Magic: The Gathering – Core Set 2019 angespielt

Mit Unterbrechungen spiele ich das Trading Card Game (TCG) Magic: The Gathering mittlerweile über 20 Jahre. So alt ist vielleicht mancher unser Leser noch nicht einmal. Wenn ich diese Zahl lese, fühle ich mich entsprechend schon wie halb auf dem Friedhof. Doch gerade das passt bestens, denn jener ist ja in diesem Sammelkartenspiel ein zentrales Gameplay-Element. Daran hat sich auch mit dem Hauptset / Core Set 2019 nichts geändert. Ich habe mir das Set mit einem Kumpel ein wenig angeschaut und mal wieder in paar Runden Karten gekloppt

Nicht nur ich werde alt: Magic: The Gathering feiert dieses Jahr seinen 25-jährigen Geburtstag. Die Mutter aller TCGs hält sich bis heute, während die meisten anderen Vertreter nach und nach in der Versenkung verschwunden sind. So erschienen in den 1990er-Jahren, als der Hype um Sammelkartenspiele immer weiter hochkochte, zu so gut wie jedem halbwegs populären Franchise eigene TCGs. Star Trek: The Next Generation, Star Wars, Shadowrun, Doctor Who und sogar Kuriositäten wie Austin Powers, The Crow oder Hercules: The Legendary Journey buhlten um die Gunst der Kids.

Ein paar Jahrzehnte später hat sich der Markt ausgedünnt. Doch Veteranen wie Yu-Gi-Oh!, Pokémon oder eben Magic: The Gathering haben es geschafft sich ihre Fanbase zu erhalten und frisch zu bleiben. So schafft gerade Magic: The Gathering es meines Erachtens sehr gut mit Schmankerln, wie der letzten Edition Dominaria, sowohl die alte Garde bei der Stange zu halten als auch mit experimentellen Ideen wie etwa dem Zusammentreffen von Piraten und Dinosauriern in Ixalan, neue Spieler zu gewinnen.

Hauptset 2019: Der einfache Einstieg in die Welt von Magic: The Gathering

Mittlerweile ist am 13. Juli 2018 das neue Hauptset erschienen. Das Core Set 2019 läutet die Rückkehr dieser Editionen ein, welche der Vertrieb Wizards of the Coast 2015 vorerst eingestellt hatte. So sind die Haupteditionen ein Sonderfall. Im Gegensatz zu anderen Sets wie Stunde der Vernichtung und Co. enthalten sie eben nicht hauptsächlich neue Karten, sondern bündeln Klassiker und besonders beliebte bzw. vielseitige Karten aus bereits erschienenen Editionen. Dadurch dienen die Hauptsets quasi als idealer Einstieg für Neuankömmlinge.

Schon Dominaria beschrieb ich ja als recht einsteigerfreundlich. Auf das Core Set 2019 trifft jenes aber noch stärker zu. Seit jeher ist es für die Hauptsets nämlich typisch die komplexeren Synergieeffekte der anderen Editionen außen vor zu lassen. Stattdessen führen diese Basis-Sets an die wichtigsten Regeln von Magic: The Gathering heran. 269 Karten sind enthalten, welche quer aus unterschiedlichen Editionen stammen.

Als Beispiel borgt sich das Hauptset 2019 etwa den „Todesbaron“ aus Fragmente von Alara, den „Pelakka-Wurm“ aus Aufstieg der Eldrazi oder die „Eichengestalt“ aus Magic 2010. Allerdings sind im neuen Core Set 2019 nach meinem Eindruck deutlich mehr völlig neue Karten enthalten, als das in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. Das liegt aber auch am neuen Three-and-One-Modell, dem Magic mittlerweile folgt. So gibt es nun nicht mehr die Blöcke mit zwei oder zuvor drei einzelnen Editonen. Stattdessen veröffentlicht Wizards of the Coast wieder jährlich das klassische Hauptset plus jeweils drei einzelne, umfangreichere Sets, die für sich stehen.

Als Schlussfolgerung sind im Core Set 2019 nur ca. ein Drittel der Karten Reprints. Sie sind also bereits Bestandteil veröffentlichter Sets gewesen. Die restlichen zwei Drittel sind tatsächlich neue Karten. Darunter sind auch mächtige neue Planeswalker wie „Liliana, vom Tode unberührt“, „Tezzeret, grausamer Maschinist“ oder „Ajani, Widersacher der Tyrannen“. Um es Einsteigern leicht zu machen, erscheinen auch erneut vorgefertigte Planeswalker-Decks sowie ein Core-Set-Bundle mit einem Players Guide, 10 Boostern, einem Life-Counter, 80 Basisländern und einer Referenzkarte zum schnellen Überblick über die wichtigsten Regeln.

Tezzeret und Ajani – Planeswalker-Decks zum Loslegen

Wizards of the Coast hat mir für die Berichterstattung unter anderem die beiden Planeswalker-Decks zu Tezzeret und Ajani zur Verfügung gestellt. Dabei möchte ich anmerken, dass diese vorgefertigten Decks natürlich für Einsteiger praktisch sind, um direkt eine Runde zu zocken, ohne sich erst mit dem Deckbau beschäftigen zu müssen. Allerdings weisen sie, was Profis schnell erkennen, Optimierungsbedarf auf. Für erste Basteleien liegt deswegen neben einem spielbaren Deck auch noch ein Booster bei. Auch eine Kurzanleitung sowie eine Strategiebeilage sind enthalten.

Optimierungsbedarf weißen die Planeswalker-Decks insofern auf, als dass bei Magic: The Gathering unter Profis im Grunde ein wichtiges Prinzip gilt: Gute Karten nimmt man viermal rein. So darf man jede Karte laut Regeln maximal viermal in ein Deck bugsieren. Das sollte man bei spielstarken Karten, die zu den geplanten Synergien im Deck passen, auch so handhaben. Natürlich lautet die Begründung dafür: Je öfter man eine Karte im Deck hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass man sie auch zieht. Schließlich will man ja, dass am Ende nicht das reine Glück über Sieg oder Niederlage entscheidet, sondern die eigene Strategie.

Zudem ist es immer besser, wenn spielstarke Karten im Deck nicht einfach für sich genommen etwas reißen können, sondern in Verbindung mit anderen Karten noch mächtiger werden bzw. den Rest des Decks stärken. Im Idealfall greifen möglichst viele Karten ineinander. Das Planeswalker-Deck zu Tezzeret hantiert dabei viel mit dem Ziehen von Karten um das Spiel zu beschleunigen und zugleich dem Zurückschicken von Kreaturen auf die Hand des Gegners. Es sind aber einige Filler im Deck, wie z. B.  das „Pendel der Strukturen“, welches in so einem Deck nichts verloren haben sollte. Zumindest ergab sich kein sinniger Augenblick, in dem ich es beim Wetteifern mit meinem Kumpel auf dem Spielfeld gebraucht hätte.

Das Planeswalker-Deck zu Ajani konzentriert sich auf Kreaturen mit niedrigen Beschwörungskosten sowie das nachträgliche Stärken jener. Aber auch hier ließe sich die Strategie des Decks optimieren. Etwa powern viele Karten Kreaturen mit einer maximalen Stärke von 2 hoch. Entsprechend hätten die beiden „Oreskos-Scharfkralle“ (Stärke: 3) sowie der einsame „Meteorgolem“ (Stärke: 3), der zudem mit 7 Mana zu teuer ist, eigentlich nichts in diesem Deck verloren. Und auch das einzige Exemplar von „Revitalisieren“ wäre ein sicherer Kandidat für die Tonne.

Allerdings erfüllen die Planeswalker-Decks eben abermals den Sinn Einsteigern eine Basis an die Hand zu geben. Deswegen sind auch Karten enthalten, die im Kontext der Decks wenig Sinn ergeben, aber den Spielern ein paar Fähigkeiten aufzeigen.

Mein Fazit zum Magic: The Gathering Hauptset 2019

Nach ein paar Jahren Pause besinnt sich Wizards of the Coast wieder darauf mit jährlichen Hauptsets den Sommer zu überbrücken. Aus meiner Sicht ist das die richtige Entscheidung. Die immer vertrackter werdenden Regeln hatten speziell mit Ixalan doch etwas überbordende Ausmaße angenommen. Offenbar bemerkte man das auch bei den Entwicklern, denn schon Dominaria war deutlich gradliniger und klarer in den neuen Fähigkeiten. Das Core Set 2019 führt Neueinsteiger mit einem kleinen Best-Of bekannter Karten sowie vielen Ergänzungen bestens an das Trading Card Game heran.

Auch für Veteranen gibt es schon durch die neuen Planeswalker oder mächtige Karten wie „Prachtvoller Engel“ („Resplendent Angel“) ebenfalls ausreichend Gründe das Core Set 2019 zu mustern. Wer auf Turnieren spielt, der kommt ja ohnehin nicht drumherum. Ich erinnere mich eben selbst noch an die Zeiten der Vierten Edition und die nachfolgenden Hauptsets. Damals waren die Basis-Editionen doch immer etwas bieder im Vergleich mit den anderen Blöcken. Das galt auch zu Mirrodin-Zeiten, als ich nach längerer Pause zu Magic: The Gathering zurückkehrte.

Dem Hauptset 2019 zu Magic: The Gathering kann man dieses ernüchterende Gefühl nun nicht nachsagen. Klar, spart man sich hier die komplexeren Synergien und Fähigkeiten aus anderen Editionen, aber dahinter steckt eben der Gedanke, dass Einsteiger hier ihre erste Anlaufstelle haben sollen. Entsprechend denke ich, dass Wizards of the Coast mit dem Hauptset 2019 einen guten Grundstein gelegt hat. Das Core Set 2019 zu Magic: The Gathering bringt diese Sets jedenfalls mit Erfolg zurück.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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5 Kommentare

  1. Und erneut wieder ein Beitrag von Andre zu Magic NUR weil ein neues Set draußen ist. Statt sich im Stadt-Bremerhaven mal praktisch mit den Überschneidungen auseinanderzusetzen ist man nur auf den von Wizards gewünschten Content aus…

    Ideen für Beiträge zwischen den Sets:
    – MTG Arena (Regelmäßige Updates der Versionen)
    – Snapcardster (inkl der regemlmäßgen Updates)
    – Andere MTG Apps & technische Helfer vorstellen
    – Lifepads und andere Lifecounter Hardware
    – Allgemeine Tipps (Nutzung des Gatherer)

    Zudem halte ich vieles hier beschriebene für schlicht falsch und schöngeredet „Schon Dominaria beschrieb ich ja als recht einsteigerfreundlich“ > Nein war es nicht … Es war sehr speziell und vieles ist eher für Fortgeschrittene gedacht… Wer fragt heute außerhalb des Metagames noch nach den Energiemarken-Mechaniken von Kaladesh? Sets außerhalb der Coreset Reihe sind für Fortgeschrittene Anfänger… Aber selbst die Coresets sind anspruchsvoller geworden mit der Zeit…

    • Kurze Frage, gibt es ein schönes EinsteigerSet?
      Ich hätte interesse an mtg
      Bin ganz neu in der Marterie

      • André Westphal says:

        Die neue Core-Edition ist eigentlich der beste Einstieg. Damit kannst du die Basis-Regeln erlernen und ziemlich gut loslegen. Für den Anfang könntest du dir einfach eines der Planeswalker-Decks kaufen, mal ein paar Runden zocken und dann siehst du ziemlich schnell, ob du Spaß dran hast und weitere Decks selbst bauen magst – hast du ein paar Freunde die MTG zocken? Das ist immer am besten – oder welche die auch Bock haben anzufangen :-).

        • Stimm dem zu. Für „Küchentisch Magic“ ist das Core Set wirklich gut geeignet. Und sowas wie „Portal“ wollen wir wirklich nicht mehr sehen (wird Wizards auch nicht mehr machen) 😉

          Am besten mal gucken wann das nächste „MTG Open House“ stattfindet da gibts grad für Newbies interessante Events und Gratisdecks (Der Artikel zeigt ältere – neuere gabs schon 2018):
          https://wpn.wizards.com/de/products/willkommens-decks-von-magic

          Scheinbar gabs kein Open House zu M19 bzw wenn war es im ersten Juli Wochenende!
          Für das nächste Fortgeschrittenen Set gibts aber den Event (22.September):
          https://wpn.wizards.com/de/magic-open-house
          Auch wenn das Ravnica Set für Fortgeschrittene ist so kann man bei solchen Events es durchaus gut lernen!

    • André Westphal says:

      Darauf habe ich dir schon im letzten Beitrag geantwortet, nochmal kurz (und danke für die Vorschläge!)

      – Über MTG Arena darf ich nicht berichten, weil ich dafür keine Sondererlaubnis habe (Closed-Beta-Bedingungen)
      – Magic ist bei uns eben ein Thema, das wir ab und zu mitnehmen, aber so wie manche PC-Sites halt auch mal Phones machen (aber dann nichts zu Apps oder Firmware-Updates berichten), machen wir zu den jeweiligen Editionen was, sonst bin ich für Anregungen offen – Snapcardster gibt es zwar schon lange, vielleicht stelle ich die App aber wirklich mal vor – gute Idee!
      – Bei Dominaria kann man sich streiten, ich fand die Edition im Vergleich mit den Vorgängern schon recht stringend und einsteigerfreundlicher als jene davor. Klar stimmt aber, dass die (nun wiedereingeführten) Core-Sets der beste Einstieg sind – steht deswegen ja auch so im Beitrag!

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