eero Pro 6: Mesh-System von Amazon ausprobiert

Amazon hat im Februar 2019 die Firma eero übernommen, die bereits vorher Hersteller von WLAN-Lösungen war. Seit November sind die Produkte in Deutschland zu haben und seit Ende September 2021 auch das eero Pro 6 Mesh-WLAN-System, auf das ich einen Blick werfen konnte.

Wie jedes andere Mesh-System auch, verwendet eero mehrere Access Points, um das WLAN über eurem Haus oder eurer Wohnung aufzuspannen. Die Systeme gibt es mittlerweile zuhauf und da ist für alle Vorlieben etwas dabei, von Systemen für Profis wie die Produkte von Ubiquiti bis hin zu Einsteigersets, die auf einfache Bedienung ausgelegt sind, wie Nest WiFi. Auch das eero Pro 6 gehört in die letztgenannte Kategorie. Ohne viel Schnickschnack liefert man das System und die dazu passende App aus. Soll für die meisten Nutzer ausreichen. Ob das der Fall ist? Natürlich hat das eero System auch eine Alexa-Steuerung an Bord, über die man beispielsweise das Gästenetzwerk aktivieren kann.

Aber kommen wir vorerst zu den technischen Daten. Das System ist ein Wi-Fi-6-System und soll im 3er-Set bis zu 560 Quadratmeter abdecken. In puncto Geschwindigkeit ist man nicht mit Systemen wie dem Netgear Orbi RBK852 auf Augenhöhe, das mit AX6000, also mit bis zu 6Bit/s, unterwegs ist. eero kann mit AX4200, also bis zu 4,2GBit/s, glänzen. Es handelt sich um ein Tri-Band-WLAN 2:2:4, das natürlich auch mit älteren WLAN-Standards kompatibel ist.

Außerdem sind ein Zigbee- und ein Thread-Hub verbaut, Bluetooth LE 5.0 kann ebenfalls für Smart Home Geräte genutzt werden. Alles mit dem Ziel, dass ihr Geräte in das Alexa-Smart-Home integriert, obwohl eero 6 und 6 Pro mittlerweile auch in Apple HomeKit integriert werden können. Ansonsten finden sich die üblichen Standards mit WPA2, TLS 1.2+, AES, SHA-256, RSA, DHCP, IPv6 und, und, und in dem System. WPA3 ist aktuell nur eine Beta-Funktion und muss vom Nutzer manuell aktiviert werden. Ich persönlich nutze WPA3 noch nicht, da einige meiner Geräte Probleme mit dem Login ins WLAN haben, sobald ich umschalte.

Aktuell bin ich immer noch mit dem Netgear Orbi RBK852 unterwegs und damit sehr zufrieden. Die 165 Quadratmeter große Altbau-Wohnung, die sich in den vergangenen Jahren als guter Strahlungsblocker herausgestellt hat, wird damit ausgeleuchtet. Zum Vergleich: Ich musste vor dem Orbi-Set mit 4 AVM 1750e-Points oder 4 Google-WiFi-Spots arbeiten. Die Herausforderung für das eero-System ist also da und ich war etwas enttäuscht, dass man nur mit AX4200 funkt.

Aber man will ja nicht zu voreingenommen sein. Ich meine: Ein Spot soll 190 Quadratmeter abdecken, warum also überhaupt drei Spots einsetzen. Aber wir wissen alle, dass diese Werte nur unter Idealbedingungen erreicht werden, und meine Situation ist durch die Beschaffenheit des Baus und die „lang gezogene Wohnung“ alles andere als ideal.

Das Setup ist relativ einfach erklärt und setzt ein Konto bei eero voraus. Ihr könnt euer Amazon-Konto verwenden, ist ja naheliegend. Der erste Spot wird direkt am Modem platziert und fungiert als Router. Die App führt euch durch das schnell erledigte Setup. Nun könnt ihr direkt alle weiteren Spots einrichten, die automatisch ins Mesh-System integriert werden. Ich habe erst einmal mit einem Spot gearbeitet, um die Abdeckung zu prüfen. Mit einem komme ich bis ins Wohnzimmer, am anderen Ende des Flurs im Arbeits- und Kinderzimmer sieht es düster aus. Also Spot zwei und drei drangehangen und schon sieht die Situation komplett anders aus. Beim Aufstellen habe ich gemerkt, dass die eero-Spots wesentlich empfindlicher gegenüber Gegenständen in der Nähe sind als die Orbi-Spots, die in der Bauhöhe anders konzipiert sind. Darauf solltet ihr also achten.

Das Gute an den eero Spots ist, dass alle mit zwei Ethernet-Anschlüssen ausgestattet sind. Ihr könnt auch ein Kabel-Backbone für das Mesh nutzen, habe ich aber nicht gemacht. Ansonsten kann man die Ports für feste Kabelgeräte nutzen, was ich persönlich praktisch finde. Ich war not amused, als ich hörte, dass Google die Ports aus den Access Points verbannte.

Und wie ist die Performance des Systems? Im Großen und Ganzen in Ordnung. Ich bin sehr zufrieden mit dem Orbi-Setup und komme mit dem eero-System nicht an meine üblichen Datenraten an. Im Schnitt bin ich im eero-WLAN mit 150 Mbit/s weniger unterwegs. Die Ausleuchtung ist – wenn man auf die Messungen während meines Laufens durch die Wohnung schaut – nicht homogen. Man hat hier und da ein paar Zonen (keine Löcher) mit deutlich weniger Performance drin, wo die Datenraten nach unten fallen. Das ist beim Orbi-System zwar auch der Fall, aber die Dips sind nicht so tief. Hier half ein hin- und herschieben der Spots auch nicht wirklich. Diese Szenarien werdet ihr vielleicht nicht haben, da jede Wohnung / jedes Haus ja anders beschaffen ist.

Fernab der Performance muss man beim System Abstriche beim Customizing machen. Ihr habt wenige, tiefere Konfigurationsmöglichkeiten. Alles was der Otto braucht wie Portfreischaltung, feste Ips, Profile, Gäste-WLAN etc. findet sich aber in der App. Wer mehr braucht, geht hier leer aus. Mit dabei ist ein Probeabo für den zusätzlichen Dienst eero Secure+, der euch die Möglichkeit gibt, Webseiten / Traffic zu blocken, eine Kindersicherung zu nutzen, den Traffic abzusichern etc. Braucht man meiner Meinung nach nicht zwingend. Das kostet inklusive 1Password Family auch 10,99 Euro pro Monat, also nicht wenig.

Ansonsten gibt es meiner Meinung nach nichts mehr zu meckern. Für meine Wohnung ist das eben einfach nichts, ich bleibe bei Netgear. Die Einrichtung geht sehr leicht von der Hand und die App ist gut gebaut, bugfrei und kommt mit einer intuitiven Bedienung daher. Die Funktion des Hubs habe ich nicht gebraucht, da ich keine Thread-Geräte im Haus habe. Mit Zigbee funken nur die Hue-Birnen, die eh an der Bridge hängen. Wer es braucht, kann dadurch eventuell mehrere Hubs sparen. Ob das zuverlässig funktioniert, lasse ich an dieser Stelle mal offen.

Kann ich das System empfehlen? Schwierig, da die Konkurrenz groß ist und man meinen Eindruck auch nicht 1:1 auf andere Wohnungen übertragen kann. Wer eh mit einer FRITZ!Box unterwegs ist, wird mit einem AVM Repeater sicher gut bedient sein, Systeme von Netgear, Google, LinkSys und Co. sind teils auch einen ganzen Zacken billiger zu bekommen. Wer dennoch einen Blick auf das eero Pro 6 werfen möchte, ist mit knapp 640 Euro dabei. Bei Angeboten sind es um die 500 Euro für drei Spots.

 

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Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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8 Kommentare

  1. Tippfehler: das mit AX6000, also mit bis zu 6Bit/s, unterwegs ist
    Kommentar darf gelöscht werden.

  2. Ich hab die Vorgänger Pro Version bei meiner Mutter und meinen Schwiegereltern installiert und muss mich seitdem um keine „Internetprobleme“ mehr kümmern. Sie laufen einfach eagl welches Gerät mit ihnen verbunden ist Tablet, Drucker, Smartphones… Darauf ob jetzt wirklich die maximale Datenrate an den Endgeräten ankommt spielt warscheinlich auch nur bei sehr wenigen die zentrale Rolle sondern eher wie stabil das Netz ist im Sinne von werden Webseiten schnell geladen oder spielt der Film endlich ohne ruckeln/Artefakte.

    Man kann zusätzlich noch sehr unkompliziert ein Adblocker und Virenscanner Paket dazubuchen das dann auf den eeros läuft und sich automatisch aktualisiert und so keine zusätzliche Leistung frisst oder Popupfenster und Fehlermeldungen produzieret die Fragen oder Unsicherheiten aufwerfen.
    Die Dinger sind genau das richtige für nicht so technikaffine Menschen.

    Mit dem Code FALL50 bekommt man noch bis zum 15.10.21 50% Rabatt auf alle 12monatigen Sicherheits-Pakete.

    • eine alternative zum Amazon Security Abo zugegeben für technikaffine Menschen ist ein Pi-Hole. Geht auf dem Raspberry oder wie bei mir auf dem Nas in einem Docker. Fernbedienung auch per sehr guter Pi-Hole Remote App (bei mir iOS) möglich. Sofern die eero hinter einem guten Router wie der Fritz Box hängen kann man sich mit oder ohne Pi-Hole die Abos nach meiner Ansicht sparen. Schade finde ich halt das es bei eero kein Web Interface gibt. Die Geräte sind nur so lange nutzbar wie diese per App und Online Konto unterstützt werden.

      • ich benutze ein normales Eero mit einem alten Laptop wo Adguard Home und Unbound drauf läuft.
        Im Grunde soetwas wie Pi Hole, aber ich bin kein Linux Mensch, deshalb Ameine alternative Konfig mit nem Windows Laptop.
        Kann auch so fast alles Filtern auf DNS ebene und habe sogar einen eigenen DNS Resolver, damits noch schneller läd bei mehrmaligen zugriff.
        Kann ich nur empfehlen.
        Und ja, 24/7 mit Laptop sind warscheinlich 30€ pro jahr, aber das nehme ich in kauf.

  3. Wie ist denn das Mesh im Vergleich zu FRITZ?

    • Bei mir werkeln noch die alten eero pro (3x) mit einer FB. Deren WLAN habe ich ganz deaktiviert.
      Die Geräte selbst sind auf drei Etagen über LAN Kabel mit der FB in Keller verbunden.
      Von der Performance kommt die FB Lösung mit Verstärker da bei weitem nicht heran.
      Die Beton Decken und Wände sind sehr unfreundlich zu WLAN Signalen.
      Daher bin ich damals auf die eero umgestiegen, die einen echten AP pro Etage bereitstellen. Seitdem habe ich quasi keinen Gedanken mehr ans WLAN verschwendet. Es funktioniert einfach.

  4. Hm, ich hab aktuell eine Fritzbox 7490 im Einsatz für eine ~65 m2 große Wohnung (Neubau) 2-3 Wände. Leider steht die Box am anderen Ende der Wohnung und der PC der über WLAN verbunden ist, hat oft Probleme.
    Gibt es da eine brauchbare Empfehlung wie ich das Signal verstärken kann oder gar eine neue Box (inkl. Router) die ein stärkeres Signal hat?
    Die 7590 soll ja nur minimal stärker sein, und von der Fritzbox mit WLAN 6 wurde mir neulich erst abgeraten.

    • einen Fritz Repeater einsetzen- oder an der Fritz Box das Wlan abschalten und ein Wlan Mesh System einsetzen. Am besten ein Tri Band System mit zwei Satelliten. Fabrikate zum Beispiel Linksys, Netgear, Asus, TP-Link, oder eben eero. Sofern der zweite Satellit einn Lan Port hat kann der PC dort auch per Ethernetkabel angeschlossen werden. Bei Tri Band ist das dritte Band für die interne Kommunikation zwischen den Satelliten reserviert. Bei mir persönlich ist das Wlan an der 7590 aus, der Fritz Repeater 3000 wieder verkauft, mit einem Asus Zenwifi XT8 habe ich bessere Abdeckung, stabileren Betrieb.

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