„Castlevania“angeschaut: Rettet die Serie den Ruf von Videospieleadaptionen?

Diese Woche hat Netflix die erste Staffel zur Videospieleumsetzung „Castlevania“ veröffentlicht. Als Fan der Reihe kam ich nicht umhin, mir direkt am ersten Tag alle vier Episoden mit jeweils ca. 22 bis 25 Minuten Spielzeit reinzuziehen. Ich hoffte das Beste und erwartete das Schlimmste. Denn leider weiß jeder Gamer, dass man die sehenswerten Adaptionen von Videospielen an einer Hand abzählen kann.

Trotzdem hatte ich mir von „Castlevania“ einiges versprochen: Der Trailer machte bereits einen wirklich guten Eindruck und Produzent Adi Shankar wurde ja kürzlich erst „Assassin’s Creed“ für eine weitere Serienumsetzung anvertraut. Das legte für mich nahe, dass Ubisoft einen Blick auf „Castlevania“ werfen durfte und sehr angetan gewesen ist.

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Video-Link: https://youtu.be/iIMrFnl5NiA

Dazu muss ich sagen, dass für mich persönlich das beste „Castlevania“ das PS1-Game „Castlevania: Symphony of the Night“ bleibt. Das Spiel läutete damals die Metroidvania-Phase ein, die bis heute immer noch die Handheld-Ableger prägt. Allerdings mochte sich auch „Super Castlevania IV“ oder sogar „Castlevania II: Belmonts‘ Revenge“ für den Game Boy wirklich gerne. Auch das erste PS3-Game, „Castlevania: Lords of Shadow“ fand ich fantastisch – den Nachfolger… weniger.

Doch falls ihr die Serie noch nicht genossen habt oder euch fragt, ob sich die Animationsserie auch für Neulinge lohnt: Wie sieht es denn nun aus mit diesem ominösen Netflix Original? Zunächst kurz: „Castlevania“ ist richtig, richtig stark geworden. Lediglich die Animationen waren in Bewegung manchmal etwas zu abgehakt für meinen Geschmack, was speziell bei einem gewissen Kampf im Staffelfinale auffiel. Das ist aber ein Meckern auf hohem Niveau. Generell ist die Optik hochwertig, atmosphärisch und zu meiner großen Freude im Design der Charaktere stark an „Castlevania: Symphony of the Night“ angelehnt. Die Handlung ist aber vor allem von „Castlevania III: Dracula’s Curse“ beeinflusst.

Was mich sehr positiv überrascht hat: Auch wenn die erste Staffel nur vier Episoden mit jeweils weniger als einer halben Stunde Spielzeit umfasst, nimmt man sich viel Zeit die Charaktere einzuführen und das Geflecht der Handlung langsam zu spinnen. Hauptcharakter Trevor Belmont tritt beispielsweise erst in den allerletzten Minuten der ersten Episode auf. Ansonsten dreht sich die erste Folge vor allem um Dracula und wie es dazu kam, dass der mächtige Vampir zu so einer Bedrohung für die Protagonisten der Serie geworden ist.

Durch diese Herangehensweise wird Dracula dann auch zu einem vielschichtigeren Schurken, als man es erwarten sollte. Er ist eben nicht einfach böse um des Böse-sein willens, sondern hat eine nachvollziehbare Motivation. Zumal hier auch die Kirche eine ziemlich große Rolle in den vier Episoden spielt und ebenfalls als Antagonist herhält. Da hat man sich definitiv bemüht nicht einfach Schwarz / Weiß gegenüber zu stellen.

Trevor Belmont ist wiederum kein strahlender Held, sondern eher ein leicht zynischer Antiheld, der erst seine Motivation finden muss, gerne einen über den Durst trinkt und mit seiner Peitsche auch mal einem Priester ein Auge ausschlägt. Ebenfalls eine kluge Entscheidung der Macher: Bei der Gewaltdarstellung nimmt man kein Blatt vor den Mund. Allerdings wirken die blutigen Szenen nie so, als würden sie die Gewalt zelebrieren. Sie ist einfach Teil der rauen Welt von „Castlevania“. Für Kinder ist die Serie dabei absolut nichts – ich schätze eine Altersfreigabe ab 16 Jahren wäre hier wohl das Resultat gewesen.

Schade ist lediglich, dass das Finale so viel Lust auf mehr macht, dass man fast auf den Tisch hauen möchte, weil nun eine lange Wartezeit ansteht bis… Na ja, hier will ich euch nicht spoilern. Ich denke Fans von „Castlevania III: Dracula’s Curse“ werden im Finale eine Gänsehaut bekommen. Übrigens habe ich die erste Staffel auf Englisch geschaut und war auch von der Sprecherbesetzung sehr angetan: Richard Armitage, euch vermutlich am besten als Thorin Eichenschild aus der „Der Hobbit“-Trilogie bekannt, gibt Trevor Belmont. James Callis, der in „Battlestar Galactica“ als Gaius Baltar brillierte, ist für Alucard zuständig. Letzterer hat in den vier Episoden aber nur eine kleine Rolle.

Viel mehr möchte ich euch dann auch nicht vorab verraten. Außer: Seid ihr Fan der Spielereihe, dann schaut euch „Castlevania“ bei Netflix definitiv an! Ich denke, dass ihr nicht enttäuscht sein werdet. Aber auch als komplett Unbedarfte kommt ihr übrigens aufgrund der auf die Charaktere fokussierten Erzählweise super in die Handlung. Mir macht die Serie jedenfalls wieder Hoffnung, denn es handelt sich um die beste Videospieleumsetzung seit vielen Jahren. Ich freue mich schon sehr auf neue Folgen und hoffe doch sehr, dass wir noch mehr Serienumsetzungen von Spielen in dieser Qualität zu sehen bekommen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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7 Kommentare

  1. Deliberation says:

    Ich kannte Castlevania bereits, bin aber nicht gerade ausgesprochener Fan der Serie. Die Netflix-Adaption hat mich aber von Anfang an gefesselt und ich habe alle Teile in einem Rutsch angesehen. Ich verstehe allerdings nicht, wie man eine Serien-Staffel mit vier Episoden mit jeweils nur etwas mehr als 20 Minuten herausbringen kann. Das ist nicht nur ungewöhnlich wenig, sondern mutet unfertig an. Die vierte Episode endet daher auch nicht mit einem einer Staffel würdigen Ende, sondern wirkt ziemlich abgehackt. Schade, denn die Produktionsqualität ist ansonsten sehr gut.

  2. evtl ein Testballon wie das ganze ankommt

  3. Gefühlte 30 Minuten und schon war es vorbei…

  4. Mich haben die vier Folgen irgendwie nicht so umgehauen.

  5. André Westphal says:

    Ich meine Castlevania sollte erst ein durchgehender Film werden und wurde erst später zur Serie umgemodelt, als Netflix Interesse anmeldete. Den Eindruck gewinnt man auch schnell, wenn man sich die Folgen ansieht, da die Episoden im Grunde nahtlos ineinander übergehen. Das erklärt dann auch den Verlauf der Episoden.

    Das Ende fand ich aber durchaus passend – starker Cliffhanger eben :-).

  6. Hm, die Zeichnungen muten qualitativ etwas uninspiriert an. Irgendwo zwischen Biene Maja und Cpt. Future. Die Story empfinde ich als weitgehend unspannend, frei von Überraschungen und frei jeglicher Dramatik.

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