2 Wochen ausprobiert: Fitness-Tracker Huawei Fit

7. Januar 2017 Kategorie: Hardware, geschrieben von: Benjamin Mamerow

Fitness-Tracker gibt es viele auf dem Markt. Viel zu viele um genau zu sein, sodass der Laie schon fast unterzugehen droht, wenn er da den Überblick behalten will. In diesen großen Markt wirft nun auch Huawei nach geraumer Zeit wieder ein Gerät in den Ring, welches mit schickem Design und Always On-Display die Käufer für sich gewinnen soll. Huawei Fit – so der Name – reiht sich ein in die Familie weiterer Fitness-Bänder des Herstellers, so wie das Huawei Band oder auch das TalkBand B3. Eines vorweg: Huawei Fit macht nichts wirklich anders als andere Fitness-Tracker, nur eben hier und da deutlich schöner und in einer Optik, dass man das Band auch gern als Alltags-Uhr am Arm behält.

Ich habe den Tracker kurz vor den Feiertagen Ende 2016 erhalten und ihn seitdem so gut wie nicht mehr abgelegt. Er begleitete mich als Armbanduhr-Ersatz mit Fitness-Funktionen durch den Tag und konnte schnell davon überzeugen, dass er wirklich bequem zu tragen ist. Die Verarbeitung des Gerätes ist durchweg hochwertig, das eigentliche Uhren-Case ist sogar aus einem einzigen Guss. Das Display wird außerdem geschützt durch Corning Gorilla 3 Glass, was das eigene Gewissen durchaus beruhigt, da man hier nicht mit einem hoch-sensiblen Glas hantieren muss. Wäre bei einem Fitness-Tracker aber auch irgendwie ungeeignet.

Neben der Uhr inklusive austauschbarer Armbänder lungern in der Verpackung noch ein Ladekabel Typ MicroUSB und eine Magnet-Ladestation herum. Ohne diese kann die Fit leider nicht geladen werden, was aber meiner Meinung nach kein Problem ist, da man das Gerät eh seltener laden muss als gedacht. Dazu aber gleich mehr. Kommen wir erst einmal zu den Geräte-Details:

Spezifikationen Huawei Fit
  • austauschbare Armbänder (breit / schmal)
  • Maße: breite Ausführung – 246,5 x 39,4 x 9,9 mm / schmale Ausführung 229,4 x 39,4 x 9,9 mm
  • Gewicht: < 35 g
  • 1,04 Zoll Memory LCD-Display mit Touch, 200 ppi
  • Always On-Display
  • Corning Gorilla 3 Glass
  • Metall-Case aus einem Guss
  • erhältliche Farben: (Armband/Case) – Schwarz/Grau, Blau/Silber, Orange/Silber
  • wasserdicht gemäß IP68 / 5ATM
  • persönlicher Lauf-Assistent
  • verschiedene mögliche Sport-Modi (Laufen, Gehen, Schwimmen, Radfahren, Laufband)
  • kontinuierliches Messen der Herzfrequenz
  • Schlaf-Monitoring
  • Aufwach-Alarm per Vibration
  • Benachrichtigung bei eingehenden Anrufen oder Nachrichten
  • Akku-Laufzeit „bis zu 6 Tagen“ laut Hersteller / voll aufgeladen nach 1,5 Stunden
  • App benötigt Android 4.4 oder höher bzw. iOS 8.0 oder höher

Der Tracker liegt vernünftig am Arm an und drückt auch trotz der dicken Wölbung an der Rückseite kein Stück. An den Enden der Bänder befinden sich zwei kleine Hebel, über die sich die Armbänder austauschen lassen. Das gelingt schnell und unkompliziert.

Mein persönliches Highlight ist das Always On-LCD Display, welches im „Ruhezustand“ lediglich die Uhrzeit anzeigt. Dreht man den Arm dann zum Ablesen des Displays oder bewegt den Arm zu sich hin, dann blenden automatisch auch die Anzahl gelaufener Schritte und die verbrauchten Kalorien mit ein. Außerdem kann ich über „Start!“ direkt einen Lauf beginnen (oder welche Sportart ich sonst gerade beginnen möchte). Ein kurzes Tutorial ganz am Anfang führt in die grundlegende Bedienung des Touchscreens ein. Das geht intuitiv von der Hand und das Display reagiert auch recht gut. Hier und da wird ein Wisch allerdings auch mal als Tap gewertet, das stört den sonst so flüssigen Ablauf beim Bedienen des Menüs.

Ein simpler Tap auf die Uhrzeit genügt, damit Bluetooth-Verbindungsstatus (mit der App) und Batterie-Zustand angezeigt werden. Ein Wisch nach rechts kehrt immer eine Menü-Instanz zurück. Die Funktionen beschränken sich hier allerdings eben auf alles, was man bereits von zahlreichen anderen Trackern kennt. Dazu gehören auch das Monitoring des Schlafs und das optionale Aufwecken des Trägers via Vibration am Handgelenk. Die Hintergrundbeleuchtung des Displays hat drei Modi: deaktiviert, manuell oder automatisch. Automatisch funktioniert für mich bisher leider nur suboptimal, zu oft blieb das Display dunkel obwohl es um mich herum bereits immer dunkler wurde. Die generelle Helligkeit der Beleuchtung empfand mein Umfeld als „nicht kräftig genug“, ich hingegen habe es bisher als ganz angenehm empfunden, genug erkennen zu können und dabei nicht erblinden zu müssen. Zu dunkel ist da nix.

Die Huawei Fit ist laut Hersteller wasserdicht gemäß IP68 und 5 ATM. Gerade bei letzterer Bezeichnung findet man oft die Deutung, dass man mit entsprechenden Geräten auch bis zu 50 Meter tief tauchen könne. Das wage ich zu bezweifeln und wenn man einigen Quellen im Netz glauben darf, dann sind solche Produkte zwar durchaus tauglich für gelegentliches Untertauchen, aber eben nicht für solch ausgeprägte Tauchgänge. Allerdings handelt es sich hier ja auch um kein Szenario, was die meisten Otto Normal-Sportler betreffen dürfte. Ich habe die Uhr testweise beim Duschen um gelassen und es reichte anschließend, sie einfach mit einem Handtuch kurz abzutrocknen, Wassereinlagerungen oder ähnliches konnte ich keine feststellen.

Was mich allerdings wirklich stört und damit die Huawei Fit zumindest für mich direkt als Tracker disqualifiziert ist die Tatsache, dass wirkliche ALLE Armbewegungen als Schritte gezählt werden. Ich habe mir als tägliches Ziel einen Wert von 10.000 Schritten ausgesucht. Selbst wenn ich bis 16 Uhr im Büro gesessen habe und mich erst danach daheim für Pokémon GO oder den Einkauf auf die Socken gemacht habe – die 10.000 hatte ich teils schon beinahe zu 15 Uhr erreicht. Das korreliert mit keinem anderen Wert, den meine bisherigen Tracker (u.a. ein MiBand 2) hier errechnet haben. Und beim genaueren Betrachten verwundert das auch kaum: Lenkrad-Bewegungen beim Autofahren oder auch das Heben und Senken des Armes beim Essen werden bereits als Steps mitgezählt. Das geht besser! So ist der für mich persönlich interessanteste Wert auf dem Display leider recht unbrauchbar.

Was mich hingegen wirklich positiv überrascht hat, ist die App Huawei Wear, mit der sich die Fit per Bluetooth verbindet und einrichtet. Diese gibt es für Android als auch iOS und bietet einen äußerst detaillierten Überblick über sämtliche vom Gerät aufgezeichneten Werte. Zwar findet man auch hier keine wirklich neuen Features, allerdings hat es mir vor allem der Bereich für die Herzfrequenz angetan.

Denn einer der für mich besonders wichtigen Punkte hier ist „Herzfrequenzintervall“. Dieser zeigt an, welcher bpm-Wert für mich ideal wäre, um entweder fettverbrennend zu wirken oder aber ab wann es für meine Gesundheit gefährlich wird. Ja, der geneigte Sportprofi und Gesundheitsexperte kann hier sicher noch viel mehr Infos raushauen, die Werte decken sich bei mir aber zumindest mit denen, die mir ein solcher Experte mal errechnet hat und damit scheint es sich hier um keine Fantasie-Werte zu handeln. Alles in allem ist die App wirklich umfangreich und hübsch gestaltet. Leider konnte ich sie auf dem iPhone nicht zum Laufen bringen, da die zu bestätigende EULA einfach nicht korrekt dargestellt wurde und ich demnach nicht an den Button zum Zustimmen gelangt bin. Hierbei wird es sich aber sicher nur um einen kleinen Darstellungsfehler handeln.

Ein Wochen- bzw. Monatsbericht fasst entsprechend noch einmal alle erreichten Erfolge für den Anwender zusammen. Das sogenannte „Real Time-Coaching“ habe ich während eines 5 km-Laufs ausprobiert und fühlte mich davon gut angeleitet. Regelmäßig erinnert die Uhr daran, langsamer oder schneller zu laufen oder auch wenn ich gewisse Grenz-Marken meines Laufs erreicht habe. Da ich über die App meine Ziele direkt vordefinieren kann, funktioniert das entsprechend gut. Die Herzfrequenz wird durchgehend gemessen und warnt mich, wenn diese mal zu hoch gerät.

Was kann ich zur Batterie-Laufzeit sagen? Huawei spricht von „bis zu 6 Tagen“ Laufzeit. Damit bin ich locker ausgekommen, eher sogar noch 8 bis 9 Tage. Das ist für mich ein äußerst angenehmer Wert, wenngleich extremere Sportler (als ich Körperklaus es bin) da sicher durch häufigeres Aufrufen der Anzeigen oder eben wesentlich häufigere Einsätze als Sport-Tracker weniger Laufzeit bei raus bekommen. Die Uhr ist aber wie versprochen binnen 1,5 Stunden wieder voll aufgeladen. Das entspricht etwa einer kurzen Verschnauf-Phase meinerseits nach 6 Kilometern Joggen 😉

Abschließend kann man das Gerät wohl leider nicht jedermann ans Herz legen. Sowohl Optik als auch die meisten Funktionen sind überzeugend, allerdings hat der Schrittzähler für mich komplett versagt. Hier muss dringend nachgebessert werden. Die Uhr eignet sich für unterschiedlichste Szenarien wie zum Beispiel Baden, Skisport, Trekking oder auch andere richtig schweißtreibende Aktivitäten. Dank Gorilla 3 Glass ist das Display auch sehr gut gegen Kratzer und Stöße geschützt. Die Huawei Fit ist für 149 € bereits erhältlich.


 

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Über den Autor: Benjamin Mamerow

Blogger, stolzer Ehemann und passionierter Dad aus dem Geestland. Quasi-Nachbar vom Caschy (ob er mag oder nicht ;D ), mit iOS und Android gleichermaßen glücklich und außerdem zu finden auf Twitter und Google+. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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