adidas RPT-02 SOL – Selbstaufladende Sport-Kopfhörer angehört

adidas hat zusammen mit Zound Industries vor einiger Zeit ein neues kabelloses Kopfhörer-Modell vorgestellt. Es handelt sich um die adidas RPT-02 SOL, die mit der Fähigkeit daherkommen, sich selbst per Solartechnik aufzuladen. Ich hatte Gelegenheit zum Ausprobieren und möchte euch meine Eindrücke näherbringen.

Fangen wir bei der Verpackung an, die wie üblich aus Pappe ist und die Kopfhörer, einen Quickstart-Guide und ein kleines Garantie-Büchlein beherbergt. Ein USB-C-Ladekabel findet sich nicht darin, man möchte euch schließlich dazu bewegen, per Solar zu laden und den ökologischen Footprint des Produktes reduzieren. Ein USB-C-Kabel wird die Mehrheit mittlerweile sowieso zu Hause haben, auf Wunsch kann aber eines bei adidas für knapp 9 Euro nachgeordert werden.

Die Kopfhörer bestehen aus einem Materialmix von Kunststoff, Metall und Stoff und kommen damit auf 256 Gramm. Nicht das Leichteste, aber es gibt durchaus schwerere Modelle. adidas gibt selbst an, dass 51 Prozent des Produktes aus Kunststoff sind, der zu 87 Prozent aus recyceltem PC-ABS und recyceltem Nylon besteht. adidas ist ja schon recht frühzeitig darauf übergegangen auch Kunststoff aus den Weltmeeren für Kleidung, Schuhe und Co. zu nutzen. Finde ich persönlich gut, das sollten viel mehr Unternehmen machen, auch wenn es das Produkt am Ende vielleicht etwas teurer macht. Klar, ist immer die Frage, wie viel Marketing am Ende auch dahintersteckt.

Der Kopfhörer fühlt sich aber in Summe gut und wertig an und das Gewebe an den Ohrmuscheln und dem Kopfband empfinde ich persönlich als angenehm. Es ist nicht zu hart, aber auch nicht zu weich und die Stoffkomponenten können auch allesamt gewaschen werden. Es ist schließlich ein Sport-Kopfhörer, der auch ordentlich Schweiß abbekommt. Dabei hilft die IPX4-Zertifizierung.

Die Besonderheit der Kopfhörer versteckt sich aber im Kopfband. Dort hat man die Solartechnologie des schwedischen Anbieters Exeger eingesetzt, die auf den Namen Powerfoyle hört. Der Kopfhörer kann damit einstrahlendes künstliches und natürliches Licht in Strom umwandeln und somit die Kopfhörer aufladen. Damit der Kopfhörer auch in das „beste“ Licht gelegt werden kann, hilft euch eine Lichtanzeige. Das sind ein paar LED-Ringe im Kopfband, die per Button den Status anzeigen können. Leuchten nur wenig Ringe, dann ist es zu wenig Licht, leuchten alle, dann ist es perfekt.

Die Aufladung wird euch sogar in Echtzeit in der App angezeigt aber dazu gleich mehr. Der Button, der die LED-Anzeige triggert, kann auch mit weiteren Aktionen belegt werden. So werden beim doppelten Tippen beispielsweise der jeweilige Sprachassistent und bei dreifachen Drücken zum Beispiel Spotify gerufen. Man kann leider keinen anderen Dienst außer Spotify auswählen.

An der anderen Ohrmuschel sitzt noch ein 5-Wege-Knopf, mit dem ihr die Musikwiedergabe steuern oder Anrufe annehmen / ablehnen bzw. die Lautstärke regeln könnt. Der ist sehr gut blind zu finden und intuitiv bedienbar. Hier gibt es nichts zu kritisieren.

Kommen wir zum Tragekomfort, der mir als Brillenträger besonders wichtig ist. Haben Kopfhörer zu viel Anpressdruck, wird es durch die Brille schnell unangenehm an die Ohren. Das ist bei den adidas nicht der Fall. Die sitzen für mein Empfinden relativ angenehm und haben einen guten Druck auf die Ohren, um auch bei kräftigeren Bewegungen beim Sport nicht zu verrutschen. Ich habe das Headset im Homeoffice mal 8 Stunden getragen und meine Ohren nahmen es mir nicht übel. Die weichen Ohrpolster ermöglichen unter anderem dieses Tragegefühl.

Bevor wir zum Klang kommen, lasst mich die Frage aller Fragen beantworten. Funktioniert das Laden per Licht? Hier muss ich sagen, dass es wirklich sehr auf Licht ankommt. Der Kopfhörer lag 2 Stunden hinter dem Fenster bei wirklich gutem Licht und hat von 54 Prozent auf 57 Prozent geladen…

Oft hat man das Problem, dass der Kopfhörer mehr verbraucht, als er gerade laden kann. Ihr müsst also wirklich gutes Licht haben, um nicht beim Musikhören Akku-Ladung zu verlieren. Der Kopfhörer lädt aber auch, wenn er ausgeschaltet ist. Habt ihr den also sowieso immer am Fenster liegen, könnt ihr euch fast sicher sein, dass der Akku nicht ausgeht.

Generell sind die Kopfhörer ein wahres Akku-Monster. 80 Stunden Ladung soll man aus den Kopfhörern holen können, wenn man sie gar nicht lädt. Das ist sehr ordentlich, liegt aber auch daran, dass hier zum Beispiel auch keine aktive Geräuschunterdrückung zu finden ist.

Mit dem Kopfhörer könnt ihr auch die App adidas headphones nutzen. Damit könnt ihr die Firmware aktualisieren, habt Zugriff auf einen Equalizer und die Musiksteuerung und seht vor allem den aktuellen Verbrauch beziehungsweise die aktuelle Aufladung des Kopfhörers. Ist ganz interessant zu sehen, wie viel mA durch Sonne geladen werden. Ihr habt auch eine Historie, die die App auch von den Zeiten ohne Verbindung ziehen kann.

Und wie klingen die adidas RPT-02 SOL eigentlich? Lasst mich das an ein paar Beispielen erläutern.

Now We Are Free (Gladiator):

Die Bässe erzeugen einen angenehmen Klangteppich, der die nicht ganz so deutlichen Mitten jedoch eher überspielt, als diese zu tragen. Höhen sind sauber und deutlicher als die Mitten. Hier kann man auch über den Equalizer nicht viel regeln.

Get Lucky (Daftpunk):

Auch hier sind die Bässe nach meinem Empfinden zu präsent. Der Gesang hat dadurch einen dumpfen Schimmer, der die Klarheit trübt. Sobald die Bässe aussetzen, ist das Klangbild dann aber deutlich. Auch hier habe ich versucht, mit dem EQ nachzuhelfen, ein wenig hilft es. Wer viel gemischte Musik hört, wird aber kaum andauernd in die App springen und das Klangbild nachziehen.

Hypa Hypa (Electric Callboy):

Anspruchsvoller Track mit vielen Facetten. Hier fällt auf, dass es wirklich sehr darauf ankommt, wie die Tracks, die ihr hört, abgemischt sind. Die Bässe sind weniger stark ausgeprägt und an und für sich macht der Kopfhörer dabei eine gute Figur. Sowohl Mitten als auch Höhen sind dann auch präsent und das Modell präsentiert sich mit einem ausgeglicheneren Klangbild.

Peer Gynt Suite No. 1, Op.46: 4 In the Hall of the Mountain King:

Klassik, mal ganz was anderes. Hier kommt es auf Präzision und Differenzierung der Instrumente an. Ich habe mit Absicht Grieg gewählt, da man hier gut die Steigerung und das nacheinander Aufbauen nachvollziehen kann. Auch hier ist zu beobachten, dass man alle Instrumente gut hören kann, solange die tiefen Bläser und die Pauken noch nicht am Arbeiten sind. Gegen Ende verschwimmt das Bild dann wieder schnell und die Präzision geht verloren.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das adidas-Modell logischerweise nichts für Audiophile ist, dafür ist es auch gar nicht gedacht. Es ist ein Sport-Kopfhörer, der klanglich keine schlechte Figur macht, dennoch Luft nach oben hat. Natürlich kann man die Frage stellen, wie sehr ihr auf Musik achtet, wenn ihr gerade dabei seid, Gewichte zu heben oder euch beim Laufen abzumühen.

Was lässt sich also abschließend sagen? adidas hat hier einen guten Kopfhörer für den Sport gebaut, der flexibel ist und mit einem guten Tragekomfort daherkommt. Das Klangbild orientiert sich an dem typisch modern geforderten „Ich brauch Bass“, kann über den Equalizer aber ein wenig auf die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Da ist sicher Luft nach oben, aber für das Szenario Sport ist das schon sehr ordentlich.

Die gute Akkulaufzeit gepaart mit der immer vorhandenen Auflade-Möglichkeit können ein großes Plus sein. Die einzigen Fragen, die sich jeder beantworten muss, sind: „Will ich Over-Ear-Kopfhörer beim Sport tragen (Ich bin ja Fan der Beats Fit Pro)?“ und „Sind die mir die Kopfhörer ohne ANC 229 Euro wert?“. Könnt ihr beides mit „Ja“ beantworten, dann macht ihr mit den Kopfhörern sicher nichts verkehrt.

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3 Kommentare

  1. > Der Kopfhörer lag 2 Stunden hinter dem Fenster bei wirklich gutem Licht und hat von 54 Prozent auf 57 Prozent geladen…

    Das klingt nach wenig, aber wenn 100% 80 Stunden entsprechen, dass bedeuten die 3% auch über 2 Stunden Laufzeit.

    > Dort hat man die Solartechnologie des schwedischen Anbieters Exeger eingesetzt, die auf den Namen Powerfoyle hört.

    Vielleicht kommt Amazon auf die Idee, für Kindle die Rückseite oder ein Cover Mit Solarpanel zu machen, dann müsste es überhaupt nicht mehr geladen werden.

  2. Ein Vergleich zu den Urbanista Los Angeles wäre interessant gewesen.
    Die habe auch Solarzellen drauf, aber auch ANC.

  3. Coole Idee. Wie sinnvoll das ist, kommt wahrscheinlich auch einfach drauf an wo man lebt. Wenn man in Kalifornien wohnt und täglich die Sonne ballert, dann freut man sich wahrscheinlich, wenn der Akku dadurch gefühlt ewig hält, weil er immer nachgeladen wird.

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