Testbericht: Blink- und Blink XT-System zur Videoüberwachung

Ich habe in den vergangenen Jahren einiges an Smart-Home-Kamerasystemen ausprobiert. Da hat sich sehr viel getan, nicht immer unbedingt das, was sich der Nutzer wünscht. So setzen viele Hersteller mittlerweile ausschließlich auf die Cloud, bieten keine lokale Speicherung auf microSD-Karten oder dem eigenen FTP an. Speichern auf dem eigenen Server – das passt nicht zu einem Easy-Peasy-Aufbau heute.

Man will es dem Kunden, der nicht so der Freak ist, einfacher machen. Das finde ich prima, denn technische Dinge müssen für alle funktionieren. Alternativen gibt es ja immer noch. Man muss sich keine Kamera mit Cloud-Anbindung kaufen, ebenso wenig, wie man kein Betriebssystem mit grafischer Oberfläche nutzen muss.

Mein aktueller Ausflug brachte mich in die Gefilde von Blink. Damals als Startup gestartet, wurde man Ende 2017 von Amazon gekauft. Amazon selber hat in den USA eine eigene Kamera-Lösung parat, des Weiteren kauft man sich auch RING, ebenfalls Anbieter von Kamera- und Sicherheitssystemen.

Die Blink-Kameras haben meines Erachtens nette Funktionen. Sie können ganz normal über microUSB mit Strom versorgt werden – alternativ schnappt man sich zwei AA-Batterien. Es reicht allerdings nicht, sich nur eine Kamera zu kaufen, man muss zumindest zum Start ein Gateway haben. Dieses Gateway muss sich nicht am Router befinden, ist stattdessen frei im WLAN platzierbar.

Die Stromversorgung (sowohl Kameras als auch Gateway) habe ich in meinem Test über einen USB-Hub realisiert, da ist man ganz flexibel (ich wechselte auch testweise auf den USB-Port der FRITZ!Box, reichte auch). Dieses Gateway wird in zwei Minuten über euer Smartphone ins WLAN (Achtung, 2,4 GHz) gebracht und dann kann man direkt loslegen mit der Einbindung der Kameras. Langes Gefuckel? Mitnichten. Einfach den QR-Code der Kamera scannen, schon ist sie in der App.

BLINK XT

BLINK

Konkret habe ich zwei Kameras von Blink für meinen Test vorliegen, einmal die Innenraum-Kamera und zusätzlich die Blink XT, die für den Außeneinsatz prädestiniert ist. Aufbau und Einbindung sind wirklich schnell erledigt. Was die Kamera kann, seht ihr bereits im Sheet über diesem Absatz. Das Mikrofon erlaubt nur das Hören und durch einen passiven Infrarotsensor ist es so, dass man wahrscheinlich nur schwer Personen durch eine Glassscheibe wahrnehmen kann. Des Weiteren hat man einen Betrachtungswinkel von 110° sowie „nur“ HD-Auflösung mit 720p (aufgepasst: Die Outdoor-Cam Blink XT bekam ein Update, hier ist jetzt auch 1080p möglich, einstellbar in der App). Die Innenraumkamera hat keine klassische Nachtsicht, sondern setzt im Dunkeln bei Bewegungserkennung auf die doch helle LED. Diese springt auch an, wenn ihr euch manuell einklinkt und in das Dunkel schaut.

Interessant ist, was sich Blink auf die Fahnen geschrieben hat: Kostenlose Speicherung in der Cloud. Ja gut, aber…  Richtig: Man kann Blink nutzen, Videos werden auch kostenlos in der Cloud gespeichert. Aber es gibt dabei natürlich Dinge zu beachten. Das hängt teils mit dem Speicher zusammen, teils mit der Stromversorgung.

In Kurzform: Ja, man kann natürlich dauerhaft über die App ein Live-Bild der Kamera auf das Smartphone werfen (alle 15 Sekunden wird aber nachgefragt, ob man noch schaut – Effizienz). Ist das sinnvoll? Nicht bei Batteriebetrieb, logisch. Die zwei Batterien können laut Blink bis zu zwei Jahren halten, man spricht von bis zu 4.000 Events, von denen jeder standardmäßig 5 Sekunden lang ist.

Zur Erklärung: Ist Blink scharf geschaltet und erkennt eine Bewegung, dann werden standardmäßig nur 5 Sekunden aufgezeichnet, der Nutzer über die App informiert. Das ist natürlich unter Umständen Quatsch, da man in 5 Sekunden vielleicht nichts wirklich Verwertbares erkennt. Man kann dies deshalb in der App auch nach oben regeln, bis 60 Sekunden pro Event sind machbar. Einstellbar ist natürlich auch die Wartezeit zur Reaktivierung und die Empfindlichkeit.

Der Cloudspeicher: Zu ihm gibt es keine Alternative, zumindest kostet er nichts. Unendlicher Speicher? Ja, aber nein. Bei Überschreitung des zur Verfügung gestellten Speichers werden ältere Clips gelöscht, alternativ lässt sich auch eine Löschzeit einstellen. Der Server von Blink bietet Speicher für bis zu 7.200 Gesamtsekunden Video (oder 1.440 Ereignisse mit fünf Sekunden Dauer).

Sind also lediglich zwei Stunden netto, die man da zur Verfügung hat. Aber eben immerhin kostenlos und lange nachvollziehbar, andere Hersteller, die Freemium-Cloud bieten, haben ja nur eine sehr geringe Vorhaltezeit, sodass man am Morgen schon nicht mehr sehen kann, wenn nachts etwas passierte (siehe Nest). Da finde ich Blink fast eine Ecke sympathischer – aber es kommt ja auch auf das Einsatzgebiet an.

Was bietet die Software noch so an? Sie zeigt die Temperatur an, und kann auch über diese einen Alarm triggern, falls es zu heiß oder zu kalt ist. Der Bewegungssensor hat seit neustem Aktivitätszonen, man kann also Bereiche ausklammern, bei denen nicht bei Bewegung alarmiert wird. Für das Indoor-Modell der Blink-Kamera kann man die Intensität der Ausleuchtung noch einmal einstellen und damit ihr euch sicher sein könnt, ist auch noch einmal die Signalqualität von Kamera zu WLAN und von Kamera zu Sync-Modul angezeigt.

Links: Indoor, rechts Blink XT outdoor

Nach meiner Einrichtung lief das System wie erwartet. Die platzierten Kameras nahmen Bewegungen wahr und informierten mich dementsprechend auf dem Smartphone und der Apple Watch. Hier kann der Nutzer dann direkt in die Aufzeichnung schauen, die dann eben zwischen 5 und 60 Sekunden lang ist, je nach Einstellung. Das alles ist übersichtlich in der App zu finden. In meinem Test dauerte eine Verbindung zu den Kameras rund 4 bis 5 Sekunden, diesen Versatz solltet ihr einplanen. Die Videos können aus der App heraus gespeichert werden, stehen somit auf dem Gerät zur Verfügung und können auch geteilt werden. Wann überwacht wird, ist ebenfalls einstellbar – so kann man die Kameras in einem bestimmbaren Zeitraum scharf schalten.

Die Bild- und Tonqualität der beiden Kameras geht tagsüber in Ordnung, mehr aber auch nicht. Bei der 720p Indoor-Lösung habe ich schon ungefähr mit dem Ergebnis gerechnet, bei outdoor 1080p hätte ich mit einem Mehr an Details im Bild gerechnet. Im Dunkeln wird es dann noch einmal schlechter, gerade zu kartoffelig. Hier einmal ein paar Bilder:

Outdoor, 1080p, tagsüber

Outdoor, 1080p, tagsüber

Zoom ins Bild, Outdoor, 1080p, tagsüber

Indoor, 720p, tagsüber

Indoor, 720p, tagsüber

Randnotiz: 5 Sekunden Video mit Audio bei 1080p sind rund 920 KB bis 960 KB Dateigröße, 720p braucht so von 550 KB bis 750 KB.

Die Nutzbarkeit der beiden Kameras hängt, wie schon eingangs erwähnt, vom Anwendungsbereich ab. Hat man eine Steckdose zur Verfügung oder will die Cloud umgehen, dann wählt man sicherlich anders als ein Nutzer, der es bequem via Cloud und vielleicht auch flexibel per Batterie haben will. Positiv ist, dass man nichts für die Cloud zahlen muss.

Auf der anderen Seite steht für mich: Die Alarmierung erfolgt nur per App. Möchte ich eine Mail erhalten, so muss ich den Spagat machen und IFTTT nutzen. Hier lasen sich dann auch Wechselwirkungen mit etwaig vorhandenen Nest-Kameras verknüpfen oder eine Art Geofence-Modus für die Aktivierung nutzen. Es gibt auch einen Alexa-Skill, der ist aber eher verbesserungswürdig als nutzbar. Es gibt keine besondere Rechteverwaltung in der App, sodass ich keinen einladen kann, der beispielsweise nur Alarme ansehen darf, aber nicht löschen kann. Den Halter hinten an der Kamera finde ich klapprig und auch recht locker, das wirkt billig (die Indoor-Kamera gesamt finde ich durch die Art des Plastiks eher „billig“). Und wo wir bei der Anbringung sind: Drehen lässt sich das Bild nicht.

Mehrere Kameras kann man sich leider auch nicht anschauen und ich finde, dass es schöner wäre, dass man eine am Strom betriebene Kamera auch dauerhaft im Live-Modus betreiben könnte, somit könnte man sie auch mal als Babyphone oder ähnliches nutzen. Ebenso finde ich, dass man nicht auf Basis des Sync-Moduls Zeitpläne einrichten können soll, sondern eher auf Basis der Kamera. 10 Cams können an einem Sync-Modul hängen, aber vielleicht möchte ich nur bestimmte Kameras mit Zeitplan versehen.

Des Weiteren muss man nicht nur das WLAN im Auge haben, sondern auch die Funkentfernung von Sync-Modul zu der Kamera. Es nützt nichts, das beste Mesh-Netzwerk zu haben, wenn das Sync-Modul außer Reichweite zur Kamera ist. Quasi: WLAN > Sync-Modul > Kamera. Der Hersteller sagt: In einem Haus, in dem keine Baustoffe verwendet wurden, die Funkwellen besonders stark absorbieren, können Sync-Modul und Kamera bis zu 30 Meter – und teilweise noch weiter – von einander entfernt sein. Hartgebranntes Ziegelmauerwerk, geflieste Wände und Stahlbeton können je nach Reflexionsverhalten des Umfelds die Reichweite herabsetzen.

Wer das System, bestehend aus Modul und einer Cam, damals im Cybersale für rund 100 Euro schoss, der hat meines Erachtens einen okayen Deal gemacht, der jetzige Preis setzt noch ein bisschen Feinjustierung an der Software voraus. Interessierte sollten einen der zahlreichen Sales bei Amazon abwarten – Ring und Blink sind als Amazon-Firmen oftmals ebenso reduziert wie Amazon Echo, Fire Tablet und Co. Auch wenn ich viel zu meckern habe in Software-Dingen: Das mache ich, weil mir das Grundkonzept sehr gefällt, ebenso die Einfachheit – aber es darf, bzw. sollte noch mehr kommen für ein erfolgreiches System. Das zeigt auch ein Blick in die Communityforen von Blink.

Eine Übersicht der Blink-Bundles findet ihr bei Amazon.

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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8 Kommentare

  1. @caschy

    Nutzt du noch die Ring Doorbell und kannst sie empfehlen?

  2. Ich habe die blink XT Außen-Kameras auch im Einsatz. Für mich war der Vorteil, dass sie mit Batterie laufen. Somit kann ich den Fahrrad-Abstellraum gut überwachen.

    Ich hatte jedoch neulich ein Problem mit einer Kamera. Diese verlor häufiger mal die Verbindung. Ich habe dann den Support angeschrieben (USA) und daraufhin haben die sich auf meine Kamera eingeklinkt und dann bestätigt, dass es Auffälligkeiten in der Hardware gab. Ich habe 2 Tage später eine neue Kamera von Amazon geliefert bekommen. Die alte Kamera darf ich behalten und die funktioniert seit dem auch tadellos.

    Also auch der Support ist grandios. Wirklich negativ ist wirklich nur die Sache mit dem Sync-Modul, die mir vorher nicht klar war. Ich habe zum Glück einen Ort gefunden, wo ich das Sync Modul betreiben kann und alle Kameras erreicht werden. Aber das sollte man auf jeden Fall vorher einplanen!

  3. Hi Caschy,

    Danke für den detaillierten Test. Alle Blink-Kameras gibt es aktuell übrigens im Valentins-Sale mit 20 Prozent Rabatt 🙂

    Beste Grüße vom
    Blink-Team

  4. Ich habe seit Anfang Dezember 3 Blink XT Kameras mit einem Sync-Modul. Grundsätzlich ist die Einrichtung und der Betrieb sehr unkompliziert. Auch die Funktion per Lithium-Batterien ist klasse, das macht unabhängig von der Stromversorgung.
    Leider verliert das Sync-Modul alle 1-2 Wochen die Verbindung zur Fritzbox 7490 – trotz einwandfreiem Empfang. Anfangs hatte ich das Sync-Modul in Verdacht (ich hatte es nicht mehr angemeldet bekommen und daher austauschen lassen). Leider ist das Problem auch mit neuem Sync-Modul vorhanden.
    Abhilfe schafft hier nur ein Neustart der Fritzbox. Danach meldet sich das Sync-Modul wieder in der Cloud an.
    Anfangs hatte ich das Gast-WLAN in Verdacht, aber selbst nach Deaktivierung die gleichen Probleme.
    Hat jemand zufällig ähnliche Probleme?

    • nein. läuft hier seit monaten einwandfrei über die fritzbox. keine probleme.

      was überhaupt nicht funktioniert ist die neue aktivitätszonenfunktion. da kann man grau markieren soviel man will, alarm wird trotzdem ausgelöst.

    • Hi Jan, Hallo Community,
      bei mir das gleiche Problem! Immer wieder verliert das Sync-Modul die Verbindung, obwohl nur eine Innenwand und offene Zimmertür dazwischen. Nur der Neustart der Fritzbox hilft dann.
      Ich hoffe, dass hier via Firmware noch nachgebessert wird.

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