Reingehört: Shure AONIC 215 True Wireless

Auf der diesjährigen CES 2020 in Las Vegas hatte Shure erstmals seine neue Aonic-Serie, bestehend aus den Shure Aonic 50 und den Shure Aonic 215 True Wireless, vorgestellt. Mittlerweile sind sie auch im Handel zu haben. Letztere durfte ich mir nun in den vergangenen Tagen genauer anschauen und vor allem anhören und will euch an dieser Stelle von meinen Eindrücken berichten.

Die Shure Aonic 215 True Wireless basieren grundsätzlich auf den Ohrhörern der Shure SE215, werden nun aber dank neuer Adapter komplett kabellos, also auch frei vom Nackenband, gemacht und erlauben nicht nur eine aktive Geräuschunterdrückung (bis zu 37 dB), sondern ermöglichen es auf Wunsch des Trägers zudem auch, die Außenwelt dank Environment Mode dennoch besser wahrnehmen zu können.

Spezifikationen:

  • Konnektivität: Bluetooth 5.0 (bis zu 10 Meter laut Hersteller)
  • Akku ermöglicht Laufzeit von bis zu acht Stunden (weitere 24 Stunden durch mitgelieferten Lade-Koffer)
  • geladen wird per USB-Typ-C am Koffer
  • abnehmbare Ohrhörer dank speziellem Connector
  • kostenlose Shure-Play-App mit Equalizer-Funktion und Möglichkeit, Sprachansagen für Power An/Aus, Verbindungsbestätigung und niedrige Akkuladung einzurichten
  • Environment Mode erlaubt Geräusche der Außenwelt ans Ohr durchzulassen
  • 6 mitgelieferte, unterschiedliche Ohrstück-Paare für idealen Sitz
  • einfache Bedienung über Drucktasten in beiden Adaptern hinter dem Ohr
  • Sprachassistenten werden unterstützt
  • unterstützte Codecs: AAC, SBC und aptX
  • in den Farben Transparent, Schwarz, Weiß, Blau erhältlich
  • kein IP-Rating, dennoch laut Hersteller vor Schweiß geschützt
  • Preis: 279 Euro

Im Lieferumfang befinden sich neben den Ohrhörern inklusive Adaptern noch sechs Paar Passstücke, damit auch für jedes Ohr der ideale Halt gefunden werden kann. Sofern die Ohrhörer wirklich richtig sitzen, funktioniert die „Sound-Isolation“ von Shure tatsächlich einwandfrei, daher solltet ihr ein wenig mit den Passstücken herumprobieren, bis alles sitzt. Außerdem dabei: ein kleines Reinigungswerkzeug, ein USB-Typ-C-Ladekabel, der Lade-Koffer und das nötige Papierwerk mit einer knappen Anleitung. Im Hinblick auf die Verarbeitung sämtlicher Bauteile – Ohrhörer sowie Lade-Koffer – ist zu sagen, dass Shure hier wirklich saubere Arbeit abgeliefert hat und die Geräte dadurch auch wirklich hochwertig wirken.

Der Lade-Koffer fungiert quasi nicht nur als Tragetasche für zwischendurch, sondern ist gleichzeitig die Ladestation für die Ohrhörer, da diese keine eigenen Anschlüsse für ein Kabel besitzen. Aber das kennt man ja schon von anderen Geräten. Dabei klickt man nicht die Ohrhörer selbst in den Koffer, sondern vielmehr die beiden Adapter, die an die Ohrhörer angeklemmt werden. Darin befindet sich neben den Ladeanschlüssen auch noch allerlei weitere Technik, zum Beispiel auch die Tasten, mit denen sich die wenigen rudimentären Funktionen der Ohrhörer aktivieren lassen.

Eine rote Lade-LED signalisiert, dass die eingesetzten Ohrhörer geladen werden. Erlischt die LED, dann sind die Geräte auch fertig geladen. Nettes Gimmick: Durch ein schmales Röhrchen im Deckel des Lade-Koffers lässt sich auch von außen die Lade-Aktivität erkennen:

Unterhalb des Koffers befindet sich zum einen der USB-Typ-C-Ladeanschluss, zum anderen aber auch ein Knopf, über den sich der Batteriezustand des Koffers ablesen lässt. Dieses kleine Feature vermisse ich in der Tat bei vielen anderen Geräten dieser Art.

Die Aonic 215 True Wireless selbst fallen eigentlich minimal aus, bestehend sie im Grunde ja auch nur aus den kleinen Ohrhörern. Die eigentlichen Features des Geräts sitzen in den angeklemmten Adaptern (mit dem separat erhältlichen Secure-Fit-Adapter (229 Euro) können alle Shure Sound-Isolating-Ohrhörer mit abnehmbarem Kabel (z.B. SE846, SE535 oder SE425) als True Wireless Ohrhörer genutzt werden, die außerdem auch als Schaltfläche für die Gerätesteuerung herhalten. Bedient wird hier nicht per Touch, sondern über richtige Drucktasten, die allerdings einen recht spürbaren Druckpunkt verfügen. Dank der Adapter sitzen die Ohrhörer nicht einfach in die Ohrmuschel gedrückt, sondern sind extra gesichert – hinters Ohr geklemmt quasi.

Das stört mich als Brillenträger tatsächlich wenig, da sich der Brillenbügel (bei mir) eng an den Adapter legt. Das ist natürlich nicht nur von der Kopfform, sondern auch von den jeweiligen Brillenbügeln abhängig. Zu Beginn war ich mir noch sicher, dass mich die Knöpfe hinter den Ohren irgendwann nerven würden, aber dieser Umstand ist bisher nicht eingetreten und auch auf dem Crosstrainer, beim Fahrradfahren und beim Laufen, stören die Adapter nicht.

Die acht Stunden Laufzeit, die Shure hier von Werk aus angibt, würde ich nach meinen bisherigen Testläufen wohl so unterschreiben wollen. Den Koffer musste ich bislang noch nicht neu laden. Kommen wir aber mal zu meinem größten Kritikpunkt: der Bedienung. Wie bereits erwähnt, werden die Ohrhörer nicht per Touch-Gesten, sondern über Druckschalter bedient, die in die beiden Adaptern hinter den Ohren eingelassen sind. Diese erkennen die folgenden Eingaben:

  • gedrückt halten: Geräte an/aus (schalten sich ansonsten manuell aus, sobald sie in den Lade-Koffer eingesetzt werden)
  • nach dem Einschalten für fünf Sekunden gedrückt halten: Pairing-Modus
  • einmaliges Drücken: Song abspielen/pausieren, Anruf annehmen/beenden
  • gedrückt halten bei eingehendem Anruf: Anruf ablehnen
  • gedrückt halten bei angenommenem Anruf: Anruf stumm schalten
  • doppeltes Tippen: Environment Mode an/aus
  • dreifaches Tippen: jeweiligen Sprachassistenten starten

Ihr seht also, dass sonst übliche Funktionen, wie das Vor- und Zurückschalten der Lieder und auch das Erhöhen oder Reduzieren der Lautstärke, in keinster Weise über die Ohrhörer erledigt werden können. Hierfür muss dann also zwingend das Smartphone in die Hand genommen werden, was meiner Meinung nach gerade für Sportler ein absolutes No-Go ist.

Am Klang der Aonic 215 True Wireless habe ich hingegen überhaupt nichts auszusetzen. Die Bässe sind ausgesprochen kräftig, dennoch harmonisieren auch die Mitten sehr im Klangbild. Lediglich die Höhen kommen in manchen Tracks teils zu schwach rüber, gehen fast unter. Aber das war tatsächlich dann auch nur in den Tracks (Fynn Kliemann hat da eine sehr empfehlenswerte Playlist bei Spotify) der Fall, wo die Bässe auch wirklich im Vordergrund stehen.

Ansonsten bin ich vom Klang der Aonic 215 True Wireless echt angetan, die Geräte lassen sich also nicht nur sehr angenehm tragen, sondern erledigen ihre Arbeit auch nahezu anstandslos. Telefonieren lässt sich mit den Geräten auch problemlos und mit sauberem Klang. Hierbei solltet ihr aber unbedingt den Environment Mode deaktiviert haben, da sonst vor allem der Wind außen sehr störend werden kann. Selbiges gilt auch dann, wenn ihr die Geräte zum Laufen nutzen solltet. Der „Fahrtwind“, der sich dabei zwangsläufig ergibt, rauscht bei eingeschaltetem Environment Mode schon sehr und stört ungemein. Aber: jener Modus funktioniert gerade beim Einkaufen oder sonstigen Aktivitäten, bei denen man seine Umgebung schon noch wahrnehmen sollte, hervorragend. Beim Ausschalten des Modus spürt man dann auch erst richtig, wie gut die Musik im Ohr von den Außengeräuschen durch die Aonic 215 isoliert wird.

Sollten euch also die bereits beschriebenen Mängel bei der Bedienung nicht stören und ihr außerdem das nötige Kleingeld ausreichend locker haben, dann bekommt ihr mit den Shure Aonic 215 True Wireless einen wirklich klasse Sound aufs Ohr, während sich die Geräte komfortabel tragen lassen und auch eine sehr lange Laufzeit bieten. [Update 08.04.2020] Bezüglich der IP-Zertifizierung heißt es von Shure auf Nachfrage: „Die AONIC haben kein IP-Rating, werden aber von Shure so konzipiert, dass sie Feuchtigkeit aushalten. Vor allem, weil sie ja auch der Verwendung auf der Bühne standhalten müssen.

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Benjamin Mamerow

Nordlicht, Ehemann und Vater, hauptberuflich mit der Marine verbündet. Außerdem zu finden auf Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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13 Kommentare

  1. Keine Probleme mit der Verbindung, sprich Aussetzer ? Das klappt z.B. beim Shure-BT2 schon nicht zuverlässig. Stockert schon, wenn ich das Handy hinter den Rücken halte.

    Ansonsten laufe ich seit Ewigkeiten mit den kabelgebundenen 215 und liebe sie.

    • Aktive Geräuschunterdrückung liegt hier tatsächlich nicht vor. Die Mikrofone können lediglich die Umgebungsgeräusche im Environment-Mode wiedergeben. Die angegebene Reduktion von 37 dB, wird hier passiv durch die Schaustoffaufsätze sowie Bauform erreicht.

  2. ChrisDoubleU says:

    Hi Benjamin,
    Vielen Dank für den Test!
    Habe die kabelgebundenen SE 215 und bin vom Klang begeistert (in dem Preisbereich). Daher habe ich auf den Adapter zum Aufrüsten gewartet!

    Ein Frage:
    In anderen Tests wird das notwendige Einschalten vor jedem Musikhören bemängelt. Angeblich muss jeder Hörer einzeln durch kurzes Drücken des Button aktiviert werden.
    Kannst du dies bestätigen?
    Hat dich das ebenfalls gestört oder klappt das problemlos?

    Besten Dank vorab!

  3. Hansmitderwurst says:

    Wie sieht es denn mit der Wasserfestigkeit aus. Wenn ich beim Sport schwitze oder es plötzlich zu regnen anfängt.

    Wäre ja äußerst ärgerlich, wenn dann die Kopfhörer kaputt gehen.

  4. Fast 300 Euro und man kann nichtmal die Lautstärke regulieren?

    Wie kann man ein Produkt so dermaßen nutzer-feindlich konstruieren? Bei einem 10€-Gadget lasse ich mir das noch eingehen, aber bei fast 300€ ist sowas ein absolutes NoGo!

    • Also ich habe sie momentan auch auf meinem Schreibtisch liegen und muss sagen, dass mich das auch aufregt. Ich habe hier 2 High-Res Audio Player von Fiio und die Dinger sind per Bluetooth verhältnismäßig so leise, dass ich nicht wirklich verstehen kann wie man so viel dafür verlangen kann.

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