SD adé: ARD plant schon, Privatsender zaudern

Wer 2019 noch freiwillig SD-Inhalte konsumiert, verpasst meiner Ansicht nach einiges: Der Sprung von SD zu HD war bereits beeindruckend, 4K-Inhalte mit HDR sind aber noch einmal ein ganz anderes Level. Gerade Klassiker wie „Batman“ erscheinen damit in einem völlig neuen Licht. Auch die ARD sieht mittlerweile nicht mehr so recht Bedarf für die Standardauflösung und plant den Abschied. Anders sieht es aber bei den Privatsendern aus.

So möchte die ARD offenbar die SD-Ausstrahlung via Satellit im zweiten Halbjahr 2020 einstellen. So gibt man an, dass schon jetzt 80 % der Fernsehnutzung der Öffentlich-Rechtlichen via Satellit auf die HD-Kanäle entfalle. Die doppelte Verbreitung via SD und HD kostet natürlich auch mehr Geld, also möchte man hier gerne sparen. Voraussetzung für den Schritt sei eine Nutzung der HD-Variante von 90 %, was man bis zum zweiten Halbjahr 2020 als erreichbar ansieht. Denn technisch seien 95 % der Haushalte in der Lage HD zu empfangen. In Stein gemeißelt sei der Schritt zwar laut den Verantwortlichen noch nicht, es sehe aber für die SD-Abschaltung gut aus.

Anders sieht es bei den Privatsendern aus: In Deutschland ist man es gewohnt, für jene eben nicht zu bezahlen, sondern sie als Free-TV, dem Namen getreu, kostenlos zu empfangen. Die HD-Sender bekommt man aber nur gegen zusätzliche Gebühr. Deswegen steht die HD-Nutzung der Privatsender in Deutschland nach aktuellem Stand bei nur ca. 20 %. Logischerweise kommt für die Privatsender also zunächst keine SD-Abschaltung in Frage, weil man dadurch enorm an Reichweite verlieren könnte. Bis 2022 sind die Sender aber ohnehin in Deutschland verpflichtet ihr Programm unverschlüsselt in SD zu verbreiten.

Für die HD-Sender benötigen die Privaten also noch viel Wachstum. Offenbar sehen aber nur wenige Kunden aktuell die Notwendigkeit umzusteigen. Das mag, meine persönliche Meinung, auch am Relevanz-Verlust des linearen Fernsehens liegen. Statt für HD-Varianten der Privatsender zu blechen, holen sich sicherlich viele Kunden lieber ein Abonnement bei Amazon Prime Video oder Netflix. Es wird schließlich auch weniger ungewöhnlich komplett auf das lineare TV zu verzichten – da bin ich persönlich auch so ein Beispiel.

Auftrieb erhoffen sich die Sender von Content in Ultra HD, hinken aber auch da den Streaming-Anbietern hinterher. Es heißt also abwarten, wie es sich mit HD-Fernsehen bei den Privatsendern in Deutschland entwickelt – schaut ihr noch zu?

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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76 Kommentare

  1. Heisenberg says:

    Ich bezahl sicher nicht für kloppi TV und bin dadurch ein eben solcher xD

  2. Nein, ich boykottiere schon länger die privaten Sender. Zumal deren Angebot unterirdischer Natur ist. Da ist Verdummung wohl das oberste Ziel.

    Außerdem habe ich alle für mich interessieren Filme schon als Kaufvariante bei Amazon oder Apple in der Bibliothek.

    Des Weiteren nutze ich noch Netflix und die Öffentlich-Rechtlichen Sender.

  3. Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich die ÖR nach nun beinahe 10 Jahren HD-ready (720p) endlich einmal dazu durchringen könnten, echtes HD (1080p) zu übertragen. Das würde dann auch auf den (wahrscheinlich) 99,9% Fernsehgeräten, die FullHD (1080p) oder UHD (4*1080p) darstellen, besser skalieren.

    • Dass die Kanalbandbreite bei 1080p eine ganz andere ist als beim derzeit genutzten 1080i hast Du aber in deine Überlegungen einbezogen, oder?

  4. Andreas B says:

    Gratis schaue ich hie und da in die Privaten rein. Bei wer wirf Millionär sind Fragen und Antworten auch in SD dieselben. Und ich muss Günther Jauch auch nicht schärfer sehen ;-). Aber wenn man dann für dwn Schrott bezahlen muss, verschwinden bei mir die Privaten aus der Senderliste. Da werde ich wohl nicht die einzigen sein, deshalb zögern sie. Selbst Schuld, selber eingebrockt. Entweder sie übderdenken die Verschlüsselung in HD oder sie müssten ihr Programm massiv verbessern, was wohl schwierig sein wird. Bei 2 Fernseher müsste ich jährlich gleichviel bezahlen wie für das Jahresabo bei Netflix. Da ist der Entscheid wohl klar.

  5. Ich habe gar kein Kabel/Antenne mehr am TV. Ich gucke nur noch werbefreies Streaming über Amazon. Unter der Woche gucke ich kaum noch und am Wochenende gibts mal ne Serienstaffel oder nen Film.

    Öffentliches GretaTV oder privates Hirntotprogramm brauche ich nicht, beides unter meinem Niveau.

    • „werbefreies Streaming über Amazon“
      Wenn nur nicht vor jeder Folge Amazon-eigene Werbung ausgespielt würde … Zwar kein Vergleich zur vielen und langen Werbung bei den privaten TV-Sendern, aber trotzdem nervig.

      • Drücke einfach einmal kurz die vorspulen Taste, dann startet der Film sofort und die Eigenwerbung wird abgebrochen.

  6. NanoPolymer says:

    „mit HDR sind aber noch einmal ein ganz anderes Level.
    Gerade Klassiker wie „Batman“ erscheinen damit in einem völlig neuen Licht.“

    Ich korrigiere: Gerade Klassiker wie „Batman“ erscheinen damit in einem völlig *falschen* Licht.
    Einfach sinnlos an den Farben/Kontrasten drehen kann ich auch selber am Bildschirm.
    Leider wird oft die komplette Anmutung zerstört weil falsch eingesetzt.

  7. Wem das Aufmacherbild gefallen hat, findet es (und viele mehr) übrigens unter diesem Link:
    https://www.pexels.com/de-de/foto/alt-bildschirm-drinnen-elektronisch-2251206/

    @André (und bestimmt auch Caschy): Auch wenn die (kostenfreie) Lizenz des Bildes nicht die Nennung des Fotografen erfordert, wäre es sicherlich in seinem Sinne, genannt zu werden, oder? 😉 Er wird sich sicherlich über einen kleinen Obolus freuen.

  8. Man könnte auch bei den regionalen Sendern enorm Kapazität auf dem Sateliten sparen wenn man nicht so viel regionale Varianten hätte die sich vom Programm kaum unterscheiden.

  9. Es fasziniert/wundert mich schon etwas, dass es tatsächlich einige Menschen gibt die für lineares Privatfernsehen freiwillig bezahlen.

    Dem Staatsrundfunk kann man sich ja ohnehin (offiziell) nicht entziehen.

  10. In dem Artikel fehlt mir bei den Privaten ein wichtiger Aspekt: Die oft unterirdische, anspruchslose und niveaulose Qualität des Programmes. Gibt es leider auch bei den Öffis, aber nicht in diesem überwältigenden Ausmaß. Sollten die Privaten also ab 2022 nur noch gegen Bezahlung zu empfangen sein, werde ich lachend und sehr gerne verzichten. Und ich bin sicher: Das sehen viele Menschen genauso. Dann dürften sich die Privaten Sorgen um die Reichweite machen.

  11. Marius Soernes says:

    Eines wissen wir doch alle:
    Die Qualität des Programms; der Sendungen; der Dokumentationen; Reportagen usw… hat in den letzten 10 Jahren derart gelitten – insbesondere bei den „Privaten“, dass es nahezu überhaupt keinen wirklichen Sinn mehr macht, etwas finanziell zu unterstützen, was einem letztlich mehr Nachteile bringt als Vorteile beim täglichen „in die glotze schauen“.

    Werbung, Werbung, Werbung…warum sollte ich als Endkunde für ein Privatfernsehen, welches soviel bezahlte Werbung schaltet wie nie zuvor, auch noch selbst Geld zahlen? Da würde ich mich selbst als Depp betiteln.

    Soviel Werbung wie derzeit bei den Privaten kommt, ist nicht mehr tragbar. Doch was macht der Bundesgerichtshof?
    Er breitet die Werbezeit im TV weiter aus, erlaubt noch längere Werbepausen pro Stunde Sendezeit. Dann gibt es die netten Schlupflöcher und Grauzonen, die die Sender zusätzlich noch ausnutzen, um kurz vor – und nach – der eigentlichen Werbung noch Werbung für den eigenen Sender und Programme zu machen. Schlussendlich setzt sich dann noch irgendeine Sektmarke oder ein Süßwarenhersteller noch für 20 Sekunden rein…und dann wird dem – sich alles gefallenden Zuseher – wieder mal eine lauwarme Speise anno 2015 (Erstausstrahlung) vorgesetzt.

    Mich nervt sowas total!
    Gestern habe ich mich total gefreut, als der Film „Johnny English – Komödie mit „Mr. Bean“ auf ZDF Neo dran kam – völligst werbefrei.
    Auch strahlt ab und an das ZDF – leider spät abends erst – komplette US Blockbuster komplett werbefrei aus, man hat also für tolle 120-130 Minuten ein ungetrübtes Feeling für Spannung & Freude.

    Ich kann die „Privaten Sender RTL, Pro7, SAT1, Kabel…Vox…“ nicht unterstützen, weiche ich nämlich schon seit Monaten auf die öffentlich-Rechtlichen-Sender aus, weil mir hier ein Programmangebot aus ca. 20 Sendern zur Verfügung steht, zudem diese Sender fast ausschließlich in astreinem, hochqualitativen HD ausstrahlen, das Programmangebot vielfältig ist, Reportagen, Dokumentationen und Regionales gezeigt wird und mir schließlich besser gefällt.

    „You suck“! würden die Amis schreien, wenn ich das mit den „Privaten TV-Sendern“ hier in Deutschland gleich betiteln würde.

    12 Minuten Werbezeit + Grauzonen-Werbung, was nochmal ca. 5 Minuten pro Stunde ausmacht…irgendwelche Spots mitten in den Sendungen… macht gesamt ca. 17-18 Minuten Werbung pro 60 Minuten Sendezeit, also rund 25%.
    Und dann soll ich mich als Zuschauer noch mit Wiederholungen und – mir suggeriert bewusst – schlechter Bildqualität begnügen? Von irgendwelchen Sendungen von anno 2003 oder 2009? Von irgendwelchen alten Serien anno 1980 ?

    Sorry liebe Intendanten der privaten Fernsehsender:
    Jeder regt sich über eure Werbepausen auf. Ich schalte bei Werbepausen immer um – sollte ich mal euer „Bezahlfernsehen“ sehen.

    Auf das kostenpflichtige HD Plus werde ich mit sicherheit nicht umsteigen, warum auch? Ich zahle Gebühren für was?
    Dass ich eure Werbung in HD schauen kann? Haltet ihr uns Zuschauer wirklich für so naiv?
    Lasst mich mit euren Werbepausen in Ruhe.

    Die Privaten Fernseher langweilen mich nur noch…

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