„Resident Evil 2“: Ein Wiedersehen mit Schrecken

Seit Veröffentlichung der Xbox One und PlayStation 4 geben Remaster und Remakes den Ton an: Etliche Spiele aus vorherigen Konsolengenerationen sind mit leicht aufgepeppter Grafik und dezenten Gameplay-Neuerungen erneut erschienen. Dabei sind sowohl umfangreiche und zugleich liebevolle Generalüberholungen wie z. B. „Shadow of the Colossus“ oder „Yakuza Kiwami 2“ herausgekommen, aber auch eher lauwarme Aufgüsse wie „The Secret of Mana“ oder Capcoms „Megaman Legacy Collection“. Letztere haben sich mit „Resident Evil 2“ einen der ganz großen Klassiker aus ihrem Katalog erneut vorgenommen. Das Survival-Horror-Urgestein verheißt ein Wiedersehen mit Schrecken – im positiven Sinne?

Als „Resident Evil 2“ in Deutschland 1998 in Deutschland erschienen ist, war das noch eine ganz andere Ära: Damals gab es noch nicht die Möglichkeit vorab jeden Informationsschnipsel im Internet aufzusaugen. Tja, es existierte nicht einmal ein System für Altersfreigaben. Als Jugendlicher und gleichzeitig Fan des Erstlings bestellte ich mir Teil 2 vor und erhielt es damals vom guten alten (leider nicht mehr existenten) Theo Kranz Versand – damals noch ohne jegliche Altersprüfung. Schnell kamen einige Schulfreunde zu Besuch, um fast schon fassungslos zu bestaunen, was sich damals dank meiner PlayStation auf dem Röhrenfernseher abspielte.

Nicht nur meine Klassenkameraden blickten teilweise schockiert auf das Treiben und äußerten aus heutiger Sicht witzige Bedenken wie „das ist schon zu realistisch“ angesichts des blutigen Horrors. Auch der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien war das damals zu viel – zack, wurde das Game indiziert. Für mich und einige Kumpels kam so etwas in den 1990er-Jahre eher einer Adelung gleich und „Resident Evil 2“ entwickelte sich schließlich ohnehin nicht nur in meinem damaligen Freundeskreis zum Klassiker.

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Video-Link: https://youtu.be/u3wS-Q2KBpk

20 Jahre sind mittlerweile vergangen: „Resident Evil 2“ ist in der Originalversion in Deutschland mittlerweile ab 16 Jahren freigegeben, hat unzählige Plattformen beehrt und das Franchise hat zahlreiche Höhen und Tiefen durchlebt. Da erkannte Capcom den richtigen Zeitpunkt um das Jahr 2019 mit einem der ersten hochkarätigen Triple-A-Titeln zu eröffnen: einem kompletten Remake von „Resident Evil 2“! Das Game ist am 25. Januar 2019 für die Xbox One, die PlayStation 4 und den PC erschienen. Ich habe das Remake, welches die RE-Engine nutzt, die auch schon für „Resident Evil 7“ die Basis bildete, an der Xbox One X angezockt.

Zunächst muss ich zugeben: Horror-Games zocke ich heute eigentlich nicht mehr. Vielleicht sind meine Nerven schwächer geworden oder mein Geschmack hat sich einfach etwas gewandelt. Aber ich empfinde derartige Titel heute als „anstrengend“ und meide sie deswegen. „Resident Evil 2“ wurde mir von Capcom als Muster angeboten und durch meine Vorgeschichte mit dem Franchise habe ich es dann als Angebot wahrgenommen, das ich nicht abschlagen konnte. Immerhin habe ich „Resident Evil 2“ auf der ersten PlayStation mehr als viermal durchgezockt. Denn damals konnte man quasi erst dann, wenn man jeweils nach dem ersten Durchspielen die Charaktere wechselte, wirklich das richtige Finale erreichen. Heute sind derartige „New Game+“-Modi an der Tagesordnung, damals war das eine ziemlich ungewohnte Idee.

Außerdem habe ich bisher so gut wie alle „Resident Evil“ durchgenudelt – lediglich Ableger wie „Resident Evil Survivor“ sparte ich mir. Da ist im wahrsten Sinne des Wortes eben bei mir eine ganze Menge Nostalgie im Spiel. Allerdings muss ich auch zugeben: Dass ich „Resident Evil 2“ das letzte Mal gezockt habe, das ist gut 20 Jahre her. Und über zwei Dekaden vergisst man dann auch vieles. Im Wesentlichen wusste ich noch, dass ich das Spiel grandios fand und grob, durch was für Areale man da gelotst wurde. Und dann war da so eine erste Begegnung mit einem gewissen Licker, die ich genau so wenig vergessen habe, wie eine Szene aus dem ersten Teil, in welcher die Zombie-Hunde in einem Korridor des Herrenhauses durch die Fenster preschen – Fans wissen, was ich meine.

Wer sich nun erhofft, dass das Remake zu „Resident Evil 2“ wie auf einer Strichliste all diese legendären Momente abhakt, der dürfte leicht enttäuscht sein. Denn Capcom hat das Spiel nicht nur technisch komplett neu aufgezogen, sondern auch die Schauplätze, die Story, die Dialoge und auch das Gameplay aufgepeppt. Meiner Meinung nach geschieht das aber so gut wie immer zum Besseren. Etwa ist „Resident Evil 2“ immer noch durch und durch Survival-Horror und driftet nicht in die krawalligen Action-Gefilde an, welche „Resident Evil 5“ und auch „Resident Evil 6“ kontrovers werden ließen.

Allerdings übernimmt man das etwas beschleunigte Gameplay aus meinem Favoriten der Reihe, „Resident Evil 4“. Die beiden Hauptcharaktere Leon. S. Kennedy und Claire Redfield sind also deutlich flinker zu Fuß, als damals noch in der Originalversion. Das ist auch notwendig. Da es keine Ladeunterbrechungen mehr zwischen einzelnen Räumen und Arealen gibt, steigt die Anspannung beim Zocken und es sind durchaus mal schnellere Reaktionen gefragt. Im Kern regiert aber immer noch die düstere, brodelnde Stimmung des Originals. Statt permanent rumzuballern, müsst ihr euch also des Öfteren damit abfinden Gegner lieber zu umgehen, Munition zu sparen und Rätsel zu lösen, um in neue Abschnitte vorzudringen.

Dabei gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, die sowohl Puristen als auch neue Fans ansprechen. Wer etwa erneut nur mit in der Anzahl beschränkten Farbbändern speichern möchte, der kann das so haben. Ich selbst habe an der Xbox One X als Angsthase auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad gezockt, denn meine Nerven waren auch so schon strapaziert genug. Denn wo meine eingangs erwähnten Schulfreunde 1998 wie gesagt raunten „das ist schon zu realistisch„, kann man das 20 Jahre später über den Gore in „Resident Evil 2“ durchaus stellenweise sagen. Der Splatter-Faktor ist hoch und wer sich die blutigen Hautstücke in den angeschossenen Fratzen der Zombies zu genau betrachtet, legt die Chipstüte vermutlich lieber beiseite.

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Auch die Soundkulisse ist komplett neu – in der Deluxe-Version des Titels kann man aber auch den Original-Soundtrack der PS1-Version aktivieren. Insgesamt habe ich „Resident Evil 2“ während des Zockens als eine wirklich coole Mischung aus dem Original aus der Playstation-Ära sowie dem vierten Teil empfunden. Technisch spielt aber eben nun alles auf der Höhe der Zeit: An der Xbox One X läuft das Spiel zwar nicht in nativem 4K, ist aber nahe dran. HDR unterstreicht das Spiel von Licht und Schatten, denn hier hat Capcom besonders viel geschraubt. Da man sich nun durch in Echtzeit berechnete Gebiete bewegt, statt durch vorgerenderte Areale mit festen Kameraperspektiven, spielt die eigene Taschenlampe eine große Rolle.

Das wiederum erinnert auch etwas an die damals konkurrierende Reihe „Silent Hill“, denn wenn man plötzlich einen Gegner anfunzelt und jener einen folgerichtig attackiert, sind Jump-Scares vorprogrammiert. Was mir an der Technik ein bisschen für die B-Note negativ aufgefallen ist: Das Spiel legt an sich eine offene Framerate an und erreicht zwar meistens an der Enhanced-Konsole die 60 fps, manchmal wird es aber doch etwas unkonstant. Da wäre die bessere Alternative gewesen auch einen Modus mit 30 fps und dann vielleicht nativen 4K zu implementieren. Außerdem ist des Öfteren Clipping zu beobachten. Zombies ragen also durchaus mal durch eine Wand oder strecken die Beine genüsslich durch Tische in der Spielumgebung. Fällt durchaus auf, stört aber selten die Atmosphäre.

Wer aus dem zombieversuchten Racoon City entkommen und die dunklen Machenschaften der Umbrella Corporation ergründen will, kann pro Spielfigur und Durchgang ca. 8 Stunden einrechnen. Dabei überschneiden sich die beiden Szenarien aber stärker, als dass sie sich unterscheiden. Dennoch lohnt es sich meiner Ansicht nach sowohl mit Leon S. Kennedy als auch Claire Redfield mindestens einmal durch „Resident Evil 2“ zu streifen. Zumal sich neue Spielmodi freischalten lassen, die Fans auch aus dem Original von 1998 erkennen. So kehrt etwa ein gewisses Stück Tofu zurück.

Das Spiel heißt ja immer noch „Resident Evil 2“, muss man also den ersten Teil gespielt haben? Nun ja, Kenntnisse über das Franchise werten manche Momente auf, sind aber beileibe keine Voraussetzung. Meiner Meinung nach kann die Story sehr gut für sich stehen, so dass „Resident Evil 2“ quasi auch ein richtig guter Punkt für Neueinsteiger ist, um sich mal anzuschauen, worum der ganze Rummel sich seit Jahren dreht. „Resident Evil 2“ ist ein technisch hervorragendes Game mit knackiger Spielzeit, das in keiner Minute langweilt und die Längen umgeht, welche etwa viele Open-World-Games mit ihren Sammelorgien plagen.

Hätte ich 1998 geahnt, dass ich ziemlich genau 20 Jahre später nochmal eine völlig neue Version von „Resident Evil 2“ durchspielen würde, hätte mein jugendliches Ich sicherlich Freudensprünge hingelegt. Auch wenn ich heute den Fängen des Survival-Horrors entkommen bin, hat der zugleich nostalgische wie technisch absolut auf der Höhe der Zeit liegende Ritt durch Racoon City mich sehr begeistert.

Deswegen kann ich „Resident Evil 2“ wirklich allen empfehlen, die schon damals Spaß an dem PlayStation-Game hatten oder auch bei „Resident Evil“ nun einmal reinschnuppern wollen. Es gibt genügend Veränderungen, um Veteranen zu überraschen, aber auch ausreichend Gemeinsamkeiten mit dem Original, so dass der legendäre Status von „Resident Evil 2“ nicht nur erhalten, sondern eher noch ausgebaut wird. Habt ihr „Resident Evil 2“ ebenfalls schon angezockt? Wie haben eure Nerven das Erlebnis überstanden?

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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3 Kommentare

  1. Ich habe nie selbst eine Konsole besessen. Spiele wie diese habe ich mir immer inklusive Konsole von Freunden geborgt.
    Ich kann mich noch dran erinnern, dass Resident Evil 1 eines der nervenaufreibendsten und spannendsten Spiele waren, die ich je gespielt hatte. Später wechselte ich dann zu Silent Hill. Da waren durchaus mehr Spiele am PC spielbar.

    So wie dir André geht es mir mittlerweile auch. Abgesehen davon, dass ich überhaupt keine Zeit habe im fortgeschrittenen Alter stundenlang zu zocken, finde ich diese Art von Spielen doch manchmal zu nervenaufreibend und bin froh wenn ich dann die Kiste wieder ausmachen kann. Der Reiz ist aber immer noch vorhanden.

  2. Ich bin seit meiner Kindheit mit der Reihe Resident Evil vertraut. Damals stieg ich mit dem Directors Cut des ersten Teils ein. Das Remake von Teil 2 ist eine gelungene Neuauflage. Aber ich muss ernsthaft sagen, dass die Idee den Tyrant (auch oft Mr X genannt) als permanenter Begleiter einzubauen dem Spiel den Spaß nimmt. Natürlich ist er recht einfach zu umgehen, aber man kann bereinigte Orte nicht erkunden, Rätsel in Ruhe lösen oder collecten. Die KI ist zu „krass“ gestaltet. Er campt vor dem Safe Room und wandert nicht durch das ganze Revier, er wartet auf einen, erzwingt teilweise minutenlanges warten in bereits abgeschlossenen Räumen und sorgt für ein nerviges Erlebnis. Der zweite Lauf ist nicht ergänzent sondern lästig. Teilweise spielte ich mit dem Gedanken einfach aufzuhören, weil der Spielspaß getrübt war. In den Klassikern mache ich mit links einen Speedrun, aber ich möchte das Spiel keinem Einsteiger zumuten. Die Mischung aus wirkungslosem Stealthing und einem campenden Unbesiegbaren sind nichts.

    Die anderen Abschnitte sind einfach genial.

  3. Also in meinem Internet vom 1998 gab es Informationen zu Allem und Jedem.

    Meine eigentlich Frage ist aber: Die Bilder hier im Beitrag, sind das Screenshots vom ersten oder zweiten Teil der Serie oder zeigen die eine Schwarzes Loch?
    Ich kann auf dem Pixelbrei nichts erkennen. Ihr übertreibt es wirklich mit der Byte-Sparwahn.

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