Privacy International: Offener Brief an Google – „Bloatware“ muss jederzeit deinstallierbar sein

In einem offenen Brief an Google fordert Privacy International gemeinsam mit über 50 anderen namhaften Unterzeichnern (darunter DuckDuckGo, Media Watch oder auch die Digital Rights Foundation) einer entsprechenden Kampagne das Unternehmen dazu auf, sich um die bestehende Problematik mit vorinstallierter „Bloatware“ auf Android-Smartphones zu kümmern.

Im Detail geht es den Unterzeichnern darum, dass jene Bloatware vom Käufer oftmals nicht deinstalliert werden kann, diese dafür aber wohl häufig in der Lage ist, eigene Berechtigungen auf dem betroffenen Gerät zu besitzen und sich so am Google-Sicherheitsmodell von Google Play Protect vorbeizumogeln. Dadurch entstehen für den Nutzer schnell Sicherheitsrisikos, über die sich der eine oder andere oft gar nicht bewusst ist. Daher wird Google im Schreiben dazu aufgefordert, nachfolgende Änderungen vorzunehmen:

  • Der Einzelne sollte in der Lage sein, die Apps dauerhaft auf seinem Handy zu deinstallieren. Dies sollte auch alle zugehörigen Hintergrunddienste umfassen, die auch dann weiterlaufen, wenn die Apps deaktiviert sind.
  • Vorinstallierte Apps sollten die gleiche Prüfung wie Play Store-Apps durchlaufen, insbesondere in Bezug auf benutzerdefinierte Berechtigungen.
  • Vorinstallierte Apps sollten über einen Aktualisierungsmechanismus verfügen, vorzugsweise über Google Play und ohne Benutzerkonto. Google sollte die Zertifizierung eines Geräts aus Datenschutzgründen verweigern, wenn Hersteller oder Anbieter versucht haben, Nutzer auf diese Weise auszunutzen.

Ob sich Google zeitnah und offen hierzu zu Wort meldet, bleibt abzuwarten. Doch ich vermute stark, dass dem Unternehmen sehr daran gelegen ist, seinen Nutzern gerade in solchen Belangen nicht vor den Kopf zu stoßen. Daher gehe ich mal davon aus, dass bereits an einer entsprechenden Antwort geschrieben wird, auch wenn ich noch nicht glaube, dass wirklich alle Forderungen überhaupt und wenn dann zeitnah umgesetzt werden.

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Benjamin Mamerow

Nordlicht, Ehemann und Vater, hauptberuflich mit der Marine verbündet. Außerdem zu finden auf Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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19 Kommentare

  1. +1 von mir

  2. In Südkorea ist es gesetzlich verboten

  3. Das muss die EU per Gesetz machen. Sonst wird Google da nichts machen. Sie verdienen doch Geld damit.

    • Die Handyhersteller verdienen damit, nicht Google. Google versaut sich nur den Ruf, bzw den Ruf des eigenen Produktes „Android“, bekommt dafür lediglich ein gesteigertes Interesse der Hersteller, Android zu nehmen, weil sie da ein paar Dollar je Gerät mit diese Vorinstallierten Apps verdienen können.

  4. Bei google zu beginnen ist vermutlich nicht falsch, aber dort sollte nicht aufgehört werden. Hatte mal ein Samsung Handy und dort gab es 10-20 Samsung fremde Apps, die nicht deinstalliert werden konnten. Danach nie wieder Samsung.

    • Das ist nicht mehr so. Leider kann man Facebook nur deaktivieren aber nicht deinstallieren, ebenso einige Samsung-Apps, aber so viele wie früher sind es nicht mehr.

  5. Bloatware wird von den Smartphone Hardware Hersteller installiert und nicht von Google. Google kann für die Bloatware nichts. Theoretisch könnte Google nur noch Android Lizenzen für Smartphones ohne Bloatware vergeben oder vorschreiben, dass diese Deinstallierbar sein müssen.

    • Genau das wird leider die Antwort sein.

    • Ich glaube es geht um die Google-eigen Bloatware. Einfach mal in ein Pixel-Gerät schaun, was da alles an Apps auf der System-Partition liegt. Das kann alles nicht ohne weiteres deinstalliert werden.

      • Deinstalliert werden kann es nicht, aber man kann Apps deaktivieren. Ja, sie belegen noch ein paar MB, aber sie sind ansonsten weg. Geht bei mir auf einem Pixel mit Play Music, Gmail und Play Filme super (den Rest brauche ich; ich hatte temporär mal Chrome deaktiviert, das hatte ich keine negativen Einflüsse auf das System).

        • Apps die Google wichtig sind kann man nicht deaktivieren. z.B. den Pixel-Launcher, die Play Services oder „Digital Wellbeing“.

          Klar ist das nicht so viel wie bei Samsung. Aber Google hat natürlich auch eigene Bloatware die nicht deaktiviert werden kann.

    • Genau, Deinstallierbarkeit – oder wenigstens Deaktivierbarkeit muss vorhanden sein – sonst keine Google Apps Lizenz.

      Ich könnte auch immer kotzen, dass ich die ganzen unnötigen Samsung Apps (Kalender, Email, BIXBY(!!!), Samsung Pass, …) nicht vom Tab S4 bannen kann und die immer munter weiter laufen. Teilweise kann man nichtmal die Benachrichtigungsfunktion deaktivieren (dieses Samsung Dashboard Dingsda, weiss den Namen gerade nicht).

      Würden vermutlich sowieso nur max. 5% der User machen. Aber die wären leicht zu besänftigen.

  6. Thomas Höllriegl says:

    Ich habe seinerzeit ein Samsung Galaxy 8 gekauft. Ausgepackt, gestartet und Facebook auf der Startseite gesehen. Wollte es deinstallieren, ging nicht. Gerät eingepackt und zurückgeschickt.

    Ehrlich gesagt, will ich auch die Apps von Samsung nicht am Telefon haben. Ich nutze Gmail, Google Drive usw., die Samsung-Apps können sie sich behalten. Solange dies alles nicht deinstallierbar ist, kommt Samsung für mich nicht in Frage. Pure Android ist ein Auswahlkriterium für mich.

    • Same here!
      Habe notgedrungen ein Samsung Tablet. Sehr gutes Teil, aber diese ganzen Samsung Apps… Grausam.
      Beim Tablet bin ich noch einigermaßen bereit das zu tolerieren, aber beim Smartphone kommt für mich ausnahmslos auch nur noch Stock Android in Frage.

      • Bei meinem Galaxy Tab A 2019 ist da nichts außer dem Launcher, was für mich wahrnehmbar wäre, ohne dass ich da intensiv drauf hin gearbeitet habe. Am ersten Abend alles was mir aufgefallen ist direkt in die Unsichtbarkeit verbannt. Da ist auch nichts, was irgendwie wahrnehmbar Akku im Hintergrund frisst.
        Ich hatte viel, viel schlimmeres erwartet, aber aufgrund der Updates und des Preises dann doch das Samsung Tablet gekauft – seit dem Ur-Galaxy-Desaster mein erstes Gerät von Samsung.

  7. Wenn ich jetzt die Geräte betrachte die ich im Laufe der Zeit hatte. Das waren Sony, Samsung, Motorola und Xiaomi. Ehrlich gesagt, wirklich unnötiger, nicht entfernbarer Mist gab es bei allen außer bei Motorola, da war es nur das was unter Action läuft und ein Shop welchen ich hätte entfernen können. Da waren alle anderen Hersteller um einiges aufdringlicher.
    Natürlich kann man da an Google rantreten, aber sollte man das nicht beim Hersteller machen der seine eigene Oberfläche drüberklatscht?
    Und wäre es nicht sinnvoll wenn man sich dann an die EU wendet und dieses per Gesetzt einfach verbietet für Geräte die aus und im EU-Raum verkauft werden?

  8. Für alle Interessierten: So kann man vorinstallierte Apps entfernen: https://www.heise.de/tipps-tricks/Android-Vorinstallierte-Apps-loeschen-ohne-Root-4324092.html

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