readfy: ein erster Blick in die Beta des kostenlosen Bücher-Dienstes

Heute ging ein neuer Dienst in die Beta-Phase, der sehr vielversprechend klingt. Bücher kostenlos lesen, dafür Werbung in Kauf nehmen, alternativ ein Premium (oder Premium Light) Abo abschließen. Flatrate Lesedienste gibt es bereits, insofern will ich hier nur auf den kostenlosen Dienst eingehen. Der Nachteil: Zum Lesen muss eine Internetverbindung bestehen. Wer unterwegs, beispielsweise in der Bahn liest, wird hier früher oder später auf Probleme stoßen. Das liegt natürlich nicht an readfy, sollte aber bedacht werden.

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Die Nutzung der App setzt einen readfy-Account voraus, logisch. Meldet man sich bei der App dann an, bekommt man Highlights aus 15.000 Büchern präsentiert. Alternativ kann man auch nach Titeln, Autoren oder einem Genre suchen oder über die 14 Kategorien einsteigen. Egal, wie man die Bücher auswählt, man bekommt immer das Buch-Cover, das Genre, die Bewertung durch Nutzer, den Titel und den Autor angezeigt. Direkt aus den Listen lassen sich die Bücher zur eigenen Leseliste hinzufügen, man kann eine Rezension verfassen oder einen Kommentar zu dem Buch hinterlassen. Außerdem kann man ein Buch über Twitter und Facebook teilen.

Das Wichtigste bei einer Lese-App ist allerdings das Lesegefühl. Die Inhalte können noch so toll sein, kann man sie nicht gut konsumieren, wird man nicht lange Freude an dem Dienst haben. Die Bücher werden in Kapiteln auf dem Gerät zwischengespeichert. Nach einem Kapitel wird das nächste nachgeladen. Bei langen Kapiteln kein Problem (es sei denn man hat keine Internetverbindung), am Anfang jedes Buches wird jedoch jedes umblättern mit einem nachladen belohnt, bis das erste Kapitel erreicht ist. Direkt beim Einstieg ist das schon nervig. Aber, es ist ja die Beta, vielleicht schafft man es ja, dass die ersten Seiten (Cover, Vorgeplänkel, etc.) als ein Kapitel gewertet werden, dann hat sich das auch erledigt.

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Die Informationen, wie die App im Finalstadium aussehen soll, habe ich nicht, insofern kann ich nur die Beta beurteilen, was unter Umständen dem Endprodukt nicht gerecht wird. Behaltet dies bitte im Hinterkopf, da die nächsten Zeilen nicht unbedingt positiv werden. Ich gehe davon aus, dass dies auch jemand von readfy lesen wird, seht es bitte als Verbesserungsvorschläge, nicht als Kritik an einem unfertigen Produkt.

Man kennt es von anderen Lese-Apps, auch e-Reader bieten die Funktion meistens. Die Personalisierung der Anzeige. Gibt es bei readfy nicht. Die Bücher werden in relativ kleiner Schrift (siehe Screenshots, 8 Zoll Tablet, Auflösung 1024 x 768) dargestellt. Weder die Schrift, noch die Schriftgröße, noch die Hintergrundfarbe lassen sich anpassen. Gut, kann man bei einem Buch aus Papier auch nicht, sollte digital aber schon zum Standard gehören. Wer schlechtere Augen hat, wird hier keine Freude haben.

Die Einstellungen beschränken sich auf die Anzeige der Seitenzahl (an/aus), die Bildschirmausrichtung (kann in allen vier möglichen Positionen gelocked werden), das Abstellen der Displaysperre und die Minimierung weißer Passagen (unnötige Leerzeichen werden entfernt). Ich gehe einfach einmal davon aus, dass sich dies mit kommenden Versionen noch ändern wird und es mehr Einstellungs-Optionen geben wird.

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Innerhalb eines Buchs kann man über einen Schieberegler schnell durch ein Buch navigieren. Leider wird hier nicht die Seitenzahl angezeigt, sondern der Prozent-Fortschritt des Buchs. Gut ist hingegen, dass die aktuelle Lesestelle auf der Leiste markiert ist, so kann man schnell noch einmal zurückblättern und findet die aktuelle Stelle ebenso schnell wieder. Auch merkt sich die App, an welcher Stelle man ein Buch verlassen hat, egal ob man die App beendet oder einfach wieder zurück ins Hauptmenü geht. Man muss also keine manuellen Lesezeichen setzen, kann dies aber tun.

In Leselisten kann man die Bücher sammeln, die man später lesen möchte. Die Listen müssen manuell benannt werden, es wird also nicht per Default beispielsweise das Genre als Listenname vorgeschlagen. Ist für viele eine Kleinigkeit, mich stört es.

Über die angebotenen Inhalte muss jeder selbst urteilen. Und hier kann readfy auch seine Stärke des kostenlosen Angebotes ausspielen. Jeder kann sich in Ruhe umschauen, ohne eine Investition tätigen zu müssen. Die 14 verfügbaren Genres sind bereits gut gefüllt, insofern ist genug Lesestoff geboten. Interessant wird es sein, wie schnell neue Bücher eingepflegt werden.

Insgesamt muss man sagen, dass readfy durchaus Potential hat. Die App wirkt jetzt schon relativ durchdacht, auch wenn man ihr den Beta-Status sofort anmerkt. Leider wurde mir noch keine Werbung vorgesetzt, ich kann mir aber vorstellen, dass diese bei der kostenlosen Version zwischen den Kapiteln erscheint. Nimmt man dann halt hin oder führt ein Upgrade auf die Abo-Versionen aus. Wer gerne liest, sollte sich die Beta einfach auf readfy.com schnappen und selbst hineinschnuppern (und danach gerne Feedback in den Kommentaren hinterlassen). Die Frage ist, ob sich so ein Dienst finanziell halten kann, vor allem mit einem werbefinanzierten Angebot. Aber da werden sich die Köpfe hinter readfy bestimmt Gedanken zu gemacht haben.

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Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

15 Kommentare

  1. Hmm leider kann ich readfy.com nicht erreichen. 🙁 Hat noch einer das Problem?

  2. Bei mir geht die Seite aktuell auch nicht auf… 🙁

  3. Sascha Ostermaier says:

    Jo, scheint im Moment down zu sein. Einfach später noch einmal probieren.

  4. Ja klar, „kostenlos“, da rennen alle Caschy-Leser los uns überlasten den Server,

    Nun gut, scheint eh nicht so spannend zu sein (wer will schon auf einem Tablet lesen, wenn es Reader gibt?) – also zu verschmerzen, wenn man nicht reinkommt. Gibt außerdem ein ganz guten Blick auf die Planung des Dienstes, gleich zu Beginn an der Kapazität zu sparen.

  5. Sascha Ostermaier says:

    @Ich: Ich kenne mehr Leute, die auf Tablets und Smartphones lesen (also richtig lesen), als auf einem Reader. Verstehe ich zwar auch nicht, scheint aber viele nicht zu stören.

  6. Meine Frau liest auch auf dem iPad, mein Schwie-Pa auch. Haben damit keine Probs, sind aber keine Dauerleser. Die greifen zum Kindle (bzw einem READER im eigentlichen Sinne).

  7. Eine richtige Flatrate für den Kindle wäre allerdings eine feine Sache, die schon bestehende Prime-„Flatrate“ ist aufgrund ganz schwacher Bücherauswahl wenig reizvoll.

  8. Sascha Ostermaier says:

    @Frederik Niedernolte: Skoobe nutzt meine Frau auch, allerdings ist die Auswahl dort recht eingeschränkt (kommt natürlich auf den persönlichen Geschmack an). Konkurrenz in diesem Bereich ist sicher gut für jede Leseratte, da die DIenste so gezwungen sind, besser zu werden.

  9. Sascha sagt:
    „Die Nutzung der App setzt einen readfy-Account voraus, logisch.“

    Ich finde das nicht zwingend logisch, bei entsprechender App-Auslegung ist das natürlich nicht falsch, aber vorstellbar wäre auch ein accountloses, werbebegleitetes Lesen.

    Dass kein Lesen mit einem eBook-Reader möglich ist, ist für mich leider ein No-Go. Als, an die Vorzüge von eBook-Readern gewöhnter Vielleser, wäre das ein für mich nicht akzeptabler Rückschritt.

    Aber das readfy-Modell finde ich schon interessant.

  10. @Sascha: Ja, es gibt erstaunlich viele, die auf einem Tablet lesen. Das können aber nur diejenigen sein, die noch nie einen Reader vor Augen hatten (oder aber so verliebt in ihr Tablet sind, dass sie unbedngt alles damit machen wollen).

    Mal ein Magazin, ja, gerne, aber Lesen – also wirklich Buch – nur mit eInk. Insofern volle Zustimmung an Bodo.

  11. Ich lese ausschliesslich auf dem Nexus 7.
    Wüsste auch nicht, warum ich mir noch extra einen Reader zulegen sollte. Und ja, ich lese häufiger und nicht bloß 30 Seiten im Jahr 😉

    Zur App selbst:
    klingt interessant, da manche eBooks nach wie vor unverschämt teuer sind.
    Allerdings halten mich die genannten Nachteile und Einschränkungen derzeit von einem Test ab. Da warte ich lieber bis zum Full Release und schaue, ob es Verbesserungen gibt.

  12. Tja das ist aber nicht sooo toll: Seite nicht erreichbar und im Play Store findet sich die App noch nicht …
    ‚Zum Start von readfy ist die App für Smartphones und Tablets mit Android-Betriebssystemen verfügbar‘ – das war dann mal ein schlechter Start. Man bekommt weder die App aufs Gerät noch sieht man welcher Bücher zur verfügung stehen …

  13. Sascha Ostermaier says:

    @Matze.B: BETA… http://readfy.appsrise.de/www/ Ich hab heute früh die App problemlos laden können, wenn der Server durch den Andrang in die Knie geht… kommt vor, passiert hier auch oft genug. 😉 kannst ja bis Sommer warten, wenn das finale Produkt dann offiziell startet und Dich dann über einen schlechten Start „beschweren“.

  14. Ist ja erst mal kein großes Drama (für mich) – nur schade dass eine BETA doch so schlecht vorbereitet startet, dabei bleibe ich. 🙂 Z.B. die Web-Medien wollen sich das ja sicher auch mal anschauen und da ist so etwas sicher nicht förderlich, nicht zuletzt potentielle Werbekunden werden ja schauen wo sie ihr Geld investieren.
    Ach und Danke für den Link – der scheint ja ein offizieller zu sein ..