„The Tick“: Dieses Amazon Original solltet ihr euch gönnen

Update: Ab sofort auf Amazon. Text vom 3.9: Mir hatte bereits der Pilot zum neuen Amazon Original „The Tick“ extrem gut gefallen: schwarzer Humor, Ironie, Superhelden – alles ein wenig überdreht und absurd. Das ist genau mein Ding. Letzte Woche ging nun die erste Staffel bei Prime Video an den Start. Leider umfasst diese Runde nur sechs Episoden (inkl. die bereits veröffentlichte Pilotfolge) mit jeweils ca. 27 Minuten Spielzeit. Staffel 1 soll insgesamt 12 Episoden beinhalten – wann die sechs weiteren folgen, ist aktuell aber noch offen.

Warum Amazon sein Original in zwei Teile aufgespalten hat, weiß ich leider nicht. Die sechste Folge endet jedenfalls mit einem derben Cliffhanger, das kann ich euch schon verraten. Doch worum geht es denn überhaupt bei „The Tick“? Nun, die Serie spielt in einer Welt, in der Superhelden real sind. Allerdings wurden viele von ihnen einst durch den Superschurken The Terror ausgelöscht. Das erlebte Arthur Everest als kleiner Junge hautnah mit. Da bei diesem Vorfall nicht nur seine Helden starben, sondern auch sein Vater ums Leben kam, ist Athur seitdem psychisch labil. Als also plötzlich ein knallblauer Held namens The Tick in seinem Leben auftaucht, zweifelt er nach endlosen Therapien erst einmal an seinem Verstand.

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Video-Link: https://youtu.be/fLbVOEnoR_w

Allerdings haut der etwas naive Held Schurken kräftig auf die Mütze und scheint nahezu unverwundbar zu sein. Gespielt wird The Tick herrlich übertrieben von Peter Serafinowicz, den ich in erster Linie als Pete aus „Shaun of the Dead“ kannte. The Tick ist hier als Charakter eine Mischung aus dem Batman der 1960er-Jahre-Serie mit Adam West und den Superman-Filmen von Christopher Reeve. So wundert sich der Held etwa, dass es Obdachlose gibt, obwohl sich jene doch bestimmt ein Haus wünschen, findet die Einhaltung der Verkehrsregeln wichtig und drückt sich eben aus wie ein Superheld vergangener Tage.

„The Tick“ ist dadurch eine erfrischende Abwechslung zu anderen Superhelden-Serien wie „Arrow“, „Agents of Shield“ oder „Daredevil“. Denn trotzdem die Rahmenhandlung auf Anhieb vergleichsweise düster klingt, steht hier immer ein Augenzwinkern im Vordergrund. Mich haben der Stil und die Atmosphäre der Serie an eine Mischung aus dem Film „Kick-Ass“ sowie der Serie „Wilfred“ erinnert. An „Wilfred“ mahnt besonders die schräge Bromance zwischen The Tick und Arthur, während das schräge Superhelden-Setting Fans von „Kick-Ass“ zusagen dürfte.

So weiß man zu Anfang nicht, ob The Tick nur eine Einbildung von Arthur ist: Dem Helden ist das Gedächtnis verloren gegangen und sein Verständnis der heutigen Gesellschaft ist überraschend begrenzt. Sein plötzliches Auftauchen in Arthurs Leben gibt nicht nur jenem Rätsel auf. Ich finde sehr gelungen, wie die Serie hier einerseits manche Actionszene um den Helden mit hintergründigem Humor und mancher, versteckter Sozialkritik kombiniert. Denn die Gags sind oftmals gar nicht so doof und spielen nicht nur auf die Popkultur an, sondern auch auf gesellschaftliche Missstände.

Größtenteils ist „The Tick“ aber in erster Linie herrlich absurd. Der Serie kommt dabei vor allem das Wechselspiel zwischen Peter Serafinowicz als blauem Strahlemann und Griffin Newman als labilem Sidekick wider Willen zugute. Aktuell steht „The Tick“ allerdings bei Amazon Prime Video nur in der Originalfassung mit optionalen Untertiteln stramm. Die synchronisierte Fassung folgt am 13. Oktpber 2017. Falls ihr also auf jene wartet, merkt euch den Termin vor.

Mir haben die bisher veröffentlichten sechs Episoden extrem gut gefallen: Viele Amazon Originals wirken auf mich persönlich deutlich biederer als Netflix-Produktionen wie „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ oder „Castlevania“. „The Tick“ bringt endlich Schwung in die Bude und macht durchweg Spaß. Von mir erntet die Serie deswegen definitiv eine Empfehlung.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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21 Kommentare

  1. Hab ich nach dem Piloten für gestimmt. Bin gespannt!

  2. Hoffentlich ist damit die Trailer-Werbung für Tick bei Prime dann demnächst vorbei…

  3. mir ist das ganze zu albern…

  4. Von wegen ‚gesellschaftliche Missstände’… das Ding ist ist total blöde! Fand ich genauso präpubertierend wie „The Iron Fist“ – der auch dann in „The Defenders“ eher nervte als hilfreich war.

  5. André Westphal says:

    @Oliver 2 Da ist schon recht viel soziale Satire mit drin, wenn man aber nur auf die Fassade guckt und den absurden Humor nicht mag, kann ich schon verstehen, wenn es nicht jedermanns Geschmack ist :-).

  6. Da hast du natürlich Recht… In dem Moment, wo es einen André Westphal braucht, um den sozial satirischen Kontext zu erläutern, geht das Ding tatsächlich an mir vorbei. Mir jedoch lediglich einen Blick auf die Fassade zu unterstellen, ist gelinde gesagt, eine Frechheit. Du hast selbstverständlich keine Ahnung, wie intensiv ich mir das angesehen habe und behauptest in den blauen Dunst irgendwelches Zeug. Ich hoffe, dass deine journailstischen Ambitionen nicht weiter als bis zur Springerpresse vorgeplant sind – denn die machen das so.

    Und auf absurden Humor kann ich ganz gut. Doch das weisst du dank deiner journalistischen Güteklasse, nebst garantiert BILDhaften und hellseherischen Fertigkeiten sicherlich besser.

    Leute hat’s hier in der Redaktion – alter Falter

  7. André Westphal says:

    @Oliver2

    Er ist halt vorhanden – ob man ihn nun subjektiv wahrnimmt oder nicht, ist ja eine andere Sache :-). Übrigens guck dir mal meinen und deinen Tonfall an – wer da irgendwas unterstellt, merkst du vielleicht selbst ;-).

    Zumal du da selbst eine Wertung reinbringst: Viele Filme und Serien kann man sich einmal als oberflächliche Unterhaltung ansehen oder halt gucken, was so hinter manchen Themen steht. Das muss man aber nicht und auch ich mache das nicht immer. Beispiel wäre „Wilfred“: Das kann man einerseits als absurde Stoner-Comedy sehen oder andererseits als Serie, die von sozialen und psychologischen Problemen sowie Philosophie handelt. Kommt auch einfach drauf an, was man von der Serie „will“.

    Und das ist bei „The Tick“ ziemlich ähnlich. Und wenn jemand dann nur sagt „ist total blöde“ und von „präpubertierend“ spricht – dann ist das in meinen Augen ein sehr oberflächlicher Eindruck ;-).

  8. Der Unterschied ist, dass ich die Serie werte und nicht eine hier teilnehmende Person. Und natürlich spiegel ich dich zurück du Doc Medienpädagoge. Du attestierst mir Unvermögen, ich hingegen habe dich in meinem ersten Kommentar nicht angefasst.

    …merkst du vielleicht selbst

  9. André Westphal says:

    Lies mal deine eigenen Kommentare bezüglich „Wertung einer Person“ ;-). Dann nochmal meine Kommentare in Ruhe lesen und verstehen. Wenn du dir da selbst ein „Unvermögen“ unterstellst, ist das deine Sache – ich habe nur gesagt, dass du die Serie relativ oberflächlich beurteilst. Aber lassen wir es mal gut sein :-).

  10. @Oliver2 schlechten Tag gehabt oder warum musst du hier auf einem Blog so rumstänkern? Mein Geschmack ist „The Tick“ auch nicht aber wem die Serie gefällt, der darf sie sich gerne anschauen. Ist doch alles kein Problem. Deswegen so sauer zu werden kann ich nicht nachvollziehen. Einfach mal locker durch die Hose atmen und die Negativität loslassen. 😉

  11. ich warte auf die Übersetzung

  12. Die Staffel wurde lt. Produzent gesplittet um Bingewatching der kompletten Staffel am Stück zu unterbinden.

  13. @Oliver2 +1
    „präpubertierend“ – passender geht’s nimmer

  14. Das wäre genau mein DIng… leider habe ich kein Prime. Ich mag solche abgedrehten Sachen.

  15. Die erste Folge kann man übrigens kostenlos in Deutsch anschauen. 🙂

  16. Franz Köster says:

    Finde es eigentlich ziemlich interessant, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind . Habe mir den Pilot auch erst wegen der Empfehlung auf dieser Seite angeschaut, war aber überhaupt nicht mein Ding. Da mittlerweile ja in jeder Serie manchmal mehr oder weniger offensichtliche Gesellschaftskritik vorkommt, hab ich das vielleicht unterbewusst ausgeblendet.

  17. @Oliver2 haha, guter Mann 😀

  18. Deliberation says:

    Äh, was ist das Update in dieser News? Die ersten sechs Folgen gibt es doch bereits seit Wochen auf Amazon Prime!?

  19. @Deliberation: Jetzt auch mit deutscher Synchronisation

  20. Wie der Blog hier einen hard-on für diese Serie hat! Ich find die einfach nur unterirdisch schlecht – es gibt soviele tolle Serien, aber Tick ist sicher keine davon (meine Meinung obv :P).

    Stranger Things geht ja zum Glück bald weiter, da braucht man so nen Schund net…

  21. Deliberation says:

    @Oscar: ach so, vielen Dank für die Aufklärung!

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