Hardware mit Cloud-Zwang: Als Kunde kann man der Dumme sein (siehe Lima)

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„Was passiert eigentlich, wenn ein Betreiber seine Cloud abstellt?“ Habt ihr euch diese Frage schon einmal selbst gestellt – oder sie zumindest im Bekanntenkreis schon einmal gehört? Es ist auf keinen Fall eine schwachsinnige oder gar überflüssige Frage. Kameras, Lautsprecher, Sensoren – und sogar Festplatten sind heutzutage von ihren Betreibern abhängig, da sie ohne eine Cloud-Anbindung nicht arbeiten.

Sicher kann man sich natürlich nie sein, was „morgen“ ist. Kauft man sich beispielsweise eine Überwachungskamera von Netgear – eine Arlo, dann setzt diese auf die Cloud auf, man geht aber erst einmal nicht davon aus, dass ein Hersteller wie Netgear kurzfristig die Grätsche macht und seinen Dienst einstellen muss.

Anders sieht es natürlich bei irgendwelchen Geraffel-Buden aus, die irgendwann mal mit dem Ziel gestartet sind, die Welt der IT zu verbessern. Man findet eine Menge Projekte, die erfolgreich aus Crowdfunding-Kampagnen bei Kickstarter und anderen Plattformen herausgegangen sind. Das Problem da ist immer: Wie erfolgreich ist man im Nachgang? Biete ich einen Dienst an, dann will dieser bezahlt sein. Arbeitskraft, Server und so weiter.

Manchmal hat man das Gefühl als gibt es bei Machern keine langfristige Strategie – man frickelt etwas zusammen und hofft, dass ein Großer kommt und die Bude aufkauft. Denn wie es im schlechtesten Fall läuft, das merken gerade Kunden von Lima. Lima wurde erfolgreich über Kickstarter finanziert, eine einfach über das Web erreichbare personalisierbare Cloud. Kann man sich natürlich selber basteln, Lima war aber für Einsteiger auch eine einfache Sache. USB-Festplatte plus Lima am Router oder im Netzwerk gleich private Cloud, deren Daten man auch mobil abgleichen konnte.

Über 80.000 Nutzer nennt man, diese kauften nicht nur den Erstling über Kickstarter, sondern auch Lima Ultra, eine 2016 veröffentlichte Lösung. Nun hätten Nutzer aus der Vergangenheit lernen können. PogoPlug versuchte es vor vielen Jahren auf ähnlichem Weg und scheiterte. Ich testete damals Lima und nannte schon Probleme die auftreten können. Eben jene haben Besitzer und Nutzer von Lima nun direkt.

Die Bude macht nämlich dicht. Ab dem 1. März wird das Netzwerk runtergefahren – und eben jenes wird benötigt, damit die persönliche Cloud Lima von anderen Geräten im Account „gefunden“ wird. Man macht die Software nicht öffentlich verfügbar, man stellt keine Alternativen bereit – Lima wird aufhören zu arbeiten – so die lapidare Aussage. Man fordert die Nutzer gar auf, Lima nicht mehr zu benutzen. Die haben sich damals halt die Hardware-Lösung angeschafft und haben Pech gehabt.

Logo, man kann nicht immer vorher einen Erfolg oder Misserfolg voraussehen, erfolgreich finanzierte aber dann gescheiterte Kickstarter-Projekte gibt es viele – aber gerade bei Dingen, die auf Gedeih und Verderb den Betrieb durch einen externen Dritten voraussetzen, sollte man vielleicht nicht nur einmal überlegen, egal wie sympathisch sich eine Lösung darstellt. Sonst sitzt man irgendwann auf einem Haufen Elektroschrott.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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40 Kommentare

  1. Moin, auch ich bin von der Lima-Abschaltung betroffen. Meine Frage: Wie kann ich einen eigenen Cloudspace (vorzugsweise via USB an meiner Fritzbox) übers Internet nicht nur erreichen, sondern als Laufwerk auf einem entfernten Windows-Rechner einbinden? Das ist mir leider bis jetzt nur im eigenen Netzwerk gelungen. Versuche via VPN haben bislang nur im Browser funktioniert, Ist wohl etwas off-topic, aber trifft ja durchaus das Problem der Abhängigkeit von Diensten (auch von AVM in diesem Fall).
    Ein Laufwerk im Windows-Rechner ermöglicht mir den Einsatz von Software wie TrayBackup zum einfachen Sichern von geänderten Dateien….
    Freu mich über Tipps! Danke, Stefan

  2. Andreas_Va says:

    Ich benutze Clouddienste nur sehr minimal und bewusst nur als Ergänzung. Software mit Cloudzwang lehne ich strikt ab, es sei denn es handelt sich sowieso um einen reinen Cloud-Dienst. Aber ansonsten achte ich strikt darauf, dass meine verwendete Software völig autark ohne Internet arbeiten kann.
    Hardware mit Cloudzwang ist ein absolutes No-Go!!! Solch ein Dreck wird von mir auf Gedeih und Verderb boykottiert!!!

  3. Andreas_Va says:

    Wann kommt endlich eine Kloschüssel mit Internetanbindung und Cloudzwang? Bei Betätigung der Spülung wird dann mit Hilfe einer eingebauten Waage das Gewicht des Stuhlganges abgewogen, und das Ergebnis wird dann zur Berechnung einer Steuer in der Cloud bis zu 10 Jahre gespeichert. Zusätzlich wird die eingebaute Webcam eine Aufnahme des Stuhlgangs mit uploaden und hinterlegen.
    Mein Vorschlag dazu:
    Sensoren, welche die Kerntemperatur im Kot messen.
    Vielleicht könnte man anhand der Daten auch Stuhlgang-Lima-Zertifikate berechnen und direkt vom Bankkonto oder Kreditkarte abbuchen lassen.
    Schöne neue Welt!

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