Ubuntu, Canonical und der Versuch, Kritik zu unterbinden

Ubuntu ist eine der bekanntesten Linux-Distributionen. Eine Funktion von Ubuntu ist es, dass alle Suchbegriffe (um Dateien oder Programme zu finden), die im Dash eingegeben werden, mit den Standard-Einstellungen von Ubuntu an Dritte gesendet werden, um dem Nutzer personalisierte Werbung anzuzeigen. Micah F. Lee hat daraufhin die Webseite Fixubuntu ins Leben gerufen. Diese Seite erklärt, was man an Ubuntu ändern muss, um keinen Eingriff mehr in die Privatsphäre hinnehmen zu müssen. Ein paar Zeilen Code und wie diese ausgeführt werden müssen. Mehr ist es nicht.

Fixubuntu

[werbung] Canonical, die Firma hinter Ubuntu, wollten die Seite so nicht hinnehmen. Als Begründung wurden Markenrechtsverletzungen angeführt. Sowohl sollte Ubuntu als Name aus der Domain verschwinden, als auch das Ubuntu-Logo von der Webseite direkt.

An sich kein Problem, allerdings wird von vielen der Open-Source-Gedanke verletzt gesehen. Eine Antwort auf das erste Schreiben von Canonical erfolgte schnell, der Domain-Name bleibt, das Logo wurde (freiwillig, nicht aus rechtlichen Gründen) entfernt.

Manch einer sieht in Canonicals Verhalten sogar den Versuch, Kritik an Ubuntu zu unterbinden, eine Sache, die ebenfalls nicht dem Open-Source-Gedanken entspricht. Am 8. November bezog Canonical auf dem hauseigenen Blog Stellung zur Thematik und versuchte sich zu erklären.

Auch Mark Shuttleworth von Canonical schaltete sich ein und veröffentlichte einen ausführlichen Post, in dem er sich für gemachte Fehler in diesem Zusammenhang entschuldigt. Micah F. Lee, der bei der EFF tätig ist, hat das Schreiben hingegen von einem EFF-Anwalt beantworten lassen (Die Electronic Frontier Foundation (EFF) ist eine im Juli 1990 von John Perry Barlow und Mitchell Kapor gegründete nichtstaatliche Organisation mit Sitz in San Francisco, die sich mit den Bürgerrechten im Cyberspace beschäftigt. Ziel ist eine mediale Selbstbestimmung des Bürgers). Aus diesem Schreiben geht hervor, dass es keine rechtliche Grundlage dafür gibt, die Schließung von Fixubuntu zu verlangen.

Das Ende vom Lied? Vorerst bleibt alles wie es ist, nur das Logo wurde von Fixubuntu entfernt und Canonical ist um Schadensbegrenzung bemüht. Das „Feature“, das Fixubuntu erst nötig gemacht hat, bleibt ebenfalls als Standard aktiviert, allerdings hat man wohl eine einfachere Möglichkeit in Ubuntu platziert, dieses zu deaktivieren.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.
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13 Kommentare

  1. Canonical gibt wirklich alles um sich umbeliebt zu machen. Egal ob mit Unity, Amazon lenses, Mir etc.

  2. Denk der Versuch die Seite zu unterdrücken ist vergeblich, eher greift dann sogar noch der Streisand-Effekt 😛

  3. Ein etwas ausfuehrliches statement dazu gabs heute
    http://www.markshuttleworth.com/archives/1299

  4. Oops, sorry, hab ueberlesen dass das da oben schon verlinkt is…

  5. Ich habe erst durch die Meldung davon erfahren, dass man das entfernen kann. Streisand-Effekt ftw

  6. Lustig wie man krampfhaft versucht den Fokus von Spyware zu Copyrightverletzungen zu verschieben.

  7. 3lektrolurch says:

    Mal die Kirche im Dorf lassen, da gibt es bei weitem dreistere Fälle, die Leute auszuspionieren. Und was spricht dagegen, einfach kein Unity zu benutzen?
    Trotzdem würde ich jederzeit Ubuntu weiterempfehlen.

  8. Niemand hat – auch nur annähernd – so viel für den Linux-Desktop getan wie Mark Shuttleworth. Außerdem ist niemand gezwungen, Ubuntu zu benutzen, auch ist es jedem erlaubt, die Shopping-Lens zu deaktivieren…

  9. Und Microsoft wird ständig bei Windows 8/8.1 vorgeworfen das es spioniert und man ein Online-Konto braucht um wichtige Funktionen zu nutzen.
    Möchte echt nicht wissen, wieviele Backdoors es bei Linux-Distris gibt.
    Ubuntu wird nicht die einzige Distribution sein wo private Daten hinterrücks versendet werden.
    Das glaube ich zumindest.

  10. @Multi_OS

    Wie viele andere Distributionen sind dir bekannt, die ein kommerzielles Interesse daran haben koennten, Nutzerdaten zu tracken?

  11. @Multi_OS Der Sinn von OpenSource ist, das jeder in den COde schauen, und ihn ändern kann. Also diese Aussage ist irgendwie etwas haltlos 😉
    Und im Gegensatz zum kommerziellen Ubuntu ist die Mehrzahl der Distris nicht kommerziell und vor allem nicht von einer Firma mit Werbeverträgen beaufsichtigt.

  12. @MultiOS:
    Bei closed Source wirst Du die Frage nie beantworten können. Bei Open Source schon. Und Ubuntu kannst Du offline komplett verwenden. Ein Online Konto um wichtige Funktionen nutzen zu können, ist Schwachsinn, da so Offline-PCs unnötig eingeschränkt sind.

  13. Hey, vielen Dank für den Beitrag.

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