Nothing ear(1) im Test: Das können die TWS-Kopfhörer im transparenten Gewand

OnePlus-Co-Gründer Carl Pei hat mit seinem Start-up „Nothing“ einen neuen Weg eingeschlagen. Das erste Produkt des jungen Unternehmens: die TWS-Kopfhörer „Nothing ear(1)“. Abheben will man sich mit den ear(1) insbesondere durch die transparente Aufmachung sowie eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC) und kabelloses Laden zu einem Preis von 99 Euro. In alter OnePlus-Manier machte man ein ordentliches Tamtam um das Launch-Event. Was die kabellosen Earbuds tatsächlich auf dem Kasten haben, konnte ich in den vergangenen Wochen erproben.

Vorab ein kurzer Blick auf die blanken Daten:

  • Audio
    • 11,6 mm dynamische Treiber
    • aktive Geräuschunterdrückung (ANC) von 40 dB
    • Transparenzmodus
  • Abmessungen & Gewicht
    • Earbud (je 4,7 Gramm): 28,9 mm x 21,5 mm x 23,5 mm
    • Case (57 Gramm): 58,6 mm x 58,6 mm x 23,7 mm
  • Batterie & Aufladung
    • Kapazität Earbud: 31 mAh
    • Kapazität Case: 570 mAh
    • Akkulaufzeit:
      mit ANC: 4h / 24 h (mit Case)
      ohne ANC ca. 5,7h / 34 Stunden (mit Case)
    • 10 Minuten Laden der Earbuds:
      1,2h ohne ANC
      50 min mit ANC
    • 10 Minuten Laden des Cases:
      8h ohne ANC
      6h mit ANC
    • USB-C, drahtloses Aufladen mit Qi
  • Konnektivität
    • Bluetooth 5.2
    • Profile: A2DP, AVRCP, HFP
    • Codec: AAC & SBC
  • Kompatibilität
    • Android 5.1+
    • iOS 11+
    • ear (1) App: Android & iOS
  • Sonstiges
    • IPX4-Zertifizierung
    • Gestenbedienung
  • Preis
    • 99 Euro

Ausgepackt, angefasst und durchgeschaut – ein Hauch „Nothing“?

Auch wenn sie in ihrer Form doch ähnlich zu anderen TWS-Kopfhörern daherkommen, so ist das Design doch einen Tick anders. Klar, das ist Geschmackssache aber mir sagte der transparente Look beim Auspacken direkt zu. Die ear(1) sind hochwertig verarbeitet. Es gibt keine sichtbaren Klebestellen und die Technik, die man durch das Gehäuse sieht, macht etwas her – eben ein Hauch Nothing. Die Liebe zum Detail des jungen Start-ups zeigt sich an einigen Stellen. So sind die rechten und linken Earbuds mit Rot und Weiß in Analogie zu einem Cinch-Stecker versehen.

Netter Nebeneffekt: so weiß man auch immer direkt, welcher Earbud in welche Lücke im Case gehört. Die Magnete sind durchaus stark und ziehen die Earbuds direkt auf die Ladekontakte. Auch der Mechanismus zum Öffnen und Schließen des Cases wird magnetisch unterstützt. Weiterer Nebeneffekt: Durch das transparente Design müsst ihr nie den Deckel des Cases öffnen, um zu wissen, ob die Kopfhörer im Ladeetui sind. Nicht unwichtig zu wissen: Im Vergleich zur Konkurrenz fällt das Case recht groß aus – aber schick ist es eben.

Reingehört

Der Sitz der ear(1) ist sehr angenehm. Mit knapp 4,7 Gramm sind sie ein Leichtgewicht, welches man kaum spürt. Sie sind mit Silikon-Tips ausgestattet, die in drei Größen dem Lieferumfang beiliegen und sitzen nicht sehr tief im Ohr. Alles in allem durchaus komfortabel, damit aber trotz IPX4-Zertifizierung für mich eher weniger zum Joggen geeignet. Der Klang ist nicht herausragend, deckt aber mindestens die Erwartungen, die das Preis-Segment an TWS-Kopfhörer stellt.

Der Sound ist warm und alles in allem ausgewogen. Die dynamischen 11,6 mm großen Treiber machen hier einen guten Job. In den Höhen ist man nicht ganz so sauber unterwegs, der Bass ist spürbar. Der Bauform geschuldet, mangelt es dann aber doch etwas an Druck. In Sachen Lautstärke musste ich nie das Maximum ausschöpfen, sondern konnte getrost ein paar Stufen runterschalten. Durch Abwesenheit glänzen hier Bluetooth-Codecs für hochauflösende Musik wie aptX oder LDAC.

Auch wenn die ear(1) recht locker sitzen, so dichten diese bereits passiv gut ab. Zusätzlich unterdrückt man Umgebungsgeräusche auch aktiv. Bei tiefen, monotonen Frequenzen konnte ich mit dem ANC sehr gute Resultate erzielen – so beispielsweise im Zug oder bei voll röhrendem Dyson-Ventilator. Gut gefallen hat mir, dass der Sound kaum verfälscht wird bei aktiver Geräuschunterdrückung.

Bei anderen Frequenzen und beispielsweise Stimmen muss dann doch die Lautstärke der Musik etwas höher sein, dass man da nichts von außen mitbekommt. Wer seine Umgebung hingegen wahrnehmen möchte, der kann auf den Transparenzmodus zurückgreifen. Der erfüllt vor allem bei leiser Musik oder ohne Sound seinen Zweck.

Bedienung & Alltagsnutzung

Vorab zwei Worte zur Einrichtung. Das versprochene Google Fast Pair hat man bis dato nicht implementiert, das soll aber noch durch ein Update folgen. Entsprechend muss sowohl unter Android, als auch unter iOS einmalig der Weg über die Bluetooth-Einstellungen zum Koppeln gegangen werden. Eine App hat man im Übrigen ebenfalls für beide Plattformen parat – nicht aber für Tablets optimiert.

Die App erlaubt es unter anderem, einige Änderungen an der Touchsteuerung vorzunehmen und zwischen den diversen Modi (ANC, Transparenzmodus) zu wechseln. Ansonsten ist sie recht schlicht – wie die Kopfhörer selbst. Mir sagt das schlichte Dot-Design aber sehr zu. In der App gibt es auch einen Equalizer. Jener bietet allerdings nur Presets und keine manuelle Feinjustierung an.

Zur Bedienung ist auch die abgeflachte Außenseite der TWS-Kopfhörer nutzbar. Und die Touch-Bedienung funktionierte bei mir nach etwas Gewöhnungszeit ausgesprochen gut. Einen Single-Tipp gibt es nicht, so aber auch keine Fehleingaben. Nett ist das intuitive Swipen nach oben bzw. unten auf der flachen Oberseite zum Erhöhen bzw. Verringern der Lautstärke. Ein langes Gedrückthalten navigiert wieder durch die Modi. Wobei man nie weiß, welcher Modi gerade aktiv ist. Andere Hersteller bieten hierfür eine Ansage. Muss man wissen, ob man das braucht.

Beim Herausnehmen eines Ohrhörers wird die Wiedergabe pausiert. Dieses Verhalten könnt ihr aber über die App auch deaktivieren. Nützlich, falls ihr plant nur einen Ohrhörer zu verwenden. Da lassen sich der rechte und der linke Earbud nämlich gleichermaßen einzeln verwenden.

Ansonsten? Unterdurchschnittlich ist die angegebene Akkulaufzeit – mit ANC vier Stunden. Mir persönlich reicht dies aber aus. Über das Case kann kabellos via Qi geladen werden. Das klappte bei mir auch prima. Alternativ steht auch ein USB-C-Anschluss zur Verfügung. Ebenfalls unterdurchschnittlich, um nicht zu sagen spärlich, ist man in Sachen zusätzlichen Funktionen unterwegs. So gibt es auch keine Möglichkeit, um zwischen mehreren Bluetooth-Geräten zu wechseln – die Verbindung erfolgt nur zu einem Bluetooth-Endgerät.

Viel Hype um Nothing?

Kurzes Fazit? Mit den ear(1) ist Nothing ein rundes Gesamtpaket gelungen. Für 99 Euro bietet man solide Kopfhörer ohne viel Schnickschnack mit einem ansprechenden Design. Dass man da nicht überall mit der teureren Konkurrenz Schritt halten kann, ist verständlich. So gibt es kleinere Abstriche bei der Geräuschunterdrückung von hohen, plötzlich auftretenden Frequenzen und in den Höhen beim Musikgenuss. Nachdem es die Kopfhörer bereits in limitierten Drops zu kaufen gegeben hatte, startete man ab dem 17. August auch in den regulären Verkauf. Verfügbar sind die Kopfhörer über den Nothing-Online-Shop.

In diesem Artikel sind Partner-Links enthalten. Durch einen Klick darauf ge­lan­gt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalten wir ei­ne kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Baujahr 1995. Technophiler Schwabe & Studienreferendar. Unterwegs vor allem im Bereich Smart Home und ständig auf der Suche nach neuen Gadgets & Technik-Trends aus Fernost. Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: felix@caschys.blog

Neueste Beiträge

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.

6 Kommentare

  1. Ich finde die Dinger, insbesondere das Case sehen billig aus. Verstehe den scheinbaren Hype um die Teile nicht. Gibt in dem Preissegment doch so viele andere ähnlich TWS.

    • Jupp, das Case sieht wie ne Transportverpackung aus

    • Die Klangqualität soll ziemlich gut sein für den Preisbereich.
      Die Verpackung ist Geschmackssache, ich finde sie besser als der x-te AirPods-Klone.

      • Das Transportgehäuse passt zum Gesamtkonzept. Die Ohrhörer selber sind ja auch transparent, das stört euch nicht?!
        Mir ist sowas viel lieber als der x-te Aufguss einer Zahnseidenverpackung mit Ladefunktion.

    • Macht ja nix. Ich verstehe den Hype, liebe die Optik und freue mich immens auf meine.

  2. Ich habe seinerzeit die Urbanista Paris gekauft, UVP auch 99 Euro. Die sind aber zum telefonieren kaum zu gebrauchen, ich muss die leider abkoppeln bevor ich Gespräch annehme. Hier fällt mir zu diesen Kopfhörern auch eine Bewertung. Den Design finde ich ansprechend von den ear(1), wechseln würde ich aber nicht. Dennoch würde mich die Gesprächsqualität interessieren.

Es werden alle Kommentare moderiert. Lies auch bitte unsere Kommentarregeln:

Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen. Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte - gerne auch mit Humor.

Du willst nichts verpassen?

Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren.