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Twitter erlaubte Werbekampagnen mit fragwürdigen Zielgruppen bzw. Keywords

Twitter kann Fluch und Segen sein: Das soziale Netzwerk ist sehr offen, denn jeder kann im Grunde mit jedem kommunizieren. Anders als Facebook ist Twitter von Grund auf für den öffentlichen Austausch gedacht, statt für die Suche nach Familie und Freunden. Dadurch kann aber auch der Tonfall deutlich rauer ausfallen. Offenbar war es aber eine ganze Zeit lang für Werbetreibende sogar möglich, ganz gezielt mit kontroversen Schlüsselwörtern zweifelhafte Nutzerkreise anzuvisieren.

Dabei hat sich Twitter bereits entschuldigt und das Problem soll behoben worden sein. Recht abstrus ist die ganze Sache aber dennoch. So experimentierte die BBC ein wenig mit den Werbemöglichkeiten herum und entdeckte, dass es über Keywords wie „anti-gay“, „transphobic“ oder auch „Neo-Nazi“ gezielt möglich gewesen ist, Adressatenkreise anzuvisieren, die sich für jene Themen interessieren. Da darf man davon ausgehen, dass sich viele recht zweifelhafte Individuen bevorzugt mit jenen Themen beschäftigen.

Die Werbung richtet sich bei Wahl der entsprechenden Keywords an Twitter-Nutzer, die zu jenen Themen Posts verfasst haben oder dazu im sozialen Netzwerk recherchieren. Der BBC war es tatsächlich möglich, entsprechende Anzeigen zu schalten – man leitete aber nur auf einen harmlosen Meme weiter. Tatsächlich konnte man aber einige Klicks verbuchen. Dabei zeigt Twitter sogar vorab an, wie groß der potenzielle Adressatenkreis ist, wenn man ein bestimmtes Keyword wählt.

Beispielsweise könnte man laut dem Tool von Twitter mit dem Begriff „Neo-Nazi“ in Großbritannien ca. 67.000 bis 81.000 Nutzer erreichen. Eigentlich sollen solche Kampagnen aber nicht möglich sein, da es Einschränkungen bei den Keywords geben müsste. So sollte die jeweilige Kampagne eigentlich erst manuell geprüft und dann erst freigegeben werden. Laut der BBC habe es aber keine Probleme gegeben Kampagnen mit Schlüsselwörtern wie „Islamophobia“ zu schalten. Twitter gab die Werbekampagnen ohne Murren frei.

Auch Kampagnen an sensible Zielgruppen waren möglich, dafür nutzte die BBC die Keywords „anorexic“, „bulimic“ und „bulimia“. Das ist moralisch schon sehr bedenklich, denn Menschen, die möglicherweise von Essstörungen betroffen sind, sind natürlich ein besonders verletzlicher Kreis. Auch hier leitete die BBC nur auf einen Meme weiter und stoppte die Kampagne nach der Freischaltung schnell wieder, da man nur testen wollte, was Twitter tatsächlich zulässt.

Hier ist klar zu erkennen: Das Missbrauchspotential ist enorm. Twitter hat die Angelegenheit kommentiert und sich entschuldigt. Die Verwendung des Tools hätte in der genannten Weise nicht möglich sein sollen, um derartige Werbekampagnen zu schalten. Man habe jene Optionen sofort unterbunden, nachdem man von dem Problem erfahren habe.

Ein gutes Licht wirft die ganze Chose aber dennoch nicht auf Twitter – denn schon, dass die angegebenen Verfahrensweisen Werbemachern offen standen, finde ich persönlich sehr abenteuerlich – Fehler hin oder her.

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