
Was bedeutet das nun? Apple könnte zum Beispiel zur Herausgabe des iCloud-Backups gezwungen werden, welches dann auch die gelöschten Chats von WhatsApp enthält. Diese sind leicht zugänglich, da keine iCloud-Backup-Inhalte verschlüsselt sind, was an Apple, nicht an WhatsApp liegt.
Auch kann jeder, der im Besitz eines zugänglichen Smartphones ist, ein Backup anfertigen und daraufhin die Chatlogs auslesen. Dieses Backup ist dann allerdings mit dem vom Nutzer gewählten Backup-Passwort geschützt. Gleiches gilt für den Zugang zum Mac eines Nutzers, wo die Backups ebenfalls vorhanden sind (iCloud). Hier ist unter Umständen ebenfalls ein Passwort erforderlich, an das man allerdings mit entsprechenden Tools herankommen könnte.
Aber warum sind die gelöschten Chats eigentlich noch aufrufbar? Das liegt an der verwendeten Datenbanktechnik. Gespeichert werden die Chats in einer SQLite-Datenbank. Löscht man einen Eintrag aus dieser Datenbank, wird dieser nicht gelöscht, sondern nur freigegeben. Er kann also vom nächsten Eintrag überschrieben werden. Wird er aber erst nach einer gewissen Zeit, je mehr gelöscht wird, desto länger dauert es, bis ein bestimmter Eintrag tatsächlich weg ist.
Die Nichtverschlüsselung des iCloud-Backups trägt ihren Teil dazu bei, dass man eben relativ einfach darauf zugreifen kann. Das Problem liegt auf Apples Seite. Allerdings gibt es auch für die App-Entwickler Möglichkeiten, diesen Umstand zu umgehen, zum Beispiel durch ein Überschreiben der zu löschenden Einträge bevor sie freigegeben werden.
Ein Grund in Panik zu verfallen, ist diese Entdeckung sicher nicht. Es gehört dennoch einiges dazu, um an die Daten zu kommen, aber man sollte sich dennoch bewusst sein, dass gelöschte Chats eben nicht immer gelöscht sind, nur weil man sie in der App nicht mehr sieht. Vor dem gleichen Problem steht übrigens iMessage (und vermutlich einige andere Apps, die SQLite-Datenbanken auf diese Weise verwenden).
Möchte man sich als Nutzer dennoch schützen, gibt es auch die ein oder andere Möglichkeit, Jonathan Zdziarski erklärt sie in seinem Blogpost. Für den Normalnutzer von WhatsApp wohl etwas übertrieben, aber gut zu wissen, dass man etwas machen könnte, wenn man denn möchte.