartphone informieren, insofern dieses dauerhaft per Bluetooth mit der Uhr gekoppelt ist. Hier beschränken sich die Quellen aber lediglich auf eingehende SMS, Anrufe und anstehende Kalender-Events. Für mich nahezu ausreichend – ich persönlich vermisse hier aber noch die Signalisierung eingehender Mails.

Das kleine Digital-Display der Uhr ist minimalistisch und dennoch mehr als ausreichend für die gebotenen Funktionen. Mit dem an der rechten Seite angebrachten Button kann man durch die einzelnen Tracking-Bereiche navigieren, ein langer Druck startet direkt manuell die Aktivitäten-Aufzeichnung. Besonders gut gelungen finde ich auch die Anzeige der Uhr, zu wieviel Prozent mein zuvor per App definiertes Tagesziel bereits erreicht ist. Hier deutet ein Zeiger auf einer runden Skala von 0 -100 % – das ist zum einen schlicht, zum anderen aber sieht man die benötigte Information ohne langes Durchklicken mit dem Button.

Der Akku der Uhr soll bis zu 25 Tage durchhalten – das kann ich wohl so unterschreiben. Allerdings soll der sogenannte „Gangreservemodus“ dafür sorgen, dass man die Steel HR noch bis zu 20 weitere Tage nutzen kann, wenn man gerade nicht dazu kommt, sie zu laden. Bisher kam es bei mir allerdings noch gar nicht zu der Notwendigkeit dieses Modus, da der Akku bisher immer noch seit der ersten Ladung durchhält.

Das vollständige Aufladen dauert knapp über zwei Stunden. Im Energiesparmodus lassen sich nicht mehr alle Funktionen verwenden, das Ganze beschränkt die Anwendung auf Uhrzeit und Anzeige der Aktivitäten. Für die Verwendung des Herzfrequenzmodus muss die Uhr vorher geladen werden. Meiner Meinung nach ein guter Kompromiss.

Fazit:

Die Withings Steel HR kostet laut Hersteller 189,95 € in der 36 mm-Variante, 199,95 € sollen für die 40 mm-Variante fällig werden. Das ist für eine schlichte Uhr mit ein paar Tracking-Funktionen ohne GPS schon eine ganze Stange Geld. Sicher – die Uhr sieht wirklich schick aus, trägt sich enorm komfortabel und bietet vor allem auf den zweiten Blick doch ein paar nennenswerte Boni. Dennoch finde ich den Preis etwas zu hoch angesetzt. Ob die Materialwahl diesen allein rechtfertigt, möchte ich anzweifeln.

Das sieht beim Preis von 390 € der Activité Sapphire aus selben Hause schon anders aus – diese bietet aber auch Saphir-Glas und Lederarmband und ist „Swiss Made“. Wen der Preis nicht stört, der bekommt mit der Steel HR eine wirklich hübsche Armbanduhr mit einigen nützlichen Tracking-Features. Mein MiBand 2 wurde von der Uhr jedenfalls schon mal abgelöst, die Optik hat gesiegt.

 

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Benjamin Mamerow

Blogger, stolzer Ehemann und passionierter Dad aus dem Geestland. Quasi-Nachbar vom Caschy (ob er mag oder nicht ;D ), mit iOS und Android gleichermaßen glücklich und außerdem zu finden auf Twitter und Google+. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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10 Kommentare

  1. Es gibt m.E. drei große Probleme mit der Uhr und allen Uhren von Withings:
    1. Die Uhr hat keine fluoreszenten Zeiger und Minutenzeichen. D.h. man kann sie nachts null ablesen und ist, was die Uhrzeit betrifft, völlig blind.
    2. Sie erkennt auch in der nun 3. Generation immer noch kein Radfahren als Aktivität, was das Ganze Aktivitäts-Tracking für Radlpendler quasi nuztlos macht.
    3. Kann man in der App für den Silent Alarm einen (1!) Alarm einstellen. Mehrfache pro Tag oder auch die einfache Übernahme der Alarme aus der Uhr sind nicht möglich.

    Ich habe die Pop, die Funktionalität sollte sich in diesen Punkten nicht unterscheiden.
    Insbes. verstehe ich Punkt 3 nicht, weil das als Software sehr einfach lösbar wäre. Allerdings ist dieses der am wenigsten nervige Punkt. Am nervigsten ist die nicht vorhandene Fluoreszenz der Zeiger und mangelndes Erkennen von Radfahren.

    Just my two cents…

  2. Trage im Moment die Garmin vivofit HR als Alternative zur normalen Uhr. Optisch nicht wirklich das Optimale zum Anzug. So eine Withings wäre schon nicht schlecht, aber die Betreffzeile aus den empfangenden Mails würde ich schon vermissen. Und die Pkt. 1 und 2 von Frii finde ich auch nicht so prickelnd.

    Den Preis finde ich o.k., der Vergleich mit dem MiBand ist jetzt nicht wirklich ernst gemeint?

    Nun ja, vielleicht warte ich noch auf die nächste Version.

    Übrigens, im Kasten steht 25 Stunden Akkulaufzeit.

  3. Dass man die Uhr nachts nicht ablesen kann, stimmt für die analogen Zeiger, die leider nicht fluoriszieren. Aber auf Knopfdruck zeigt das Minidisplay Datum und Uhrzeit, so dass man auch im Dunkeln diese Infos bekommt.

    Das Nicht-Erkennen von Radfahrten ist tatsächlich ein Manko – man kann diese Aktivität jedoch in der App manuell starten oder nachträglich eintragen.

    Ich bin mit der Uhr zufrieden – ich wollte ein klassisches Design und eine Uhr, die etwas mehr kann. Durch den Sync per App geht die Uhr stets korrekt (Datum und Uhrzeit), ich verpasse keine Anrufe mehr, wenn mein Handy lautlos gestellt in der Tasche ist und kann meine Aktivitäten tracken.

    EIne echte Sportuhr mit Pulsgurt und GPS-Tracker kann die Uhr aber sicherlich nicht ersetzen. Dafür ist diese Uhr Bürotauglicher und so elegant, dass die meisten nicht feststellen, dass man eine smarte Uhr trägt.

  4. @argie
    ich hab sie zwar zurück gegeben – aber schau Dir mal die Huawei Fit an.
    Hatte die Garmin auch, aber als reine HR konnte sie zu wenig und die HR+ hat das gleichde „Problemchen“ der HR – ein dicker schwarzer Balcken am Arm. Dafür ist das Display erstklassig !

  5. Akkulaufzeit 25 Stunden oder Tage?
    In den Eckdaten steht Stunden, das wäre dann nicht lang..

  6. Danke für den Bericht! Bitte noch klar stellen, ob es sich um 25 Tage oder Stunden handelt 😉

  7. @toobie83 bis zu 25 Tage.

  8. Klar, der Pulsmesser ist auch bei dieser Uhr ein Witz, aber das Styling und die Akkulaufzeit überzeugen mich. Und ja, dank des Druckknopfes lassen sich einige Daten auch nachts und ohne Smartphone ablesen. Natürlich ersetzte ich das hässliche Silikonband umgehend durch ein braunes Kalbslederband eines grossen Online-Versandhauses (kostet da einen Bruchteil als das Original-Withings-Band, das man für die Steel Activité nachkaufen konnte und ist erst noch deutlich bessere Quali).

  9. Guter Bericht, aber ich vermisse dann – auch wenn es noch nicht dazu gekommen ist – doch den Punkt mit dem Aufladen.
    Ich habe die Steel HR im Einsatz und nerve mich jedes Mal damit ab die Uhr richtig zu positionieren damit sie auch geladen wird. Die Magnete lassen hier einfach zu viel Spielraum. Wäre interessant hierzu von anderen Trägern etwas zu hören.

  10. Huhu @all: Natürlich waren 25 Tage Laufzeit gemeint und nicht Stunden. Zum Thema Laden der Uhr: Ich hatte tatsächlich auch am Anfang meine Schwierigkeiten mit der Positionierung, da die Magneten die Uhr nicht mit einem satten „Zwutsch“ heranziehen, sondern diese eher recht sanft halten. Mittlerweile gibt es da aber keine Schwierigkeiten mehr meinerseits.

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