Reingehört: Adidas RPD-01, kabellos mit Nackenband

Während kabellose In-Ear-Ohrstöpsel in der heutigen Zeit in gefühlt jedem zweiten Ohrenpaar stecken, an dem man im Alltag so vorbei kommt, sind diese nicht immer wirklich gut geeignet, um beim Sport genutzt zu werden. Stichwort: Halt. Ohne Earwings oder ähnliche Hilfen lösen sich die kleinen Ohrstöpsel gerne schnell wieder aus dem Ohr, was lästiges, regelmäßiges Nachdrücken nötig macht. Hier können In-Ears mit Nackenband eine Alternative sein, da dieses zusätzlichen Halt gibt und im Ernstfall auch dafür sorgt, dass keiner der Ohrstöpsel unterwegs auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

Zu eben jener Kategorie Kopfhörer zählt auch der Adidas RPD-01, den ich nun eine Weile ausprobiert habe:

  • Typ: In-Ear mit Nackenband (vier Größen für Earwings und Ohrpassstücke dabei)
  • Treiber: Neodymium, 6 mm
  • Impedanz: 16 Ohm
  • Empfindlichkeit: 93 dB SPL
  • Frequenzgang: zwischen 20 bis 20.000 Hz
  • Bedienung über drei Tasten und zusätzliche Aktionstaste (personalisierbar)
  • erhältlich in den Farben Light Grey, Night Grey, Green Tint und Black Grey
  • Preis: 97 Euro
  • Schweiß- und wasserfest gemäß IPx4
  • geladen wird per USB-Typ-C, verbunden via Bluetooth 5.0 (Multi Connect)
  • Magnetverschluss an den Ohrstöpseln (ohne zusätzliche Funktion)
  • Wiedergabezeit laut Hersteller 12 Stunden, im Test über 14 Stunden
  • vollständige Aufladung: benötigt circa 2 Stunden
  • LED zeigt Ladezustand
  • Gewicht: 23 Gramm
  • unterstützte Codecs: SBC
  • keine Trageerkennung

Die Adidas RPD-01 sind gut, aber nicht überragend verarbeitet. Das Material an den Bedienflächen am Nackenband wird billig, selbst das Logo des Unternehmens weist Blessuren auf, die wohl bei der Herstellung entstanden sind. Professionell sieht das zumindest nicht aus. Beim Sport muss mich das aber natürlich nicht stören, da zählen Halt, Klang und Funktionen. Das Nackenband selbst gefällt mir wiederum sehr gut, das Kabel ist flach und sehr flexibel, die Länge ist optimal, sodass die In-Ears auch bei heftigen Kopfbewegungen nicht aus dem Ohr gezogen werden.

Die Bedienflächen, die nicht nur die Technik und den Akku, sondern auch die insgesamt vier Knöpfe zum Bedienen beinhalten, sind gut platziert. Unterwegs kommt man problemlos an die Knöpfe, die vorgegebene Biegung und Stabilität des Nackenbandes sorgt dafür, dass jenes bei Laufbewegungen nicht im Nacken auf und ab hüpft.

Sowohl Earwings als auch die Ohrpassstücke sind frei miteinander kombinierbar und werden in jeweils vier unterschiedlichen Größen mitgeliefert. Beim Wechseln dieser Komponenten stellt man aber schnell fest, dass Adidas auch hier ein wenig am Material gespart hat. Das fühlt sich alles recht minderwertig, vor allem etwas labbrig, an. Das ändert aber nichts daran, dass die RPD-01 mit der richtigen Kombination auch wirklich perfekt im Ohr sitzen und ich im Testzeitraum nie das Gefühl hatte, dass sich da auch nur einer der beiden Stöpsel hätte lösen wollen.

Was meiner Meinung nach aber doch sehr störend sein kann, sind die Kratz- und Scheuergeräusche, die das Nackenband in Verbindung mit Kleidung verursachen kann. „Kann“ deswegen, weil mir das lediglich aufgefallen ist, als ich eine leichte Jacke beim Sport tragen musste, da es doch etwas kühl wurde. Mein Sportshirt machte hier keine Probleme, das Band kommt damit kaum in Berührung. Zudem sind die Kabelgeräusche auch nur dann zu hören, wenn die Lautstärke entsprechend gering eingestellt ist.

Wie bereits erwähnt wird der RPD-01 über insgesamt vier Tasten bedient. Auf der rechten Seite des Nackenbandes befinden sich die drei Haupt-Tasten, auf der linken Seite findet ihr die zusätzliche Aktionstaste, die frei belegt werden kann.

  • Mittlere Taste
    • Einmaliges Drücken: Starten/Stoppen der Wiedergabe, Annehmen/Beenden von Anrufen
    • 2 Sekunden gedrückt halten: Ein-/Ausschalten
    • 4 Sekunden gedrückt halten: Kopplungsmodus starten
    • Zweifaches Drücken: Track weiter springen
    • Dreifaches Drücken: Track zurück springen
  • Obere und untere Taste
    • Lautstärke hoch bzw. runter
  • Aktionstaste
    • anpassbar
    • kann mit unterschiedlichen Funktionen für einmaliges, zweifaches und dreifaches Drücken belegt werden -> erfordert App-Nutzung
    • Möglichkeit, Sprachassistent zu starten oder beispielsweise auch einzelne Playlisten von Spotify abzuspielen (erfordert Verknüpfung mit Benutzerkonto in der Adidas-Headphones-App)

Die Tasten sind gut erreichbar und besitzen einen guten Druckpunkt, die Ausführung der einzelnen Befehle erfolgt allerdings etwas zu stark zeitverzögert – anderthalb Sekunden könnten das schon sein, die stören dann aber tatsächlich sehr, wenn man einen Track mal eben schnell pausieren will. Die RPD-01 besitzen nämlich keine Trageerkennung, demnach pausiert die Wiedergabe leider auch nicht automatisch, wenn man einen der Ohrstöpsel aus dem Ohr nimmt, um sich mit jemandem zu unterhalten.

Zudem besitzt das Gerät auch keine Funktion, um Außengeräusche ans Ohr durchzuleiten (Transparenzmodus), was vor allem beim Laufen in der Stadt, etc. echt gefährlich werden kann und meiner Meinung nach für Sportkopfhörer ein absolutes Muss wäre. Ebenfalls nicht ganz nachvollziehbar ist, warum der RPD-01 zwar über einen Magnetverschluss an den Rückseiten der beiden Ohrstöpsel besitzt, dieser aber eben die Wiedergabe nicht automatisch pausiert, wenn er genutzt wird.

Der USB-Typ-C-Ladeanschluss liegt offen unter dem rechten Teil des Nackenbandes, wenn der Kopfhörer einmal komplett leer sein sollte, dauert es knapp zwei Stunden, bis er wieder voll aufgeladen ist. Eine Viertelstunde Schnellladung reicht im Übrigen aus, damit man mit den Dingern wieder rund vier Stunden Wiedergabe erreichen kann.

Als maximale Laufzeit gibt Adidas hier 12 Stunden an, mit einer Lautstärke zwischen 50 und 75 Prozent konnte ich sogar über 14 Stunden Musik hören, bis der RPD-01 wieder an den Strom musste. Eine LED informiert über den Ladezustand, grün leuchtet diese allerdings schon ab 80 Prozent Akkustand, was man durchaus wissen sollte.

Codecs wie AAC oder aptX werden vom Kopfhörer leider nicht unterstützt, lediglich SBC. Bei den Treibern handelt es sich um 6-mm-Neodymium-Treiber mit einer Impedanz von 16 Ohm. Dank Multi-Connect-Feature kann auch mehr als nur ein Gerät gleichzeitig mit den RPD-01 verbunden werden, das lästige Abmelden und Verbinden entfällt beim Wechsel zwischen den Geräten entsprechend.

Für Updates der Firmware und die Möglichkeit, sechs vorgegebene und anpassbare Equalizer-Presets (auch eigene möglich) zu aktivieren, muss auf die kostenlose Adidas-Headphones-App zurückgegriffen werden. Hier dürft ihr dann auch die maximal drei Funktionen einrichten, welche durch die Aktionstaste ausgelöst werden sollen.

Anscheinend wollte Adidas den Klang des RPD-01 vor allem auf basslastige Musik auslegen. Bässe sind hier sehr voluminös, werden vor allem aber sehr gut differenziert. Dies gilt auch für die tiefen Bässe, selbst bei niedrigen Lautstärkeeinstellungen. Bei den Höhen gibt sich der RPD-01 ebenfalls Mühe, auch diese werden klar wiedergegeben. In der maximalen Lautstärkeeinstellung kommt es meinem Empfinden nach aber zu einem leise wahrnehmbaren Rauschen / Zischen. Die Mitten sind gut und harmonisch abgestimmt, was also am Ende viel Raum für die Wahl des Musikgenres beim Sport lässt.

Beim Telefonieren sind für den Partner zwar noch Hintergrundgeräusche bei euch zu hören, Gespräche funktionieren dennoch aber mit klarer und sehr gut hörbarer Stimme. Verzerrungen konnte ich keine feststellen, hin und wieder ist ein leises Rauschen wahrzunehmen.

Am Ende bleibt der RPD-01 ein angenehm zu tragender Kopfhörer für Sportler, der vor allem basslastige Musik gut wiedergibt, sich aber auch für andere Genres gut eignet. Die Bedienung klappt gut und geht schnell ins Blut über, eine Trageerkennung und vor allem Support für hochwertige Codecs wären aber dennoch zu begrüßen gewesen. Für derzeit knapp 97 Euro bekommt man mit dem Adidas RPD-01 aber einen guten Kopfhörer, der durch sein Nackenband in gewissen Situationen das nötige Extra an Halt bieten kann.

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Benjamin Mamerow

Nordlicht, Ehemann und Vater, hauptberuflich mit der Marine verbündet. Außerdem zu finden auf Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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8 Kommentare

  1. Ich hatte vor einer Weile noch die Beats X von Apple.
    Klanglich war ich immer damit zufrieden, aber leider war die Bauform dermaßen fehleranfällig, dass sie 2x während der Garantie getauscht werden mussten (einmal der Schalter defekt, einmal ein Wackelkontakt/Kabelbruch im Nacken) und nach wenigen Monaten nach dem 2. Tausch (4 Monate nach Ablauf der Garantie) wieder defekt mit Kabelbruch war.

    Vllt. kann ja jemand mal nen Vergleich zur Qualität und zum Ton mit diesen hier bringen.

    Und ach ja, warum müssen (vor allem die Deutschen Hersteller) immer so kryptische Namen für die Produkte gewählt werden, wie RPD-01. Mal ehrlich, ich hab den Text gelesen und muss jetzt schon wieder nach oben scrollen, um den Namen nachzuschauen, damit ich ihn hier schreiben konnte.

    • Meine Beats X sind jetzt auch nach drei Jahren kaputt gegangen. Scheinbar der Akku, die Kopfhörer gingen nach wenigen Minuten aus und es blinkte zum rot/weiss. Ich habe die Beats X vor allem im Bett benutzt, weil sie sehr „kurz“ waren im Ohr und man so besonders gut drauf liegen konnte. Habe mir jetzt günstigere Sony als Nachfolger geholt, aber bin so lala happy damit. Wirklich ärgerlich, dass man die Beats X nicht weiterentwickelt hat und einen Nachfolger anbietet.

  2. Beim Stichwort SBC war Schluss. Das ist doch nicht deren Ernst bei einem Preis von knapp 100€!

    https://www.kopfhoerer.de/ratgeber/bluetooth-einfach-und-schnell-erklaert/

    • Nichtmal AAC für Apple User. Das ist echt armselig.

      Aber wird vermutlich von der entsprechenden Zielgruppe dennoch gekauft werden, die haben von aptx oder AAC noch nie etwas gehört.

  3. Nach dem Test bleiben für mich die AirPods Pro erstmal das Maß der Dinge, auch beim Sport.
    Sie halten auch ohne Nackenband und der transparent Modus ist für mich schon unverzichtbar.

  4. Onkel Wanja says:

    Alles mit Nackenband ist einfach nur unhandlich und unbequem. Da kann man auch direkt zum ollen Kopfhörer greifen.

  5. Du solltest dir mal die dazugehörige App im Detail anschauen, dann hast du ganz schnell eine andere Meinung. Die App ist teilweise nicht übersetzt und hat auch noch Platzhalter Texte. Darüber hinaus unterstützt der Action Button nur Spotify Aktionen, was ich auch ziemlich Mau finde…

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