Reingehört: Die neuen True-Wireless-Ohrhörer BackBeat FIT 3200 von Poly

Im April dieses Jahres hatte sich André in seinem Test mit den True-Wireless-Kopfhörern BackBeat FIT 3100 von Plantronics (oder besser Poly) befasst, denen er ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bescheinigen konnte. Außerdem überzeugte der Halt der Earwings und auch der Klang ging trotz etwas schwacher Basswiedergabe mehr als in Ordnung. Ich habe mir in den vergangenen Wochen das direkte Nachfolger-Modell, die BackBeat FIT 3200 anschauen und vor allem anhören dürfen und möchte euch hier nun berichten, ob der Hersteller die Mängel des Vorgängers abstellen konnte und vielleicht noch die eine oder andere Verbesserung untergebracht hat.

Kommen wir doch erst einmal zu den Spezifikationen der kabellosen Ohrhörer, die sich allerdings nicht so großartig von den BackBeat FIT 3100 unterscheiden. Hauptsächlich bieten die BackBeat FIT 3200 nun etwa drei Stunden mehr Laufzeit, während der Akku noch immer 90 mAh, respektive zusätzlich 740 mAh im Ladecase, besitzt. Von daher ist es umso spannender, was sich am Klang der In-Ears getan hat.

Specs

  • Akku: 90 mAh (bei den Earbuds), 740 mAh (im mitgelieferten Case), Gesamtladedauer 2 Stunden, Schnelllade-Option für 1,5 Stunden Laufzeit nach 15 Minuten Ladevorgang
  • Bauweise: In-Ear
  • Earwings: Ja
  • Laufzeit: Musikhören bis zu acht Stunden, 16 weitere Stunden dank Ladecase
  • Bluetooth: Bluetooth 5.0, Hands-Free Profile HSP 1.2, HFP 1.7
  • Reichweite: bis zu 30 m
  • Audio: Advanced Audio Distribution Profile (A2DP) 1.3, AVRCP 1.6
  • Mikrofon: MEMS-Mikrofon mit DSP
  • Empfangsfrequenz: 20 – 20.000 Hz
  • Treiber: 13,5 mm
  • Equalizer-Profile: PLT-Signatur ausgeglichen, Tiefen, Bright
  • Resistent gegen Schweiß und Wasser: IP57 (wasserdicht in Frischwasser bis zu 1 m Tiefe für maximal 30 Minuten)
  • Gewicht: 13 g pro Earbud, 89 g Ladecase ohne die Earbuds
  • Steuerung: Touch- und Druckeingabe direkt an den Earbuds (per My-Tap-Feature in der BackBeat-App individuell anpassbar)
  • App für iOS und Android
  • Firmware-Updates: Ja, über die BackBeat-App
  • Optionaler Awareness-Modus: beim Musikhören die Geräusche der Außenwelt wahrnehmen
  • Lieferumfang: Kopfhörer, Ladeschale, USB-Kabel, Kurzanleitung
  • Preis: ca. 150 Euro

Tatsächlich kann ich vieles, was André in seinem Test geschrieben hatte, live beim Auspacken und ersten Ausprobieren mehr oder weniger miterleben, denn es fühlt sich nicht nur alles genauso an bei der Einrichtung – die Geräte sehen auch noch nahezu identisch aus und auch das Case ist im Grunde noch das gleiche wie zuvor. Das gilt leider auch für den noch immer verwendeten Micro-USB-Anschluss, über den das Case geladen wird. Deswegen kann ich mich zumindest hier auch relativ kurz fassen: Der Lieferumfang der BackBeat FIT 3200 umfasst eigentlich alles, was ihr für den Start benötigt. Neben den Ohrhörern liegen nun endlich auch zwei weitere Paar unterschiedliche Eartips aus Silikon bei, damit sich die In-Ears auch möglichst jedem Ohr anpassen. Meiner Meinung nach sollte jeder Hersteller entsprechenden In-Ear-Ohrhörern zusätzliche Aufsätze mitgeben, da schließlich jedes Ohr unterschiedlich ist und nur so ein möglichst guter Halt gewährleistet werden kann.

Nimmt man die beiden Ohrhörer aus dem Ladecase, schalten diese sich auch umgehend ein und warten auf die Verbindung mit eurem Smartphone oder einem anderen kompatiblen Bluetooth-Gerät. Vice versa sollen sich die beiden Ohrhörer beim Einklinken ins Case auch selbstständig wieder ausschalten, was bisher auch durchgehend funktionierte. Hier hatte André bei den BackBeat 3100 noch das eine oder andere Problem feststellen müssen. Eine freundliche Damenstimme erklärt mir kurz auf Englisch (in der BackBeat-App könnt ihr später auch das deutsche Sprachmodul herunterladen), dass die Geräte eingeschaltet sind, der Ladestand „High“ ist (also keine Prozentangaben) und dass ein Telefon mit den Ohrhörern verbunden wurde.

Anschließend startete ich die kostenlose BackBeat-App, die sowohl Olli als auch André bereits in ihren Tests ausführlicher vorgestellt haben. Hier lässt sich später eben nicht nur die Systemsprache der Earbuds ändern, ihr könnt nach Firmware-Updates suchen, per My-Tap-Feature die Steuerung des Haupt-Earbuds nach euren Wünschen anpassen, den Awareness-Modus aktivieren, der während der Musikwiedergabe Umgebungsgeräusche hindurch lässt, damit ihr im Straßenverkehr achtsamer unterwegs seid, und ihr könnt euch auch durch die drei vorgegebenen Equalizer-Profile schalten.

Leider fehlt es der App weiterhin an der Möglichkeit, eigene Equalizer-Einstellungen vorzunehmen und abzuspeichern, wenn euch die drei Vorgaben einfach nicht genügend gefallen sollten:

Und noch eine weitere Geschichte hat mich an der App etwas genervt, nämlich dass ich die Earbuds mehrfach vom iPhone hab trennen und neu verbinden müssen, bevor die App diese dann auch endlich als „verbunden“ finden wollte und mir die eigentlichen Menüs angeboten hat. Scheinbar hat die App ein Problem damit, wenn die Geräte bereits vor der ersten Einrichtung mit dem Smartphone gekoppelt wurden.

Was mich an vielen der bisher von mir ausprobierten True-Wireless-Ohrhörern gestört hat, ist, dass sie nicht mit Earwings ausgestattet waren und somit beim Sport, teilweise aber auch schon beim normalen Spazierengehen nach einer Weile locker sitzen oder sich ganz aus dem Ohr verabschiedeten. Das ist bei den BackBeat FIT 3200 genau wie beim Vorgängermodell Gott sei Dank anders. Die hier verwendeten Earwings klemmen sich von außen ans Ohr, was den einen oder anderen Brillenträger sicherlich stören könnte, bei meiner Brille mit schmalen Bügeln aber überhaupt kein Problem darstellt.

Die Earbuds werden in das Ohr eingesetzt und anschließend mit einer Drehbewegung nach vorne gedreht, sodass sich die Earwings hinter das Ohr klemmen. Das klappt problemlos, auch deswegen, weil die Wings angenehm elastisch sind und ihr so schnell mit dem Finger beim Anlegen nachhelfen könnt. Einmal im Ohr angebracht war ich dann anfangs doch ein wenig überrascht oder eher noch: erschrocken. Denn egal, welche Eartips ich verwende – die BackBeat FIT 3200 sitzen gefühlt lockerer im Ohr als alle bisher von mir getesteten In-Ears, was vom eh schon leichten Gewicht der Dinger noch zusätzlich verstärkt wird. Das sorgt zum einen dafür, dass die Ohrhörer zu keiner Zeit unangenehm drücken, egal wie lange ich sie tagsüber trage. Zum anderen habe ich aber anfangs doch recht häufig versucht, den Sitz immer mal wieder zu korrigieren, da ich Angst hatte, ich könnte die Geräte draußen verlieren.

Die Angst hat sich dann aber doch recht schnell in Luft aufgelöst, da die Earwings eine klasse Arbeit leisten und ich mittlerweile sogar sehr dankbar bin, dass die Ohrhörer eben nicht so sehr drücken und dennoch sehr sicher am Ohr befestigt sind. Zudem bekomme ich so immer ein wenig von der Außenwelt mit, auch wenn ich die Lautstärke mal auf höchster Einstellung habe. Auf der anderen Seite muss man aber auch akzeptieren, dass es sicherlich nicht jedem schmecken wird, dass die Geräte nicht den gewohnt festen Sitz bieten und auch nicht jeder Nutzer immer seine Umgebungsgeräusche wahrnehmen wollen wird.

Der Hersteller gibt für die Earbuds eine Laufzeit von rund acht Stunden an, zusätzlich lassen sich über das Ladecase noch einmal bis zu 16 Stunden weitere Laufzeit addieren. In meinem Test erreichte ich diese Angaben problemlos, nach den ersten zwei Aufladungen konnte ich sogar noch fast eine halbe Stunde über die acht Stunden hinaus hören – zwar nicht am Stück, aber die Dauer habe ich währenddessen notiert. Dazu ist anzumerken, dass ich nur zu Beginn bis in die höchste Lautstärkestufe gegangen bin, um auszuprobieren, ob die Geräte verzerren – so viel vorweg: tun sie nicht. Im Normalfall nutzte ich die In-Ears bei halber Lautstärke, maximal 75 Prozent.

Bei der Steuerung setzt man bei den BackBeat FIT 3200 teils auf Touch- zum anderen aber auch auf Druckeingaben, die beide direkt am Ohrhörer vorgenommen werden. Der primäre Ohrhörer lässt sich in der BackBeat-App sogar noch ändern, ist standardmäßig aber auf den linken Ohrhörer festgelegt. Hier wird die Lautstärke per Toucheingabe geregelt, der sekundäre Ohrhörer lässt parallel per Tastendruck sowohl die Tracks pausieren und starten, aber auch überspringen und den smarten Assistenten des verbundenen Smartphones auslösen, der dann per Mikrofon im Ohrhörer verwendet werden kann. Wie bereits erwähnt, dürft ihr die Steuerung in der App aber ganz nach euren Wünschen anpassen, was nicht mit jedem True-Wireless-Ohrhörer machbar ist.

Auch habe ich mit den BackBeat FIT 3200 Telefonate durchgeführt, was einwandfrei funktioniert hat und eine durchgehend klasse Gesprächsqualität bieten konnte. Hier habe ich auch ehrlich gesagt nichts anderes erwartet. Meine Gesprächspartner haben mich sehr klar verstehen können, was auf meiner Seite ebenso der Fall gewesen ist. Für Anrufe könnt ihr noch auf Wunsch HD Voice aktivieren. Funktioniert natürlich nur dann, wenn auch am anderen Ende die entsprechende Unterstützung da ist. Kommen wir aber mal zum Klang der Ohrhörer. Hier hatte André seinerzeit den etwas schwachen Bass bemängelt, weshalb ich mit einer ähnlichen Einstellung in den Test gestartet bin. Doch hier scheint Plantronics tatsächlich noch einmal an den Treibern geschraubt zu haben, denn der Bass der BackBeat FIT 3200 ist wirklich kräftig, in einigen Tracks dann sogar etwas zu kräftig, weshalb ihr euch mit den drei Soundprofilen der App etwas mehr auseinandersetzen solltet.

Während ich in den von Caschy empfohlenen Mixcloud-Streams sehr dankbar dafür bin, wenn die Bässe ordentlich Druck aufbauen, kann ich das nicht in jedem Musikgenre gebrauchen. Gerade bei Tracks von den Broilers, den Toten Hosen oder Volbeat sorgen die kräftigen Bässe dann eher dafür, dass einiges von den sonst wirklich gut abgestimmten Mitten und Höhen verloren geht bzw. schon fast etwas dumpf klingt. Das ist bei Weitem nicht andauernd der Fall und je nach Track unterschiedlich wahrzunehmen, dennoch sollte es hier erwähnt sein. Alles in allem gefällt mir die Klangqualität für meine doch einfachen Ohren schon sehr gut, audiophile Menschen werden sicherlich eher die Nase rümpfen, doch die schauen sich auch eher nach anderen Geräten in anderen Preisklassen um.

Leider noch immer mit Micro-USB-Anschluss, dafür aber erneut mit Schnellladeoption – das mitgelieferte Ladecase

Wenn ich außer dem teils zu kräftig platzierten Bass dann noch etwas bemängeln müsste, dann wäre das die weiterhin fehlende Lade-LED an der Außenseite des Case und den dort verwendeten Micro-USB-Anschluss, die für Brillenträger etwas ungünstig außen platzierten Earwings (die aber ansonsten einen super Job erledigen) und dass ich in der App weiterhin keine eigenen Equalizer-Einstellungen vornehmen darf.

Die Vorgänger gibt es mittlerweile schon etwas günstiger zu kriegen, für das von mir getestete Modell veranschlagt der Hersteller erst einmal noch knapp 150 Euro, was meiner Meinung nach für das Gebotene ein sehr fairer Preis ist. Ich hatte die Geräte nun nicht nur beim Spazierengehen, sondern auch beim Sport auf dem Crosstrainer, sowie beim draußen Toben mit meinem Sohn und auch auf diversen kurzen Fahrradausflügen auf und kann diesen daher einen wirklich sicheren Sitz bescheinigen, auch wenn ich zu Beginn einen ganz anderen Eindruck hatte.

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Benjamin Mamerow

Nordlicht, Ehemann und Vater, hauptberuflich mit der Marine verbündet. Außerdem zu finden auf Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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5 Kommentare

  1. Michael Ruhland says:

    Wo kann ich die Kopfhörer den in Deutschland kaufen? Ich finde die nirgends und suche seit Wochen danach.

    • Direkt beim Hersteller: https://www.plantronics.com/de/de/product/backbeat-fit-3200

      Der schreibt dort auch:

      „ Wir liefern zurzeit in die Vereinigten Staaten, in das Vereinigte Königreich sowie nach Deutschland, Frankreich, Italien, Finnland, Spanien, in die Niederlande und nach Australien. In diese Länder bieten wir zurzeit keinen Direktverkauf an. Auf der Seite „Verkaufsstellen“ finden Sie eine umfassende Händlerliste.“

      Sollte also kein Problem sein, die dort zu bekommen 🙂

  2. Rupert vom Waldrand says:

    Spannender Test, danke. Kann man einen oder beide auch als Single/Mono-Hörer tragen? (Manchmal muss auch mal ein Ohr freibleiben.) Und: Ist der EQ/die Profilauswahl auch abwählbar?

    Schade: BT 5, aber kein USB-C … nicht mitgedacht. :/

  3. „diversen kurzen Fahrradausflügen“
    NEIN kein StVo konforme Ohrstöpsel. Alles was inEar, Over oder On Ear ist und nicht neben Ohr ist nicht im StVo Bereich zulässig. Sprich selbst Fußgänger müssten hierfür ein Knöllchen bekommen wenn beide Ohren verdeckt oder zugestopft sind. Als Verkehrsteilnehmer, das sind im Grunde ALLE auf nicht Privatwegen, müssen den Verkehr hören. Passiert etwas wird man gar Straffällig sollte einem dies nachgewiesen werden das die Teile am Ohr waren. Ist schlimmer als das dämliche mm Profiltiefe der Reifen am Parkplatz wenn ein Honk reinfährt und man nicht mal im Auto wahr.
    Es währe also Gut wenn man die User immer warnt das nicht StVo konform Kopfhörer sind die das Hören des Verkehrs beeinflussen. ANC Geräte gleich 100fach nicht!!!

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