
Die Skagen Falster 3 wurde Anfang des Jahres vorgestellt und ist rein von den technischen Spezifikationen her identisch zur Fossil Carlyle HR (5. Generation), welche André bereits für euch getestet hat. Ist also eher eine Frage, welches Design euch da mehr zusagt. Skagen gehört, wie auch einige andere bekannte Uhren-Marken, inzwischen zur Fossil Group. Da ich im Gegensatz zu André auch schon mit einigen Vorgängern – wie der Fossil Explorist HR – unterwegs war, hoffe ich euch noch einige andere Betrachtungspunkte darlegen zu können.
Die Falster 3 würde ich im Vergleich zur Fossil Carlyle als ein wenig puristischer beschreiben. Nichtsdestotrotz erinnert sie (auch was das Gewicht betrifft) – im Gegensatz zu vielen sonstigen Smartwatches – stark an eine klassische Uhr. Mir persönlich sagt dies sehr zu, ist eben ein zeitloses Design.
Verarbeitung
Die Smartwatch macht durch ihr Edelstahl-Gehäuse einen wertigen Eindruck. Lediglich die Lünette ist aus schwarzem Plastik – anders als bei der Fossil Carlyle – und fasst das Display ein, tut der Wertigkeit jedoch keinen Abbruch. Nette Sache: Ihr könnt sämtliche klassische Armbänder mit einer Breite von 22 Millimetern verwenden. Bei mir hat sich da neben Silikon und Leder über die letzten Jahre echt was an Wechselbändern angesammelt. Da das Armband schon einen wesentlichen Anteil am Gewicht ausmacht, verwende ich zum Einsatz beim Sport zum Beispiel immer die Silikon-Variante. Solltet ihr zusätzlich noch eine klassische Uhr verwenden, lassen sie sich (dieselben Abmessungen der Armbandbreite natürlich vorausgesetzt) auch dort nutzen.
Technische Daten und Unterschiede zur Vorgängergeneration
Im Vergleich mit der Vorgängerversion hat sich auch ein bisschen was getan, neben dem neuen Snapdragon Wear 3100 setzt man auf vergrößerten Speicher und RAM. Ansonsten wie auch beim Vorgänger verbaut sind Sensoren wie NFC und GPS – eine Version mit eSIM gibt es nicht. Auch einen Lautsprecher verbaut man nun wieder zur Telefonie oder einem Talk mit dem Google Assistant. Weiterhin setzt man auf Googles Wear OS als Plattform.
Die technischen Daten im Überblick
- Gehäusefarbe: Anthrazit
- Gehäusegröße: 42 mm
- Gehäusehöhe: 11 mm
- Gehäusematerial: Edelstahl
- Akku-/Batterielaufzeit: Mehr als 24 Std., smarte Batteriemodi für mehrere Tage (je nach Nutzung)
- Ladedauer: 50 Min. bis 80 %
- Arbeitsspeicher: 1 GB
- Speicher: 8 GB
- Bandbreite: 22 mm
- Bandmaterial: Milanaiseband aus Edelstahl
- Passende Bänder: 22 mm
- Konnektivität: Bluetooth Smart Enabled / 4.2 Low Energy
- Kompatibilität: Android 6.0 und höher (ausgenommen Go Edition), iOS 10.0 und höher
- Betriebssystem: Betrieben mit Wear OS by Google
- Prozessor: Qualcomm Snapdragon Wear 3100
- Funktionen: Aktivitätstracker, Musiksteuerung, Datum, GPS, Google Pay, Herzfrequenzmessung, Band zum Wechseln, Benachrichtigungen, Individuell einstellbare Zifferblätter, Wasserdicht, Google Sprachsteuerung
- Benachrichtigungen: Wecker, App-Benachrichtigungen, Kalenderbenachrichtigungen, E-Mail, Mehrere Zeitzonen, Soziale Netzwerke, Soziale Medien, Textnachrichten
- Sensoren: Beschleunigungsmesser, Höhenmesser, Umgebungslichtsensor, Gyroskop, Herzfrequenzsensor, Mikrofon, NFC-Schnittstelle, Ungebundenes GPS
- Lieferumfang: Induktionsladegerät
- Wasserdicht bis 3 ATM
Einrichtung
Ein paar Worte zur Einrichtung möchte ich auch noch verlieren: Zur Bluetooth-Verbindung wurde die Uhr – ähnlich wie auch bei Apple – direkt als Nearby-Gerät erkannt, benötigt für alles weitere jedoch die entsprechende App zur Einrichtung. Diese geht recht flott vonstatten und schlägt auf dem Smartphone vorhandene Apps zur Installation vor. Gegenüber dem Vorgänger merkt man an dieser Stelle auch direkt einen Performance-Schub, wobei man der Smartwatch während den App-Installationen schon eine entsprechende Auslastung anmerkte. Insbesondere der erhöhte Arbeitsspeicher macht sich auch an anderen Stellen bemerkbar: Während ich beim Vorgänger im App Drawer noch ein Nachladen von Icons feststellen musste, läuft hier alles rund.
Verwendung der Skagen Falster 3 im Alltag
Das runde AMOLED-Display mit 3,3 Zentimeter Durchmesser weist eine hohe Blickwinkelstabilität auf und besitzt seit dieser Generation auch einen speziellen Modus bei Sonneneinstrahlung. Über die Helligkeit kann man nicht klagen, das Display ließ sich in den vergangenen Schönwetter-Tagen problemlos ablesen. Lediglich ein etwas hartes Dimm-Verhalten ist mir aufgefallen.
Zur Sportfunktionalität hat euch André ja bereits bestens mit Informationen versorgt. Anmerkung meinerseits: Die Möglichkeiten sind vielfältig und auch das allgemeine Aktivitätstracking ist motivierend, man merkt der Smartwatch aber dennoch an, dass sie eben eine Smartwatch mit Sport-Tracking ist und nicht umgekehrt. Neben der sportlichen Aktivität an sich wird außerdem noch die Herzfrequenz erfasst.
Akkulaufzeit
Umso mehr Aktivitäts-Tracking ihr an den Tag legt, umso eher ist die Smartwatch natürlich leer – logisch denn kontinuierliches GPS oder Herzfrequenz-Tracking zieht schon ordentlich Saft. Auf die versprochenen 24 Stunden Laufzeit kam ich im Test jedoch locker und ich bin nicht gerade mit akkusparsamen Einstellungen unterwegs. So gehört für mich ein Always-On-Display ebenso dazu wie ein Puls-Verlauf über den Tag. Die neuen Akkusparoptionen – welche im Übrigen auch für die Vorgängergeneration ausgerollt wurde – helfen hier sehr nach. Und so lässt sich die Smartwatch bei Akkuknappheit auch zur nicht mehr so smarten Uhranzeige degradieren. Legt ihr die Uhr ab, so wird – zeitweise wurde dies bei mir leider nicht erkannt – die Leistung zurückgeschraubt, sodass ihr sie mit Restakku auch am nächsten Morgen ohne Zwischenladen wieder anlegen könnt. Tragt ihr die Uhr nachts nicht, so ist mit etwas getweakten Akku-Einstellungen gut und gerne eine Laufzeit von 2 vollen Arbeitstagen möglich. Man hält also definitiv länger als der Vorgänger durch, Luft nach oben bleibt trotz allem. Positiv sehe ich, dass man Features auch an Vorgängerversionen ausliefert.
Das Aufladen gestaltet sich über das magnetische Ladepad, welches am anderen Ende mit USB-A kommt sehr flott: Eine knappe Stunde reicht aus um die Uhr wieder vollständig aufzuladen. Der Magnet hält fest am an der Rückseite und die Ausrichtung des Ladepads ist egal, man ist jedoch auf das proprietäre Ladepad angewiesen, ein drahtloser Ladestandard wie Qi ist nicht gegeben. Ebenso ist man so auch auf die Verwendung eines Netzteils mit USB-A angewiesen, eines mit USB-C gibt es auch optional nicht zu kaufen.
Verwendung mit Google Pay
Auf das Nicht-Sperren beim Ablegen möchte ich kurz nochmals eingehen: Die Displaysperre ist der einzige Schutz, den ihr beispielsweise bei eingerichtetem Google Pay habt. Abgesehen davon, dass diese in Ausnahmefällen nicht griff, war ich mit der allgemeinen Nutzung von Google Pay auf der Smartwatch jedoch sehr zufrieden. Einrichten könnt ihr derzeit sämtliche Google-Pay-fähigen Kreditkarten, PayPal ist (noch?) nicht möglich. Nutzt ihr dieselbe Kreditkarte bereits auf dem Smartphone, so müsst ihr sie für die Uhr dennoch nochmals einrichten.
Eine Displaysperre ist Voraussetzung für die Einrichtung von Google Pay, legt ihr die Uhr morgens an, könnt ihr beispielsweise das Muster eingeben, dann bleibt sie (im Normalfall) bis zum Ablegen entsperrt. Ich habe mir Google Pay auf eine der Kurzwahltasten gelegt, so ist es direkt abrufbar. Einen entsprechenden Shortcut gibt es jedoch auch im Menü, wenn ihr von oben nach unten wischt. Die Zahlungen, die ich mit der Uhr getätigt hatte, funktionierten problemlos. Der Abstand zum Terminal ist einen Tick näher als vom Smartphone gewohnt. Da sich der NFC-Sensor unter dem Display verbirgt, ist es zweckdienlich, das Display in Richtung Terminal zu halten.
Ein paar Worte zu Wear OS
So weit so gut. Größtes Manko für mich ist und bleibt, dass Google seine Plattform Wear OS (leider) nur sehr stiefmütterlich behandelt – den Vorwurf mache ich jedoch gewiss nicht Fossil bzw. Skagen. So funktionieren derzeitig verfügbare Features zwar problemlos und diese dürften den meisten auch genügen, die Weiterentwicklung ist jedoch stark ins Stocken geraten und auch die verfügbaren Apps sind sehr überschaubar.
Die Wear-OS-Oberfläche sagt mir im Allgemeinen sehr zu, die Bedienung ist mittels Touchscreen, Wisch-Gesten, Bewegungsgesten, sowie der Bedienung über die drehbare Krone und die Shortcut-Tasten sehr vielseitig und auch auf persönliches Nutzungsverhalten anpassbar. Die Watchfaces sind ebenfalls vielseitig, da dürfte rein optisch für jeden etwas dabei sein. Die Informationen, die Zifferblätter zusätzlich anzeigen, sind personalisierbar: Hier gibt es eine große Auswahl von Terminen bis hin zur Herzfrequenz. Liebe zum Detail hat man unter anderem mit einer neuen Ladeanimation bewiesen.
Weitgehend ist die Smartwatch im derzeitigen Software-Stadium ein verlängerter Arm des Smartphones. Mitunter lässt sie jedoch auch ein wenig Autarkie zu: Telegram lässt sich beispielsweise im Wi-Fi komplett ohne Verbindung zum Smartphone verwenden, hier könnte eine 4G-Variante das Ganze noch weiter entkoppeln. Google Play Music lässt sich zum Beispiel über verbundene Bluetooth-Kopfhörer direkt nutzen, Spotify hingegen kann nur Musikwiedergaben seitens Spotify Connect steuern – auch YouTube Music ist noch nicht vertreten.
„Okay Google“ – Die Skagen Falster 3 hört (mehr oder minder) aufs Wort
Der Google Assistant in der Falster 3 liefert gewohnte Möglichkeiten. Hier hat man Antworten auf kleinere Fragen oder auch die Steuerung von Smart-Home-Geräten zu bieten. Da im Gegensatz zum Vorgänger hier nun auch wieder ein Lautsprecher zum Einsatz kommt (welcher auch zum Telefonieren verwendet werden kann) gibt der Google Assistant auf Wunsch auch Sprachfeedback.
Für mehr als Sprachfeedback oder zum Telefonieren ist der interne Lautsprecher – auf Grund der Größe verständlicherweise – nicht zu gebrauchen. Die Aktivierung mittels Wakeword funktionierte in meinem Fall eher schlecht als Recht, zudem nagt diese ordentlich am Akku. Alternativ kann der Google Assistant auch über den Feed oder ein langes Drücken auf die Krone aufgerufen werden.
Fazit
Preislich liegt die Skagen Falster 3 bei rund 300 Euro. Für das Geld bekommt ihr hier eine hochwertig verarbeitete Smartwatch. In Richtung Fossil und Skagen fallen meine Wünsche dahingehend aus, dass man auch weiterhin an der Akkulaufzeit arbeitet und für die nächsten Generationen auch auf Hardware in Richtung EKG und eSIM denkt, wie sie die Konkurrenz teilweise bieten.
Viel eher geht meine Kritik an Google, die Wear OS derzeit zu meinem Bedauern echt schleifen lassen. Man hat hier ein solides, personalisierbares Grundsystem, welches Basis-Funktionen auch zufriedenstellend erfüllt. Doch Feature-technisch hat man, bis auf Kleinigkeiten wie den Google-Assistant-Feed oder die Widget-Ansichten, in letzter Zeit keinerlei Fortschritte erreicht. Kein Wunder, dass man sich da seitens der App-Hersteller, wie oben genannt Spotify, keine Mühe gibt ordentliche Wear OS-Apps zu bringen und diese auch zu pflegen.