Eve Thermo: Smartes HomeKit-Thermostat ausprobiert


Der Winter ist da und die Zeit des Heizens hat für viele von euch sicherlich schon vor längerer Zeit begonnen. In Zeiten von smarten Gadgets hat man vielerlei Möglichkeiten die heimischen Gefilde auf Temperatur zu bringen, seien es stinknormale Thermostate für die Heizkörper oder Exemplare mit Bluetooth, WLAN und mehr. Mein heutiger Testkandidat ist ein Thermostat aus dem Haus Eve Systems und hört auf den Namen Eve Thermo.

Wer sich schon etwas länger mit Eve Systems und deren gleichnamigen Gadgets auseinandersetzt, weiß, dass auch das mir vorliegende Thermostat speziell für Apples Smart Home-Lösung HomeKit entwickelt wurde. Sucht ihr also ein Exemplar mit Alexa- oder Google Assistant-Unterstützung , werdet ihr mit folgendem Test nicht glücklich. Über einen HomeBridge-Workaround gäbe es die Möglichkeit Eve Thermo in Alexa einzubinden, das erfordert aber etwas Aufwand.

Installation und Einrichtung

?Eve für HomeKit
?Eve für HomeKit
Entwickler: Eve Systems GmbH
Preis: Kostenlos

Wie bei allen HomeKit-Gadgets ist auch die Einrichtung von Eve Thermo ein wahres Kinderspiel. Im Gegensatz zu anderen Geräten empfehle ich euch zum Setup nicht die Apple Home-App, sondern die dazugehörige Eve-App. Warum? Weil euch die Eve-App die Einrichtung des Thermostats Schritt für Schritt erklärt. Also App installieren und los.

Nachdem ihr innerhalb der App ein neues Thermostat hinzugefügt und den HomeKit-Code entweder manuell eingegeben oder gescannt habt, müsst ihr das Thermostat am Heizkörper anbringen. Der Hersteller liefert dafür allerlei Anschluss-Adapter mit, bei den meisten sollte aber der Standard-Anschluss passen. Nachdem das alte Thermostat ab- und Eve Thermo anmontiert ist, folgt ein sogenannter Kalibrierungsschritt. Dabei öffnet und schließt das Thermostat das Ventil des Heizkörpers und bekommt somit die besten Einstellungsmöglichkeiten mit. Das war es dann auch schon mit der Einrichtung.

Eve Thermo in der Praxis

Wie viele andere Eve-Gadgets auch arbeitet Thermo mit Batterie, vollkommen ohne Bridge und nutzt Bluetooth zur Kommunikation mit der HomeKit-Zentrale. Hat ein Thermostat einen zu weiten Weg zur Zentrale – beispielsweise dem Apple TV – wird die Kommunikation gestört und ein Ansteuern über Siri wird unmöglich. Das ist auch bei vielen anderen Eve-Produkten der einzige große Kritikpunkt, denn manchmal liest die Home-App dann eingestellte Werte nicht richtig aus oder das Auslesen der historischen Werte dauert eine gefühlte Ewigkeit. Habt ihr aber keine weiten Wege, sollte das kein Problem sein.

In dem schneeweißen Thermostat hat Elgato neben einem Display zur Temperaturanzeige auch zwei Pfeiltasten untergebracht, die euch beim Einstellen am Heizkörper unterstützt. Das Ganze funktioniert aber nicht wirklich gut, denn damit das Display aufwacht, muss man schon ein paar mal auf der Taste herumdrücken. Auch sonst reagieren die Pfeiltasten nicht wirklich zügig und erkennen viele Eingaben nicht richtig. Hier ist man mit Siri oder der App deutlich schneller unterwegs.

Neben der manuelle Einstellmöglichkeit könnt ihr natürlich auch von Automatiken profitieren. So gibt es unter anderem bereits vordefinierte Zeitpläne, ihr könnt aber selbstverständlich auch eigene Pläne definieren und dort festlegen, wie viel Grad die „Wohlfühltemperatur“ und wie viel Grad das Minimum ist. Einzig das Verschieben und das Anpassen der Zeitpläne per Finger ist durch die kleinen Steuerelemente etwas frickelig. Hier hätte ich mir alternativ eine Tabelle gewünscht, um die Werte einfacher festlegen zu können.

In den Einstellungen des Thermostats findet ihr weiterhin nützliche Optionen zu denen Temperaturabweichung, Fenster-Erkennung, der Urlaubsmodus und der Ventilschutz gehören. Erstes korrigiert die Messwerte des Temperaturfühlers in Thermo, da dieses direkt am Heizkörper hängt und die Temperatur nicht direkt mittig im Raum messen kann. Die Fenster-Erkennung sorgt dafür, dass das Thermostat schnelle Temperaturabfälle bemerkt und sich selbstständig ausschaltet, um nicht unnötig Heizkosten zu verursachen. Hier könnt ihr Thermo auch mit einem Door+Window-Sensor koppeln.

Im Urlaubsmodus macht das Thermostat nichts anderes als die Temperatur auf einen von euch definierten Wert herunterzuregeln, wer braucht schon eine Heizung, wenn man sowieso nicht da ist. Zu guter Letzt hilft der Ventilschutz dabei, gegen Verkalkungen zu schützen, denn das Thermostat öffnet und schließt das Ventil damit regelmäßig alle drei Wochen.

Wie bei anderen HomeKit-Komponenten auch, könnt ihr Thermo natürlich auch in Szenen benutzen und Automatiken definieren. So könnte die Heizung beispielsweise heruntergeregelt werden, wenn ihr das Haus verlasst und wieder eingeschaltet werden, sobald ihr Zuhause ankommt oder den Arbeitsplatz verlasst.

Eve Thermo – Ein Fazit

Ich habe das Thermostat nun eine Weile in Benutzung und es verrichtet seinen Dienst zuverlässig, Zeitpläne werden sauber verfolgt und bis jetzt konnte ich keine Fehler im Betrieb feststellen. Was mich persönlich jedoch wirklich stört, ist die träge Reaktionszeit der Taster am Thermostat. Klar kann man ins Feld führen, dass die Dinger dazu da sind, per App oder Sprache bedient zu werden, ein Großteil der Personen in einem Haushalt werden aber nach wie vor die manuelle Option nutzen. Hier gibt es deutliches Besserungspotential für Eve Systems.

Was jedoch deutlich verbessert wurde, ist die Software. Wann ich an die ersten Versionen der App denke, erinnere ich mich an viele Glitches und träges Antwortzeit-Verhalten. Eve hat viel Arbeit investiert und einen wirklich schönen und schnellen Client erarbeitet, der auch zur Verwaltung des kompletten Smart Homes nützlich ist und nicht nur zum Bedienen der Eve-Gadgets. Einzig die Ladezeiten der Werte-Historie sind nach wie vor zu lang, was wahrscheinlich an der Kommunikation über Bluetooth liegt.

Im Bereich der smarten Thermostate hat man zur Zeit eine Menge Auswahl, Thermo rangiert da ähnlich wie die Konkurrenz je nach Angebot zwischen 50 und 70 Euro. Im Vergleich zu den Wettbewerbern kann man zwar mit guter App und ordentlicher Verarbeitung punkten, kommt aber „nur“ mit HomeKit und nicht mit der Unterstützung für Alexa oder den Assistant daher. Über einen Workaround könnt ihr zwar auch das Thermostat in Alexa einbinden, jedoch nicht ohne Gefrickel. Wen das nicht stört oder wer sein Smart Home sowieso über HomeKit baut und mit dem etwas trägen Reaktionsvermögen der manuellen Bedienung klar kommt, der wird mit Eve Thermo durchaus zufrieden sein.

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Oliver Posselt

Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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9 Kommentare

  1. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Was passiert, wenn der Thermostat keine Verbindung zur Zentrale hat, wird dann der zu letzt gewählte Zeitplan beibehalten?

    • Es gibt keine Zentrale. Wenn ein Zeitplan aktiviert ist, bleibt der auch aktiv bis er deaktiviert oder kurzfristig (2h) durch manuelles ändern (per HomeKit oder Taster) überschrieben wird.

      • Und falls mit Zentrale die HomeKit Zentrale gemeint ist – dann nein. Man kann die entweder komplett per HomeKit oder per Zeitplan Steuern. Bei gleichzeitiger Nutzung überschreibt der Zeitplan immer Homekitbefehle. Man kann aber per HomeKit Zeitpläne aktivieren / deaktivieren und so halbwegs ein Anwesenheitsfeature basteln und trotzdem Zeitpläne haben. Wie gut das in der Praxis funktioniert probiere ich kommende Woche aus. 😉

  2. Ich habe einige Teile von Eve getestet u.a. auch ein Thermostat + Wandtemperatursensor.
    Ich kann mich für die Geräte nicht sonderlich begeistern, weil es einfach viel zu unzuverlässig funktionierte. Teilweise reagierten die garnicht auf Änderungen oder Schaltbefehle, teilweise erst nach mehrfacher Bestätigung oder mit lnager Verzögerung.
    Ein Verhalten, was ich von meinem, wenn auch recht betagtem HomeMatic-System nicht kenne.

    Ich habe alle Geräte wieder abgebaut und werde die demnächste mal bei der elektr. Bucht reinsetzen.

    • Muss an den Gegebenheiten bei dir liegen. Funzen hier immer. Aktuelle Firmwareupdates drauf? Vor 1 oder 2 Jahren hatte ich mal zeitweise ein ähnliches Problem. Seitdem reagieren die fix, wenn sie müssen.

  3. Ich habe mir auch mal zum Test zwei solche Thermostate gekauft. Im Großen und Ganzen bin ich bis jetzt zufrieden. Was mich allerdings stört ist die Lautstärke wenn die Ventilstellung verändert wird. Hat jemand schon andere smarte Thermostate benutzt und hat da einen Vergleich?

  4. Also wenn man einmal den Dreh mit den Tastern raus hat, geht das Temperatureinstellen am Gerät eigentlich gut. Sobald ein HomePod / iPhone / eine Apple Watch in Reichweite sind, ist man damit aber tatsächlich schneller (und bequemer) am Ziel.

    Mir fehlt tatsächlich eine Eve Zentrale, die regelmäßig die Daten aller Thermostate abruft und es ermöglichen würde, smarter zu heizen.

    Tatsächlich klappt das mit Eve nämlich nicht so dolle. Zeitpläne geht ohne Probleme. Aber alle smarten Features kommen durch HomeKit. Und die Zeitpläne überschreiben immer alle anderen Einstellungen, sobald darin eine Änderung Geplant ist. Gut, mittlerweile kann man Zeitpläne auch per HomeKit aktivieren/deaktivieren, aber wirklich „Smart“ macht das die Teile dadurch nicht. Netatmo hat da einen guten Ansatz. Zeitpläne als Fallback und sonst übernimmt die Bridge die smarte Steuerung. Dafür soll das alles bei Netatmo noch nicht so ausgereift sein bzw. funktionieren wie angepriesen. Die eve laufen zuverlässig und werden seit Jahren regelmäßig aktualisiert (habe teilweise auch noch die 1. Generation im Einsatz).

  5. Wer braucht so etwas? Die Dinger kosten einen Haufen Geld und die Einsparung ist gleich Null, weil wenn man ehrlich ist ja durch das ewige rauf- unter runterregeln ein riesiges Volumen aufgewärmt bzw runtergekühlt werden muss, was ordentlich kostet.

  6. Nachdem ich mir vor einigen Wochen selbst zwei Eve Thermo[state] installiert habe, komme ich zu folgendem Fazit:
    „smart“ sind die Thermostate nicht. Ich hatte schon vor 15 Jahren ein elektronisches Thermostat gekauft, dass genau wusste, wann es heizen muss, damit es Morgens um 7 Uhr warm im Zimmer ist. Trotz massiver zu Verfügung stehender Rechenleistung von heute schaffen das die Regler nicht. Außerdem finde ich, dass die Regelung der Eve Thermos zu konservativ ist. Auch der Temperatur-Offset muss mühevoll ermittelt werden. Ein „Boost“-Modus fehlt, wie bei anderen Systemen üblich.
    Zur Steuerzentrale: Unser AppleTV Gen.3 ist offenbar zu alt, das neueste iPad Pro bietet die Option als „Steuerzentrale“ gar nicht an und grundsätzlich scheint einiges daran zu scheitern, weil wir zwei Apple IDs benutzen. Sobald man irgendetwas kompliziertes machen will, wird auf die Steuerzentrale verwiesen – die sich bei uns nicht einrichten lässt. Zudem ist Eve Room derzeit schwer bis gar nicht erhältlich.
    Die iPhone-App ist sehr ausgereift, mal abgesehen von der Temperatur-Offset Einstellung und dem fummeligen Zeitplan. Wesentlich besser gelöst, als jene von z.B. EQ-3.
    Summa summarum: Ich habe jetzt drei unterschiedliche Systeme im Einsatz, und jenes von elgato Eve ist das teuerste und unpraktischste.

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