„Redfall“: Neue Hintergründe zur Entwicklung und zum Launch-Desaster

„Redfall“ wurde von Microsoft vor Veröffentlichung als hochkarätiges First-Party-Spiel beworben. Zurecht möchte man meinen, den die Arkane Studios sind dank Titeln wie „Dishonored 2“ sehr renommiert. „Redfall“ sollte erstmals das typische Arkane-Gameplay mit einer offenen Spielwelt verbinden. Doch es hagelte viele vernichtende Kritiken, die zum Launch nicht nur die zahlreichen Bugs, sondern auch die leere Spielwelt und das monotone Gameplay an sich bemängelten. Bloomberg hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen und will erfahren haben, was wirklich schiefgelaufen ist.

Der ausführliche Bericht stammt von Jason Schreier, der immer wieder mit investigativen Reportagen äußerst spannende Details über die Gaming-Industrie zutage fördert und extrem gut vernetzt ist. Laut Schreier soll „Redfall“ schon vor der Übernahme von Bethesda bzw. Arkane erhebliche Probleme gehabt haben. Demnach hätten die Leiter der Entwicklung, Harvey Smith und Ricardo Bare, sich verhoben und das Projekt unzureichend betreut.

So hätten sie es versäumt, dem Team bei Arkane Austin eine klare Vision zu geben, die interne Kommunikation zu lenken und offene Fragen zu beantworten. Demnach habe es auch intern viel zu lange Unklarheit darüber gegeben, was für ein Spiel „Redfall“ überhaupt sein soll. Aus der Taufe gehoben wurde es ursprünglich, um auf dem Games-as-a-Service-Trend mitzuschwimmen. Erst später entfernte man sich etwas von den Plänen für Mikrotransaktionen, da in der Branche zunehmend Kritik an solchen Modellen für AAA-Spiele lauter wurde.

Arkane Austin ist zudem bisher immer für seine Singleplayer-Titel bekannt gewesen und viele Entwickler waren ratlos, wie man diese Erlebnisse in einen Multiplayer-Titel übertragen sollte. Da Smith und Bare darauf auch keine Antworten lieferten, sollen viele Veteranen abgewandert sein. Diese Lücken waren wohl schwer zu füllen, da auch neue Bewerber für Arkane an Singleplayer-Spielen arbeiten wollten, für die das Studio lange bekannt gewesen ist. Als Folge soll das Team von „Redfall“ mit unter 100 Mitarbeitern viel zu klein für die großen Ambitionen gewesen sein.

Es heißt, das verbleibende Team habe nach der Übernahme durch Microsoft gar gehofft, dass die Redmonder das Spiel entweder einstampfen oder komplett neu aufziehen würden. Stattdessen soll Microsoft sich wohl herausgehalten und darauf gesetzt haben, dass Arkane Austin „das schon macht“. Das Ergebnis dieser Strategie kennen wir heute.

„Redfall“ ist also offenbar der bekannte Flop geworden, weil Microsoft sich zu wenig und nicht zu viel eingemischt hat. Zwar haben Arkane und Microsoft versprochen, den Titel durch Patches zu verbessern, doch ehrlich gesagt fällt es schwer, da noch echtes Potenzial zu sehen. Dafür mangelt es zu sehr an Grundlegendem. Spannender wird sein, ob Microsoft aus der Angelegenheit seine Lektion lernt und kommende Projekte besser betreut. Als Nächstes muss sich da „Starfield“ beweisen.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden.

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3 Kommentare

  1. In einen weiteren Tweet von einem ehemaligen Entwickler habe ich noch lesen können, dass währen der Entwicklungszeit von Redfall ungefähr 70% der Belegschaft, die noch an Pres (2017) gearbeitet haben, das Studio verlassen hatten.

    Keiner von denen wollte so wirklich an einen Live Service Titel arbeiten, was ich absolut nachvollziehen kann.

  2. Spannend hieran ist ja, die ewige Befürchtung wie sich MSFT bei den gekauften Studios einmischen könnte. (Activision/Blizzard)

    Nun hat sich MSFT nicht genug eingemischt und scheint auch nicht ok zu sein 😀

    Spannend wie immer

  3. Ein vernichtender Titel zum Spiel und darunter Werbung, es sich für 80€ zu kaufen. Made my day!

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