Windows 10: Edge nicht für alle Enterprise-Kunden

microsoft edge

Im kommenden Windows 10 wird der Browser „Edge“ – ehemals als „Project Spartan“ betitelt – das Erbe des Internet Explorers als Standardbrowser des Systems antreten und soll dank moderner Technik und eines neuen Namens DER Browser für Windows werden. Der Internet Explorer, der sich in den letzten Jahren durch Firefox und Chrome immer weiter schwindenden Marktanteilen gegenüber sah, wird aus Kompatibilitätsgründen noch aufrufbar sein, aber auch Platz für Edge machen. So weit, so gut.

Gestern tauchte dann eine (mittlerweile bestätigte) Nachricht auf, die im Dunstkreis der Gerüchte, die den kommenden Windows 10-Release begleiten, für einiges Aufsehen sorgte. pPlant Microsoft doch offenbar, Usern der Windows 10 Enterprise-Edition, die Mitglied des LTSB-Programmes sind, den neuen Browser vorzuenthalten. LTSB steht für „Long-Time Servicing Branch“ und ist ein Software Maintenance-Programm für Nutzer von geschäftskritischen oder eingeschränkten Applikationen, in dem den darin enthaltenen Geräten und Installationen über zehn Jahre Sicherheits- und Hotfixes garantiert werden, nicht aber neue Programmfeatures – und genau dies stellt „Edge“ als Browser in diesem Moment dar. Probleme könnten dann auftauchen, wenn aktuelle Universal Apps, die auf Elementen von „Edge“ aufbauen, aus dem Store geladen werden und durch fehlende Feature Updates, respektive den fehlenden neuen Browser, aus der Bahn geworfen werden – hier scheint noch einiges an Verbesserungspotential zu existieren, möchte man sich keine Zweiklassengesellschaft der Browser-Nutzer schaffen.

Zwar wird der Internet Explorer 11 speziell aus Kompatibilitätsgründen auch Windows 10-Usern zugänglich gemacht werden (bzw. ist bereits Bestandteil des Systems) , stellt aber für Microsoft logischerweise nicht mehr den Browser dar, der als Plattform für neue Techniken und Features dienen soll – und so beißt sich – zumindest für die LTSB-Kunden – die Katze in den eigenen Schwanz. Aktuell scheint man das Thema ein wenig weiter hinten zu parken, da am 29. Juli 2015 erst die Home- und Professional-Varianten von Windows 10 erscheinen werden und die Enterprise-Edition eher für einen Zeitpunkt rund um den Herbst geplant ist, aber das Thema dürfte schneller wieder aktuell werden, als es Microsoft lieb ist. Eine Lösung sollte also her, sonst verscherzt man es sich gerade mit dem Kundenklientel, auf dem ein großer (wenn nicht DER!) Fokus liegt: Dem Enterprise-Bereich, dem dann eine Browserschlacht zwischen zwei Heeren desselben Lagers droht – und das wäre ein äußerst unglücklicher Start für die Browsergeneration „Edge“.

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Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant.

7 Kommentare

  1. paradeplan says:

    die dummen leute von microsoft haben es ja auch irgendwie geschafft, den browser so ins system zu verankern, das mehrere Installation paralell nicht funktionieren. Das ist soooo dumm, da könnte ich mir an die nase fassen…

  2. Großunternehmen wollen das aber genau so.
    Das ist keine Schikane oder fehlendes Feature seitens Microsoft. Hier erfüllt man den Wunsch der Großkunden.

    Geht man mal von einem Großunternehmen mit web-basierter Individualsoftware aus, ist diese meist nur für eine bestimmte Version des Internet Explorers frei gegeben. Hier mussten umfangreiche Sicherheits- und Conformance-Tests durchlaufen werden.
    Die Unternehmen sind also gar nicht daran interessiert immer die neuesten Versionen und Features des Internet-Explorers zu nutzen.
    Genauso frage ich mich, ob das angesprochene Problem der winstore apps überhaupt zum tragen kommen kann.
    Ich behaubte mal, dass der Großteil der Unternehmen die Installation von x-beliebigen apps aus dem store sogar per se unterbindet.

    Also nicht immer vom Kleinunternehmen mit 10 Mitarbeitern ausgehen. Deren IT-Philosophie läuft ganz anders.
    Hier gehts um die großen Fische mit 10.000 usern und mehr.

  3. @mo.deluxe – sicherlich hast Du Recht, was die Unternehmensphilosophien angeht, das kenne ich aus täglicher Arbeit innerhalb eines Automobilkonzerns (aktueller IE 9 freigegeben für zentrale Webabwendungen, der Rest experimentell auf eigene Gefahr) auch – von daher gehe ich auch nicht von zehn Mitarbeitern aus, denn solche Unternehmen brauchen auch nicht zwingend Enterprise-SLAs. Trotzdem sollte man den Sachverhalt – und das habe ich getan – schlichtweg einmal erwähnen, weil die Sache per se eigentlich neu ist und Edge für MS ja ein browsertechnischer Neustart sein wird – also nicht ganz ohne Brisanz das Thema. Aber glaube mir, daß auch in größeren Umgebungen durchaus jemand nicht Willens ist, per Gruppenrichtlinie die AppStore-Nutzung zu unterbinden – und der Mensch wächst mit den Möglichkeiten, die man ihm bietet 🙂 !

  4. „der Rest experimentell auf eigene Gefahr“

    wundert mich ja schon ein wenig? Ich gehe mal davon aus, dass die meisten großen Unternehmen oftmals mit sensiblen Daten zu tun haben. Und da soll eine rumprobieren mit nicht freigegebenen Umgebungen erlaubt sein?

    ich berate laufend Behörden mit > 10.000 usern. Da ist so etwas undenkbar.
    Bei großen Unternehmen ist es genauso restriktiv (Erfahrungsaustausch mit Kollegen)

    Genauso das „Problem“ mit apps. 99% der User haben keine admin-kennung. Aus besagten Sicherheitsgründen.

    Verlässt man sich dann bei apps aus dem winstore auf die dortige QS?!
    Darf ne Behörde nicht. Kann ich mir bei großen Unternehmen kaum vorstellen. Audi will sich sicher keine Spionage-App aus China ins Haus holen, weil ein Mitarbeiter in der Sachbearbeitung unbedingt mal ne funny-Katzen-app ausprobieren wollte.

  5. Nachtrag zur early-adopter-Freudigkeit von Unternehmen und Behörden:

    man muss sich ja nur mal anschauen, wann die Schwergewichte Windows XP abgelöst haben 😉

  6. Mein Kommentar bezieht sich dann nicht auf die Konzernstrukturen in WOB oder IN (da gibt es in der Tat Strukturen, wie Du sie beschreibst), sondern eher auf Partner- sprich Autohausebene. Das muß man trennen, und wenn der Partner vor Ort meint, er müsse das firmeninterne Portal mit dem IE 11 betreiben und sonderbare Outputs erhalten, ist er selbst schuld – im Kundensegment lösen wir solche Spieltriebe beispielsweise durch WSUS in Verbindung mit stark eingeschränkten Nutzerrechten. Aber auch hier braucht die ein oder andere Anwendung mehr Rechte, als dem User gut tut. Wenn dann jemand meint, mit Adminrechten Forschung am Produktivsystem zu betreiben (und sei es nur ein PC in der Disposition), um den IE oder ein Plugin zu aktualisieren, dann trägt er ggf. die Folgekosten für den Support.

    Das Store-Thema sehe ich auch kritisch – sieht man auch auf mobile Devices, wo man den AppStore nicht explizit sperrt und plötzlich private IDs samt Apps auf den Geräten findet. Ich sage ja, der Einfallsreichtum einzelner Personen samt der Wille, Dinge auch gegen interne Policies auszuprobieren, ist immens 🙂 !

    Das auch Behörden trotz aller Sicherheit versagen, geistert heute ja durch die Presse.

    Na und was Windows XP angeht – da machen mir die Store Apps weniger Sorgen als die Büchsen, die mit diesem System noch am Netz hängen 😉 !

  7. ja ok. verstehe ich 🙂

    aber alles in allem kann man halt sagen, dass große Unternehmen mit sicherheitskritischen Bereichen das einfach nicht juckt, dass der edge nicht mit drauf ist. Eher im Gegenteil. Sie wollen es so.
    Und um die geht es bei Mitgliedern des LTSB-Programms.

    Wobei man da natürlich wieder fragen muss, wie viele von denen überhaupt auf Win10 als early adopter setzen…
    kann ich nicht einschätzen. Ich denke aber mal es ist ein ganz niedriger einstelliger Prozentbereich.

    So oder so stimmt der Satz
    „Eine Lösung sollte also her, sonst verscherzt man es sich gerade mit dem Kundenklientel, auf dem ein großer (wenn nicht DER!) Fokus liegt: Dem Enterprise-Bereich“

    so halt nicht. Die großen Fische aus dem LTSB-Programm wollen es ausdrücklich nicht.