„Life Is Strange 2“: Episode 5 angespielt

Die zweite Staffel der Adventure-Reihe „Life Is Strange“ endet. Die fünfte Episode mit dem Titel „Wolves“ markiert das bittersüße Ende der Geschichte um die beiden Diaz-Brüder. Und auch wenn das Finale gelungen ist, muss ich am Ende konstatieren, dass mich „Life Is Strange 2“ leider nie so mitreißen konnte wie die Geschichte von Chloe und Max in Staffel 1 oder auch das Spin-Off „Life Is Strange: Before the Storm“.

So ist mein Fazit zur gesamten Staffel 2 rückblickend, dass der große emotionale Anker ein wenig fehlte. Vielleicht liegt dies auch daran, dass die Schauplätze, in denen sich Sean und Daniel austoben konnten, ständig wechselten – und mit ihnen auch viele der Nebencharaktere. Das konstantere Ensemble der ersten Runde gefiel mir da besser und erzeugte in Kombination mit dem festen Schauplatz der Blackwell Academy in Arcadia Bay für mich eine engere Bindung zu den Charakteren und zur Handlung.

Mich hat aber auch die College-Story mehr angesprochen und auch der Soundtrack zur ersten Staffel, den ich als ganz wesentlich empfunden habe, gefiel mir um Welten besser. Das macht „Life Is Strange 2“ zu keinem schlechten Spiel! Für mich persönlich blieb der große Wow-Effekt, welchen Staffel 1 noch für mich hatte, aber dieses Mal aus. Das Highlight ist für mich persönlich deswegen die zweite Episode geblieben, in welcher auch der kleine Chris alias Captain Spirit aus der gleichnamigen Spin-Off-Episode einen tollen Auftritt hatte.

So hatte ich schon in meinen Berichten zu den Episoden 3 und auch 4 angedeutet, dass sich bei mir eine gewisse Enttäuschung auf hohem Niveau breit gemacht hatte. Die fünfte Episode ist dabei wieder etwas zielstrebiger als die letzte Folge, in der man relativ ungelenk mit dem Thema Religion jonglierte, dabei aber doch sehr tief in die Klischeekiste griff. Es bleibt zwar bei sozialkritischen Untertönen, die recht unverhohlen das Nordamerika des Donald Trump ins Visier nehmen, wie bei den ersten beiden Folgen der zweiten Staffel platziert man diese Elemente aber nun wieder organischer als Teil der Geschichte.

Wie man bisher mit Daniel, dem jüngeren Diaz-Bruder, umgesprungen ist, wirkt sich nun in der finalen Episode endlich stärker aus. Es gibt verschiedene Abspänne, die nach rund 2 Stunden über den Bildschirm flimmern können. Anfangs spult die letzte Episode aber leider bekannte Szenarios ab, denn abermals findet man sich in einer Outsider-Community wieder – das kennen wir ja eigentlich schon aus der dritten Folge, so dass man sich hier leider handlungstechnisch wiederholt.

Bewohnt wird das Camp nur dieses Mal eben nicht von Jugendlichen, sondern anderen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, die dafür gesorgt haben, dass sie außerhalb der Gesellschaft leben – etwa ein homosexuelles Pärchen oder eine mexikanische Familie, die illegal in die Vereinigten Staaten gekommen ist. Hier sind es dann die kleinen, ruhigen Momente in den Gesprächen, welche die fünfte Episode wieder deutlich spannender machen, als die vorherige Folge.

Spoilern möchte ich nicht, aber das Ende zu „Life Is Strange 2“ variiert ohnehin, je nachdem wie ihr euch zuvor so entschieden habt. Ich habe aber aus meinem eigenen Abspann die Schlussfolgerung gezogen, dass es wohl so oder so kein richtiges Happy End für die Diaz-Brüder geben kann – eher einen bittersüßen Beigeschmack. So ähnlich verhielt es sich aber ja auch bei den bisherigen Staffeln der Serie – so endete die Geschichte von Chloe und Max ja ebenfalls mit einem großen Opfer.

Der Abschied von Sean und Daniel fiel mir aber ungleich leichter als der von Chloe und Max, denn Staffel 2 krankte insgesamt für mein Empfinden an deutlich auffälligeren Logiklücken und auch manch unkonstanten Charakteren – speziell Daniel wechselte teilweise die Laune so unvorhersehbar wie ein Junkie nach seinem letzten Schuss. Das mag für einen kleinen Jungen nicht völlig an den Haaren herbeigezogen sein, wurde aber manchmal doch überspannt – vor allem in der Episode 4, als die Brüder sich teilweise gegeneinander wenden mussten.

Was bleibt, ist eine gute Adventure-Staffel, die eben im Schatten der deutlich besseren, ersten Runde steht. Deswegen hoffe ich, dass man „Life Is Strange“ noch fortsetzen wird und im Stile der Serie in Staffel 3 erneut die Geschichte von neuen Figuren erzählt. Wie hat euch denn die letzte Episode von „Life Is Strange 2“ gefallen?

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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Ein Kommentar

  1. Kann ich so im groben zustimmen.
    Wobei mir die Geschichte schon gefallen hat.
    Habe das leicht negative Gefühl (auf extrem hohen Niveau) bei mir aber darauf geschoben hier das ganze mit den langen Unterbrechungen zwischen den Episoden gespielt zu haben und nicht wie die ersten Teile direkt am Stück.

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