„The Witcher“: Autor spricht über seine Faulheit und die Serie bei Netflix

Wie hat euch die Netflix-Serie zu „The Witcher“ gefallen? Meine hohen Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt, denn die unnötig verkomplizierte Erzählweise hat mich weniger vom Hocker gerissen. Cavill als Geralt ist aber schon für sich genommen eine Bank. In einem aktuellen Interview äußert sich nun der Autor der Buchvorlage, Andrzej Sapkowski, erfrischend ehrlich zum Stand der Dinge.

Keine Frage, Sapkowski hat enorm von dem Netflix Original und natürlich auch den beliebten Spielen von CD Projekt RED profitiert. So führte der neu angefachte Hype um „The Witcher“ dazu, dass auch seine Bücher 500.000 mal nachgedruckt werden mussten. Der Autor wird in den Credits der Serie im Übrigen auch als Berater genannt. Laut Sapkowski selbst sollte man das aber nicht zu ernst nehmen. Er sei nur in sehr geringem Maße involviert gewesen. Der Grund dafür ist recht amüsant.

Ich habe mich auf eigenen Wunsch kaum beteiligt. Ich mag es nicht hart oder lange zu arbeiten. Eigentlich mag ich es überhaupt nicht zu arbeiten.“ Das ist eine Aussage, mit der sich wohl viele identifizieren können, die man in dieser Form aber doch eher selten von berühmten Personen hört. Was die Umsetzung seiner Bücher betrifft, sei der Pole zunächst auch skeptisch gewesen, da er regelmäßig zu diesem Thema weniger seriöse Anfragen erhalte. Bei Netflix habe er aber ein gutes Gefühl gehabt.

Ob er sich weiter in die Serie eingemischt habe? Das verneint Sapkowski, denn er betont, dass jeder Künstler die notwendige Freiheit haben sollte, um seine eigene Vision umzusetzen – das gelte auch für Adaptionen für andere Medien. Deswegen sei es aus seiner Sicht sowohl Quatsch die Bücher und die Serie als auch die Spiele und die Serie zu direkt zu vergleichen. Er sei von vielen Ideen überrascht gewesen, die das Netflix-Team für „The Witcher“ gehabt habe, das sei aber ganz normal.

Andrzej Sapkowski betont dabei, dass er ohnehin kein sehr visueller Typ sei: Anders als die meisten anderen Schreiber habe er bei der Arbeit keine konkreten Bilder vor Augen. Er sehe nur Buchstaben. Deswegen sei er grundsätzlich jedes Mal fasziniert, wenn seine Bücher visuell umgesetzt würden. Weiter bewerten wollte er das Netflix Original übrigens nicht. Auch hier gab er lieber eine ehrliche Antwort: „Mein Name steht im Abspann.“ Für ihn heißt das, dass es genauso fadenscheinig wäre die Serie nun in den Himmel zu loben wie auch sie zu kritisieren. Dafür sei er nicht in der richtigen Position.

Man fragte den Autoren auch, wie er darauf reagiert habe, dass nun die Nachfrage nach seinen Büchern emporgeschossen sei: „Na, was für eine Antwort erwarten Sie da? Dass ich verzweifelt bin? Dass ich geheult habe? Selbstmordgedanken hegte? Nein, Sir. Meine Gefühle waren eher offensichtlich und nicht sonderlich komplex.“ Außerdem gibt Sapkowski zu Protokoll, dass er sich natürlich über jeden Leser freue, der durch die Serie oder die Spiele auf seine Bücher aufmerksam geworden sei.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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9 Kommentare

  1. Sehr sympathisch der Mann 🙂 – endlich mal einer der ehrlich ist ^^

    „Ich habe mich auf eigenen Wunsch kaum beteiligt. Ich mag es nicht hart oder lange zu arbeiten. Eigentlich mag ich es überhaupt nicht zu arbeiten.“

    • Naja, nachdem die Witcher Spiele so eingeschlagen sind, verlangte er eine Korrektur des Vertrags, weil er meinte, dass er zu wenig entlohnt wurde. Das Risiko lag bei den Spielen allein bei CD Project. Sicher hätte er nachverhandeln können, wollte aber gleich 14 Mio € einklagen. Zum Glück konnten sich wohl beide Seiten noch einigen. Aber diese Aktion hat ihn sicher nicht sympatisch gemacht.
      Denke mal, dass das vertragliche zwischen ihm und Netflix von vorn herein lukrativ für ihn war.

      • fand ich vollkommen gerechtfertigt, CDProjekt hätte ihn gar nicht erst in diese Position bringen sollen, also ich würde da sicherlich auch von den x 100 Millionen die dort eingenommen worden sind ein grösseren Teil vom Kuchen für meine Idee bekommen wollen.

        • CD Project RED hat ihm damals, ca 2004 bei der Entwicklung von W1, Geld angeboten, er hat jedoch abgelehnt, mit der Begründung, ihr werdet eh nichts vernünftiges rausbringen, gebt mir direkt €10.000 und gut ist“ (übertragen, nicht wortwörtlich).

          Er hat seit dem die Spiele schlecht gemacht wo er nur konnte, und dadurch sah dann CDPR auch keinen Grund, beim Erfolg von Witcher 3 nach zu verhandeln, was die Gerichte ja ähnlich gesehen haben.

          An CDPR lag es nicht.

    • Wie er wurde auch die Serie umgesetzt. Ich konnte mir die Staffel gar nicht zu Ende gucken. Irgendwann wurde es nur noch genauso lahm wie die davor…

  2. „Andrzej Sapkowski betont dabei, dass er ohnehin kein sehr visueller Typ sei: Anders als die meisten anderen Schreiber habe er bei der Arbeit keine konkreten Bilder vor Augen. Er sehe nur Buchstaben.“ – Aphantasie? (https://de.wikipedia.org/wiki/Aphantasie)

    • phrasemongerism says:

      Und weiter? Muss man denn alles irgendwie betiteln?

      • Man muss nicht, einigen Menschen hilft es aber ihre Sonderheiten einzuordnen. Ich „leide“ z.B. an Aphantasie und als ich davon erfahren habe, dass es nicht „normal“ ist, dass man vor seinem inneren Auge so absolut gar nichts sehen kann, war das für mich extrem befremdlich. Ich ging immer davon aus, dass »Ich sehe es vor meinem inneren Auge« nur eine Redensart ist, aber ich hatte nie angenommen, dass Menschen wirklich außerhalb von Träumen etwas sehen können, wenn sie die Augen schließen.

        Als ich davon erfuhr, dass das Phänomen, bei geschlossenen Augen absolut nichts zu sehen, eine Abweichung der Norm ist, half mir die Tatsache, dass es dafür einen Begriff und Untersuchungen gab, durchaus weiter.

        Also nein, man muss nicht alles irgendwie betiteln. Wenn etwas von der „Norm“ abweicht, hilft es Betroffenen allerdings, sich irgendwie einzuordnen, wenn man nach einem Begriff suchen kann.

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