Caschys Blog

Ultra HD Blu-ray: Das ist der Status Quo der Disc

Die Ultra HD Blu-ray ist als solche nun schon mehrere Jahre auf dem Markt. Konnte schon die Blu-ray nie die DVD vollständig verdrängen, so fiel es der UHD Blu-ray noch schwerer, sich am Markt durchzusetzen. Dazu haben viele Faktoren beigetragen – etwa die anhaltend hohen Verkaufspreise, die Konkurrenz durch Streaming und die aus Sicht vieler Kunden zu geringen Mehrwerte gegenüber Full HD. Aktuell ist die Ultra HD Blu-ray ein Nischenmedium – das ist der Status Quo im Jahr 2020 bzw. Anfang 2021.

Optische Datenträger sind ein aussterbendes Medium. PC-Spieler setzen etwa längst auf rein digitalen Vertrieb. Im Konsolen-Segment bewegt man sich zwar langsamer, aber doch stetig in diese Richtung. Das zeigen etwa die Xbox Series S und die PlayStation 5 Digital Edition. Die Musikindustrie setzt mittlerweile mehr durch Streaming um, als mit CD-Verkäufen. Da ist es eher Vinyl, das als Nischenmedium wohl langfristig noch weiter existieren wird. Ähnlich wird es wohl der UHD Blu-ray ergehen.

Auch wenn Käufer der Next-Generation-Konsolen nun quasi als Bonus auch einen UHD-Blu-ray-Player daheim haben, zweifle ich daran, dass viele Gamer die Konsolen zum Abspielen von Filmen / Serien auf Disc nutzen werden. Das ist ohnehin nicht ratsam, denn die Player der Xbox Series X|S und PlayStation 5 unterstützen kein Dolby Vision und leiden auch unter anderen Kinderkrankheiten – etwa angehobenen Schwarzwerten bei der Microsoft-Konsole. Ein Szenario wie anno dazumal bei der PlayStation 3, die sich zu einem der beliebtesten (und zum Release besten) Blu-ray-Player entwickelte, wird sich nicht wiederholen.

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So ist die Medienlandschaft heute eine andere also noch 2006, dem Erscheinungsjahr der PS3. Streaming dominiert – auch in 4K und mit HDR10, Dolby Vision sowie Dolby Atmos. Und eine Lehre der Unterhaltungsindustrie lautet: Convenience schlägt Qualität. Ich behaupte, dass es leider nun einmal so ist, dass das Gros der Zuschauer den Unterschied zwischen einem 4K-Stream bei Netflix und einer Ultra HD Blu-ray nicht sieht. Auch, wenn die Bitraten der Disc deutlich mehr Potenzial haben. Selbiges gilt für Dolby Atmos: Streaming-Dienste greifen nur auf die komprimierte Version, basierend auf Dolby Digital+, zurück. Die UHD Blu-ray bietet Dolby Atmos, basierend auf dem verlustfreien Dolby TrueHD.

Allerdings sind das technische Argumente: Die meisten Anwender werden diese Unterschiede gar nicht kennen, geschweige denn sie in der Praxis wahrnehmen. Denn die Realität sieht so aus: Das Gros der TV-Besitzer nutzt den integrierten Lautsprecher des Fernsehgeräts oder eine Einstiegs-Soundbar. Auch der durchschnittliche Sitzabstand ist so hoch, dass Unterschiede zwischen 1080p und 4K schon kaum bis gar nicht wahrnehmbar sind. Da ist der Unterschied zwischen einem 4K-Stream und einer 4K-Disc erst recht zu vernachlässigen.

Das klingt nun für manchen vielleicht so, als wäre ich ein Disc-Gegner. Doch das Gegenteil ist der Fall: Ich kaufe tatsächlich noch regelmäßig Filme auf Disc. „Zurück in die Zukunft“ auf Ultra HD Blu-ray ist etwa ein Traum. Und auch Christopher Nolans „Tenet“ ist eine Referenz-Disc, die zeigt, was sich technisch aus dem Medium herausholen lässt – traumhaft in Bild und Ton. Leider ist das aber bei weitem nicht immer der Fall. Und das gefährdet selbst den Status der UHD Blu-ray als Nischenmedium.

Ältere Semester erinnern sich vielleicht an die LaserDisc, zurecht in Deutschland aufgrund ihrer Größe auch als „Bildplatten“ bekannt. Die LaserDisc bot enorme technische Vorzüge gegenüber VHS-Tapes, entwickelte sich aber nie über die Nische hinaus. Auch die Ultra HD Blu-ray verbleibt auf diesem Status. Und selbst Enthusiasten haben Grund zum Klagen: Das Gros der Disc-Veröffentlichungen nutzt lediglich 2K-Upscales, kein natives 4K-Material. Das liegt daran, dass zwar die meisten Filme durchaus in 4K oder mit höheren Auflösungen gedreht wurden / werden, dann aber als Zwischenstufe mit einem sogenannten Digital Intermediate gearbeitet wird, das nur in 2K vorliegt.

Im Wesentlichen handhabt man das so, weil es insbesondere bei Blockbustern mit vielen CGI-Effekten die Nachbearbeitung beschleunigt und auch vergünstigt. Ein Negativbeispiel der jüngsten Zeit sind die 4K-Veröffentlichungen von „Herr der Ringe“. Die Ultra HD Blu-rays basieren offensichtlich auf einem alten 2K-Master, das hochskaliert wurde. Man hat mit exzessiven Rauschfiltern und Nachschärfen gearbeitet. Teilweise ist der Detailgrad in einigen Aufnahmen daher sogar geringer als bei der Blu-ray. Was bleibt, das sind die Mehrwerte durch den erweiterten Farbraum und HDR – sowie ein neuer Dolby-Atmos-Mix.

Letzteres muss man aber mit einem Sternchen versehen: Denn diesen Mix gibt es nur für den Originalton. Wer deutsche Synchronisationen nutzt, findet auf Ultra HD Blu-rays oft noch Tonspuren vor, die aus der DVD-Zeit stammen. Ihr lest es heraus: Die UHD Blu-ray sollte bei verbreiteten Preisen von 20 bis 30 Euro pro Film auch die beste Qualität liefern. Diesem Anspruch wird das Medium aber oftmals nicht gerecht. Das gilt leider auch in Sachen HDR.

Disney etwa veröffentlicht seine neuen Titel über den hauseigenen Streaming-Dienst Disney+ mit Dolby Vision. Die Ultra HD Blu-rays speist man mit HDR10 ab. Einige Filme und Serien erscheinen ohnehin gar nicht mehr auf Disc und bleiben Streaming-Anbietern vorbehalten – etwa deren Eigenproduktionen. Und selbst wenn es eine Disc-Version gibt, ist es in den seltensten Fällen eine Ultra HD Blu-ray. Beispielsweise gibt es zwar „The Boys“ im Ausland auf Blu-ray – nicht aber auf Ultra HD Blu-ray. Bei Amazon Prime Video liegt „The Boys“ wiederum natürlich in 4K mit HDR vor. Weiteres Beispiel: In Zusammenarbeit mit Target erschienen in den USA wiederum zwei sehr liebevolle UHD-Blu-ray-Sets zu Netflix „Stranger Things“ – Staffel 3 glänzt aber durch Abwesenheit.

8K-Streaming? Das ist geplant. Eine 8K-Disc wird es aber aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben. Zumindest sind mir keinerlei Bestrebungen in diese Richtung bekannt.  Generell haben die Studios die Lust an der Disc verloren: Es hat seinen Grund, dass etwa Warner und Universal ihre Heimkino-Abteilungen zusammengelegt haben. Auch andere Studios schrumpften sich in jenem Bereich in den letzten Jahren zusammen. Viel interessanter sind für die Studios eigene Streaming-Plattformen wie Disney+, HBO Max oder Peacock. Dort können sie nämlich auch wertvolle Nutzerdaten über den Konsum sammeln.

Wie wird es also mit der Ultra HD Blu-ray weitergehen? TV-Serien sind schon jetzt auf dem Medium Mangelware und daran dürfte sich nichts ändern. Ich denke aktuelle Filme werden weiterhin auf Disc erscheinen. Das Preisniveau wird gehoben bleiben und die Qualität durchwachsen – da muss man darauf hoffen, dass eventuell irgendwann auch ein Vertrieb wie Criterion einsteigt und Editionen für Enthusiasten bereitstellt – mit umfangreichen Boni, bester technischer Qualität und edler Aufmachung. Für die Masse der Kunden wird aber das Streaming die Zukunft sein.

Wie steht es da bei euch? Kauft ihr noch Discs bzw. UHD Blu-rays? Oder gebt ihr euch bereits komplett dem Streaming hin?

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