Hand drauf: Jeder vierte hat schon unbewusst einen Vertrag abgeschlossen

Ach, „herrliche“ Zeiten waren das, als Jugendliche reihenweise das Jamba-Sparabo abschlossen, ohne zu merken, was sie eigentlich taten. Meine Schadenfreude war damals gegenüber einigen Mitschülern groß – stieg ich selbst doch erst weit später in die große, weite Welt des Mobilfunk ein.

Aber mal ehrlich: Doll war das alles natürlich nicht. Noch heute lasse ich jedoch mein Smartphone durchaus auch mal in der Bude – immer erreichbar sein, das will ich einfach nicht. Manch einer legt darauf aber Wert und tappt in die Falle. Gut, nicht mehr in jene des Jamba-Sparbos, aber laut einer Untersuchung des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein hat jeder vierte schon einmal unbewusst einen Vertrag abgeschlossen.

Ein Problem sei aber auch, dass Betroffene oft telefonisch die Einwilligung für Werbeanrufe vergeben, ohne sich später dessen bewusst zu sein. Als Ergebnis der Scherereien fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband, dass telefonisch geschlossene Verträge generell schriftlich bestätigt werden müssen. Bezüglich Telefonwerbung urteilt der Teamleiter Marktwächter Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, Tom Janneck: „Es ist auch schlichtweg nicht realistisch zu erwarten, dass Verbraucher sich an alle Unternehmen erinnern, denen sie möglicher Weise vor vielen Jahren eine Einwilligung erteilt haben.

Oft weichen auch die vom Verkäufer angekündigten Konditionen von jenen ab, die im Vertrag dann tatsächlich enthalten sind. „Einerseits wird hier auf die Unkenntnis des Verbrauchers gesetzt, andererseits werden vom Verkäufer sicherlich auch Formulierungen verwendet, die Missverständnisse zum Vorteil des Anbieters provozieren„, merkt Janneck dazu kritisch an.

Teilweise regiere laut der Verbraucherzentrale SH wohl auch die Dreistigkeit: Kunden sollten für die Beratung in einem Geschäft eine Unterschrift leisten, jene wurde dann aber für einen Vertragsabschluss missbraucht. Hier sei es dann für den Verbraucher oft sehr schwierig, sich herauszuwinden: „Dieser muss im Falle eines Rechtsstreites beweisen können, dass ein Vertragsschluss seinerseits gar nicht gewollt war. Unternehmen sitzen hier schlichtweg am längeren Hebel„, so Janneck.

Nun wünschen sich die Marktwächter ein Eingreifen seitens der Politik. Durch die Einführung einer Bestätigungslösung per Text könnte man die versehentlich telefonisch abgeschlossenen Verträge unterbinden. Zudem wäre es laut den Verbraucherschützern sinnvoll, die Einwilligung der Telefonwerbung zeitlich zu befristen. Wichtig sei auch, dass sich die deutsche Regierung in der Europäischen Union dafür einsetze, dass Werbeanrufe weiterhin nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung des Verbrauchers möglich seien.

Wie sieht es denn bei euch aus? Ich erhalte nie Werbeanrufe, meine Telefonnummer steht aber auch nicht im Telefonbuch und auch sonst gehe ich mit meinen persönlichen Daten recht sorgsam um. Kenne ich eine Rufnummer nicht, gehe ich generell gar nicht erst an die Strippe. Selbiges gilt auch für unbekannte Anrufer.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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14 Kommentare

  1. Michel Ehlert says:

    Ich hab smartphone und Kabelmodem so eingestellt. dass Anrufe ohne Nummer eh nicht bei mir ankommen. Am Smartphone nutze ich die App „soll ich annehmen“ funktioniert ganz gut

    • Die bekommen bei mir dieses schöne piep-piep-piep – Kein Anschluss unter dieser Nummer. Auch solche, die ich schon kenne 🙂

    • Ich gehe noch etwas weiter:
      Eine Anzeige bei der Bundesnetzagentur hilft auch denen die weniger Ahnung haben. Kostet mich zwar ca. 15 Minuten meiner Zeit aber das sehe ich als Geschenk an die Menschen an.
      Dreimal kam es zu einem Rechnungsverbot und einmal sogar zu einer 400k€ Strafe.
      Klar es ist ein Kampf gegen Windmühlen aber wenn jeder es machen würde, wird man es vielleicht zumindest eindämmen?

  2. Meine Nummer war ich nie im Telefonbuch und damit habe ich auch meine Ruhe. Alle zwei Jahre oder so kommt mal ein ungebetener Anrufer, dann lege ich auf und blocke die Nummer, fertig.
    Die Sache ist aber natürlich auch, dass oft vermeintliches Unwissen von vermeintlichen „Dummchen“ im Geschäftsverkehr auch nur als Schutzbehauptung vorgeschoben wird, weil man einen Vertragsabschluss hinterher bereut. Aber es ist ein Unterschied ob man hinterher etwas bereut oder ausgetrickst wurde. „Ich hab es mir anders überlegt“ sollte aber nicht gesetzlich geschützt werden, nicht mehr als es bisher schon ist zumindest. Da ist derzeit eine gute Balance gefunden, weiter sollte der vorauseilende Schutz vermeintlich hilfloser Erwachsener aber nicht gehen. Denn entweder ist man geschäftsfähig oder man ist es nicht. Das geltende Recht gibt ausreichend Möglichkeiten sich vor Tricksereien zu schützen.

    Ohne die ausdrückliche Button-Lösung kommt kein Vertrag zustande. Unbestellte Leistungen – kein Anspruch auf Zahlung. Das Widerrufsrecht im Fernabsatz ist auch sehr weitgehend. Dazu natürlich noch die allgemeinen Bestimmungen zur Anfechtung, Täuschung, Betrug, etc.

    „Kunden sollten für die Beratung in einem Geschäft eine Unterschrift leisten, jene wurde dann aber für einen Vertragsabschluss missbraucht.“, das ist zB schlicht Betrug, eine Straftat, der vermeintliche Vertragsabschluss sowieso nichtig. Im Streitfall muss man immer ggf. etwas beweisen, aber das ist bei jeder Neuregelung ganz genauso. Die Richter, die das zu entscheiden haben, haben ein feines Näschen für solche Zusammenhänge und mir persönlich ist kein einziger Fall bekannt in dem es so lief, dass eine Gaunerbude mit solchen Tricksereien durchgekommen ist (missbrauchte Unterschrift), ganz im Gegenteil, solche Früchtchen landen regelmäßig vor der Strafkammer und werden bestraft und verlieren meist auch ihre Existenz dabei (die zuvor kooperierenden Unternehmen kündigen sämtliche Maklerverträge mit der Handybude, teils werden auch Berufsverbote verhängt, zB bei Versicherungsmaklern die Unterschriften fälschen oder missbrauchen). Das wird nicht auf die leichte Schulter genommen.

  3. Das was damals mit den Jamba Abos und Co getrieben wurde war in meinen Augen ganz klar eine politisch geduldete kriminelle Geschäftspraxis.

    Und was per Telefon geschlossene Verträge angeht sollte die schriftliche Bestätigung wirklich das Mindeste sein, weil auch nach meiner Erfahrung da gelogen wird, dass sich die Balken biegen.

  4. JohnLamox says:

    also wenn ich zu hause unbekannte nummern in der anrufliste hab, befrage ich erstmal google, wer das ist. wenn sich rausstellt das es so eine werbe-firma oder irgendwas ähnliches ist, landet die sofort auf der blacklist in der fritte.
    mit meiner handynummer gehe ich sehr sorgsam um, da habe ich wenn es hoch kommt, 2 oder 3 mal im jahr nen anruf von ner unbekannten nummer. aber auch die landet auf der blacklist, falls es auf obiges zutrifft. 😉

  5. Bastlwastl says:

    Einmal darf jeder bei mir anrufen, dann gehts Ruck und auf die Blacklist.
    Noch besser: Meine Telefonanlage kann bedingte Rufnummernumleitung. Das habe ich bei den äusserst zähen Leuten des Klingel Versandes (wo auch immer die meine Nummer herhatten ) gemacht. Ankommende Rufnummern des Klingelversandes habe ich auf deren Bestellhotline umgeleitet

  6. Anruf auf dem Handy, sehr motivierte, resolute Dame ist dran. Wollte nur kurz nachfragen, ob die Webseite auch weiterhin gelistet sein soll, die scheine ja sehr erfolgreich zu laufen was sie so sieht…

    Lüge Nr. 1: „Weiterhin gelistet“ – bei dem Anbieter IST sie NICHT gelistet!
    Wer jetzt „Ja“ sagt, hat verloren!

    Ich hakte nach, fragte nach, WO sie denn gelistet sei.
    Lüge Nr. 2: „na über Google, Facebook und so weiter…“ – Die Wahrheit verschleiert, denn es geht natürlich NICHT um den Google-Eintrag!

    Ich hakte weiter nach und siehe da: Es ging um eine dubiose Seiten-Suche-Sammlung … im Grunde nur ein Abzock-Modell. Ja, sie haben eine Seite mit Kategorien aber nein, das bringt vermutlich rein gar nichts.

    Ich fragte nach, WER mich dort eingetragen hätte
    Lüge Nr. 3: „Das haben sie vermutlich damals mal gemacht“ – Nope

    Ich suche auf deren Seite nach meiner Seite und sage, dass ich mich ja gar nicht finde

    Lüge Nr. 4: „Ja sie sind ja auch gerade offline, darum rufe ich ja an!“ – ah, ja … Und wo könnte ich die Daten sehen?
    Lüge Nr. 5: „da müsste ich mich mal einloggen auf der Seite mit meinem Account“ – den ich ja nicht habe

    Sie fragt bestätigend nach: „Also schalte ich die Seite wieder aktiv, OK?“

    Ich frage nach: „Das ist kostenlos?“
    Sie: Natürlich nicht! Das kostet etwas aber sie bekommen ja auch gute Treffer für die Seite…

    WAS es kostet wollte sie nicht sagen, da sprach ich DEUTLICH: „Ich möchte NICHT bei ihnen gelistet sein. Ich habe NIE eine Zustimmung erteilt, ich habe NIE einen Eintrag bei Ihrem Dienst vorgenommen. WENN ich jetzt eine Rechnung von Ihnen erhalten sollte, wird das ein juristisches Nachspiel haben!“

    Da wurde sie sauer – worauf hin ich das nochmals wiederholte, vor Zeugen.

    Bisher keine Rechnung erhalten. Kann mir aber sehr gut vorstellen, dass viele auf diese Masche reinfallen – IMHO vorsätzlicher Betrug weil schon die ersten zwei Aussagen schlicht gelogen waren.

  7. Geil wie diese Spammer das Telefonieren kaputt gemacht haben.

    Es gab mal eine Zeit, da hat man einem Kumpel auch gern mal die Nummer von einem anderen Kumpel gegeben, damit die sich treffen können. Heute geht man einfach gar nicht mehr ans Telefon, wenn die Nummer nicht im eigenen Telefonbuch steht. Wir sind mobil wie nie, können mit jedem auf der Welt in Kontakt treten und schotten uns gegen neue Leute so stark wie möglich ab. Schon sehr traurig.

  8. KeyserSoze says:

    Ich habe als Erwachsener ein Jamba Abo abgeschlossen, aus Langeweile in der S-Bahn.
    Es war ein Abo was täglich kündbar war, die AGB’s haben die Wixxer
    damals (vor ca. 12/15 Jahren) so klein in der Zeitung ganz unten abgedruckt,
    das dies nicht lesbar war,täglich kündbar bedeutete,
    dass es ab dem Tag der Kündigung noch 4 Wochen Abozeit waren,
    hat mich knapp 70 DM gekostet, aber auch nur weil ich schnell gekündigt hatte^^

  9. Bob (der andere) says:

    Anrufe von unbekannten Nummern oder ohne Rufnummeranzeige werden gar nicht erst angenommen.

    Auf Mobiltelefon schon immer. Habe meine Nr. immer nur Leuten gegeben, denen ich vertraue, und diese gebeten meine Nr. nicht ohne mein Einverständnis weiter zu geben. Seit WhatsApp ist das aber auch hinfällig
    Auf Festnetz erst, seit das ZDF vor einigen Jahren extrem aufdringlich wurde zwecks Umfragen (manchmal bis zu 6 Anrufe am Tag).
    Nach Trillerpfeifen-Attacke und nicht zitierfähiger Ansage meinerseits haben sie dann irgendwann aufgegeben

    • Clevere Idee Du Held. Sei froh, dass Dich der Callcenter Mitarbeiter nicht wegen Körperverletzung angezeigt und auf Schmerzensgeld verklagt hat. Das ist ja schon so dumm, dass es zum Himmel schreit.

  10. Ich hatte vor der gesetzlichen Drittanbietersperre mal ein Abo an der Backe. Danke Telekom. Das ging damals noch über WAP-Billing, da musste man nur mal falsch husten und schon war es soweit. Um Abo loszuwerden und Geld zurückzubekommen musste ich einen Anwalt einschalten. Seither nichts mehr.

  11. Also bei mir war es früher wirklich ein riesiges Problem mit Telefonwerbungen. Ich habe mindestens 5 solche Anrufe am Tag erhalten. Theoretisch konnte ich ja alle Anrufe einfach ignorieren, aber man weiß vorher nie ob der Anruf wichtig ist oder nicht. Dann habe ich App zur automatischen Anrufsperre gesucht und runtergeladen. Es gibt ja schon viele bekannte Apps zur Anrufblockierung, wie tellows usw. Mindestens ist jetzt bei mir viel ruhiger, da die meisten nervigen Nummern schon automatisch blockiert werden.

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