CES 2019: Die Trends und meine Eindrücke von der Messe in Las Vegas

Wie auch im letzten Jahr, so habe ich auch 2019 auf der CES viele interessante Leute getroffen und vor allem spannende Technik gesehen. Tatsächlich kam mir die Messe sogar eine Ecke entspannter vor. Das lag zum einen an der tollen Organisation durch Samsung, die mich durch viele Events gelotst haben und ein fettes Danke verdienen, sowie an den nach meinen Eindrücken nicht ganz so wuseligen Messehallen. Dabei haben sich auch dieses Jahr einige klare Trends herauskristallisiert.

So war es schwer einen Stand zu finden, an dem nicht irgendein Verweis auf AI / KI prangte. Leider bleibt künstliche Intelligenz jedoch ein absolutes Buzzword. So meinten die Hersteller damit häufig einfache Algorithmen oder aber es kommen zwar künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen bei der Entwicklung zum Einsatz, an sich aber nicht bei den direkt am Gerät verwendeten Funktionen.

Trotzdem verwenden die Unternehmen dann leicht irreführende Namen wie „AI Upscaling“, „AI Streaming“ oder „AI Audio“. Da kann sich aber kein Unternehmen von freimachen. Und es ist verständlich, dass man das Modewort „AI“ eben möglichst effektiv für das Marketing einspannen möchte. Für die Technik-Freaks stellt das aber natürlich ein kleines Ärgernis dar.

Klar ist, dass AI / KI ein Thema bleiben wird, das uns auch die nächsten Jahre begleitet. Das war auf der CES 2019 überdeutlich. Und wer hier im Blog regelmäßig mitliest, der weiß, dass KI nicht nur im Bereich Fernsehen / TVs eine Rolle spielt, sondern auch und ganz besonders für mobile Endgeräte – AI Kamera lässt grüßen. Auch bei Kopfhörern setzt man auf künstliche Intelligenz, wie ihr etwa in meiner Kurzvorstellung zu den Jabra Elite 85h nachlesen könnt. Da dürfte also in den nächsten Monaten und Jahren so einiges auf uns zukommen.

Was passt gut zu künstlicher Intelligenz? Richtig, das sind Roboter. Und hier konnte man ebenfalls erkennen, dass jene sich nicht nur bei leicht exotischen asiatischen Herstellern, sondern auch bei Unternehmen wie LG, Sony und Samsung als Trend abzeichnen. LG hatte wieder CLOi im Gepäck, während Samsung ein ganzes Arsenal bei seiner Pressekonferenz auspackte. Da zeigte man den Bot Care, den Bot Air und den Bot Retail, welche allesamt für unterschiedliche Anwendungsgebiete geeignet sind.

Roboter für Privatkunden, den Handel, die medizinische Pflege oder auch für Bildungsinstitutionen, auf der CES 2019 gab es ganz unterschiedliche Varianten zu sehen, welche uns wohl in den nächsten Jahren irgendwann nicht mehr nur auf Messegeländen, sondern auch vermehrt im Alltag begegnen dürften. Manche verspielten Designs sind dabei freilich Geschmackssache, doch die Technik entwickelt sich hier rasant weiter.

Ein Kollege meckerte auf der CES 2019, dass die Messe bald zu einem reinen Mekka der Autohersteller werde. So weit würde ich nicht gehen, doch spazierte man durch die North Hall, wo Hersteller wie Daimler, Ford, Hyundai und wie sie alle heißen große Stände mit Neuheiten präsentierten, dann konnte man den wachsenden Einfluss der Fahrzeugindustrie förmlich spüren. Zumal auch Nvidia hier an seinem Stand nicht etwa Grafikkarten oder die Shield ausstellte, sondern einzig und allein auf Komponenten für Smart Cars setzte.

Qualcomm betrieb deswegen sogar zwei Stände: Während man in der Central Hall 5G und seine SoCs wie den Snapdragon 855 ins Zentrum rückte, fokussierte man sich in der North Hall auf smarte Techniken für Fahrzeuge bzw. autonomes Fahren. Etwa erklärte ein Mitarbeiter mir und anderen Beistehenden, wie vier mit Qualcomm-Techniken ausgestattete Fahrzeuge an einer Kreuzung ankommen und dann völlig automatisiert untereinander aushandeln können, welche Autos jeweils zuerst fahren dürfen. Aber eben auch Daimler, Toyota oder auch Unternehmen wie Panasonic plauderten eifrig über autonome Fahrzeuge, digitale Cockpits und Infotainment-Bereiche in den Automobilen der Zukunft.

Um mal ein wenig das Thema zu wechseln: Zu meinen persönlichen Highlights der Messe zählte unter anderem der neu vorgestellte Panasonic GZW2004. Der OLED-TV wurde ziemlich unspektakulär bei dem japanischen Hersteller in einer kleinen Ecke ausgestellt. Fast machte es den Eindruck, als sollte der TV nur Demonstrationen für Lumix-Kameras anzeigen. Darauf sprach ich sogar einen der Stand-Mitarbeiter an. Jener gab sich eher schulterzuckend und verwies lediglich darauf, dass sich Panasonic auf der Consumer Electronics Show mehr auf Geschäftskunden fokussiere. Muss man nicht verstehen, denn der besagte TV lieferte auch ohne 8K für mich mit die beste Bildqualität, welche ich auf allen Geräten in Las Vegas bestaunen durfte.

Ansonsten standen aber auf der CES 2019 bereits alle Zeichen auf 8K. Egal an welchem Stand der TV-Hersteller man sich umschaute, seien es LG, Samsung, Sony, TCL, Hisense oder Exoten wie Changhong – 8K war quasi omnipräsent. Damit ist natürlich schon jetzt klar, wohin die Reise geht. Ich konnte an den Fernsehern teilweise natives 8K-Material bestaunen, das durchaus sehr beeindruckend ausgesehen hat. Die wahren Mehrwerte sehe ich persönlich aber weiterhin in HDR bzw. den erweiterten Farbräumen. Aber Samsungs Ingenieure als Südkorea haben schon recht: Die Bilddiagonalen wachsen und höhere Pixeldichten und Auflösungen richten ja keinesfalls Schaden an, sondern geben Reserven, die man langfristig ausschöpfen kann.

Wo KI, Roboter, Smart Cars und eben 8K die neuen Trends der CES 2019 gewesen sind, wurde ein anderer Bereich nach meinem Eindruck deutlich kleiner: Der Hype um Virtual und Augmented Reality ist vorüber. Natürlich traf man trotzdem Hersteller wie beispielsweise Pimax in Las Vegas an. Doch im Verhältnis wirkten die Stände leerer und unscheinbarer, die große Begeisterung scheint mittlerweile für die aktuellen Techniken einfach nicht mehr so recht gegeben. Ich selbst bin gespannt, ob diese Sparte, vielleicht befeuert durch Nachfolger der Oculus Rift und HTC Vive, noch einmal die Kurve bekommt. Für mich sieht es aktuell aber eher danach aus, als ob VR und AR ähnlich wie 3D in eine kleine Nische abwandern, um auf ein Comeback in ferner Zukunft zu warten.

Für mich war die CES 2019 in Las Vegas definitiv wieder ein tolles Erlebnis, auch wenn man nie die Zeit hat wirklich alles zu sehen, egal wie viele Stunden man auf dem Messegelände umher stromert. Jetzt bleibt das Warten auf den MWC 2019, auf dem es dann für Freunde der mobilen Endgeräte die nächsten Flaggschiffe zu sehen geben wird.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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2 Kommentare

  1. Einigen Bekannten und mir ist schon öfter aufgefallen, dass André Westphal fast immer, wenn es um dieses Thema geht, irgendwelche negativen Bemerkungen zu 3D und VR macht, „der Hype ist vorbei“, „nur wenig Interesse“ usw. Damit beeinflusst er massiv Meinungen von Unentschlossenen Richtung Desinteresse, da Cashys Blog ja sehr viel gelesen wird!
    Mediziner sagen, dass bei ca. jedem zehnten Menschen das Gehirn gar nicht richtig 3D sehen kann, wenn es als Kleinkind nicht entsprechend trainiert wurde. So kann man natürlich die unglaubliche Faszination eines guten 3D-Spielfilms nie erleben und nachvollziehen. Wie soll man so voller Vorfreude auf neue spannende VR-Entwicklungen warten? Schade!
    Ich bin froh, dass ich viele 3D-Seher kenne, bei denen die Begeisterung NIE nachlassen wird! Im übrigen ist die Entwicklung erst jetzt so weit, dass VR zu einem wirklichen Massenprodukt werden könnte – wenn, ja wenn einige „Meinungsmacher“ mithelfen würden…

    • In der Bestatigungs-eMail von WordPress zu meinem Kommentar wurden meine älteren Kommentare mit aufgeführt. Hier das schöne Beispiel von vor zwei Jahren mit meinem Kommentar und André Westphal´s Antwort:

      3D im Heimkino ist endgültig gestorben
      VON ANDRÉ WESTPHAL JAN 21, 2017 | 72 KOMMENTARE

      Rolf
      22. Januar 2017 um 16:10 Uhr
      Wer die eindrucksvollen 3D-Spielfilm-Aufnahmen im All oder in den Straßenschluchten New Yorks oder San Franziscos nicht zum Faszinierendsten zählt, das er jemals gesehen hat, gehört vielleicht zu dem knapp Einem von zehn Menschen, die eine sogenannte STEREOBLINDHEIT haben. 3D-Sehen muss immer in den ersten Lebensjahren erlernt werden.

      Sehr traurig finde ich, dass André Westphal, dessen Artikel ich ansonsten sehr schätze, jetzt auch nach der alten Journalisten-Weisheit handelt: NUR EINE SCHLECHTE NACHRICHT IST EINE GUTE NACHRICHT!“ Sein Artikel „3D im Heimkino ist endgültig gestorben“ wird jetzt wie üblich hundertausendfach verbreitet und fördert den Tod von 3D. Damit wird der schöne Facetten-Reichtum des täglichen Lebens noch ein bisschen weiter eingeschränkt. Kein Danke dafür!

      André Westphal
      22. Januar 2017 um 16:50 Uhr
      @ Rolf

      Danke erstmal fürs Lob bzgl. meiner sonstigen Artikel! Zum Thema jetzt: Ich hätte auch gerne getitelt „3D-Revival: It is back!“, aber leider haben die Hersteller 3D nunmal begraben :-(. Keine der großen Player bindet es bei seinen neuen TVs der Oberklasse weiter ein und auch das Intresse des Großteils der Kunden ist leider gering. Ich selbst mochte 3D auch generell gerne, selbst wenn ich es zuletzt nicht mehr viel aktiv genutzt habe. Aber letzten Endes hat die Industrie es abgehakt, ob wir das nun gut finden oder nicht.

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