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Wer von euch schon mal eine Finanzierung oder ähnliches abgeschlossen hat, der kennt die Schufa bereits, eine privatwirtschaftliche deutsche Wirtschaftsauskunftei, ohne deren Score heutzutage kaum noch etwas geht. Schlechter Schufa-Score? Keine Finanzierung fürs neue Kfz und auch Mietverträge können schon mal platzen, wenn eure persönliche Bewertung bei der Schufa negativ ausfällt. Aktuell bekommt die Gesellschaft aber anscheinend noch zu wenig von euren Daten zu Gesicht, denn laut einer internen Mail der Schufa, arbeite man dort aktuell gemeinsam mit der Telefonica o2 an einem Praxistest für ein neues Produkt namens CheckNow.
CheckNow sei laut der Schufa für Menschen gedacht, deren Score bereits negativ ausfällt und die nun doch die letzte Chance nutzen wollen, um eine anstehende Finanzierung oder dergleichen bewilligt zu bekommen – die letzte Chance in eurer größten Verzweiflung quasi… CheckNow erlaubt es der Schufa, in eure Kontoauszüge zu schauen, um die Bewertung anhand der zusätzlich gewonnenen Informationen gegebenenfalls noch einmal anpassen zu können.
„CheckNow“ sei zweckgebunden, versichert die Schufa auf Anfrage. Nur relevante Daten würden gesichtet und auch nur kurz gespeichert. – Tagesschau.de
Doch als Schritt Nummer 2 werdet ihr von der Schufa dann gebeten, freiwillig zuzustimmen, dass diese noch weitergehende Rechte eingeräumt bekommt, mit euren Daten umzugehen. Demnach dürften eure Kontoauszüge dann auch gespeichert und weiter ausgewertet werden. Laut Recherchen des WDR, NDR und der Süddeutschen Zeitung wolle die Schufa jene Daten aber systematisch auswerten und so nach und nach ein deutlich umfangreicheres Bild von euch erstellen.
Eine geltende EU-Richtlinie deckt den Plan der Schufa auch noch. Demnach sei es erlaubt, dass Kontoinformationsdienste (wie die Finapi GmbH, welche von der Schufa 2018 aufgekauft worden ist) Einblick auf die Konten seiner Kunden haben dürfen. Ein Mitarbeiter des Unternehmens erklärte auf einer Veranstaltung folgendes:
„In Kontoauszügen könne man 65 Kategorien erkennen, darunter Gehalt, staatliche Leistungen, Unterhaltszahlungen, Ausgaben für Heimwerken und Garten. Zudem könne man „Risikofaktoren“ wie Glücksspiel oder Zahlungen an Inkassoinstitute identifizieren.“ – Tagesschau.de
Der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Schaar gibt zu bedenken, dass die Einwilligung in so etwas selbstverständlich nicht nur positiv enden muss, der Kunde sich am Ende „nackig machen“ muss. Zudem sei nicht garantiert, dass die Schufa über die Kontoauszüge nicht auch Daten Dritter abgreifen könnte. Der Schufa sind die Datenschutzbedenken durchaus bekannt, aber man verlasse sich dabei auch auf die Faulheit der Kunden, wenn es darum geht, Datenschutz-relevante Textpassagen lesen zu müssen.
Als es um den Blick auf Konten ging, stellten Sparkassenvertreter Fragen zum Datenschutz. Eine Schufa-Vertriebsleiterin beschwichtigte. „Datenschutzhürden“ könne man überwinden, indem man Kunden die Ängste nehme. „Ihr Verbraucher wird sich da durchklicken, weil die Leute sind faul und bequem. Die haben keinen Bock auf sowas, und die wollen einfach den Service haben. Und sie klicken das durch. – Tagesschau.de
Bislang seien bei dem Test in Zusammenarbeit mit der Telefonica keinerlei Daten erhoben worden. Bei o2 gibt man sich besonnen. Derzeit arbeite man lediglich gemeinsam an einem Pilotprojekt, die datenschutzrechtliche Verantwortung liege einzig und allein bei der Schufa. Schufa CheckNow werde derzeit noch vom Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht geprüft, ein Statement zum Ausgang der Prüfung wollte die Behörde bisher nicht abgeben.