Windows 10: Kostenloses Upgrade für Nutzer mit Hilfstechnologien wird umgebaut

artikel_windowsEs darf darüber diskutiert werden, in welche Richtung man den Schwarzen Peter schieben soll. Fakt ist: Nutzer hatten ein langes Jahr Zeit, ihre alte Windows-Installation auf Windows 10 zu aktualisieren. Doch auch nach Ende dieser Zeit gab es ein Schlupfloch. Microsoft bot Menschen, die auf Hilfsmittel bei der Bedienung von Windows 10 angewiesen sind, weiterhin das kostenlose Update an (wir berichteten). Das Problem war wohl, dass viele Menschen diese Möglichkeit ausgenutzt haben, um weiterhin ihre alten Installationen auf Windows 10 zu aktualisieren, inklusive der Registrierung, die offensichtlich problemlos möglich war, selbst wenn keine Eingabehilfen zum Einsatz kamen.

Klaro, die Versuchung ist groß: Da gibt es etwas „kostenlos“ und es wird nicht geprüft, ob man überhaupt zum Einsatz berechtigt ist. This is why we can’t have good things. Hand aufs Herz – und nicht auf diesen speziellen Fall bezogen – ein Großteil der Menschen würde wahrscheinlich so verfahren.

Microsoft hat nun reagiert und mitgeteilt, das man die entsprechende Seite abschalten wolle. Stattdessen müssen Nutzer, die das kostenlose Angebot in Anspruch nehmen wollen, bei Microsoft vorstellig werden.

Assistive technologies are for those with disabilities and who cannot use a computer in a conventional manner (e.g. narrators for the blind, eye tracking machines for those unable to move a mouse, suck and puff machines, etc). Unless you use those, please do not use the link floating about to late upgrade.
As it stands, that method of upgrading is based on an honour rule.

However, having spoken with MS earlier today, they inform me that within the next couple of weeks that webpage and tool will be removed and instead require you to contact MS support directly to upgrade this way. This is being done, to, (direct quote) „stop people who are currently abusing the tool.“

Unabhängig davon: Daumen hoch geht an dieser Stelle an Microsoft. Sie müssen das kostenlose Upgrade ja niemandem zugänglich machen. Dass sie es doch für Menschen machen, die Hilfstechnologien nutzen, ist gut.

(via reddit, twitter & dr.windows)

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16 Kommentare

  1. „Klaro, die Versuchung ist groß: Da gibt es etwas „kostenlos“ und es wird nicht geprüft, ob man überhaupt zum Einsatz berechtigt ist. This is why we can’t have good things.“

    OMG! So eine moralische Keule bei einem OS-Update, das es bis vor ein paar Tage *wirklich* kostenlos gab, ist nun wirklich komplett unangebracht.
    Auch weiterhin hilft jede weitere Windows10-Installation dem Geschäftsmodell von Microsoft!

  2. Also doch nicht ein schönes Silverlight-Script, das prüft ob nun mit Bildschirmlupe geklickt wird oder gerade ein eyetracking-programm läuft…
    Wäre sicher weniger Aufwand und damit weniger Personalkosten für MS, aber so kann man auch Nachweise vom Arzt fordern, also eher eine positive Wendung

  3. Mal ganz ketzerisch gefragt: warum haben Menschen mit Handicaps eigentlich länger Zeit das Update zu installieren? Innerhalb eines Jahres sollten es doch auch die Leute geschafft haben, die die Hilfsmittel zur Bedienung einsetzen.

  4. Hilfstechnologien? wer hat sich dieses Wort ausgedacht?

  5. Hand aufs Herz – und nicht auf diesen speziellen Fall bezogen – ein Großteil der Menschen würde wahrscheinlich so verfahren.

    Ach, Seiten wie die befreundete „mydealz“ zeigen schon lange: Man muss aufhören, ans Gute im Menschen zu glauben, wenn das Internet und ein Euro Ersparnis involviert sind.

    Es bleibt allenfalls zu hoffen, dass das nicht Schule im echten Leben macht. Ansonsten steht man in nicht allzu langer Zeit in der Schlange hinter Leuten mit selbst ausgedruckten Presse-, Senioren-, Behindertenausweisen und von bekannten geliehenen Rollstühlen.

  6. Markus Maier says:

    @Kay: Treiberprobleme für Hilfsgeräte, wie Screenreader etc. und wohl noch einige in Win10 fest eingebaute Technologien, die mit dem heutigen Millenium-Update reinkommen. Konkreter kann ich nicht werden, da ich das Luxusproblem habe, selbst nicht betroffen zu sein und auch keinem in meinem unmittelbarem Umfeld habe, den das betrifft. Finde ich insgesamt einen guten Zug von MS, dass Menshcen Mit Einschränkungen beliebig warten können, bis ihre Geräte endlich Win10-kompativbel sind. Trial-Error-and-Frickel ist da leider keine Lösung.

    LG Markus

  7. Sie könnten auch das Update weiterhin auf kostenlos belassen. Ich meine, was ist das Ziel? Der Zeitraum wurde so gewählt, um möglichst viele Leute in kurzer Zeit zu einem Update zu bewegen. Wahrscheinlich hauptsächlich um marketingtechnisch zu zeigen: „Win10 hat die meisten User von allen Systemen und ist besser als alles andere!“ Wen stören da noch die Nachzügler?

  8. Eike Justus says:

    @Kay
    Weil sie ein Handicap haben. Das bedeutet, dass sie es schwerer haben, den Alltag zu bewältigen. Das versucht man zu kompensieren, indem man ihnen entgegenkommt. Sozial einestellte Menschen wissen das. Ich helfe dir ja auch, das zu verstehen.

    @Thomas
    Das meinst du nicht ernst, oder? ,

  9. Von wem ist das Zitat im blauen Kasten? Ja anscheinend nicht direkt von Microsoft.
    Bitte immer Quellen angeben.

  10. Wolfgang Denda says:

    Bestimmtes Gesindel mogelt sich immer durch, was den Tod für etliche fair use Angebote bedeutet. Wie immer, auf Kosten anderer. Die sind nicht mal bereit, einige Euro für ein täglich genutztes System auszugeben, welches viele Jahre mit Updates versorgt wird.

  11. @Wolfgang Denda
    Das raff ich auch nicht. Für mich steht da eher ein Sport dahinter. Mal gucken, wie es noch geht.

    Ich kenne tatsächlich inzwischen ein paar wenige, die zu Windows 7 zurück sind, ein paar noch weniger, die zu Linux gegangen sind, und ein paar, die halt Windows 10 versuchen, bis zum nächsten großen Update, was noch ein paar Dinge abschaltet, so dass Windows immer weniger benutzbar wird. Ich freue mich schon auf das Deaktivieren des Deaktivierens des Sperrbildschirms, Zwangs-Websuche, was kommt als nächstes? Zwangswerbung (Windows war für mich doch kostenlos, also ist Werbung legitim), wahrscheinlich wird unter Pro meine Hardware bald nicht mehr unterstützt, so dass ich gezwungen bin, ein Update auf was auch immer zu kaufen, ich freue mich auf Windows as a service.

  12. Henning Oschwald says:

    Um mal die „kätzerische“ Frage von Kay weiter oben zu beantworten, die ich als blinder, der selber auf einen Screenreader zur Computerbedienung angewiesen ist, übrigens völlig legitim finde:

    Der weltweit verbreitetste Screenreader, „Jaws for Windows“ ist gleichzeitig auch der teuerste und kostet 2-3 tausend Euro. Zahlt man diesen Preis, erhält man eine Nutzungslizenz (natürlich mit Online-Aktivierung und allen Schikanen, die das Userherz höher schlagen lassen), inklusive üblicherweise der nächsten zwei Major-Upgrades. Anschließend darf man für ein Lizenz-Upgrade wieder mehrere hundert Euro löhnen. Hierzulande werden diese Kosten häufig von z. B. Krankenkassen oder Integrationsämtern übernommen, in anderen Ländern gibt es diese Möglichkeiten oft nicht. Und auch der Antrag auf Kostenübernahme für so eine Software oder ein Upgrade bedeutet Papierkram, das Einholen von Rezepten beim Augenarzt und Warterei, also Aufwand. Das führt dazu, daß viele Nutzer der Software veraltete Versionen einsetzen, die mit Windows 10 nicht funktionieren. Im Fall von Jaws ist es sogar so, daß das Upgrade erst startet, nachdem man Jaws deinstalliert hat. Diese User wollte Microsoft wohl nicht im Regen stehen lassen.

    Interessanterweise gibt es mit NVDA (nvda-project.org) seit einiger Zeit einen Open-Source-Screenreader für Windows, der sich vom Funktionsumfang her durchaus mit den kommerziellen Lösungen messen kann und schon lange mit Win 10 funktioniert. Und auch Narrator, der in Windows mitgeliefert wird, wird immer besser und taugt seit Windows 8 durchaus zu mehr, als nur dazu, sich NVDA runterzuladen. 🙂 Trotzdem wird Jaws weithin noch als das Maß der Dinge angesehen.

    Ich jedenfalls bin froh, daß ich seit knapp 15 Jahren Linux verwende und mich da nicht mit Seriennummern, Lizenzen und Onlineaktivierungen rumschlagen muß.

  13. Ach, als ob Microsoft geschädigt werden würde.

    Die sind doch froh, wenn jemand den Blödsinn geschenkt nimmt.

    Die nächste, spätestens übernächste Version (abhängig davon wie denkresistent der Laden ist) wird für Privatkunden sowieso kostenlos sein.

    Und sogar kostenlos ist noch zu teuer für das NSA-Schnüffelsystem made in the USA, jedenfalls für alle Menschen mit Hirn.

  14. Nachdem die Presse das überall angepriesen hat darf man sich nicht wundern wenn MS den leichten Weg schließen muss.

  15. @Eike

    das klingt nach einer schlechten Bot Übersetzung so wie man früher auch ein Selbstportait gemacht hat und es heute lächerlich Seflie nennen muss…

  16. @Henning Oschwald:

    Danke für deine Info.
    War für mich, nicht betroffen, interessant.