Project Treble: So möchte Google für schnellere Android-Updates sorgen

Freitag Abend, es gibt wohl kaum einen besseren Zeitpunkt, um eine nicht gerade kleine Änderung am Android-System vorzustellen. Google hat schon mehrmals verlauten lassen, dass man sich der Sache mit den schleppenden Android-Updates annehmen werde, insofern sollte man vielleicht auch Treble kritisch betrachten. Aber Googles Plan sieht schlüssig aus und könnte in der Tat für Hersteller und Nutzer gleichermaßen nützlich sein. Mit Android O soll Treble dann auch zum Einsatz kommen.

Aber was ist Treble eigentlich? Es ist nicht weniger als eine Umstrukturierung von Android-Updates. Aktuell benötigt es 5 Schritte, um eine neue Android-Version letztendlich an die Kunden auszuliefern. Mit Treble werden diese Schritte weniger und die Arbeit wird auch aufgeteilt. So bekommen Komponentenhersteller eine neue Android-Version zuerst, damit sie Android an die entsprechenden Anforderungen anpassen können.

Dann geht es zum Hersteller der Smartphones, der allerdings gar nicht mehr viel Arbeit hat, da es eine neue Stufe gibt. Zwischen Android Framework und Vendor Implementation wird es noch das Vendor Interface geben. Ist eine neue Android-Version mit der Vendor Implementation kompatibel, kann sie genutzt werden, klingt ziemlich geradlinig.

Die Hersteller müssen halt nicht bei jedem Android-Update wieder ihre Oberflächen und Sonderaktionen anpassen, sondern diese werden quasi eine Ebene höher eingegliedert. Das kann dann eine Menge Aufwand sparen und tatsächlich zu flotteren Updates führen.

Verfügbar wird Treble für alle neuen Geräte mit Android O sein, aber auch im Google Pixel mit Android O-Preview ist Treble bereits vorhanden. Details dazu werden wir sicher zur Google I/O hören, die findet ja bereits nächste Woche statt. Ob Google mit Treble den heiligen Gral der Android-Updates entdeckt hat? Oder sollte man sich weiterhin nicht allzu große Hoffnungen machen? Was meint Ihr?

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

22 Kommentare

  1. immer diese placebo ankündigungen.. in 2 jahren wird man für android R wieder ein ähnliches feature ankündigen, das am ende nichts verändern wird. wetten dürfen noch angenommen werden.

  2. Was ändert sich wenn der hersteller dennoch keine updates rausbringen wird, da sonst das nachfolge smartphone sich dann ja nimmer verkaufen lässt. Updates müssen wie playstore oder ala windows vom google kommen.sonst wirddas nix

  3. @Steffen: Genau das hat Google ja schon verbessert. Inzwischen bekommt man die meisten Updates (auch Sicherheitsupdates) direkt von Google über die Android Play Services und muss dabei nicht mehr auf die Hersteller oder Provider warten. Ganz automatisch im Hintergrund.

    Aber das ist halt nicht so spektakulär. Und die Kiddies und Blogger sind halt immer geil auf die neueste Versionsnummer. 😉

  4. Julian Jeroschewski says:

    @Tobi: Ja, es gibt inzwischen Komponenten-Updates, teilw. auch direkt von Google. Und das ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Aber abgesehen davon, dass das nicht spektakulär ist, ist es auch ganz einfach nicht genug. Wenn wenigstens die Sicherheitspatches lange und regelmäßig (häufig) kommen würden… Ich halte ja bei meinem Windows PC auch nicht nur die Treiber und ein paar 3rd-Party Programme aktuell, verzichte dabei aber auf Windows Updates (oder Umgekehrt) und behaupte, dass wäre sicher…
    Meiner Meinung nach ist längerer Support gerade in Zeit der derzeitigen, langfristig performanten Hardware ein wichtiges Thema.

  5. @Tobi

    Bitte erzähl keinen Müll! Die Android-Sicherheitspatches werden über OTA-Updates verteilt, die widerum vom Hersteller ausgeliefert werden. Wer kein Google-Phone benutzt ist aufgeschmissen – oder benutzt ein custom Rom wie LineageOS.

  6. Das wird ja so in der Praxis niemals funktionieren. Bei eher simplen Hersteller UIs wird das eventuell Sinn machen, bei Herstellern wie Samsung, LG usw, welche sehr tiefe Eingriffe in Android vornehmen, wird das keine Verbesserung bringen.

  7. @Reen:
    Ah, danke für die Info von deiner Glaskugel.
    Hätt‘ ich bloß auch eine.

  8. Wenn ich das korrekt verstehe, entkoppelt man die „Treiber“ (also Module) von den höheren Komponenten — also die stabile API, die in Linux aus politischen Gründen nie gewollt war. Im Prinzip wie unter Windows.

  9. @HongMi: Tobi meinte sicherlich die Google Play Services und da gebe ich ihm Recht, dass Google da schon einen guten Ansatz hat. Für komplette Systemupdates feucht das aber leider nicht

  10. @ratti DIE stabile API unter dem Linux Kernel gibt es schon immer. Ein Linux Programm unter Kernel 1.0 läuft auch noch unter Kernel 4.0 genauso weil die Userspace API gleich geblieben ist. Außer dem Kernel hat Android auch nicht viel übernommen aus Linux. Treiber unter Linux bilden mit dem Kernel eine Einheit. Die Verantwortung die Treiber einzubinden nimmt man nur ab und wältzt sie mehr auf die Chiphersteller ab. Mit der Windowsarchitektur hat das nachwievor nichts zu tun (das ist Architektur und Geschichtlich bedingt) außer dass eine neue Schnittstellenebene weit über den Kernel geschaffen wird.

  11. @therealmarv Mit der Userspace-API hat das doch nichts zu tun. Es geht doch nicht um Apps.

    Es geht um die Module („Treiber“). In der Regel werden Module für exakt den Kernel mitkompiliert, den man verwendet. Zwischen Modulen und Kernel gibt es keine „stabile“ API (im Sinne von: garantiert). Wir der Kernel von 3.0.0 auf 3.0.1 upgedated, muss jeder „Treiber“ mitkompiliert werden.

    So, wie ich die neue Struktur verstehe, wird eine Zwischenschicht eingezogen, die eine stabile API garantiert. Das alte Modul kann bleiben — es ruft die Zwischenschicht auf. Diese adaptiert den Aufruf für den neuen Kernel.

    Somit läuft die neuere Android-Version mit alten Modulen weiter. Vermutlich wird man die Zwischenschicht für Geräteklassen generalisieren, deswegen kommt das auch nicht für ältere Systeme — weil die Module daran angepasst sein müssen.

    Und das ist ist Prinzip wie unter Windows. Solange sich die Major Version nicht ändert, nimmt man einfach „den Treiber“. Und nicht „den Treiber für Kernel 4.10.23-15rc1“

  12. Wolfgang D. says:

    Leute, Hauptsache ihr kauft neu, diesmal ein Gerät mit Android O ab Werk.

    Aber das mit den schnelleren Updates glaube ich erst, wenn ich es ‚in funktionierend‘ bei anderen sehe. Bis dahin spare ich viel Geld.

  13. Eine entsprechende Änderung MUSS kommen. Google möchte auf die Devices im IoT, und das wird nicht klappen ohne aktualisierbare Firmware.Sonst haben die Leute das letzte Mal einen Google-Kühlschrank gekauft.

  14. @ratti Ich glaube du bringst einfach zuviel durcheinander. Android Bestriebssystem selber ist schon Userspace zum größten Teil. Kernel und Treiber wird durch diese neue Android Architektur NICHT getrennt. Treiber müssen bei Kernel Update auch wieder neu kompiliert werden. Wie gesagt, Android selber ist eine Userspace Software aufbauend auf den Kernel und Hardwaretreibern. Schon heute gibt es eine HAL (Hardware Abstraction Layer) in jedem Android Device die den Kernel, Hardware und Treiber abstrahiert.

    Siehe hier
    https://source.android.com/devices/

    Diese neue Architektur wird nichts anderes sein als ne verbesserte besser definierte HAL.

    Falls Leute auch hoffen dass Kernel Sicherheitsupdates und Treibersicherheitsupdates (z.B. Broadcom Modemtreiber oft) dadurch schneller ausgeliefert werden können: Nein, das wird nicht der Fall sein. Der Flaschenhals ist wieder der Hersteller

  15. Android wird dadurch komplett Userspace und die wenigen Kernelspace Anpassungen sind dann durch Schnittstellen geprägt.

  16. Das ist genau so wirkungslos wie diese „Seamless updates“. Eingeführt werden soll es mit Android O. Das Problem beginnt aber damit, das bereits im Umlauf befindliche Geräte niemals Android Nougat geschweige denn Android O erhalten werden. Letztendlich betrifft es wieder nur die sehr wenigen Geräte die überhaupt geupdatet werden und Geräte die in Zukunft neu erscheinen.

    Google entwickelt mal wieder vollkommen am Problem vorbei ! In den Griff kriegen wird man das nur, wenn Android seinen Open Source Charakter aufgibt und wie Chrome OS organisiert wird.

  17. Naja Marcus, auf längere Sicht wird das schon ne top Sache sein, wenn zumindest Neugeräte ab Androi O konstant Sicherheitsupdates bekommen. Zu Tobi. Ja die Play Services werden seit vielen Jahren von Google schon eingesetzt, aber wie gesagt nur großteils für die Google Apps und ein paar Third Party Apps die die Services ansprechen. Hier muss man aber auch sagen, dass Google immer mehr Apps exklusiv für ihre Geräte hält. Siehe Google Contacts (geht auf meinem aktuellen Asus Tablet nicht, aber dem älteren OnePlus 2 aber schon), Google Camera, Google Phone usw. Per Sideloading laufen die Apps aber problemlos 😉
    Ich trau dem Braten aber noch nicht. Die Hersteller könnten garantiert auch heute für viele ältere Modelle kostengünstig die Sicherheitsupdates rein patchen, aber wollen es nur nicht. Schlielich will man ja selber neue Geräte verkaufen. Man sieht es ja an den Android 2-4 Usern. Nur eine Minderheit wechseln nicht auf was neues. Also klappt das ja. Alle App-Entwickler unterstüzten großteils sogar noch Android 4, somit ist hier auch eigentlich wer auf kein fettes leistungsfähiges Smartphone setzen möchte noch gut mit einem funktionierende Gerät vertreten, sofern man auf Updates scheißt.

  18. @Steffen: Es geht ja nicht nur um die Sicherheitsupdates, sondern auch darum das „ältere Geräte“ mit neuer Android Software versorgt werden. Ich kann da auch die Hersteller verstehen, ein neues Gerät zu verkaufen bringt einfach mehr als ein altes mit Updates zu versorgen.

  19. Ich habe eine gigantische Idee: Die Hersteller nehmen für nicht mehr unterstützte aber verbreitete Geräte fürs Update auf aktuellsten Stand einfach einen Betrag X in für Kunden und Hersteller ökonomisch rentabler Höhe. Meinetwegen 11€. Geräte laufen länger, die Kosten sind gedeckt oder man macht sogar Gewinn und planetare Ressourcen werden geschont. Man muss ja nur wollen.

  20. Thomas Bauer says:

    @elgonzales Leider wollen einige Hersteller ein neues Gerät über die Android Version und im Namen der Sicherheit verkaufen. Ich meine wenn interessiert schon ob der Octacore 2 oder 2,2 GHz hat? Das Fehlen von Sicherheitsupdates und veralteten Android Versionen ist halt ein zusätzlicher Kaufanreiz. Bedauerlich. Auch Umwelttechnisch, und in Hinblick auf die Verantwortung der Ressourcen, unverantwortlich.

  21. @therealmarv : Guck dir doch bitte mal die verlinkte Seite an.

    Vielleicht sollten wir aufgrund der Ungenauigkeit in der Definition den Begriff „Android“ vermeiden, der letzlich ja nur eine Software-Kompilation benennt, die einen Kernel genau so enthält wie ein Mailprogramm.

    Ich sehe:
    – Ganz unten die Module
    – Darüber den Kernel
    – Hier die Schicht,über die wir diskutieren
    – Das „Betriebsystem“ mit den High-Level-Funktionen, die auch von den Apps genutzt werden.

    Ich verstehe die Erklärung auf der verlinkten Seite so,wie ich es jetzt mal als Beispiel (!) durchexerziere:

    1. Im Handy ist eine LED, die kann leuchten. Dafür gibt es ein Kernelmodul, das kommt von der LED GmbH.
    2. In den Google-Sourcen von Android gibt es Methoden im Code: led.off() oder led.color(r,g,b)

    Es gibt plötzlich ein Android-Update von Google, ODER es gibt ein Modulupdate von LED GmbH.

    3. Sony nimmt die Android-Sourcen von Google, merged den ganzen Kram in ihr „Sony Android“ rein, kippt die Blobs von LED Gmbh dazu, compiliert ein komplettes System.

    Jetzt muss Sony:
    – Den monolithischen Softwareklumpen von irgend’nem Bundesamt zertifizieren lassen
    – Den monolithischen Softwareklumpen von Google zertifizieren lassen
    – Komplett „alles“ auf den Nutzer Handys upgraden, auf die Gefahr hin, dass auch mal irgendwas failed und alles brickt

    Ich verstehe die neue Infrastruktur so:

    – auf dem Handy liegt bereits der Blob von LED GmbH, und es gibt ein darüberliegendes Betriebsystem. Der jeweils unveränderte Teil bleibt liegen!
    – Von Google gibt es eine Zwischenschicht, die zwischen den diversen Versionen und Herstellern von LED-Blobs und dem Betriebssystemlayer übersetzt in die Methoden: led.off() und so. Für diese Software ist Google in Zusammenarbeit mit LED GmbH verantwortlich, und Google liefert hier ggf. ein Upgrade.

    Das bedeutet:
    – Sony hat kaum oder keine noch Arbeit mit einem Upgrade, das Module, Zwischenschicht oder Betriebssystem betrifft.
    – Das Upgrade ist annähernd risikolos, weil nur noch Google und die Chiphersteller am Kernel rumschrauben
    – Viele Komponenten können unabhängig voneinander upgedated werden
    – Nur noch Google hat mit Zertifizierungskram zu tun, und insbesondere zertifizieren sie dann größtenteils nur noch sich selbst.
    – Vendormodule können ohne Kernelupdates eingespielt werden, Google muss nur den Zwischenlayer vorher updaten.

  1. 25. Februar 2018

    […] Oreo nutzen können. Laut Ankündigung war man fleißig, hat Code bereinigt und viel Arbeit in Project Treble investiert. Zudem gibt es natürlich auch ein paar neue […]

Es kann einen Augenblick dauern, bis dein Kommentar erscheint.

Du willst nichts verpassen?
Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren. Alternativ könnt ihr euch via E-Mail über alle neuen Beiträge hier im Blog informieren lassen. Einfach eure E-Mail-Adresse hier eingeben, dann bekommt ihr 1x täglich morgens eine Zusammenstellung.