Caschys Blog

Smart Speaker hören laut neuer Studie weiterhin unabsichtlich mit

Dass Smart Speaker ab und zu Sachen mithören, die sie eigentlich nicht mithören sollten, ist hier im Blog schon des Öfteren Thema gewesen. Einer neuen Studie zufolge, welche STRG_F, ein Format des NDRs und der Süddeutschen Zeitung, erstellt hat, gibt es da auch weiterhin Probleme. Speziell die Lautsprecher von Amazon fallen negativ auf.

So sollen sich Sprachassistenten bzw. Smart Speaker zu oft ohne klare Aufforderung anknipsen und Gespräche mitschneiden. Dabei sollen auch schon menschliche Mitarbeiter Geschäftsbesprechungen, Dialoge von medizinischem Personal und private Streitigkeiten sowie Sex mitgehört haben, um auszuwerten, wie man die Spracherkennung verbessern könne. Laut der Untersuchung von STRG_F schalten sich die Smart Speaker von Amazon, Apple und Google im Alltag nicht nur bei ihren Erkennungswörtern ( „Alexa“, „Hey Siri“ bzw. „Ok Google“) an, sondern starten oft versehentlich.

Geprüft hatte das konkret eine Forschergruppe der Ruhr-Universität Bochum und des Bochumer Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre. Elf Smart Speaker nahm man unter die Lupe. Sie stammten von Apple, Google, Amazon, Microsoft, der Telekom, Xiaomi, Tencent und Baidu. Dabei wurden die Lautsprecher allesamt mehr als 16 Tage mit englischsprachigen TV-Serien, Nachrichten sowie speziellen Tondatenbanken beschallt. Insgesamt kam es zu 735 fehlerhaften Auslösungen.

Sieben Tage malträtierte man die Lautsprecher dann mit deutschsprachigen Sendungen – es kam zu 180 falschen Auslösungen. Laut dem Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar würden die Hersteller die Kunden auf dieses Problem nicht ausreichend aufmerksam machen. Böse Absichten unterstellt er den Herstellern dabei jedoch nicht. Unterschiede gab es übrigens zwischen Deutsch und Englisch: Während Amazons Geräte bei deutschsprachigen Inhalten am häufigsten eine falsche Aktivierung durchführten, war es bei englischer Sprache Microsoft Cortana.

Die Fehler ergaben sich primär aus ähnlich klingenden Worten. Wurde in einer Serie ein „Daiquiri“ bestellt, vermeinte Apples Lautsprecher „Hey Siri“ zu vernehmen. Bei „Botswana“ horchte dann Cortana auf. Amazons Echos fühlten sich z. B. bei „am Sonntag“ angesprochen und verstanden „Amazon“. Man holte auch Kommentare der Unternehmen ein: Google gab etwa an aktuell keine Auszeichnungen durch Menschen auswerten zu lassen. Das wolle man zwar in Zukunft wieder tun, aber nur wenn Nutzer aktiv zustimmen.

Apple verwies lediglich auf eine alte Stellungnahme vom September 2019, welche erklärt, dass alle Daten nur unter zufälliger Kennung abgespeichert werden. Dies geschehe aber nur bei aktiver Einwilligung der Nutzer, automatisch speichere man keine Audioaufzeichnungen mehr. Amazon gab an die Erkennung stets zu verbessern und nur einen sehr kleinen Bruchteil der Alexa-Anfragen durch Mitarbeiter auszuwerten. Dabei gebe es keine Möglichkeit, die Kunden zu erkennen. Eine aktive Zustimmung fordert Amazon dafür nicht, gibt aber die Möglichkeit eines Opt-Out.

Microsoft antwortete auf eine Anfrage nicht, vermutlich, weil man ohnehin keine Aktien mehr im Markt für Smart Speaker hat. Xiaomi meldete sich und mahnte, dass die Smart Speaker des Unternehmens aktuell nicht für den deutschen Markt vorgesehen und daher auch nicht dafür optimiert seien. Die Deutsche Telekom wiederum gab an, dass zwar Mitarbeiter des Unternehmens einige Transkripte zur Sprachverbesserung analysieren würden, dem könnten Kunden aber in der App widersprechen.

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