Microsoft übernimmt Activision Blizzard: Das sind die möglichen Konsequenzen

Microsoft will Activision Blizzard übernehmen. 68,7 Mrd. US-Dollar sollen dafür fließen. Besonders der Game Pass würde dadurch enorm wachsen. Und auch wenn der umstrittene Manager Bobby Kotick zunächst CEO bleibt, rechnet man in der Industrie fest damit, dass er seinen Posten räumen wird, sobald die Übernahme durchgewunken wird. Aber wird das wirklich passieren? Analysten sind skeptisch.

Wie unter anderem Bloomberg aufgegriffen hat, wettet Microsoft quasi gegen die Kartellwächter der USA. Dort wurde eigentlich angekündigt, bei zukünftigen Übernahmen besonderer Größenordnung genauer hinzuschauen. Genau solch ein Deal ist hier geplant. Doch in Redmond nimmt man offenbar an, dass das viel zahnloses Gerede gewesen ist. An der Börse ist man vorsichtiger: Microsoft will pro Aktie von Activision Blizzard rund 95 US-Dollar zahlen. Der Aktienkurs des Publishers steht derzeit aber nur bei ca. 83 US-Dollar. Eigentlich sollte hier also ein sicherer Profit drin sein – dennoch zögern Investoren. Das deutet auf Zweifel daran hin, dass die Übernahme wirklich genehmigt wird.

Parallel fielen im Übrigen die Aktien von Sony, während die Kurse von beispielsweise Capcom, Konami und Square Enix stiegen. Warum? Man glaubt, dass Sony nun unter Druck gerät. Auch Sony müsse nun einen anderen Publisher schlucken, um mithalten zu können. Und die genannten, anderen japanischen Unternehmen wären dafür Kandidaten. Immerhin: Microsoft hat schon erklärt, man werde nicht alle Marken von Activision Blizzard exklusiv zur Xbox und zum PC ziehen. Es sollen auch weitere Titel für andere Plattformen von eben Nintendo und Sony erscheinen.

Aber: Ähnlich äußerte man sich anfangs auch nach der Übernahme von Zenimax Media. Und nun erscheinen Titel wie „Starfield“ und „The Elder Scrolls VI“ eben doch exklusiv für Xbox und PC. Es gibt aber noch andere Faktoren: Etwa ist Microsoft dafür bekannt, strenge Regeln für die Arbeitsbedingungen anzulegen, um etwa Mobbing und Machtmissbrauch zu verhindern. Daher gilt Microsoft auch als beliebter Arbeitgeber mit sehr guter Reputation. Von Activision Blizzard kann man derzeit nach mehreren Skandalen das genaue Gegenteil sagen. Hier muss sich zeigen, inwiefern Microsoft beim angeschlagenen Publisher aufräumen und die Unternehmenskultur auf Vordermann bringen kann. Der Microsoft-CEO, Satya Nadella, hatte umfangreiche Schritte in diese Richtung angekündigt.

Letzten Endes hat Microsoft mit der Übernahme von Activision Blizzard ein Schnäppchen gemacht: Zwar zahlt man mehr, als der Publisher aktuell an der Börse wert ist, doch der Aktienwert war durch die vielen Skandale der letzten Monate massiv gesunken. Somit nimmt Microsoft im Grunde nur den Wert in die Hand, der vor all den Querelen in etwa bestand. Sollten die Redmonder hart durchgreifen und die internen Strukturen auf Vordermann bringen, was man Microsoft durchaus zutrauen kann, dann wäre die Übernahme am Ende ein Coup, um im Gaming-Markt näher an Sony zu rücken.

Letztere werden sich aktuell sicherlich viele Gedanken machen, aber auch beobachten, ob Kartellwächter in den USA, China und Europa den Deal wirklich zulassen. Sollte die Übernahme durchkommen, wäre Microsoft damit der drittgrößte Gaming-Anbieter – nach Sony und Tencent. Ich selbst bin gespannt. Wie sieht eure Meinung aus?

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11 Kommentare

  1. Ich denke das Ganze wird durch gehen. Wie bereits beschrieben überholt Microsoft damit nicht einmal seinen direkten Konkurrenten, sie schließen nur auf. Was soll ein Wettbewerbshüter dagegen sagen? Zumal finde ich außer acht gelassen wird, das es ja noch viele andere Publisher gibt die entsprechend wachsen wollen wie Ubisoft und EA. Ich finde die Diskussion über die Marktmacht von Microsoft daher eher zweitrangig und bin gespannt was MS aus dem angeschlagenen Publisher mit sehr starken IPs macht. Wer weiß, vielleicht sehen wir ja auch mal ein Warcraft RPG von Obsidian?

  2. Sind natürlich alles Meinungen und Einschätzungen, welche ich selbst schwer einordnen kann.

    Habe gestern auf einem anderen US-Sender die Aussagen gehört, dass MS eher den Vorteil hat, nicht zu den ‚Bösen Big Tech‘ á la Apple, Google oder Facebook zu gehören bzw. so wahrgenommen zu werden. Weshalb die Behörden da wohl etwas wohlgesonnener bei der Bewertung sind.
    Auf der anderen Seite haben den Deal natürlich hoch bezahlte Externe (‚top shelf‘) mit entsprechenden Verbindungen nach Washington dahingehend geprüft.

    Soll heißen, nichts Genaues weiß man nicht.
    Mein Tipp wäre aber, dass der Deal mit ein paar ‚kosmetischen‘ Auflagen durchgeht.

  3. MoshPitches says:

    Ich hoffe sehr, dass der Deal durchgewunken wird. Zum einen natürlich wegen der Spiele, die in den Game Pass wandern. 60€/Jahr für CoD kann ich mir dann sparen. Andererseits bin ich als Blizzard-Fan sehr traurig über die aktuellen Entwicklungen in den Studios. Die Übernahme durch Microsoft kann da nur Positives bewirken und das gesamte Klima für die Mitarbeiter verbessern. Das würd ich mir für die Mitarbeiter wünschen, die dadurch auch wieder mehr Bock auf ihre Arbeit haben und bessere Spiele entwickeln.
    Microsoft ist auch dafür bekannt, Spiele nochmal zu überarbeiten, wenn der Druck von außen wächst. Prominentes Beispiel ist hier Halo Infinite, dessen Grafik nach dem ersten Trailer überarbeitet wurde. Das gibt mir vor allem Hoffnung für die nächste WoW Extension, wobei der Einfluss von Microsoft dort vermutlich noch gering ausfallen dürfte. Nach BfA und Shadowlands braucht WoW aber wieder einen Kracher.

    Alles in allem erwarte ich, dass es mit Activision nach der Übernahme bergauf gehen wird und die Reputation bei den Spielern wieder steigt.

  4. Ich denke auch, dass der Deal genehmigt wird. Es ist nichts anderes als Microsoft gegen Sony bzw. USA gegen Japan. Die USA werden ihr eigenes Unternehmen bestimmt keine Steine in den Weg legen.

  5. Ich bin ein langjähriger WoW-Spieler und habe in der Vergangenheit schon oft mit dem GamePass von Xbox geliebäugelt. Eine Integration der WoW-Subscription in den GamePass wäre für mich eine sehr willkommene Überraschung.

    Bei Blizzard ist in letzter Zeit ja leider doch so einiges schief gelaufen und das wirkt sich auch sehr spürbar auf die Qualität und Quantität ihrer Veröffentlichungen aus.
    Angefangen hat das eigentlich schon mit der Diablo Immortal Blizzcon in 2018. Seit dem ist das Image des Unternehmens bei seinen Fans geschädigt. Der Blitzchung Skandal und das Desaster, welches sich Warcraft III Reforged nennt, haben das auch nicht gerade verbessert. Und dann ging das aktuelle Debakel um die absurden Arbeitsbedingungen und sexuellen Belästigungen los.

    Nachdem Battle for Azeroth schon eine eher schwache Erweiterung für WoW war, kam dann Shadowlands raus, welches von zahlreichen Problemen geplagt ist und darüber hinaus den langsamsten Updatezyklus hat, den wir in WoW je erlebt haben.
    Die nächsten großen Veröffentlichungen, primär Diablo IV und Overwatch 2, sind auch weit hinter ihrem ursprünglichen Zeitplan. Overwatch 2 war anfangs für 2021 geplant und Diablo IV für 2022. Beide Titel werden jetzt höchstwahrscheinlich nicht vor 2023 kommen.
    Seit Warcraft III Reforged im Januar 2020 hat es bei Blizzard also keine nennenswerte Veröffentlich mehr gegeben und die letzte wirklich neue Marke war Overwatch in 2016!

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich von dieser Übernahme halten soll. Microsoft hat ja auch schon viele fragwürdige Entscheidungen in der Vergangenheit getroffen. Aber ausgehend von der aktuellen Situation bei Blizzard kann es ja eigentlich nur wieder besser werden.

    Aber selbst wenn dieser Einkauf abgesegnet werden sollte, ist dies ja ein lang andauernder Prozess. Herr Spencer selbst hat ja schon gesagt, dass diese Übernahme bis frühestens Juni 2023 durch sein wird.

    Abwarten und Tee trinken. Ich bin auf jeden Fall überrascht und gespannt.

  6. „Microsoft will pro Aktie von Activision Blizzard rund 95 US-Dollar zahlen. Der Aktienkurs des Publishers steht derzeit aber nur bei ca. 83 US-Dollar.“
    Beachtenswert ist hier aber, das der Kurs erst mit der Nachricht auf über $80 gesprungen ist, vorher lag er bei schlappen $65. Ich denke MS hat da auch gut ausgenutzt das AB durch die ganzen Querelen vom letzten Jahr angeschlagen war. Deswegen glaube ich auch nicht, das sich die Investoren sich da groß querstellen, denn es steht zu befürchten das der Kurs bei nichtzustandekommen des Deals wieder auf $65 oder sogar noch tiefer zurückfallen wird.

  7. Ich selbst begrüße diese Möglichkeit. Blizzard würde durch den Activisionzwang völlig gegen die Wand gefahren. Auch alles was in der Pipeline ist, ist mittlerweile belanglos.
    Es kann für Blizzard nur besser werden. Und für den Rest… Holt man sich halt CoD als Geldruckmaschine ins Haus, nachdem Ea mit Bf ziemlich verkackt hat.
    Alles in allem… Ich finde Microsoft macht mit dem ganzen Xbox Universum einen ziemlich guten Job. Von daher verspreche ich mir eine grundlegende Renovierung des Ganzen Acti/Blizz Haufens und vllt EIN comeback zur alten Stärke oder zumindest ein Assimilieren der verbleibenden Reste für tolle neue projwktem

  8. der Preis für den GamePass wird steigen. da ist noch viel Luft nach oben.

  9. Ich wollte ab und und zu schonmal eine XBox kaufen, es gab aber kaum Gründe dafür. Die Argumente werden aber immer besser. Ich denke das auf jeden Fall Call Of Duty exklusiv werden wird. Ich spiele es zwar schon länger nicht mehr, es ist aber immer noch sehr beliebt, auch unter Playstation Spielern. Microsoft müsste es nur schaffen mehr XBoxen herzustellen und könnte durchaus auf Sony aufrücken. Das anhaltende PS5 Desaster geht vielen auf den Sack. Trotzdem finde ich es nicht gut das Microsoft große Spieleschmieden schluckt, die Leidtragenden sind wir Spieler, die sich dann zwei Konsolen kaufen müssen um alles spielen zu können.

  10. Zwei Möglichkeiten würde ich auch betrachten: es gibt Auflagen: z. B.: MS muss Spiele sich für Play Station und Switch raus bringen. Das wäre aber nicht im Sinne der USA, also unwahrscheinlich.

    MS könnte auch den Wunderlist Schachzug spielen. Die machen langsam aber sicher die guten Marken zu, übernehmen nur gute Entwickler und Designer aus den Teams um dann ähnliche Spiele raus zu bringen. Das wäre natürlich tragisch.

    Da glaubt man dann lieber an einen attraktiven Game Pass.

  11. Hinterher werden wir alle schlauer sein 🙂
    Bis dahin sehe ich aber (wie scheinbar die meisten) die Übernahme eher positiv. Vor allem mit der Hoffnung, dass Blizzard mit dem großen Bruder im Rücken (denke den Namen/das Studio an sich werden sie ja nicht eindampfen) wieder zurück zu alter Größe findet.
    An den Gamepass denke ich erst mal nicht, aber das könnte ein netter, positiver Nebeneffekt sein.

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