ownCloud: Ehemalige Entwickler kommen mit „Nextcloud“ zurück, ownCloud veröffentlicht Stellungnahme

owncloud-square-logoAm 31. Mai berichteten wir über die Gründung der ownCloud Foundation und den Weggang diverser langjähriger Denker und Lenker des Projektes, die aber ein klares Statement zu der Thematik vermissen ließen. Zwischen den Zeilen konnte man indes schon viel lesen und auch hinein interpretieren, jetzt ist die Bombe geplatzt: Wie die Kollegen auf Phoronix berichten, spalten sich jene genannten Entwickler vom ownCloud ab und gründen mit NextCloud ihren eigenen Fork – ownCloud reagierte daraufhin postwendend mit einem Statement. Für Spannung in der private Cloud ist also gesorgt, doch erst einmal eins nach dem anderen.

Die Nachricht vom 02. Juni kam nicht unerwartet, hatten die Vögel im Netz doch nicht nur geraten, sondern auch gezwitschert: Frank Karlitschek, ehemaliger ownCloud-CTO, informierte das Netz zunächst über NextCloud und die Tatsache, dass er ownCloud in der Tat verlassen habe. Details nannte er nicht, verwies eben nur auf viele Dinge, die bei ownCloud hätten besser laufen können – und das alles halt nicht der normale Jobwechsel ist, bei dem man beim alten Arbeitgeber aufhört und beim neuen anfängt.

nextCloud

Karlitschek bezeichnet NextCloud als fälligen Neustart von ownCloud – verdeutlicht wird dies durch die zeitgleiche Gründung der Nextcloud GmbH, um Software und Dienstleistungen auch für Firmen und Organisationen bereitzustellen, während das Open Source-Projekt wie von ownCloud gewohnt auch für die Allgemeinheit zur Verfügung steht. Nutzer dürfen sich laut Frank Karlitschek auf die vollständige Integration der Kalender- und Kontakt-Funktion sowie eine durch die Open Source WebRTC-Sofftware Spreed.ME gestützte Möglichkeit zur Video-Kommunikation freuen. Auch einige Features, die bei ownCloud bisher der Enterprise-Version vorbehalten waren, werden in das Nextcloud-Projekt einfließen.

Kunden und Partner, die einen Enterprise-Support gebucht haben, bekommen vollständigen Support für die Mail-, Kontakt- und Kalenderanwendungen und eine vollständige Möglichkeit zur Video-Kommunikation. Wo hier der Unterschied zur Community-Version liegt, sagte Karlitschek an dieser Stelle nicht. Alles in allem möchte er mit Nextcloud eigenen Angaben zufolge eine offenere Art der Kommunikation auf die Beine stellen und so auch die Zusammenarbeit im Vergleich zur Vergangenheit optimieren.

nextCloud2

In den nächsten Wochen möchte man Nextcloud bereits veröffentlichen und auch kostenlosen Support für ownCloud-User anbieten, die ihre bisherigen Installationen auf das neue System migrieren wollen. Man darf gespannt sein, ob das Projekt die Versprechen hält, denn allein die fixe Integration der genannten Applikationen und vielleicht auch einmal funktionierende(re) Updates wären für mich ein Grund, mir Nextcloud einmal näher anzuschauen.

Schauen wir wieder zurück zu ownCloud, der Lösung mit der wir uns schon längere Zeit beschäftigt haben und die viele hier auch nutzen, so ruft die Ankündigung Frank Karlitscheks einen Tag nach einer ownCloud-Partnermesse in Frankfurt natürlich ownCloud selbst auf den Plan: In einem offiziellen Statement gab man gestern zu Protokoll, dass man durch die Ankündigung Karlitscheks mit „kurzfristig abgeworbenen“ Entwicklern ein Konkurrenzprodukt zu ownCloud auf den Markt bringen zu wollen, überrascht und – zugegebenermaßen – auch enttäuscht wurde. Man erkenne die Verdienste Frank Karlitscheks an, bedauere aber diese Art der Trennung.

Einer der Haupt-Kritikpunkte von Frank Karlitschek betrifft die notwendige Stärkung der Community: Hier haben wir an der Konstruktion einer Foundation gearbeitet, deren Gründung wir Anfang dieser Woche bekannt gegeben haben. Das Board der Foundation wird sich aus sieben Mitgliedern zusammensetzen, darunter ownCloud Entwickler, Vertretern von Organisation, die ownCloud entwickeln und nutzen und ein ownCloud-Repräsentant. Ziel der Foundation ist es, langfristig die Community zu stärken und eine kostenlose, vollständig auf Open Source basierende Version von ownCloud zur Verfügung stellen zu können. Die Community Edition ist und bleibt das Rückgrat unseres Unternehmens.

Wie die beiden Geschäftsführer Holger Dyroff und Markus Rex in der Pressemeldung ausserdem mitteilten, hat die Ankündigung in Sachen Nextcloud allerdings auch drastische Konsequenzen für die in Lexington, Massachusetts eingetragene ownCloud, Inc.: Der Haupt-Kreditgeber in den USA hat wohl direkt die Kreditlinie des Unternehmens gestrichen – nach amerikanischem Recht sei ownCloud daher gezwungen, die ownCloud Inc. mit sofortiger Wirkung zu schließen und acht Mitarbeiter der ownCloud Inc. zu entlassen. Das bedauere man außerordentlich und verweist noch einmal darauf, dass die deutsche ownCloud GmbH davon nicht unmittelbar betroffen sei und das Vorantreiben der ownCloud Foundation weiterhin Priorität habe.

Das Thema birgt also weiterhin viel Zündstoff: ownCloud muss nun erst einmal dafür sorgen, die Community an passender Stelle abzuholen und zu schauen, wie es weitergeht – die Kritikpunkte kommen ja nicht von ungefähr und speziell die Transparenz und der Community-Gedanken sollten da intern noch einmal genauer auf den Prüfstand gestellt werden. Frank Karlitschek und Nextcloud müssen nun erst einmal liefern und zeigen, dass sich all der Trubel gelohnt hat und man mit diesem Fork nun auch ein verbessertes Alternativprodukt für die Private Cloud anbietet. Wir sind da mal gespannt, was uns ab Juli erwartet und verfolgen diese Entwicklung natürlich entsprechend aufmerksam.

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant.

Das könnte dir auch gefallen…

Mit dem Absenden eines Kommentars willigst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.

7 Kommentare

  1. sunworker says:

    Ich nutze dafür ein NAS DS2016j 2-Bay für 169€ von Synology, zwei ungenutzte 4TB HDD reingebaut.

    Da habe ich eine gut funktionierende und leicht zu bedienende Software DSM mit dabei, keine Probleme bei Updates sowie einen richtig guten Support (auch Dokus ohne Ende plus Forum).

    Der Funktionsumfang ist sensationell, wirklich unglaublich was das Ding alles Out-of-the-Box kann.

    Alles läuft sehr stresssfrei im Gegensatz zu owncloud etc, einmal eingerichtet und es fluppt.

    Spart ohne Ende Rumfummeln, Zeit und Nerven. Sehr zu empfehlen für kleinere private Clouds.

  2. venice-89 says:

    ich hab erstaunlich wenig Probleme mit Owncloud.
    Betreibe selber einen Owncloud Server auf der Arbeit der mittlerweile aus dem Alltag für viele Mitarbeiter nicht mehr wegzudenken ist.
    Eingeführt hatten wir das ganze kurz nach dem uns von der Unternehmenszentrale eine ganz schreckliche unbenutzbare Lösung präsentiert wurde….
    Das gute an OC is halt: Mitarbeiter*innen brauchen keine Einweisung weil alles sehr Simpel und selbsterklärend ist,

    Klar bei Updates gibts gelegentlich Probleme und OC veränderte in der letzten Zeit ziemlich viel. Besonders als die Verschlüsselung verändert wurde brauchte ich ein paar Anläufe weil es Probleme gab wenn man die LDAP Anbindung genutzt hat.
    Bei Version 8 gab es dann erneut Probleme, wieder im LDAP Bereich…

    Seit dem warte ich mit dem Upgrade etwas länger und lese die Foren Threads gründlich durch.

    Und mal ehrlich, bei welcher Software wechselt man bei einem Masterrelease immer sofort auf die aktuelle Version und wartet nicht erstmal ab?

    Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf Nextcloud. Das könnte auf jeden Fall zu nem gesunden Wettbewerb führen – auch im Hinblick auf den Umgang mit den Entwickler*innen.

  3. Ich bin nach mehrjähriger Nutzung von Owncloud weg, weil die Software ein erhebliches Qualitätsproblem hatte. Der „Sync“ hat meine gesamte Musiksammlung zerstört, ich habe bei einem Update alle Files verloren, und die Adress-/Kalendersynchronisation hatte ständig neue Probleme mit Umlauten und Anführungsstrichen.

    Natürlich haben nicht alle Nutzer Probleme, aber es nutzen auch nicht alle Nutzer einen Mac, den Apple-Kalender, das Apple-Adressbuch, das Android-C*Dav-Plugin etc. OwnCLoud Upzudaten heiss immer: Angst haben. Oft zu Recht. Und Sorry, von meinem Kalender kann ich vorher ein Backup machen — von meinen Files nicht. Wo soll ich denn auf dem Server mal eben mit einem halben TB an Daten hin, die das Backup SEIN sollen? Es dauert per DSL eine Woche, den Server neu zu bespielen.

    Als beruflicher PHP-Entwickler kann ich nur sagen:
    Die Software hatte massenhaft Bugs der peinlichen Sorte (Escaping, Codepages,…), Architekturprobleme (Updater benötigt einen lauffähigen Core, um den Core upzudaten) und Stabilitätsprobleme. Genau die Sorte von Bugs, die durch einbeziehen der Community mit ihren heterogenen Environments behoben werden würde.

    Ich habe zu Ampache, Baikal und Pydio gewechselt und seit diesem Tag natürlich trotzdem das eine oder andere Problem gehabt, aber nie Datenverluste und Totalausfälle.

    Wenn NextCloud eine Alternative sein will, dann würde ich ihnen raten: Feature freeze, Bugfixing, QA, QA, QA. Dann wäre ich durchaus offen für eine Lösung aus einer Hand.

  4. Wenn man bedenkt wie schlecht der Unterbau ist, das bei jedem Update regelmäßig riesige Bugs auftreten und dann noch die beschiedene Synchronisation dann wundert es mich schon das Owncloud überhaupt noch so viele Nutzer hat.

    Aber da wird wahrscheinlich der Namen alles sein. Technisch gesehen ist Owncloud katastrophal. Eigentlich unverantwortlich so etwas im Betrieblichen Umfeld einzusetzen.

    Es hat schon einen Grund warum Seafile so im aufstreben ist oder auch Pydio (nicht nur wegen der Delta Syncro). Die machen es halt besser und haben vor allem einen stabilen Unterbau.

  5. @sunworker: Sich so ein Teil daheim zu installieren ist aber nun mal für die meisten keine Alternative, eben weil man sich dann noch ein extra Gerät hinstellen muss. Ich möchte auch nicht noch ein Gerät zu diesem Zweck zu Hause haben, was in der Anschaffung Geld kostet, Platz benötigt, noch eine Steckdose belegt, von denen man sowieso zu wenig hat, und zusätzlich Strom verbraucht. Da überwiegen am Ende einfach die Nachteile.

  6. @sunworker Haben Sie sich wirklich schonmal mit ner Synology beschäftigt? Da überwiegt am Ende auf keinen Fall die Nachteile. Ich nutze diese NAS Systeme sowohl beruflich und privat und kann eigentlich jedem Nutzer es wirklich nur ans Herz legen…..

  7. Ein NAS ist kein Off Site Backup. Für viele Zwecke ist es mit Sicherheit die richtige Lösung, ab wenn hier über’s Wochenende einer einsteigt und das NAS zusammen mit dem Rechner und der externen Festplatte klaut, dann ist alles flöten.

    Lokal Filme gucken und so ist natürlich super.

Du willst nichts verpassen?
Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren. Alternativ könnt ihr euch via E-Mail über alle neuen Beiträge hier im Blog informieren lassen. Einfach eure E-Mail-Adresse hier eingeben, dann bekommt ihr 1x täglich morgens eine Zusammenstellung. Mit dem Absenden willigst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.