Spotify soll 150 Millionen Dollar für die Bereitstellung nicht lizenzierter Musik zahlen

artikel_spotifyDer Musikstreamingdienst Spotify hat es nicht immer einfach. Als Unternehmen will Spotify Künstler fair bezahlen, den Nutzern dafür einen möglichst breiten Katalog an Musik bieten. Immer wieder gab es Diskussionen um das für Nutzer kostenlose, werbefinanzierte Modell. Immer wieder beteuerte Spotify, dass alle Künstler fair bezahlt würden. Dass es vielleicht doch nicht alle sind, zeigt nun eine Klage, die am 28. Dezember beim Central District Court in Kalifornien eingereicht wurde. Es handelt sich um eine Sammelklage, die allerdings nur von Camper von Beethoven und David Lowery eingereicht wurde. Es geht um Copyright-Verstöße, die Spotify begangen haben soll.

Spotify Logo

Bietet Spotify also Musik an, die der Dienst gar nicht anbieten darf? Nein, nicht wirklich. Es geht vielmehr darum, dass Spotify Musik anbietet, für die die Rechteinhaber nicht ausgemacht werden kann. Neben 150 Millionen Dollar an Entschädigung möchte die klagende Partei auch, dass Spotify daran gehindert wird, solche Musik zu nutzen. Für die Klage werden einige Titel genannt, die betroffen sind.

Spotify äußerte sich bereits zu der Klage und sagt aus, dass man für solche Fälle Gelder zurücklegt und die Lizenzgebühren bezahlt sobald der Rechteinhaber geklärt ist. Die Rücklage soll laut „Insidern“ 17 – 25 Millionen Dollar schwer sein. Folgendes Statement gab Jonathan Prince (Global Head of Communication bei Spotify) gegenüber Billboard ab:

„We are committed to paying songwriters and publishers every penny. Unfortunately, especially in the United States, the data necessary to confirm the appropriate rightsholders is often missing, wrong, or incomplete. When rightsholders are not immediately clear, we set aside the royalties we owe until we are able to confirm their identities. We are working closely with the National Music Publishers Association to find the best way to correctly pay the royalties we have set aside and we are investing in the resources and technical expertise to build a comprehensive publishing administration system to solve this problem for good.“

Das Statement klingt nicht nach „da wäre eine Klage nötig gewesen“, es wirft mehr die Frage auf, warum es überhaupt zu einer Klage kommen konnte. Die Rechteinhaber der in der Klage genannten Songs scheinen ja bekannt zu sein, folglich hätte Spotify auch Lizenzgebühren zahlen können. Allerdings weiß man eben nicht, ob es im Vorfeld überhaupt zu Gesprächen zwischen den Parteien kam. Danach klingt es nämlich wiederum nicht.

Abseits von der Klage arbeitet Spotify bereits an einem System, das mit solchen Unzulänglichkeiten Schluss machen soll. Sollte die Klage erfolgreich sein, müsste Spotify seinen Katalog ausdünnen, ihn um die Songs erleichtern, die ohne Lizenz angeboten werden. Laut Lowery sind dies gar nicht so wenige, deshalb auch die Sammelklage. Über die „Entdecken“-Funktion ließen sich schnell mehr als 100 Künstler finden, die betroffen seien.

Das Ganze könnte bei erfolgreicher Klage durchaus einen negativen Effekt auf den Streaminganbieter haben. Nicht nur wegen der Publicity, sondern vor allem wegen eines eventuell ausgedünnten Angebots. Das wird zwar kaum Mainstream-Musik betreffen, dennoch würden dann zahlreiche Titel verschwinden. Ob die Nutzer das wiederum gut finden? Sicher nicht die, die genau diese Titel hören möchten. Insgesamt klingt das für mich dennoch so, als wären die klagenden Musiker hier etwas voreilig gewesen. Ob dem tatsächlich so ist, wird wohl das Gericht entscheiden müssen. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

(Quelle: Billboard)

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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9 Kommentare

  1. Woher hat Spotify den die Musik in ausreichender Qualität ohne den Rechteinhaber zu kennen? Klingt irgendwie komisch etwas zum Verkauf anzubieten, von dem man nicht weiß wem es gehört…

  2. @Jens:
    Vielleicht ist es Musik, wo die Rechte in einem anderen Land klar geregelt sind.

    Wie gehen denn die anderen Anbieter damit um?

  3. @sd: Wenn in Land 1 Firma A die Rechte hat, in Land 2 die Firma B und in Land 3 niemand, dann darf die Musik in Land 3 m.M.n. auch nicht verkauft/gestreamt werden.
    Sonst passiert ja folgendes: keiner will die Rechte kaufen weil sie z.B. 1.000 € kosten aber nur 500€ einspielen in diesem Land. Spotify bietet es trotzdem an und streicht die 500€ selbst ein.
    (Mir ist klar das das Beispiel zu einfach ist, es zeigt aber was ich meine…)

    Mit der gleich Begründung könnte die ARD ausländische (Sport)Veranstaltungen streamen an denen hier kein anderer die Rechte hat.

  4. Das sollte das Vorgehen nicht Gutheißen oder überhaupt bewerten. War nur als Erklärungsversuch auf die Frage, woher die Lieder in ausreichender Qualität kommen.

  5. Mich würden mal ein paar Beispiele interessieren.

  6. @sd
    Vielleicht haben die bei Spotify eine alte CD rum liegen und die digitalisiert. Die Rechte daran müssen ja nicht mehr bei dem liegen, bei dem sie zum Zeitpunkt des Release der CD lagen.
    Zugegeben: Meine Erklärung ist auch nicht das Gelbe vom Ei. 😉

    Interessant wäre wirklich zu wissen, um welche Titel es sich dabei handelt und wie das bei anderen Anbietern aussieht. Vor allem im Hinblick auf den Kauf der Titel bei zum Beispiel Amazon. Wer bekommt in dem Fall das Geld? Gibt es diese Titel überhaupt käuflich zu erwerben, wenn der Rechteinhaber nicht feststeht?

  7. Mein Versuch:
    Vielleicht müssen die Streaming-Anbieter die Rechte für jedes Land einzeln kaufen/mieten. Spotify konnte z.T. die Rechteinhaber in den USA nicht einwandfrei feststellen(Ich denke mal hier geht es nicht um die richtigen großen Künstler) und hat dann die Songs trotzdem zum Streaming freigeben und dagegen wird jetzt geklagt.

  8. Daran sieht man wie Kompliziert diese Musik „Industrie“ ist, die möchten eigentlich nichts über andere Verkaufen, sondern lieber nur über ihren eigenen Zweig zu ihren Fantasypreisen, künstliche Verknappung. Und dann wundern wenn so viel Raubkopieet wird? Ja ich weiß, nur weil mir das „Künstlerische“ Werk mir nicht dieser Preis Wert ist oder ich bei dem vorgeschriebenen Vertriebspartner nicht kaufe, darf ich es nicht Raubkopieren.
    Wir sind weit entfernt von einer Globalen Welt, wenn noch nicht mal der Rechteinhaber klar und deutlich feststeht bzw. über eine Zentrale Dabenbank abfragbar ist.

  9. So einfach finde ich das gar nicht. Die Alternative wäre ja, dass die Songs der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind, obwohl ich finde, dass bei einem einmal veröffentlichten Song ein berechtigtes Interesse der Allgemeinheit besteht in irgendeiner Form darauf zugreifen zu können. Dazu muss man dann auch mit zumutbarem Aufwand ein Rechteinhaber ermittelbar sein. Am besten wäre es, wenn die Titel einfach irgendwann gemeinfrei würden, wenn jemand sich nicht darum kümmert. Klar, Spotify ist ein kommerzielles Unternehemen, aber trotzdem hätte man es sicher auch ohne Klage geregelt bekommen.

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