5G-Auktionsbedingungen: Auch Vodafone reicht Eilantrag bei Gericht ein

In Deutschland geht es zum Thema 5G rund. Da hatten wir auf der einen Seite die Geschichte, ob Huawei 5G-Infrastruktur bauen darf. „Man“ hat ja Angst vor Spionage. Ich sag mal so: Wenn ein Hardware-Ausstatter so einfach eine gut verschlüsselte Kommunikation ausspionieren können soll, dann sollte man nicht nur Angst vor dem Hardware-Ausstatter haben.

Auf der anderen Seite gibt es bereits Klagen der Telekommunikationsunternehmen. 2019 versteigert die Bundesnetzagentur die 5G-Frequenzen. Schon der Entwurf für die Auktion sorgte im Grunde bei allen Mobilfunkbetreibern für Unmut. Den einen gingen die Bedingungen zu weit, den anderen wieder nicht weit genug – zufrieden schien niemand zu sein.

Interessant dabei: Zuerst beschritt man den „normalen“ Klageweg, dann stellte O2 einen Eilantrag. CEO Markus Haas Anfang Februar dazu: „Diese Rechtsunsicherheit ist Gift für die notwendigen massiven Investitionen in den künftigen Netzausbau. Milliardeninvestitionen können nicht auf Basis unklarer Regeln getätigt werden. Es muss im Interesse aller Beteiligten sein, dass noch vor einer Auktion Klarheit und Planungssicherheit hergestellt wird.“

Nun zieht auch Vodafone mit einem Eilantrag nach. Auch bei Vodafone beklagt man die Auflagen, die die Bundesnetzagentur vorlegte. Gut möglich, dass es den Unternehmen nicht schmeckt, dass verlangt wird, dass auch mal Löcher ordentlich gestopft werden und man auch mal Empfang an Autobahnen und Bahnstrecken hat.

Das jüngst eingeleitete Eilverfahren von O2 gegen die Auktionsbedingungen hat hier allerdings eine neue Situation für Vodafone geschaffen, so das Unternehmen in einem Statement. Um hier jetzt ebenfalls rechtlich Gehör zu finden und auch die eigenen juristischen Interessen zu vertreten, sah Vodafone sich gezwungen, ebenfalls einen Eilantrag beim VG Köln einzureichen.

Entscheidet das Gericht für die Telekommunikationsunternehmen, könnte es zu einer Verzögerung des Vergabeverfahrens kommen. Dies wiederum würde der Bundesnetzagentur mehr Zeit geben, um „ein rechtssicheres und damit investitionsförderndes Vergabedesign zu entwerfen.“ Den flächigen Ausbau von 5G würde dies unterdessen nicht bedeuten, denn die Frequenzen, die zur Auktion stehen, würden eh erst 2020 an die Mobilfunkanbieter gegeben – auch bei verspäteter Auktion.

Wenn ich mir was wünschen dürfte? Dass genau drauf geachtet wird, dass ordentlich ausgebaut wird. Knallharte Regelungen für die Mobilfunkunternehmen, damit diese kritische Infrastruktur mal ordentlich überall verfügbar ist. Denn was nützen mir die Versprechen der Betreiber von schnellem 5G, das ja auch in der Zukunft für hochauflösendes Video oder Fahrzeuge benötigt wird – wenn ich den Krempel nur in Ballungszentren nutzen kann – aber nicht unterwegs?

Das Mobilfunknetz in Deutschland ist nicht nur teuer, es ist auch mies ausgebaut.

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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12 Kommentare

  1. Dem letzten Satz ist nix mehr hinzuzufügen.

  2. Typisch Deutsch. Oh man.

  3. Tja da in Deutschland ja das Internet eh Neuland ist, ist es doch nicht verwunderlich, das es beim Mobilfunk nicht anders aussieht. Im Fall des Mobilfunks will man ja auch nur unser bestes, unser Geld.

  4. Ich zitiere die Kanzlerin:
    Wir brauchen breites Internet..

  5. Wenn eines Tages der nächste Standard international an den Start gehen wird, dann werden wir wahrscheinlich nach wie vor große weiße Flecken haben und langsam über die 5G Einführung nachdenken. Es ist eine Schande … Wenn ich an den Wohnort meiner Eltern denke in einem kleinen Kaff südlich von Berlin, da gibt es nur Edge und ADLS mit max 6 MBit. Es ist der Wahnsinn. Wir sind schlechter aufgestellt, als manches armes Land … Typisch Deutsch …

  6. „Huawei 5G-Infrastruktur bauen darf – „Man“ hat ja Angst vor Spionage. “ – auf einmal, Huawei liefert schon seit Jahre Netz- und Systemtechnik an deutsche Mobilfunknetzbetreiber und auf einmal soll das Zeug unsicher sein. Ich lache mich weg, wenn Huawei spionieren will, machen die das schon lange.

  7. Hallo, ich bin gerade in Indien, im Süden. Hier gibt es überall 4G, im letzten Loch….und was zahl ich dafür? Schlappe 449 Rupies (=5,50€) als prepaid, für 1,5 Gigabyte UND JETZT KOMMT ES: TÄGLICH FÜR 3 MONATE….also 135 Gigabyte…ahhh ja, natülich SMS UND VOICE TRUELY UNLIMITED. Zu bestaunen unter jio.com, oder vodaphone, airtel, idea, BSNL, und wie die ganzen Anbieter so heissen …Wettbewerb macht es möglich….. Viel Spass in Deutschland….

    • Apfeldampferhuber says:

      in Indien kostet ein Brot aber auch nicht 2,50 Euro und ein Arbeiter verdient auch nicht mindestens 8,84 Euro die Stunde

      • Wenn man die Preise mal außen vor lässt bleibt immer noch die erstaunliche Tatsache, dass 4G, Flarate und Datenvolumen flächendeckend (!!) verfügbar sind.
        Pakete in dieser Größenordnung bekommst du in Deutschland überhaupt nicht, nichtmal für richtig viel Geld an Orten mit Abdeckung.

        Indien ist da sicherlich ein extremes Beispiel (IIRC größter Mobilfunkmarkt der Welt), aber selbst im europäischen Ausland lacht man doch darüber, wieviel Geld die Deutschen für Mobilfunk und Internet bezahlen müssen – und wie wenig sie dafür bekommen.
        Mal ein willkürliches Besipiel: Comviq Schweden. ~15€ im Monat (prepaid, ohne Laufzeit) für 5GB 4G (max 80MBit, in 3G bis zu 21MBit) plus 20.000 Minuten national in alle Netze plus 20.000 SMS/MMS. Und das ganze auch im europäischen Ausland. 20.000 Minuten sind 13 Tage, 21 Stunden und 20 Minuten 😮 Danach kostet die Minute dann ~3 Cent…..

  8. Damit der Ausbau vonstatten geht, könnte man auch ein Leistungsabhängige Bezahlung für die Provider schaffen. Dazu müsste eine unabhängige App z.B. von der Bundesnetzagentur auf dem Endgerät checken können, wie gut der Empfang ist. Wenn die Versorgung mies ist, zahlt der Kunde weniger.

  9. Wollen wir mal hoffen, dass die Netzbetreiber mit ihrer Lobbyarbeit und dem Gejammer keinen Erfolg haben.
    Sie haben versagt, auf ganzer Linie, und daran wird sich ohne harte politische Vorgaben auch nichts ändern.

    Diese sind dringend notwendig, wenn wir uns nicht weiter international lächerlich machen wollen mit unserer Mobilfunk Infrastruktur. Von den negativen Auswirkungen auf die betroffenen Regionen und Deutschland insgesamt als Wirtschaftsstandort ganz zu schweigen.

    • full ack.

      Dank Lobbyismus (oder Ahnungslosigkeit?) ist es ja auch bei der 5. (!) Generation von Mobilfunk immer noch möglich, sich die Abdeckung schön zu lügen:
      >95% (oder wieviel auch immer) der Meldeanschriften (in Providersprech: „der Bevölkerung“) sind theoretisch versorgt – mir wäre aber >95% der Landesfläche viel wichtiger. Wundersamerweise halten sich Menschen nämlich auch öfter und länger mal abseits ihrer Meldeanschrift auf und hätten auch dort gerne eine schnelle Mobilfunkabdeckung 😮
      Das zur Verfügung zu stellen ist sicher weder preiswert noch einfach (Stichwort: Funkmasten verschandeln die schöne Landschaft), aber da muss man sich halt mal was einfallen lassen. Wobei sich das wahrscheinlich relativiert, wenn überhaupt erstmal schnelles Internet flächendeckend verfügbar ist – an ein schnelles Kabel kann man auch viele Mikrozellen anhängen…

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