Build 2015 – Apps, Apps, Apps!

„Die Build 2015 ist vorbei – es lebe die Build!“ – so oder so ähnlich könnte der Tenor lauten, wenn es darum geht, die Neuigkeiten zu beschreiben, die Microsoft auf seiner diesjährigen Entwicklerkonferenz vorgestellt hat. Über viele Dinge hatten wir schon berichtet und fest steht, dass Microsoft aktuell viele Brücken baut: Brücken auf andere Kontinente bzw. Plattformen, die man früher nicht ansatzweise betreten hätte. Sinnigerweise heißt das Projekt dahinter „Windows Universal Platform Bridges“ und gliedert sich in vier Elemente, auf die wir im Rahmen des Begriffs „Brücke“ einfach einmal Punkt für Punkt eingehen wollen.

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Android Runtime

Unter dem Projektnamen „Project Astoria“ werden Android-Entwickler ihre Brücke in die Microsoft-Welt finden: Ohne ihre Entwicklungsumgebung verlassen zu müssen, wird es möglich sein, den bisherigen Programmcode Windows 10-Smartphones zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich wird durch einige Tools die Android IDE erweitert, so dass diese Apps dann auch das Windows Phone-typische User Interface samt Diensten darstellen und nutzen können – wir freuen uns!

iOS

Der Projektname hier lautet „Project Islandwood“ und soll helfen, im Rahmen des Visual Studio 2015 den Objective-C Quellcode in eine Windows Universal App umzuwandeln: Vorhandene XCode-Projekte können in Visual Studio importiert und so angepasst werden, dass alle Vorteile beider Entwicklungsumgebungen auf allen Windows Universal App-fähigen Endgeräten (hallo, Windows 10!) lauffähig sein können – auch nicht uninteressant!

Web Apps

Bisher schon bekannt sind die Web Apps, die hier unter dem Namen „Project Westminster“ firmieren und es möglich machen werden, ganze Webseiten per Mausklick in einen Container zu packen und zur Veröffentlichung im Windows Store vorzubereiten. Einmal umgewandelt, können auch die Web Apps natürlich via JavaScript die Windows-API-Schnittstellen abgreifen. Per Mausklick soll das fertige Produkt dann samt URL im Windows Store landen – faszinierend!

Klassische Windows Apps

Der Projektname für die klassischen Windows Apps ist „Project Centennial“ und zumindest in meinen Augen der heimliche Star der Show, soll es hier doch ermöglicht werden, aktuelle .NET und Win32-Anwendungen in ein Installationspaket über den Store zur Verfügung zu stellen. Über diesen Distributionsweg lässt sich natürlich streiten, streicht Microsoft hier doch die 30% Verkaufsprovision ein, technisch gesehen wird man aber die App aus dem Store herunterladen und keinen Installer mehr haben oder gar einen Installationsbildschirm: Die App kommt aus dem Store direkt auf das Zielsystem und bringt in ihrem Container die bisherigen verstreuten DLLs oder Einträge mit, die bisher zentral in der Registry landen – im Umkehrschluß verschwinden diese bei Deinstallation auch wieder sauber. Bisherige Toolbars oder Systemoptimierungsprogramme sollten für Software dann auch der Vergangenheit angehören, werden die doch Microsofts Angaben zufolge an der Zertifizierung für den Store scheitern.

Wir sehen, da geht also noch einiges und die Build 2015 wird noch einen langen, richtungsweisenden Schatten werfen. Geheimtipp ist meiner Meinung nach aber das Redesign der klassischen Windows-Apps, ein Feature, das so in der generellen Berichterstattung irgendwie untergegangen war. Über den geplanten Vertriebsweg lässt sich streiten, aus technischer Sicht wäre es aber wunderbar, weder von Toolbars noch Systemoptimierungsprogrammen verfolgt zu werden und bei der Deinstallation des Programms auch wirklich alles entfernt zu haben, ohne wie bisher die verwaisten DLLs oder Registry-Einträge suchen zu müssen.

Ab Sommer 2015 wird Microsoft mehr zu den vier Projekten von sich geben – aktuell kann man (zumindest auf dem Reißbrett) feststellen: Vier Himmelsrichtungen – vier Brücken. Wir sind gespannt!

(Quelle: Microsoft)

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Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant.

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10 Kommentare

  1. Schade, dass das Surface 4 Pro nicht vorgestellt wurde. :/

  2. „Über diesen Distributionsweg lässt sich natürlich streiten, streicht Microsoft hier doch die 30% Verkaufsprovision ein“

    Also soweit ich weiß, macht MS den Anbietern hier im Gegensatz zu Apple keine Vorschriften.
    Ein Anbieter kann die App ja kostenlos anbieten und dann selbst via PayPal etc abrechnen.

  3. Tezrapak says:

    Anfangen Schnittstellen zu opensourcen !!!! Jetzt konsummieren sie die offenen Schnittstellen von Apple und Google Ohne zurückzugeben. Nie mehr Vendor lock in #)

  4. @sudo

    hätte mich zwar auch gefreut aber ich hab nicht damit gerechnet das sie hadware zeigen.

  5. lentille says:

    Ein Surface 4 Pro wird’s sicher erst mit Windows 10 out of the box geben. Wird spannend.

  6. „… streicht Microsoft hier doch die 30% Verkaufsprovision ein …“
    Das scheint inzwischen ein allgemein akzeptierter Weg der Distribution zu sein, warum also meckern. Für den Anbieter dürfte sich monetär so viel nicht ändern, denn auch andere Vertriebswege kosten Geld.

  7. @Thomas – ich meckere nicht, sondern habe es schlichtweg festgestellt 🙂 ! Die AppStores sind ein Zeichen unserer Zeit, aber nicht jeder mag sie. Ich kenne da den ein oder anderen, der Software lieber manuell downloaden möchte und dann per Key freischaltet oder entwicklertechnisch die Geißelung über die Stores nicht mag – aber die Veröffentlichung darüber ist ja kein Muss. Manuelle Vertriebswege und Zahlungsdienste kosten auch Geld, ohne Frage!

  8. @lentille Das glaube ich auch, nachdem das Surface 3 ja eher so zwischendurch daher gekommen ist. Der Rahmen für die Veröffentlichung des 4ers dürfte da schon angemessener erscheinen…

  9. Das klingt alles „auf dem Papier“ erst mal gut, muss sich aber noch in der Praxis beweisen. Und da habe ich erhebliche Bedenken ob das alles so sauber funktionieren wird. Blackberry hatte sich auch groß damit geworben, dass nun alle Android Apps darauf laufen und sich daran die Finger verbrannt. Denn in der Praxis funktionierte dies hinten und vorne oft nicht sauber. Und die gleichen Probleme werden sicherlich beim konvertieren von Programmcode auf eine andere Plattform auftreten.

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