Straßensheriff: die App für eine clevere Stadt (oder Denunzianten)

Beim Crowdfunding-Portal Startnext wird gerade die Finanzierung einer App versucht, die eigentlich keine schlechte Absicht hat, so wie es heißt. Man schreibt sich den Schutz von Kindern, Behinderten und generell der Verkehrsteilnehmer auf die Fahne. Angriffsziel der App sind die Schwachköpfe, die einfach nicht kapieren, dass sie nichts auf Rad- und Gehwegen oder Behindertenparkplätzen zu parken haben.

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Was die App aber anbietet, ist ein zweischneidiges Schwert. Sie ermöglicht den Dialog mit dem Autofahrer, ist aber auch das Mittel der Wahl, wenn dieser versagt: Ein Klick, ein Foto, und GPS-Daten fügen sich zu einer Anzeige zusammen und werden mit den eigenen Absenderdaten an Amt oder Polizei übermittelt. Ihr seht, die App ist so oder so nutzbar: man kann dem Autofahrer eine Nachricht zukommen lassen, wenn dieser vielleicht falsch parkt, oder das Licht anlässt, man kann ihn aber auch wacker mal denunzieren. Ich weiss gerade nicht, welche Menschen ich weniger leiden kann. Die, die auf Radwegen oder unberechtigterweise auf Behindertenparkplätzen parken, oder den Menschenschlag, der den Falschparker anzeigt, obwohl er vielleicht nicht einmal betroffen ist.

Bildschirmfoto 2013-10-04 um 14.48.53

Solche Menschen sind sicherlich auch die, die ihren Nachbarn mal ganz gerne anscheissen, vielleicht aber selber Leichen im Keller liegen haben. Schwieriges Thema – wenn jemand selbst betroffen ist, dann ist der Griff zum Beweismittel sicherlich förderlich, aber wenn Unbeteiligte zum Denunzianten werden, dann finde ich dies auch nicht so klasse.

Wie heißt es so schön? Aus großer Kraft folgt große Verantwortung. Ich glaube ja immer an das Gute im Menschen und kann mir daher nicht vorstellen, dass eine solche App eine     erhöhte Anzahl von Anzeigen zur Folge haben wird, denn bereits heute ist mit dem Smartphone ja ratz fatz das Ordnungsamt oder ähnliches angerufen, oder ein Foto geschossen.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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55 Kommentare

  1. @TwiNN „Außerdem, man kann auch einfach ein Foto schießen und es dann zu Hause als Mail ans Ordnungsamt schicken.“ Und wo ist da jetzt der Unterschied zu dieser App?! Also bitte, technisch ist es so möglich, also wer sollte jemanden daran hindern es auch umzusetzen, sorry, aber das ist keine konkrete Kritik, sondern einfach nur blubbern …
    @Timo Die Autofahrer sollen sich freiwillig bei dieser App anmelden, u.a. um auch Informationen über offene Dächer usw. zu erhalten.

  2. Solche Fensterbrettgucker und Aus-Spaß-Anzeiger verhindern, dass Bedrohten bei einer Schlägerei die Polizei zu Hilfe kommt.

    Da die nämlich damit beschäftigt sind, bei „Ruhestörern“, „Falschparkern“ und Co. anzurufen, kommt die Polizei bei einer Schlägerei oftmals langsamer als die zeitgleich bestellte Pizza.

    Hatte mich mal mit einem Polizeibeamten unterhalten. Der würde Menschen wirklich gerne helfen, kann aber leider auch nicht zaubern und muss bei solchen idiotischen Sachen unter Umständen von irgendeinem Idioten außerhalb der Stadt zu den Schlägern in der Innenstadt fahren, was ihn regelmäßig Nervenstränge kostet.

    Er schlug als Lösung den Dialog mit dem Nachbarn vor. Anstatt also gleich die App rauszuholen und sich zu freuen, wenn derjenige abgeschleppt wird, reicht vielleicht auch ein netter, aber bestimmter Hinweis.

    Solche Leute gehören selbst verhaftet. Denunziantentum != Zivilcourage.

  3. Schaut mal beim Discounter oder Läden wie real wer auf den Behindertenparkplätzen steht: aufgemotzte Kisten, 3er BMW, Benz etc. die meist 9 von 10 Plätzen belegen. Keiner hat hier einen Behindertenparkausweis hinter der Scheibe. Letzt‘ ist der Beifahrer eines Autofahrers (der Fahrer ist Rollstuhlfahrer) in den Markt gekommen und hat sich beschwert, dass alle Plätze durch Falschparker vollstehen würde, als Antwort kam dann, man könne da nix machen, er möge warten. Warum kann man da nix machen? Ist zwar Hausrecht, aber wer den Abschlepper auf einem Privatgrundstück bestellt, legt erstmal vor und kann sich das Geld dann von so einem falschparkenden Idioten wiederholen (oder es zumindest versuchen).

    So eine App ist ein zweischeidiges Schwert, man muss ja auch nicht alles auf die Waagschale werfen, aber wer keinen Respekt vor seinen Mitmenschen hat, dem gehört in den Hintern getreten (und zwar so oft bis es weh tut).

  4. Es wird niemand gezwungen, auf Gehwegen, Radwegen, Behindertenparkplätzen oder in Grünanlagen (in letzter Zeit immer beliebter) zu parken. Wer dafür ein Knöllchen kassiert, ist nicht nur selber schuld, sondern hat es auch verdient. So eine App ist einfach Notwehr.

  5. So was kann’s mal wieder nur in Deutschland geben – die Denunzianten-App für die mal-schnell-zwischendurch-Rache der Kleinschniedler, die in ihrem Leben selber nichts hingekriegt haben. *würg*
    Ist ja eine Spezialität der Deutschen, sich selber als Hilfssheriff aufzuspielen und anderen die Gesetze zu erklären, an die sie sich selbst nicht halten. Genau die Typen, die vor 70 Jahren der Gestapo gemeldet haben „mein Nachbar versteckt einen Juden auf dem Dachboden“ und die bis vor 25 Jahren im Osten aufgepasst haben, ob der Nachbar Westfernsehen guckt, können jetzt mal eben im Vorbeigehen anonym ihren Frust ablassen und sich stark fühlen……

    Das sind die gleichen Typen, die mit Nachbarschaftsstreitereien über Gartenzwerge und Herbstlaub die Gerichte blockieren.
    Wie wärs denn mit einfach einem Zettel hinter den Schweibenwischer „Sie haben erfolgreich verhindert, dass dieses Haus im Falle eines Brandes von der Feuerwehr erreicht werden könnte“ oder „Sie haben gerade einem Rollstuhlfahrer den Parkplatz weggenommen – hoffentlich kommen Sie nie in dieselbe Notlage…“

    Würde vielleicht mehr bringen als „bei den Großen zu petzen“….

  6. @blub: Eben. Es gibt keinen, außer dass es bequemer wird, ergo die Hemmschwelle für solche Aktionen sinkt. Wenn du dich ganz doll anstrengst, wirst du vielleicht die konkrete Kritik in meinen Kommentaren finden. Ansonsten wünsch ich dir ein schönes Wochenende.

  7. Anscheinend haben hier einige ein schlechtes Gewissen und machen deshalb diese App nieder.

    Wie wäre es für euch mit einem Projekt Crowd-Blitzerwarn-App oder Crowd-Politessenwarn-App, Crowd-Alkoholkontrollen-App. Dieses würdet ihr sicherlich fördern. 😀

  8. Marten Schulz says:

    Ich stimme Andy voll zu: Für viele Autofahrer ist das Falschparkten noch nicht mal ein Kavaliersdelikt. Sie nehmen sich einfach mals o das Recht bzw. den Raum, der Anderen (je nach Situation Behinderte, Fußgänger, Radfahrer, etc.) zusteht. Regeln? Das sind doch die Dinger, die für Andre gelten. Wenn dieses dann Verantwortung und Konsequenz für deren ignorantes Handeln in Form eines Knöllchen oder so tragen sollen, wird laut geschimpft und gejammert. Mein Mitleid hält sich aber wirklch in Grenzen.

    Mein Vater war durch eine Oberschenkelamputation schwerbehindert und auf die wenigen entsprechenden Parkplätze wirklich angewiesen. Daher kann ich die Not der Behinderten sehr gut und die Ignoranz der Falschparker mal überhaupt nicht verstehen. Ich wünsche jedem dieser Ingnoranten, selber mal für vielleicht vier Wochen auf so einen Parkplatz angewisen zu sein. Vielleicht tut sich dadurch was in deren Hirn …

    Wo ich selber immer wieder von betroffen bin, sind zugeparkte Radwege. Es ist ja auch zu praktisch, diesen hübschen Streifen für seine, natürlich viel wichtigeren Zwecke, zu verwenden. Meine Erfahrung: Wenn sich die Situation ergab, dass ich einen Fahrer darauf ansprechen konnte, begegneten mir diese mit Hohn, Ignoranz und Agression bis hin zur Androhung von Schlägen. Also habe ich mir angewöhnt, nicht mehr mit diesen Autofahrern zu diskutieren. Anstelle dessen mache ich ein Foto samt GPS-Daten mit dem Handy, dass dann mit einem Zweizeiler an die zuständige Ordnungsbehörde geht. Sollen die doch dem Typen erklären, wozu dieser komsche Streifen eigentlich gedacht ist ist. Für die Menschen, die meinen, es gehe dabei nur um Denunziantentum: Ich mache dies nur, wenn ich selber als Radfahrer genötigt werde, auszuweichen. Auch als Autofahrer kotzt mich dieses Verhalten an, ich halte dafür aber nicht extra an.

    Dafür habe ich, nachdem ich als Autofahrer letztens abgedrängt wurde bei meinem eh immer in der Wundschutzscheibenhalterung steckenden Handy „aufgerüstet“:
    https://play.google.com/store/apps/details?id=rubberbigpepper.VideoRegPro
    Und hoffe, dass ich nie in die Situation komme, eines der damti aufgezeichten Videos als Beweis zu benötigen.

  9. Sogar die Geldbettelseite ist noch beta. Schöne Zeichensatzprobleme:

    Für clevere Städte, die Strassensheriff-App, die hilft!
    Heinrich Strößenreuther

  10. In Finnland richtet sich die Strafe für Verkehrsvergehen nach dem Einkommen (es gibt ein Mindeststrafmaß). Wie wäre es denn mit einer Petition, dass die Strafen für die hier diskutierten Verkehrsvergehen auf ein schmerzhaftes Maß angehoben werden. Vielleicht so etwas wie 5-10% vom Monatslohn oder so. Meinetwegen auch gestaffelt, damit es für Wiederholungstäter noch teurer wird. Das wäre meiner Meinung nach viel effektiver als so eine App. Ich denke nämlich, dass die Strafen evtl. zu niedrig sind. Einige zahlen das halt aus der Portokasse und es schert sie deswegen nicht. Das wäre in vielerlei Hinsicht ein faireres Bußgeldsystem.

    @Prominenz: Man kann auch Kritik üben, ohne persönlich betroffen zu sein. Ich wohne in der Großstadt und habe / brauche kein Auto.

  11. Unter geheuchelten Idealen Leute zu denunzieren liegt uns eben im Blut…

  12. Ach wie toll. Da könnten die Ordnungsämter und die Polizei gleich richtig mit einsteigen und ein Provionenmodell einführen. Für jeden angeschissenen Autofahrer gibt es 5 Euro.

    Und da wir ja in Zeiten sozialer Netzwerke leben, könnte man die App gleich mit einer Gesichtserkennung ausstatten. Dann kann man die Radfahrer und Füßgänger, die bei Rot über die Ampel machen, auch gleich anscheißen. Personendaten aus den Sozialen Netzwerken und der Melderegister abgeglichen, fertig. In Großstädten erwischt man so schnell mal „7 auf einen Streich“. Macht 35 Euro mit einem GPS-Foto. 🙂

    PS: Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass die Radfahrer in den letzten Jahren immer Rücksichtsloser geworden sind und sich als Kings der Straße fühlen? Immer öfter werden Füßgänger umgefahren oder Autos die Vorfahrt genommen. Hier sollte man viel ehr mal was unternehmen. Nummerschildpflicht mit Haftpflicht, so wie es bei Motorroller pflicht ist, wäre mal ein Anfang.

  13. Marten Schulz says:

    Tom, Ingnoranten gibt es überall, keine Frage. Aber nur, weil es diese auch z.B. unter den Radfahrern gibt, rechtfertigt dies doch wohl nicht die Ignoranz von Autofahrern (unter denen es im Umkehrschluss schließlich ebenfalls viele rücksichtsvolle gibt).

  14. Was soll es mit geheuchelten Idealen zu tun haben, wenn ich als Radfahrer gerne die Radspur benutzen will, ohne Slalom um parkende Autos fahren zu müssen? Oder als Kinderwagenschieber nicht auf die Straße ausweichen will, weil jemand sein Auto dick und fett auf den Bürgersteig gestellt hat?

    Wie sieht es denn mit den Idealen der Autofahrer aus, wenn ich mit dem Kindewagen mal mitten auf der Straße zum Schwätzchen anhalten würde? Da wäre ganz schnell der Teufel los. Dem Deutschen ist halt sein Auto teuer und heilig und da darf nichts dagegen gesagt werden.

    Ich mache mir immer wieder den Spaß und spreche auf dem Supermarktparkplatz mit meiner Tochter aufm Arm die an, die die Eltern Baby Parkplätze nur nutzen, weil die so schön nah am Eingang sind. Nicht weil sie ein Kind dabei hätten. Noch nie, nicht ein einziges Mal, zeigte sich jemand einsichtig.

    BTW, ich rege mich auch als Autofahrer über die Rennradfahrer auf, die nur weil sie Trikot tragen meinen, der Radweg sei nichts für sie. Deppen gibt’s halt in jedem Lager.

    Aber in Punkto Rucksichtslosigkeit sehe ich doch einige Vorteile auf Seiten der Autofahrer.

  15. „Hilfreich und Gut“!
    Wollen wir eine Zivilgesellschaft bleiben, erfordert das von Jedem und Jeder ein stückweit Verantwortungsbewußtsein und Engagement – sprich: Zivilcourage.
    Da führt kein Weg vorbei, es sei denn, man will den Polizeistaat, den Ellenbogen als Mittel der Wahl, die Rücksichtslosigkeit und den Egoismus als Norm…
    Einige Aussagen der Vorredner sprechen Bände über deren Nachdenken über den Umgang miteinander in einer modernen Welt…

  16. @Pseiko

    +1

    Fast so schlimm wie die Gaffer-App von „Bild“.

    Und es springen ja auch gleich einige drauf an, die mit ihrem selbstgebastelten Heiligenschein („ich habe so was noch nie getan“ ) mit dem Finger auf andere zeigen.
    Aber die Traute, mal einfach jemanden der dumm parkt etc. anzusprechen haben die nicht – verstecken sich dann lieber hinter der Ecke bis der andere weg ist und holen dann lieber das Handy mit der Hilfssheriff-App raus um den Mitmenschen anonym anzuscheißen.

    Echt peinlich.

  17. Also, da ich direkt betroffen bin und viele unserer Mitbürger meinen in Wildwest Manier ihr Ding durchziehen zu müssen und meist darauf direkt angesprochen auch noch frech und patzig reagieren finde ich diese möglichkeit sehr gut!!
    Es gibt Parkplätze für Behinderte nicht ohne Grund und es ist respektlos gegenüber Gesellschaftlich eingeschränkte Personen die eh schon Stark benachteiligt sind diese auch noch so weiter zu schädigen weil man z.B. zu faul ist 30meter zu laufen um seine Brötchen zu kaufen. Das erlebe ich fast jeden Tag.
    Zum Thema Telefon, es gibt auch menschen die nicht in der lage sind zu telefonieren…

  18. @Mike: Wie oft trifft man den Straftäter beim Ein/Aus-Parken? Normalerweise eher selten.

    Übrigens wer so rücksichtslos mit der Umwelt agiert, wird sicherlich nicht fähig sein ein zivilisiertes Gespräch zu führen. Entweder zu hochnässig. „Ich habe keine Zeit, sprechen sie mit meinem Anwalt.“ oder zu primitiv „Ehh, willst Schläge?“

  19. LinuxMcBook says:

    Interviewpartner die anonym bleiben wollen. Haben sie sich ja die richtige App für ausgesucht…

    Wenn die App wirklich auf den Markt kommen sollte, was ich nicht hoffe, dann werde ich sie nur dann nutzen, wenn mich der Autofahrer an sich ärgert. Also wegen der Automarke oder weil ich ihn persönlich kenne.
    Schön das Konzept ad absurdum führen…

    Freie Fahrt für freie Bürger!

  20. Super, endlich mal was gegen die ganzen Verkehrsünder, jeden zweiten den ich sehe der/die telefoniert im Auto, geparkt wird auch egal wo. Es halten sich so wenige an die Strassenverkehrsordnung und die Polizei kontrolliert eh nix mehr. Ich lade mir die App und dann gehts los.

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