Windows 10: Als Tipp getarnte Werbung im Explorer

Microsoft hat mit Windows 10 nicht nur ein neues Betriebssystem veröffentlicht, sondern auch neue Wege gefunden, die Nutzer in Richtung der eigenen Dienste zu lenken. Zum Beispiel mit Hinweisen auf die Office-Produkte direkt im Startmenü. Nun versucht Microsoft es direkt im Explorer, passenderweise mit Werbung für OneDrive, das Cloudspeicher-Angebot von Microsoft, als Teil eines Office 365-Abos. Das kann für einen Nutzer durchaus interessant sein, vor allem, wenn er die Konkurrenz nicht kennt.

Microsoft selbst bezeichnet die Werbung als Tipp, um die Nutzererfahrung bezügliche Speicher und Cloudspeicher zu verbessern. Außerdem könne man diese Tipps einfach deaktivieren, wie ein Sprecher gegenüber The Verge mitteilt:

“The new tips notifications within the File Explorer in Windows 10 were designed to help Windows 10 customers by providing quick, easy information to enhance the experience relative to storage and cloud file management. That said, with Windows 10 customers can easily opt out of receiving these notifications if they choose.”

Ein Tipp, der 6,99 Dollar pro Monat kostet, wenn ich ihm folge? Nein, das ist kein Tipp, das ist Werbung. Der Konkurrenz (Dropbox, Google und all die anderen) dürfte dieses Verhalten in Windows wenig gefallen, da sie vermutlich keine Chance haben, an solch prominenter Position mitten im Betriebssystem beworben zu werden.

Und ich behaupte auch, dass sich Microsoft mit diesen „Tipps“ auf sehr dünnes Eis begibt. Man muss nur auf die Internet Explorer-Geschichte zurückblicken. Und da ging es nur um einen vorinstallierten Browser. Bedenkt man dann noch, dass man für Windows 10 bezahlt, sei es durch den Kauf eines neuen Rechners oder durch Erwerb einer Lizenz, erwartet man sicher keine Werbung im System, vor allem nicht als Tipp getarnt und standardmäßig aktiviert.

Wer die Tipps im Explorer nicht angezeigt haben möchte, kann sie deaktivieren. Wie „einfach“ das geht, erklärt Paul Thurrott an dieser Stelle. Meiner Meinung nach nicht einfach genug für den Anwender, der sich normalerweise vielleicht nicht so tief in ein System vorwagt. Damit meine ich nicht den Tech-Blog-Leser, sondern vielleicht dessen Eltern oder Großeltern.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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21 Kommentare

  1. Deliberation says:

    Blöder Versuch, den MS sicher wieder mit dem nächsten Update entfernen muss.

  2. Alexander Mauß says:

    absurd! zum Glück nutze ich seit Jahren Total Commander und komme daher mit dem file Explorer idealerweise gar nicht in Kontakt…

  3. Was kann sich Microsoft eigentlich noch erlauben, bis die Nutzer eines kapieren: Mit Windows 10 sind sie nicht mehr Nutzer, sondern das Produkt.

  4. Wieso ist das eigentlich immer nur bei Microsoft ein Problem?
    Apple und iCloud? Ist auch im System integriert – keine Klage.
    Android und das ganze Google Zeugs? – keine Klage.

  5. @ Maik, dass es bei Apple mit der iCloud auch vorkommt, ist bekannt. Aber der Marktanteil ist der wichtige Punkt. MS beherrscht mit Windows den Markt und nimmt sich für eigene Produkte Vorteile heraus, die auch anderen zustehen.

    Bei Apple ist der Marktanteil geringer, dadurch werden weniger „geschädigt“, um es mal sehr einfach auszudrücken.

  6. Wenn man mit dem IE auf die Google Suche geht, bekommt man auch den Tipp sich Chrome runterzuladen. Und ich denke die Google-Suche hat einen Recht hohen Marktanteil.

  7. Hier geht es doch gar nicht darum, dass ein Dienst im System integriert ist, sondern dass prominent Werbung für einen bezahlten Dienst angezeigt wird.
    Wenn ich auf meinem Mac Einlendungen zum Kauf von mehr iCloud Speicher bekäme, würde ich mich genau so beschweren.
    Sowas kann man vielleicht in den Systemeinstellungen im Bereich Cloud anzeigen…

  8. @denkste: Das ist genau der Fall.
    @Chrislietze: Das macht google genauso. Und der Marktanteil ist da groß genug. kritisch betrachtet wird das aber gefühlt weniger als bei Microsoft.

  9. Danke für den Tipp zum abstellen dieser nervenden Meldung. Im deutschsprachigen W10 wird diese Funktion unter Ordneroptionen/Ansicht wohl als “Benachrichtigungen des Snchronisierungsanbieters anzeigen“ aufgeführt.

  10. schnabeltier says:

    Der verein ist so unsympathisch

  11. @mini:
    Was ist genau der Fall?

  12. Geht gar nicht!!! Danke für den Tipp zum abschalten!
    An alle die nie an einem Mac saßen, nein, man kriegt im Finder keine(!) iCloud Werbung angezeigt! Zudem lässt sich iCloud in den Einstellungen mit einem einfachen Schalter ein und ausschalten! Wo ist dieser bei Windows/ OneDrive??? 😉

  13. @mini
    Ich habe noch NIE Werbung für Google Drive bekommen von Google auf einem meiner zahlreichen Android Smartphones. Auch nicht für einen anderen Google Dienst. Und Google gibt das Betriebssystem umsonst raus. MS will dafür Geld.

    MS hat schon einen an der Waffel mit dieser agressiven Masche die sie anscheinend für normal halten jetzt.

    Auch diese total agressive und teilweise auch hinterlistige Upgrade Werbung letztes Jahr fand ich unverschämt. Einmal im Monat eine kurze Info ist schon viel. Aber dann noch die Buttons so tauschen das viele Benutzer versehentlich draufklicken ist unglaublich dreist.

    Ich bin MS Nutzer seit >30 Jahren und MS hat sich immer dadurch ausgezeichnet das sie das eben nicht machen.

    Aber mit O&O ShutUp10 kann man fast alles mit einem Klick abschalten:
    https://www.oo-software.com/de/shutup10

    Kann ich nur empfehlen. Allerdings -wie immer- vorher Backup machen. Und dann genau anschauen was man ausschaltet. Wer Onedrive möchte sollte es halt dann nicht ausschalten.

    Bei mir ist fast alles aus. Bei jedem W10 Update muss sich aber noch mal ShutUp10 starten.

    Auch wichtig: ShutUp10 updated nicht von alleine, also muss man ab und an bei O+O vorbeischauen und das neueste Programm laden. Übrigens wird nichts installiert, ShutUp10 läuft einfach so. Ist aus Berlin von seriöser deutscher Softwareschmiede.

  14. Das gibt es doch schon seit ca. einem Jahr. ich finde hier wird etwas übertrieben. Ist ja kein Microsoft spezifisches Problem. Kam postet einer hierüber was findet man das an allen Ecken im Netz wieder. Es gibt wichtigeres

  15. Meine Windowsrechner haben daher auch noch nie das Internet gesehen … Wurden alle telefonisch aktiviert und haben keine Updates bekommen.
    Werden nur für Software verwendet, welche unter Windows besser funktioniert als woanders.

    Ansonsten nutze ich Debian mit GNOME Flashback seit über 6 Jahren und hab meine Ruhe.
    Videoschnitt, Bildbearbeitung, Office, usw. geht damit genauso problemlos. Mittlerweile fehlt mir Software unter Windows, welche Linux-only ist.
    Die Familie betreibt Ubuntu GNOME 16.04 auf einem alten 2006er Rechner und einem 2013er iMac. Der Supportaufwand geht seit dem Wechsel gegen 0 (war unter macOS unerträglich hoch).

    Was will ich damit sagen? Ein Umstieg ist möglich, man muss nur bereit sein komplett von vorne anzufangen. Grundsätzlich kann man unter Linux 98 % der Sachen bewerkstelligen, die auch unter Windows möglich sind. Man muss sich dazu aber natürlich an andere Programme gewöhnen wollen (z. B. Krita, Blender, Ardour, Kdenlive, darktable usw.).

    Bei 200 Euro für Windows 10 Professional halte ich jegliche Werbung für nicht akzeptabel.
    Android ist quelloffen und kostenlos. Google-Werbung ist optional (gibt auch microG, wenn man keine Play Services installieren möchte; funktioniert wunderbar und ich nutze es täglich).
    Windows ist nicht quelloffen und auch nicht kostenlos. Die Werbung ist automatisch dabei.
    Das ist m. M. n. durchaus ein Unterschied.

  16. @syscrh +1

  17. Wolfgang D. says:

    Microsoft kommt doch immer wieder auf Ideen, sich noch unbeliebter zu machen. Statt mal die zahlreichen Baustellen zu bearbeiten, die immer noch offen sind. Naja, als Monopolist darf man sich es erlauben.

  18. Will auch Werbung sehen im Explorer, damit ich mich darüber aufregen kann, aber ich bekomme keine angezeigt, und der Punkt in den Ordnereinstellungen ist auch nicht vorhanden, was mich ich falsch?

  19. @Hannes
    Würde ich auch gerne wissen.
    Hilft es vielleicht schon das hier auszustellen:
    http://fs5.directupload.net/images/170310/sinqd6md.jpg ?

  20. @syscrh auch von mir +1

  21. LOL da kommen all die Microsoft-Basher aus ihren Löchern. Das ein cashy’s-blog-Redakteur auf recht unterem Niveau auf Megaempörung macht, hätte ich so eigentlich nicht für möglich gehalten, da ich hier doch recht neutrale Artikel gewohnt bin. Erst heute machte mich YouTube darauf aufmerksam, dass ich doch den Chrome-Browser installieren sollte. Ähnliches passiert im Apple-Ökosystem. Das normalste der Welt. Der Redakteur tut noch so, als würde man ein Abo am Hals haben, wenn man den falschen Button drückt. Das ist unprofessionell. Ein wegklicken des Tipps bewirkt ebenso, dass er nicht wieder erscheint, ohne an Einstellungen rumfummeln zu müssen. Nächste mal nicht einfach iwo abschreiben, sondern besser recherchieren oder win10 einfach mal selber nutzen 🙂
    Mein Vorschlag: zurück zum Alltag, statt viel Wind um Nichts und Trollen eine Plattform zu geben, die nicht mehr klar denken können, wenn sie Microsoft hören/lesen.

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