Ubisoft plant nach Anschuldigungen große Veränderungen

Fall ihr es wider Erwarten in den letzten Wochen verpasst haben solltet: Es gab einigen Rummel um Ubisoft bzw. mehrere, hochrangige Mitarbeiter des Publishers. So gab es da schwere Vorwürfe wegen sexueller Belästigungen und die Unternehmenskultur generell geriet in die Kritik. Denn Ubisoft wurde vorgeworfen derlei Vorfälle unter den Teppich zu kehren. Nun hat der CEO Yves Guillemot weitreichende Veränderungen angekündigt.

Allerdings muss man freilich abwarten, ob es sich dabei um ein Lippenbekenntnis handelt, während hinter den Kulissen alles läuft wie gewohnt, oder ob sich bei Ubisoft wirklich etwas tut. So ist unwahrscheinlich, dass Guillemot, der sich nun vollkommen überrascht und schockiert gibt, von den vorherigen Vorfällen nicht schon wusste, bevor sie an die Öffentlichkeit drangen. Zumindest sollte man von einem Geschäftsführer erwarten, dass er über die Vorgänge in seinem Unternehmen Bescheid weiß.

Verändern wolle man bei Ubisoft nun jedenfalls den Bereich der Human Resources und generelle Verwaltungsstrukturen. Es gehe nicht um eine schnelle Hauruck-Lösung, sondern um langfristige, nachhaltige Veränderungen. Die Managerin Lidwine Sauer sei ab sofort die Leiterin der Arbeitsplatz-Kultur und werde die Veränderungsprozesse betreuen. Außerdem werde es mit Mitarbeitern Sessions geben, bei denen sie ihre Erfahrungen im Unternehmen teilen können. Externe Moderatoren werden dabei unterstützen.

Internationale Mitarbeiterbefragungen sind ebenfalls geplant und natürlich prüfe man aktuell alle laufenden Vorwürfe gegen Ubisoft-Mitarbeiter. Zudem führt Ubisoft eine Plattform ein, auf der sich Mitarbeiter vertraulich über unangebrachtes Verhalten im Unternehmen beschweren können. Die Plattform wird extern verwaltet und die Beschwerden sollen ebenfalls unabhängig ausgewertet werden.

Parallel wolle Ubisoft die neue Position des „Head of Diversity and Inclusion“ einführen, der direkt dem CEO, also Yves Guillemot selbst, unterstehen werde. Dadurch wolle man im gesamten Unternehmen Diversität fördern. Wie gesagt, ich bin da insgesamt skeptisch. Übertrieben gesprochen ändern ein paar Fragebögen und Formulare sowie eine neue Stellenbezeichnung so schnell nichts an der grundlegenden Unternehmenskultur, die sich in einer Organisation über Jahre und Jahrzehnte aufbaut. Aber warten wir es mal ab.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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5 Kommentare

  1. Was ja immer ein wenig verwundert ist das dieses Problem anscheint nur Nordamerika betrifft.

    • dovermascot says:

      Nun, wenn man ein vorhandenes Problem nicht sehen will, ist es halt „nicht da“…
      Bei uns gibt es ja auch keine Korruption in der Politik, deswegen brauchen wir auch
      keine Transparenz. Ganz einfach, nicht?

  2. Ist echt Hammer. Was sie für Spiele gestaltet haben und mit den Werten, die die Geschichten in den Games erzählen. Und nun sowas. Überall Unruhen. Wem soll man noch glauben

    • Die Geschichten kommen entweder von eingestellten Autoren, den kleinen Entwicklern selbst oder eben von externen, da Ubisoft ja auch ein großer Publisher ist.
      Die „Werte“ die Spiele vermitteln sind für Publisher nichts weiter als Marketing und haben absolut nichts mit dem eigenen Betriebsverhalten zu tun. Da machst du leider völlig falsche, aber von Publishern gewollte, Assoziationen.
      Nebenbei sollen sie, gerüchtweise, schon öfter Entwicklerteams mit unhaltbaren Termindruck und Knebelverträgen in die Insolvenz getrieben haben.
      Fakt ist jedenfalls das einige während der Arbeit mit ihnen insolvent wurden, darunter fast alle (Heroes of) Might and Magic Entwickler, seit es Ubisoft gehört und sie es als reines Nischenprodukt zum Geld ausquetschen vermarkten.
      Außerdem sprechen die fehlerhaften Spiele die ständig von Ubisoft auf dem Markt kommen und zunächst einer Beta gleichen, eine klare Sprache was den Termindruck angeht. Insbesondere bei der Assassins Reihe hat man viel Kritik eingefahren, da man ein kaum spielbares Spiel auf den Markt brachte, das erst nach ein paar Monaten auf dem Markt wirklich vernünftig lief (glaube IV und Unity waren die extremsten Teile).

      Das Ubisoft den Kunden das Leben gern schwer machen, haben sie schon mehr als oft genug bewiesen. Insbesondere deren DRM Implementationen sind mehr als fragwürdig, die unter anderem eine stetige Internetverbindung zum spielen verlangten und abstürzten wenn sie abbrach. Klar waren sie wieder ein wenig zurück gerudert, doch eine solche Maßnahme ist wirklich jenseits von Gut und Böse.
      Tatsächlich hatte es Ubisoft sogar geschafft, dass eine Zeit lang, Käufer von PC Spielen sich anschließend eine gecrackte Version besorgten, weil diese einfach weit weniger Probleme machte und öfters auch fließender lief.
      Und solltest du mal bei Google „Ubisoft malware“ eintippen, findest du ausreichend Gründe, dir zu wünschen, dass dein Spiel gecrackt ist.

      Ich muss da ganz klar sagen, das Ubisoft ein rücksichtsloses extrem kapitalistisches Unternehmen ist, ist eigentlich schon sehr lange Bekannt, sofern man sich gezielt informieren will. Jedoch ist das nun wirklich keine Medien taugliche Schlagzeile (da gerade Medien es oftmals selbst genauso Hand haben), deswegen wird derlei auch nie groß an die Glocke gehängt.

      Generell bezweifele ich, das es in Zeiten, wo nahezu alle Publisher, von den größten Publishern aufgekauft wurden, noch einen „Guten“ unter ihnen gibt. Vermutlich sind die Nischenprodukte Crowdfunding und Indie, die letzten die tatsächlich noch für Werte einstehen, zumindest zu Beginn.

      • Interessanter Beitrag von dir. Aber solange wir geschlossen die Spiele kaufen oder gecrackte Versionen spielen, wird sich nie etwas ändern. Hinter den Produkten und vor den Produkten sitzen Menschen wir du und ich. Vielleicht sagst du jetzt das ihr Antrieb Geld und noch mehr Geld ist. Mag alles richtig sein und auch in deinem Beitrag hast du mit deinen Punkten zu 100% recht. Doch was ist, frage ich dich die Lösung?
        Deine Antwort/Beiträge gibt es zu hundert oder gar Milliarden in sämtlichen Foren dieser Welt, immer die gleiche Endlosschleife, immer „der ist schuld und der ist unwissend“ , „der stärkere frisst den Schwächeren“ „moralisches Dilemma“.

        Was ist die Lösung? Wie ändern wir etwas, damit wir mit der heutigen Gegenwart unsere Zukunft für uns und unsere Nachkommen gestalten. Aber so, dass jede Meinung Platz findet?
        Sexuelle Belästigung und Ausbeutung durch Zeitdruck gibt es schon seit dem Beginn der Zeitrechnung und auch davor.
        Die Themen haben unsere Eltern gehabt und deren Eltern usw.

        Aber was ist die Lösung? Was führt uns wieder zusammen, zu den guten Werten?

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