Verschwörungstheorien haben aktuell Hochkonjunktur. Das liegt wohl auch daran, dass viele Menschen in der Corona-Krise mehr Zeit zum Nachdenken hatten und sich in manchen Kreisen der Bevölkerung eine gewisse Unzufriedenheit ausgebreitet hat. Problem: Wenn im Kopf nicht viel drin ist, kommt auch beim Nachdenken nicht viel raus. Das betrifft auch manch krude Verschwörungstheorie um den Mobilfunkstandard 5G. Die Deutsche Telekom versucht in einem Blog-Beitrag die Muster zu durchbrechen.
Zurate gezogen hat man für seinen Post die Internet- und Extremismusforscherin Josephine B. Schmitt, die als Forschungsreferentin am Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum tätig ist. Schmitt erklärt, dass man lieber von „Erzählungen“ als von „Theorien“ sprechen solle: „Theorien müssen eigentlich widerlegbar sein. Und gerade Verschwörungserzählungen sind eben gar nicht darauf angelegt, widerlegbar zu sein.“
5G wird daher gerne mal als Strahlenwaffe oder Ähnliches tituliert. Dabei wird dann mit diffusen Begrifflichkeiten und Vorwürfen um sich geworfen wie „Schlachtfeldabtastung“, „phasengesteuertes Gruppenantennenradar“ und „Folter durch Mikrowellenstrahlung“. Gerne verweisen Verschwörungstheoretiker dann auf ein diffuses „Sie“, eine geheime Gruppe, welche dahinter stecke und natürlich durch und durch böse und manipulativ sei. Videos werden mit dramatischer Musik unterlegt und vermeintliche eigene Experten mit beknackten, nicht existenten Titeln versehen – eine beliebte Masche.
Statt überprüfbarer Fakten haut man verschwommene Phrasen heraus, welche vor allem darauf abzielen zu emotionalisieren und eine Solidarität aufzubauen – gegen eine diffuse Feindgruppe der heimlichen Machthabenden. Schmitt nennt ein Beispiel für einen beliebten Vorwurf gegen 5G: „Die Aussagen, dass Strahlen eine Bedrohung für die Biologie sind, oder dass die Biologie durch Strahlen beeinflusst wird – das ist so allgemein, dass man im Grunde keine Gegenbeweise liefern kann, um zu demonstrieren, dass das, was er gerade erzählt, gar nicht stimmen kann.“
Warum fallen viele Menschen dennoch auf solchen Quatsch herein? Das liegt an einem menschlichen Grundbedürfnis: „Menschen haben das Bedürfnis, sich komplexe Sachverhalte simpel erklären zu wollen. Und gerade in Krisensituationen liefern diese Verschwörungserzählungen eben einfache, in sich geschlossene Erklärungen.“ Im Grunde ist also der Hintergrund der gleiche, aus dem Menschen früher eben Blitz und Donner mit Göttern erklärten, die im Himmel ihrem Ärger Luft machten.
Das Ironische ist, dass der eigentliche Manipulierungswunsch, von den Köpfen hinter den Verschwörungstheorien ausgeht: „Sie wollen Menschen manipulieren, Staaten destabilisieren und verfolgen oft genug handfeste wirtschaftliche Interessen.“ Problem sei laut Schmitt, dass man Verschwörungstheoretikern aufgrund ihrer pauschalen und kruden Aussagen nur schwer konkrete Gegenbeweise vorlegen könnte. Tue man dies, würden sie wieder verdreht.
Gibt es solche Menschen in eurem Bekanntenkreis? Zum Glück sind derartige Denkweisen in meinem Umfeld selten, doch es gibt durchaus einige Kandidaten, die „anfällig“ für absurde Behauptungen sind. Eine (glücklicherweise ehemalige) Bekannte von mir verlangte etwa einmal, dass ich doch das Fenster öffnen möge, um die Wi-Fi-Strahlung zu entlüften, weil sie sonst Kopfschmerzen bekäme. Gerade der Bereich IT und Technik, in dem es viele komplexe Zusammenhänge gibt, ist wohl deswegen für abstruse Theorien anfällig.
